Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin in einem Land geboren, das es heute nicht mehr gibt. Und ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren, einer Stadt, die es namentlich heute auch nicht mehr gibt. Trotzdem kennt man sie; denn sie ist die Kulturhauptstadt Europas 2025: Chemnitz.
Als die Mauer fiel, war ich fünf Jahre alt, bei der Wiedervereinigung sechs. Ich durfte in einem wiedervereinten Deutschland aufwachsen, in einem Land, in dem ich heute wählen und mich zur Wahl stellen darf, in einem Land, in dem ich über die Zukunft unseres Landes mitdiskutieren und mitbestimmen darf, und in einem geeinten Deutschland. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich sehr dankbar.
Viele Entscheidungen der Wendejahre hatten direkte Auswirkungen auf mich, meine Familie und damit auch auf meine Stadt. Einst reichste Stadt Deutschlands, Metropole der Industrie und Treffpunkt großer Künstlerinnen und Künstler, wurde Chemnitz 1953 zu Karl-Marx-Stadt und damit zur sozialistischen Musterstadt. Breite Straßen, Plattenbaugebiete und volkseigene Industrie prägten das Stadtbild. Dann, 1990, wurde die Stadt wieder zu Chemnitz, und von über 300 000 Menschen zogen Zehntausende weg. Zeitgleich gab es ein neues politisches System, eine neue Währung, eine radikale Umstrukturierung der Betriebe. Viele wirtschaftliche Entscheidungen wurden über unsere Köpfe hinweg getroffen. Der Osten wurde nicht zum Westen – bis heute nicht.
Nur zwei kurze Beispiele – wir haben es schon gehört –: Die durchschnittlichen Vermögen der ostdeutschen Haushalte betragen weniger als die Hälfte dessen, was im Westen Standard ist. Auch die Löhne liegen vielerorts noch immer 20 bis 30 Prozent unter denen des Westens. Aber vielleicht muss der Osten auch gar nicht wie der Westen werden. Denn in Sachen Kitaplätze, Entwicklungsmöglichkeiten, kreative Spielräume beispielsweise war und ist der Osten dem Westen möglicherweise sogar schon ein ganzes Stück voraus.
Es bleibt dabei: Ja, es gibt Unterschiede. Und davor dürfen wir die Augen nicht verschließen. Aber jetzt gilt es, aus den Unterschieden nicht noch mehr Trennung zu machen, sondern Stärke – egal ob Ost oder West, Nord oder Süd.
Viele der im Antrag der Linken genannten Punkte sind aus unserer Sicht aber ein Schritt in die Vergangenheit: von der Verstaatlichung bis zu externen Eingriffen in den Markt. Das sind beschriebene Zustände, die im Osten niemand zurückhaben möchte. Daher lehnen wir diesen Antrag ab.
Lassen Sie mich noch einen letzten Satz zum Thema „Deutsche Einheit“ ergänzen. Freiheit und Einheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen jeden Tag aufs Neue auch von uns hier verteidigt werden.
Vielen Dank.
Die nächste Rednerin ist Diana Zimmer für die AfD-Fraktion.