Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen! Meine Herren! Eine Frau blickt auf ihr Handy – geschockt, erstaunt. Sie ist nervös und richtet sich die Brille auf der Nase. Sie schaut noch mal auf den Sperrbildschirm des iPhones; denn da ploppt ein Foto auf. Und auf diesem Bild ist sie selbst in sexualisierter Form zu sehen. Das Schlimmste: Sie wirkt minderjährig, jung, fast kindlich, und dabei ist sie nicht kindlich. Sie ist erwachsen, Influencerin und Mutter.
Der Name dieser Frau lautet Ashley St. Clair, und der Name des Vaters ihres Kindes lautet Elon Musk. Es ist die – so sagt sie zumindest – von Elon Musk selbst erstellte KI Grok, die dieses sexualisierte Bild von ihr als Minderjährige erzeugt hat. Sie tat, was man als Frau in diesen Momenten tun kann: Sie widersprach. Sie nahm Kontakt zur Firma hinter Grok auf und versuchte, dafür zu sorgen, dass dieses Bild aus dem Internet verschwindet. Aber keine Antwort. Und deshalb – das konnte man in diesen Tagen ja auch den Medien entnehmen – klagt diese Ashley St. Clair gerade gegen die Firma hinter Grok.
Meine Damen, meine Herren, der Titel der Aktuellen Stunde, er spricht von sexuellem Missbrauch. Und ja, dieser Tage denkt man dann natürlich an Jeffrey Epstein; wir haben das gehört. Jeffrey Epstein hat ein analoges, weltweit umspannendes Netzwerk von Missbrauch geschaffen. Aber als für KI zuständiger Politiker meiner Fraktion komme ich nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass sexueller Missbrauch im Jahr 2026 viele Facetten hat und künstliche Intelligenz bedauerlicherweise dazugehört.
Die Zahlen sprechen im Übrigen eine deutliche Sprache. Im neuesten BKA-Bericht ist es so, dass zwei von drei Frauen angeben, im Laufe ihres Lebens sexuell belästigt worden zu sein. Die sexuelle Gewalt, die sie erfahren, hört dann aber nicht an der Türschwelle auf, sondern die überträgt sich auch ins digitale Leben.
Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch: Ich selbst glaube an die großen Potenziale künstlicher Intelligenz für unsere Gesellschaft. Künstliche Intelligenz wird unser Leben, unsere Sicherheit, unsere Gesundheit in einer Art und Weise verbessern, wie wir uns das heute vielleicht noch nicht einmal vorstellen können. Aber nur, weil ich KI-optimistisch bin, darf der Schutz nicht zu kurz kommen. Und das ist der Grund, warum ich gerne die Aktuelle Stunde der Grünen zum Anlass nehme, drei kurze Bemerkungen zu sexuellem Missbrauch im Kontext von künstlicher Intelligenz zu machen.
Erstens. Ob ein Bild KI-generiert ist oder ob es real ist: Der Schaden für das Opfer existiert so oder so. Und deshalb darf es keine Möglichkeit geben, bei KI-generierten, sexualisierten Darstellungen von Minderjährigen in irgendeiner Art und Weise strafrechtlich davonzukommen.
Zweitens. Ich glaube, dass die großen Plattformen, die Anbieter künstlicher Intelligenz noch viel stärker in die Pflicht genommen werden müssen, dafür zu sorgen, dass Missbrauch durch ihre Modelle unterbunden wird. Es ist eine Aufgabe der Politik, diesen Anspruch in aller Deutlichkeit zu artikulieren.
Drittens und zum Abschluss: Künstliche Intelligenz und der Umgang damit ist eine Frage von Bildung, eine Frage von Kompetenzen. Und deshalb ist es eine politische Aufgabe von Weiterbildung, derer wir uns annehmen müssen, damit die Risiken von künstlicher Intelligenz, aber natürlich auch die Chancen gesehen werden.
Meine Damen, meine Herren, diese Debatte hier zeigt vor allen Dingen eines: Sexualisierter Missbrauch hat 2026 zahlreiche Facetten. Lassen Sie uns allen Betroffenen Raum geben. Lassen Sie uns allen Betroffenen zuhören, egal ob sie auf einer Privatinsel oder im Netz sexualisierte Gewalt erlebt haben.
Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Dr. Anna Rathert für die AfD-Fraktion.