Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über eine deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele sprechen, dann sprechen wir über weit mehr als ein sportliches Großereignis oder zwei schöne Wochen Sportfest. Wir sprechen darüber, ob unser Land überhaupt noch in der Lage ist, ein solches Projekt zuverlässig, solide und verantwortungsbewusst zu stemmen.
Deutschland ist eine Sportnation – auf dem Papier. Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich, trainieren Nachwuchs, halten Vereine am Leben. Unsere Athletinnen und Athleten verdienen beste Bedingungen – nicht marode Hallen, gesperrte Plätze und bürokratische Hürden.
Gerade deshalb dürfen wir die Frage nach Olympia nicht leichtfertig behandeln. Eines ist klar: Die Menschen in diesem Land haben eine Stimme, und sie nutzen sie. Der Blick nach München zeigt das sehr deutlich. Die Bürger wurden gefragt, und ein überragender Teil sagt: Ja, wir wollen Olympische Spiele in Deutschland. Dieses Signal ist stark, und es zeigt: Die Bevölkerung ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn Politik endlich wieder transparent und ehrlich agiert.
Olympia bietet Chancen. Es kann Investitionen anstoßen, die wir ohnehin längst hätten tätigen müssen. Moderne, sichere, barrierefreie Sportstätten und Infrastruktur, die dauerhaft genutzt wird, sind ein Impuls für den Nachwuchs und für den Breitensport. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.
Doch ebenso klar ist: Wir dürfen nicht wieder in die Muster verfallen, die dieses Land in so vielen Bereichen lähmen: keine ausufernden Kosten, keine jahrelange Verzögerung, keine bürokratischen Monsterprojekte, bei denen am Ende keiner mehr weiß, wer eigentlich verantwortlich ist.
Die Menschen erwarten, dass ein solches Vorhaben solide geplant wird, dass bestehende Anlagen genutzt werden und dass nicht Milliarden versenkt werden, ohne dass am Ende etwas bleibt.
Der Investitionsstau im deutschen Sport ist hausgemacht, und er ist enorm. Er ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse. Wenn wir uns um Olympia bewerben, dann tun wir das nicht trotz, sondern wegen dieser Probleme; denn es braucht endlich eine klare Prioritätensetzung. Sportinfrastruktur gehört zur Grundversorgung einer aktiven Gesellschaft.
Olympia kann ein Motor sein, aber nur, wenn wir wieder lernen, Projekte effizient umzusetzen, Genehmigungsverfahren zu verkürzen, Verantwortung klar zu regeln, und wenn wir die Menschen im Land weiterhin einbinden. Akzeptanz entsteht nicht durch politische Belehrungen, sondern durch Ehrlichkeit und nachvollziehbare Entscheidungen. Wenn wir diese Bewerbung ernst meinen, dann brauchen wir ein Konzept, das für Deutschland taugt: finanziell solide, organisatorisch realistisch, ökologisch vernünftig und vor allem auf die langfristige Nutzung ausgerichtet.
Wir brauchen keine Prestigeprojekte, keine teuren Luftschlösser, sondern Olympia, das den Bürgern gehört und das sie deshalb unterstützen.
Deutschland kann Olympia. Die Menschen wollen Olympia. Die Frage ist, ob die Politik den Mut hat, den Weg freizumachen für ein modernes, effizientes und bürgernahes Konzept. Nutzen wir diese Chance!
Vielen Dank und Sport frei!
Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Aydan Özoğuz für die Fraktion der Sozialdemokraten.