Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Idee, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen, begeistert viele. Sie weckt Stolz, Emotionen und den Traum, der Welt zu zeigen, wozu wir fähig sind. Ja, auch ich kann mich davon mitreißen lassen: Olympia verbindet, inspiriert, und vor allen Dingen motiviert es neue Generationen.
Aber Begeisterung ersetzt keine Realitätsprüfung. Wer wie ich mit offenen Augen durch die Welt läuft, der weiß, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist. Jeden Tag sehe ich in Cottbus unseren Olympiastützpunkt: Anlagen, die zum Teil noch aus DDR-Zeiten stammen, Hallen, deren Bausubstanz seit Jahrzehnten unverändert ist,
Trainingsräume, die zum Teil eher an Museumsexponate erinnern als an moderne Leistungszentren.
Trotzdem, meine Damen und Herren, bringen unsere Sportler dort Leistungen hervor, die man eigentlich nur unter professionellsten Bedingungen erwarten würde.
Wer einmal durch Cottbus läuft, kennt den Weg des Ruhmes vor dem Rathaus: eine ganze Straße voller Ehrentafeln mit Olympiasiegern und Medaillengewinnern dieser Stadt. Das ist der Beweis: Deutschland war einmal die Hochburg des Leistungssports, damals.
Damals wurden Strukturen geschaffen, die Athleten trugen. Heute kämpfen viele von ihnen gegen veraltete Anlagen, fehlende Investitionen und unsichere Perspektiven. Sie holen ihre Medaillen nicht wegen der Rahmenbedingungen, sondern trotz der Rahmenbedingungen.
Das verdient größten Respekt, aber das darf kein Dauerzustand bleiben.
Der Antrag, den wir heute diskutieren, zeichnet jedoch ein rosiges Bild. Er spricht von Impulsen, Begeisterung und Chancen.
Er verweist sogar auf eine OECD-Studie zu Paris, die von nachhaltigen Effekten, Infrastrukturverbesserungen und neuen Arbeitsplätzen spricht.
Schön und gut. Aber in Deutschland? Eine Olympiabewerbung würde schätzungsweise 10 bis 15 Milliarden Euro verschlingen, während Studien gleichzeitig vor langfristigen Verlusten warnen – vor langfristigen Verlusten!
Wo ist der konkrete Plan gegen Kostenexplosionen? Stattdessen lesen wir nur etwas von „angemessener finanzieller Ausstattung“. Das ist Schönreden, keine Strategie.
Und dann muss man ja fast ironisch fragen: Soll unsere Olympiainfrastruktur so aussehen wie der BER – jahrelang verspätet, überholt und am Ende viel zu teuer – oder wie Stuttgart 21, der Bahnhof, der mittlerweile eher wirkt wie ein Dauertatort für Steuergeldverschwendung? Wenn das die Blaupause sein soll, dann gute Nacht.
Aber auch bei der Sicherheit wird im Antrag großzügig beschwichtigt. Dabei hat uns die Realität längst eingeholt. Die Anschläge in Berlin 2016 und Magdeburg 2024, ein gezielter linksextremistischer Angriff auf Strommasten in Berlin mit einem 60-Stunden-Blackout:
Olympia wäre ein Sicherheitsprojekt gigantischen Ausmaßes. Das muss man sagen, nicht umwinden.
Und wie ist der Zustand unseres Sportsystems? 40 Milliarden Euro Sanierungsstau, Kommunen, die Hallen schließen müssen, Olympiastützpunkte, die finanziell kaum durchhalten, Trainer, deren Verträge nur bis Weihnachten reichen, und Leistungssportler, die schlicht keine Perspektive sehen und ins Ausland gehen: Lea Meyer in die USA, andere nach Frankreich, Italien oder Skandinavien. Sie gehen dorthin, wo man ihnen sagt: Wir kümmern uns um dich.
Und dann die Wertschätzung in Deutschland. Deutschland zahlt für olympisches Gold 20 000 Euro, Frankreich 80 000 Euro, Italien rund 150 000 Euro, Singapur 1 Million Euro. Diese Unterschiede zeigen sehr deutlich, wie ernst andere Länder ihren Leistungssport nehmen – die deutsche Regierung offensichtlich nicht.
Genau deshalb haben wir als AfD ein tragfähiges Zukunftskonzept präsentiert. 44,5 Millionen Euro zusätzlich für zentrale Sportmaßnahmen, 12 Millionen Euro für die Sanierung der Olympiastützpunkte, mehr feste Trainerstellen, bessere Verträge, klare Laufbahnen, ein Sonderfonds für Mütter im Leistungssport, damit Sport, Familie und Karriere verbunden werden können.
Ein zehnjähriges Sanierungsprogramm mit 4 Milliarden Euro jährlich, um Hallen, Bäder und Vereine endlich wieder fitzumachen, und echte Barrierefreiheit – nicht nur auf dem Blatt Papier.
Doch all das wurde von der Koalition, von den Grünen und – Herr Görke, im Gegensatz zu Ihrer Rede – auch von den Linken abgelehnt. Ihre Rede war damit sehr link.
Das, meine Damen und Herren, wäre der Weg zu Olympia gewesen, ein Weg, der das Fundament stärkt, bevor man sich für das Leuchtturmprojekt bewirbt. Darum bleibt die Frage: Wer soll in Deutschland Olympia stemmen, wenn wir nicht einmal bereit sind, die Grundlagen des Sports zu sichern? Olympia kann ein Ziel sein – da gebe ich Ihnen recht –, aber erst, wenn wir uns ehrlich machen und unsere Athleten endlich die Bedingungen bekommen, die sie verdienen.
Vielen Dank und Sport frei!
Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Mahmut Özdemir von der SPD.