Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der eine oder andere fragt sich vielleicht: Warum müssen wir eigentlich so viel Geld für Forschung, für Technologie, für Raumfahrt ausgeben?
Ich will Ihnen mal ein einfaches Beispiel nennen: Jeder von Ihnen kennt jemanden, der an Krebs erkrankt ist. Wir sprechen nicht umsonst davon, dass das eine Volkskrankheit ist. Um Krebs wirklich effektiv bekämpfen zu können, wurde vor einigen Jahren eine enorme Forschungsinitiative gestartet, und wir sind heute in der Therapie deutlich weiter als davor.
Auch heute stehen wir wieder vor gewaltigen medizinischen Herausforderungen, nämlich postinfektiösen Krankheiten, vor allem Long Covid und ME/CFS. In Deutschland sind inzwischen über 1,5 Millionen Menschen betroffen. Das ist dramatisch für die einzelnen Menschen. Das ist aber auch ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden. Deswegen sagen wir diesen postinfektiösen Krankheiten jetzt endlich den Kampf an.
Kolleginnen und Kollegen, das Leben dieser Menschen ist wirklich bedrückend. Auch ganz junge Menschen, die vorher ganz aktiv waren, viel Sport gemacht haben, werden aus dem Leben gerissen. Sie liegen jetzt in abgedunkelten Zimmern mit Augenmaske, mit Ohrenschützern. Jede Bewegung macht sie müde. Sie können sich überhaupt nicht mehr engagieren. Diese Menschen brauchen Hoffnung. Sie brauchen Perspektiven. Sie brauchen Solidarität.
Die Bundesregierung kann jetzt jährlich 50 Millionen Euro in die Erforschung dieser postinfektiösen Erkrankungen investieren; das ist bis 2035 eine halbe Milliarde Euro. Das ist eine enorme Zahl, und das zeigt vor allen Dingen: Wir nehmen postinfektiöse Krankheiten und die Betroffenen wirklich ernst.
Wir haben uns hier alle gemeinsam dafür eingesetzt, dass es jetzt diese Dekade gegen postinfektiöse Krankheiten gibt, und ich denke, Carsten, wir beide können noch mal großen Dank an Karl Lauterbach und an Stephan Albani sagen; denn das sind die beiden, die die Konzepte hier aus dem Parlament heraus geschrieben haben. Das ist wirklich ein Ausdruck der Solidarität mit den vielen Betroffenen. Deswegen noch mal herzlichen Dank an euch beide!
Die Bundesregierung kann jetzt dreimal mehr Geld ausgeben, als ursprünglich geplant war. Das ist angesichts der angespannten Haushaltslage, die wir nun mal haben, ein ganz wichtiges Signal. Das zeigt aber auch, wie wichtig bürgerschaftliches Engagement ist.
Wir alle hier im Bundestag haben ganz viele Briefe von Betroffenen bekommen; wir haben ganz viele Gespräche geführt. Diese vielen Schilderungen der Menschen, wie schlecht es ihnen geht, war etwas, was mich jedenfalls unglaublich bewegt hat. Diese vielen Menschen, diese vielen Initiativen haben zu dieser Parlamentsinitiative jetzt beigetragen. Deswegen allen Beteiligten von dieser Stelle hier noch mal ganz, ganz herzlichen Dank!
Aber nicht nur das zeigt, dass uns die Gesundheitsforschung ganz besonders am Herzen liegt. Wir haben zum Beispiel auch das Netzwerk Universitätsmedizin, NUM, auf ein sicheres Fundament gestellt. Das klingt jetzt erst mal technisch; aber das ist ganz wichtig. Denn jetzt kann die Bundesregierung dieses Netzwerk dauerhaft fördern, und das heißt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 37 Universitätskliniken dürfen jetzt endlich zusammenarbeiten. Sie tun das interdisziplinär, sie tun das jetzt in Kooperation und nicht mehr nur im Wettbewerb miteinander. Wettbewerb ist in der Forschung wichtig, ja, er treibt auch an; aber bei den großen Fragen müssen wir auch Kooperationen ermöglichen, und das hat der Haushaltsausschuss jetzt auch auf den Weg gebracht.
Das ist ein ganz wichtiger Ansatz; denn damit ist auch eine Basis dafür geschaffen, dass jetzt in Deutschland eine Biodatenbank entsteht. Warum brauchen wir so was? Viele Forscherinnen und Forscher legen Proben an. Das ist enorm wichtig, damit man Daten bekommt, damit man Vergleiche ziehen kann. Aber wenn jeder für sich allein kämpft, in seiner eigenen kleinen Welt, dann kommen wir nicht wirklich voran. Jetzt wird es zusammengeführt. Es wird eine zentrale digitale Plattform geben, einheitliche Standards für die gesamte medizinische Forschung in Deutschland, und daraus wird ein großer Mehrwert entstehen. Daraus werden neue Therapien, neue Präventionsstrategien für die Patientinnen und Patienten entstehen. Deswegen ist auch so etwas scheinbar Technisches, was wir im Haushaltsausschuss beschließen, ein enormer Schritt nach vorne. Deshalb auch herzlichen Dank an alle, die das ermöglicht haben!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir bringen jetzt den Wissenschaftsstandort Deutschland wirklich entscheidend voran. Wir tun das mit der Gesundheitsforschung, wir tun das aber auch mit vielen weiteren Themen, die wir im Koalitionsvertrag und dann eben auch jetzt im Haushalt verankert haben. Das ist eine Gemeinschaftsaktivität gewesen, und deswegen sage ich auch noch mal allen, die daran mitgewirkt haben, den Mitberichterstatterinnen und -berichterstattern und unseren Teams, ganz, ganz herzlichen Dank. Das hat viel Arbeit gemacht; aber ich glaube, das hat sich wirklich gelohnt.
Wir haben einen guten Haushalt, und wir werden das im Weiteren begleiten. Deswegen werbe ich hier noch mal um Zustimmung.
Herzlichen Dank.
Die nächste Rednerin in dieser Debatte: für die Fraktion Die Linke Nicole Gohlke.