Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Klingbeil, wir haben einen Antrag zur Lage der Wirtschaft angemeldet. Und ich möchte nicht beginnen mit den schlechten Zahlen, die diese Wirtschaft gerade erlebt. Ich möchte vielmehr beginnen mit der Chance, die Sie beide gerade haben.
Sie haben eine gigantische Chance durch ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro durch diesen Deutschen Bundestag erhalten, eine Chance darauf, dieses Land wirklich besser zu machen: ein Land, das funktioniert, eine Bahn, die pünktlich kommt, ein Land, in dem Brücken saniert sind, ein Land, in dem die Schulen so gut sind, dass unsere Kinder gerne lernen.
Gerade diese Chance sollten Sie endlich nutzen. Darum geht es uns. Sie haben die Chance, diese Wirtschaft wirklich in Schwung zu bringen, und die hätte es so bitter nötig, dass Sie handeln angesichts der Stagnation, die wir gerade erleben.
Sie haben die große Chance, Sicherheit für die Jobs in unserem Land zu schaffen, in einer Zeit, in der so viele um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes bangen. Und Sie haben die Chance, wirklich in die Zukunft zu investieren, in eine Industrie, die umstellt auf Klimaneutralität, und in eine Energieversorgung, die wirklich sauber ist.
Sie, Herr Merz, und Sie, Herr Klingbeil, hätten die Chance für einen Aufbruch, für ein Land, das besser gelaunt wäre, und vielleicht sogar auf eine Koalition, die besser gelingt.
All das lassen Sie leider – ich sage wirklich „leider“, auch als Oppositionsfraktion – liegen, weil Sie dieses Sondervermögen, weil Sie diese gigantischen 500 Milliarden Euro eben nicht nutzen für das, wofür es eigentlich gedacht war, weil Sie eben nicht wirklich investieren in ein Land, das besser funktioniert, sondern weil Sie das Geld versenken in einem Bundeshaushalt, wo Sie die Löcher kaum gestopft kriegen und trotzdem die Wahlgeschenke der CSU finanzieren müssen.
Mit all dem, was Sie gerade tun, schaden Sie der Wirtschaft in unserem Land. Das sagen Ihnen nahezu alle. Nahezu alle Ökonomen in diesem Land stellen Ihnen ein verheerendes Zeugnis aus. Das sagen Ihnen die Unternehmensverbände, das sagen Ihnen die Gewerkschaften, und das sagen auch wir Ihnen, gerade wir, die wir mit Ihnen so hart um dieses Sondervermögen gerungen haben.
Sie könnten einen Wachstumseffekt für unsere Wirtschaft erzeugen, der doppelt so hoch wäre wie der, den Sie jetzt nur gerade so ermöglichen können; das haben Ihnen die Wirtschaftsweisen gestern noch einmal schwarz auf weiß aufgeschrieben. Das ist die Chance, die Sie gerade verspielen. Das ist die Chance für unsere Wirtschaft, die Sie gerade verstreichen lassen. Und ich sage Ihnen: Wenn Sie diese Chance nicht nutzen, dann schaden Sie Deutschland. Das ist die Bilanz Ihres Handelns.
Ich halte diese Rede nicht, um Ihnen zu sagen, dass das doof ist, was Sie machen, sondern ich halte diese Rede, weil ich davon überzeugt bin, dass Sie noch umkehren können, weil ich davon überzeugt bin, dass Sie noch umkehren sollten.
Gute Politik – das richte ich an CDU/CSU und SPD – zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man keine Fehler macht. Gute Politik zeichnet sich dadurch aus, dass man in der Lage ist, Fehler zu korrigieren.
Das sage ich vollständig ohne Häme. Auch wir waren vor Kurzem noch Teil einer Koalition. Auch wir wissen, dass man manchmal Kompromisse macht, nur für den Koalitionsfrieden, damit der Streit ein Ende hat. Das ist menschlich nachvollziehbar. Aber in einer Zeit wie dieser ist es trotzdem nicht richtig. Wenn die Menschen vor Ort sehen, dass die Turnhallen marode sind, wenn die Menschen vor Ort sehen, dass die Schwimmbäder schließen, wenn die Menschen vor Ort sehen, dass kein Geld für die Jugendarbeit mehr da ist, dann schadet das dem Zusammenhalt dieses Landes, –
Frau Kollegin.
– und dann schadet das am Ende der Demokratie.
Das ist Ihre Verantwortung.
Sie haben noch eine Chance. Nutzen Sie sie! Machen Sie es besser!
Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Lars Rohwer das Wort erteilen.