Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir brauchen eine Regierung, die sich für Sicherheit und Stabilität einsetzt. Ihre mühevoll inszenierten Bilder der letzten Tage sind aber leider eher mehr Schein als Sein. Eine Außenpolitik nur auf sicherheitspolitische Aspekte zu reduzieren, ist gefährlich und kurzsichtig. Diplomatie und internationale Zusammenarbeit sind kein Beiwerk, sondern Kerngeschäft von Außenpolitik. Während der amerikanische Präsident demokratische Werte und internationale Übereinkünfte angreift, sprechen manche in der neuen Koalition immer noch so, als ob es die letzten Monate nicht gegeben hätte.
Liebe Koalition, das ist Realitätsverweigerung. Bisher sehen wir vor allem vom Bundeskanzler viel Inszenierung und großes Tamtam. Aber ganz ehrlich, Herr Merz: Die Taten sollten eben auch zu den Worten passen. Vormittags über europäische Einigkeit zu reden und nachmittags Grenzkontrollen einzuführen, das untergräbt den Kern der EU und ist genau das Gegenteil von europäischer Einigkeit.
Man sieht eine Außenpolitik, deren einziges Konzept ist: „Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis“, so zu sehen bei der Nord-Süd-Kommission oder dem Nationalen Sicherheitsrat. Ich hoffe vor allen Dingen, dass man in den nächsten Wochen mal mehr Außenpolitik vom Außenminister als vom Kanzler sieht.
Wenn wir eine führende Rolle in der Welt übernehmen und Glaubwürdigkeit erfahren wollen, brauchen wir schnell einen Haushalt, der die multilateralen Institutionen deutlich stärkt und die Finanzierung für humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und internationalen Klimaschutz erhöht.
Denn wir wissen: Wenn wir das nicht tun, dann treten in die Lücke, die die USA hinterlassen, vor allen Dingen China und andere. Und das müssen wir verhindern.
Internationale Verantwortung ist kein Gutmenschentum, sondern vorausschauende Interessenpolitik. Dazu gehört auch die konsequente Verteidigung der Universalität des Völkerrechts und der internationalen Gerichtsbarkeit gegenüber Gegnern wie Freunden, ohne Doppelstandards. Ich erwarte von Ihnen, Herr Außenminister, dass Sie sich jederzeit und überall sehr klar dafür einsetzen.
Die globalen Herausforderungen lassen sich nicht lösen, wenn jedes Land nur für sich selbst kämpft. Wir müssen die Sicherheit des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig auf das Wohl aller hinarbeiten. Übrigens ist genau das die Idee von feministischer Außenpolitik; es gab ja ein bisschen Verwirrung darüber, lieber Herr Wadephul. Mein Tipp wäre da: Ein bisschen mehr Baerbock wagen!
Dafür wünsche ich Ihnen, Herr Außenminister, und Ihnen, liebe Staatsminister, ein gutes Händchen. Sie können sich dabei auf uns verlassen: Wir werden Sie immer wieder daran erinnern, was das Ziel und vor allen Dingen der richtige Weg ist.
Herzlichen Dank. – Wir setzen die Debatte fort. Ich erteile als Nächstes das Wort der Abgeordneten der Linken, Janina Böttger, zu ihrer ersten Rede.