Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Wir reden heute über die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Südsudan. Ganz ehrlich: So wie das hier jedes Jahr abläuft, könnte man denken, es gehe um eine Routineprüfung wie beim TÜV: Man verlängert, stempelt ab und fertig.
Die Entscheidung über einen weiteren Militäreinsatz unserer Bundeswehr ist jedoch kein TÜV-Termin. Da geht es um Menschen, um Verantwortung, um Sinn und Ziel. Seit Jahren sichern deutsche Soldaten im Südsudan ein Friedensabkommen, das zwar auf dem Papier steht, aber vor Ort nicht gelebt wird. Und trotzdem sagt die Bundesregierung wieder: „Wir machen weiter“ – ohne klaren Plan, ohne Exit, ohne zu sagen, was überhaupt erreicht werden soll.
Im aktuellen Lagebericht des Verteidigungsministeriums heißt es, die Sicherheitslage bleibe fragil und Fortschritte seien kaum messbar. Übersetzt heißt das: Es bewegt sich nichts, das Friedensabkommen ist reine Makulatur, die Wahlen 2026 sind nur ein politisches Wunschdenken. Trotzdem will man das Mandat verlängern – ohne Ziel, ohne Plan und ohne Bilanz.
Wann sind denn Ihre Erfolgskriterien für diesen Einsatz erfüllt? Wenn etwa keiner mehr schießt? Wenn das Mandat möglicherweise alt genug ist, um mit 60 in Rente zu gehen? Der Wehrbeauftragte schreibt: Viele Soldaten fragen sich, wofür sie eigentlich vor Ort im Einsatz sind und ihr Leben riskieren. – Das wundert mich nicht. Wir brauchen endlich einen klaren Plan: Wie lange bleiben wir noch dort? Was muss passieren, damit dieser Einsatz endlich endet? Und wer übernimmt dann Verantwortung im Land? Der Frieden im Südsudan kommt nicht aus Berlin, und er steht auch in keinem Mandatstext, sondern er entsteht vor Ort oder gar nicht.
Herr Präsident, meine Damen und Herren, wir stimmen dem UN-Mandat dieses Mal zwar noch zu, nicht weil die Regierung uns überzeugt hat, sondern weil wir erwarten, dass endlich Erfolgskriterien definiert werden, welche für diesen Einsatz, aber auch für alle weiteren Einsätze gelten und die Grundlage einer zwingenden Exitstrategie darstellen.
Es darf nämlich kein Verlängern ohne Ziel, ohne Plan und ohne Bilanz geben. Wer keine Exitkriterien vorgibt, bleibt gefangen in einem politischen Status quo.
Meine Damen und Herren, das, was Sie hier Jahr für Jahr machen, ist nicht nur ein Durchwinken, sondern politisches Versagen, und zeugt von mangelnder Führungskompetenz.
Wir fordern: Vergessen Sie endlich Ihren Traum von einem Sitz im UN-Sicherheitsrat; die Chance darauf haben Sie ja mit Ihren Beziehungen zu den USA, China und Russland letztlich selbst zerstört. Wir fordern: keine Showpolitik, sondern klare Realpolitik für die Menschen vor Ort und unsere Soldaten. Entwickeln Sie endlich Erfolgskriterien für eine zielgeführte Exitstrategie.
Danke.
Für die SPD-Fraktion darf ich Gabriela Heinrich das Wort erteilen.