Sehr geehrter Herr Präsident! Vielen Dank für die nette Einführung. – Ich möchte gleich mit einem weiteren Dank starten. Als neugewählter Abgeordneter bin ich sehr dankbar, dass der alte Bundestag mit der Grundgesetzänderung zum Sondervermögen und der ersten Reform der Schuldenbremse kluge und notwendige Beschlüsse gefasst hat. Das gibt den neuen Abgeordneten, dem gesamten 21. Deutschen Bundestag und auch meiner Generation in Gänze Handlungsmöglichkeiten, um dieses Land endlich wieder auf Vordermann zu bringen. Es war und ist im wahrsten Sinne des Wortes höchste Eisenbahn. Zu dieser Einsicht sind einige aber leider erst nach der Bundestagswahl gekommen.
Als ich letzte Woche zurück nach Hause ins schöne Nordfriesland gefahren bin, wurden meine Mitfahrenden und ich im ersten Bahnhof nördlich von Hamburg rausgeworfen – Grund: Stellwerksstörung zwischen Itzehoe und Heide. Empfohlene Alternativroute: mit dem nächsten Zug statt in Richtung Westerland in Richtung Flensburg und ab Schleswig quer rüber nach Husum; neue Ankunftszeit aber „nur“ eine Stunde später. – Am Bahnsteig wartend erkannte mich eine Frau aus meiner Heimatstadt Husum und meinte – noch sehr wohlwollend und zugewandt – zu mir: Herr Reichardt, bitte setzen Sie sich dafür ein, dass so etwas nicht mehr so oft passiert. – Sie sagte nicht mal „gar nicht mehr passiert“, sondern „nicht mehr so oft“. Solche und andere Geschichten kennt sicherlich jeder und jede von Ihnen hier.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehen Sie es mir nach, dass ich jetzt noch ein paar Beispiele aus meinem Wahlkreis bringe, die sich aber sicherlich so oder in abgewandelter Form auf die ganze Republik übertragen lassen.
Wir an der Westküste – da wird Stefan Seidler sicherlich gerne zustimmen – kennen die Situation, wie beschrieben, an der Marschbahn zwischen Hamburg und Sylt mit den unerträglich vielen Verspätungen und Zugausfällen besonders gut. Es gab vermutlich nie bessere Rahmenbedingungen zur Behebung des Zustandes, dafür, so existenziell wichtige Maßnahmen wie den zweigleisigen Ausbau von Niebüll nach Westerland oder unendlich viele notwendige Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an unseren Straßen und Schienen in ganz Deutschland umzusetzen, damit unbefriedigende Zustände behoben werden, der Warenverkehr fließt und Pendlerinnen und Pendler zuverlässig ankommen.
Aber nicht nur auf unseren Schienen und Straßen liegen enorme Sanierungsarbeiten und Herausforderungen vor uns, sondern auch auf und am Wasser. Auch hier gibt es ein Beispiel aus meinem Wahlkreis. Nordfriesland hat ja neben Sylt noch weitere schöne Inseln, auf denen auch viele von Ihnen gerne Urlaub machen und auf die Sie auch in Zukunft gerne gut und sicher kommen möchten, zum Beispiel Pellworm. Pellworm hat einen Fähranleger, von dem aus die Insulanerinnen und Insulaner unabhängig von Ebbe und Flut aufs Festland fahren können. Problem: Er zerbröselt. Der Investitionsbedarf liegt bei 25 Millionen Euro. Es müssen nun alle staatlichen Ebenen das Heft in die Hand nehmen, wenn die Insulanerinnen und Insulaner auch zukünftig nicht nur wattwandernd aufs Festland kommen sollen.
Ich will den Pellwormerinnen und Pellwormern nicht Gummistiefel besorgen müssen, sondern sagen: Wir investieren, und zwar jetzt und nicht nur auf Sylt und auf Pellworm, sondern im ganzen Land,
aber – und das ist so ähnlich vom Minister gerade auch schon angesprochen worden – verantwortungsvoll, mit Bedacht und mit dem Blick für das, was wirklich notwendig ist.
Die Bürgerinnen und Bürger haben zu Recht den Anspruch darauf, dass das Land funktioniert – nicht nur im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, aber eben vor allem da; denn da merken sie es jeden Tag. Die Voraussetzungen dafür haben wir geschaffen, jetzt geht es um die Umsetzung. Und so habe ich das auch der Bürgerin am Bahnsteig erklären können.
Also packen wir es an, damit wir am Ende dieser vier Jahre Ergebnisse sehen können und damit Menschen wie die Frau am Bahnsteig dem Staat und der Demokratie gewogen bleiben! Die Bagger müssen rollen, in Südschleswig genauso wie im Schwarzwald.
Vielen Dank.