Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der 13. März 1933 und der 3. März 1948: zwei Tage im Leben Konrad Adenauers, die große Bedeutung für seinen politischen und persönlichen Lebensweg hatten. Am 13. März musste der damalige Kölner Oberbürgermeister Adenauer die Stadt verlassen und untertauchen, da sein Leben nicht mehr sicher war. Der Grund: Er hatte sich geweigert, bei einem Wahlkampfbesuch Hitlers die Stadt mit Hakenkreuzen zu beflaggen.
1944, nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli, wurde er verhaftet und entkam durch Flucht nur knapp dem sicheren Tod. Die Nationalsozialisten suchten nach ihm und verhörten seine Frau Auguste. Nach langer psychischer Folter verriet sie sein Versteck und beging in der Folge einen Suizidversuch. An dessen Langzeitfolgen starb sie am 3. März 1948.
Gerade der Tod seiner geliebten Frau war ein schwerer Schlag für Adenauer, der ihn für den Rest seines Lebens prägen sollte. Konrad Adenauer war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, und die Nazis hatten ihm und seiner Familie großes Leid zugefügt.
Er hatte die schlimmsten Seiten der Politik, ja, des Menschseins gesehen und stand nach dem Zweiten Weltkrieg als älterer Mann vor den Scherben seines Lebens und den Trümmern seiner Heimat. Anstatt aber aufzugeben, gewann er neue Kraft darin, Deutschland wiederaufzubauen – dieses Land, das materiell und moralisch am Boden lag, dieses Land, in dessen Namen während des Krieges unfassbare Verbrechen begangen wurden.
Er setzte es sich zur Aufgabe, die junge Bundesrepublik zu einem freien und demokratischen Land zu machen, eingebunden in die Gemeinschaft Europas und geachtet in der Welt. Schon als Präsident des Parlamentarischen Rates wurde er schnell zu einem Gesicht eines anderen Deutschlands. Später, als Bundeskanzler, betrieb er eine Politik, die pragmatisch in der Tagespolitik, aber klar und unmissverständlich in den Grundwerten war.
Freiheit, Einheit und Demokratie, die soziale Marktwirtschaft, ein vereintes Europa und eine starke, wehrhafte Bundesrepublik: Das waren für Adenauer nicht nur Worte, sondern klare Leitlinien, die unser Land bis heute in seinen Grundfesten prägen.
Das heutige Deutschland ist auch das Deutschland Konrad Adenauers, und dafür wird ihm dieses Land immer zu Dank verpflichtet sein.