Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland ist ein Erfolg des Arten- und Naturschutzes. 100 Jahre war er ausgerottet. Heute ist er wieder Teil unserer heimischen Kulturlandschaft.
Mit der wachsenden Wolfspopulation sind Nutzungskonflikte entstanden, vor allem mit der Weidetierhaltung. Und diese Konflikte sind herausfordernd. Allein im Jahr 2024 gab es rund 1 100 Übergriffe auf etwa 4 300 Nutztiere – Schafe, Ziegen, teilweise auch Rinder –, die gerissen oder verletzt wurden. Hinter jeder Zahl steht ein Betrieb, steht Existenzsorge, steht auch persönliche Betroffenheit.
Dieser Zielkonflikt ist nicht neu. In der vergangenen Legislaturperiode – mit zwei grünen Ressorts in Verantwortung – ist es nicht gelungen, hier eine tragfähige und rechtssichere Lösung zu schaffen. Ja, Ende 2023 wurde der sogenannte Schnellabschuss auf den Weg gebracht. Aber die Praxis hatte gezeigt: Es blieb Rechtsunsicherheit, es blieb Bürokratie, und es blieb Frust vor Ort. Deshalb bestand weiterhin Handlungsbedarf.
Dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen – man kann auch mal zuhören, Herr Ebner –, jetzt mit Ihrem Antrag Modellregionen und Projekte fordern, ist irritierend. Es wird Sie nicht wundern: Wir lehnen den Antrag ab.
Der Wolf wird als jagdbare Art in das Bundesjagdgesetz aufgenommen. Gleichzeitig bleibt er eine geschützte Art und unterliegt weiterhin dem europäischen Artenschutz. Kern des Gesetzes ist ein Dreisäulenmodell:
Erstens. Die erleichterte und rechtssichere Entnahme von schadstiftenden Wölfen wird in Bezug auf Zeit und Raum praktikabler ausgestaltet.
Zweitens. Ein Bestandsmanagement auf Grundlage revierübergreifender Managementpläne der Länder wird möglich; Voraussetzung ist der günstige Erhaltungszustand.
Drittens. Es wird die Möglichkeit der Ausweisung von besonderen Weidegebieten – Kollege Färber hat es beschrieben – in Regionen geben, in denen Herdenschutz nur sehr schwer umsetzbar ist, beispielsweise in alpinen Lagen oder an Deichen.
In der öffentlichen Anhörung letzte Woche haben Schafhalter berichtet. Einer aus Brandenburg mit über 1 000 Schafen hat eindrucksvoll geschildert, wie er mit einer Kombination aus Elektrozäunen und Herdenschutzhunden ein funktionierendes System etabliert hat.
Er sprach von einem Miteinander von Herden, Hirten, Hunden und Wölfen. Und er sagte auch: Verschont mir meine Wölfe, die ich mir mit harter Arbeit erzogen habe.
Dieses Zitat zeigt: Es geht nicht um schwarz oder weiß, es geht um Differenzierung.
Deshalb kommt es jetzt auf die Umsetzung an. Ein verantwortungsvolles Bestandsmanagement muss zweierlei gewährleisten: den Wolf als geschützte Art erhalten und gleichzeitig die Sicherheit der Weidetierbetriebe stärken. Denn der Wolf lebt in Rudeln mit sozialen Strukturen. Wer unkoordiniert eingreift, riskiert genau das Gegenteil dessen, was wir erreichen wollen, nämlich eine Destabilisierung der Rudel und somit womöglich mehr statt weniger Nutztierrisse. Deshalb ist es richtig, dass die Jagdzeit auf den Zeitraum von 1. Juli bis 31. Oktober festgelegt wurde, um zu verhindern, dass Leitwölfe und Elterntiere erlegt werden. So wird die Rudelstruktur geschützt.
Es ist ebenso wichtig, dass Jägerinnen und Jäger nicht alleingelassen werden. Wir brauchen Beratung und Fortbildung, gerade bei der Wildbiologie des Wolfs. Wolfsmanagement ist mehr als Jagd; es umfasst Prävention, Monitoring, wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit. Das Bestandsmanagement ist nur zulässig, solange der günstige Erhaltungszustand gewahrt bleibt.
Diese Schutzlinie ist kein politischer Wunsch, sondern europarechtliche Verpflichtung. Ein wissenschaftlich fundiertes und transparentes Monitoring durch die Länder bleibt daher unverzichtbar. Die Populationsentwicklung wird regelmäßig bewertet. Und das Gesetz wird spätestens Ende 2030 und danach im Fünfjahresrhythmus evaluiert.
Der Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen greift eine Forderung des Bundesrates auf und stellt klar, dass Widerspruch und Anfechtungsklage gegen Managementpläne keine aufschiebende Wirkung entfalten. Das schafft Rechtssicherheit.
Lieber Hermann Färber, vielen Dank für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. In unserer Entschließung stellen wir klar, dass die Zuständigkeit für Managementpläne bei den Ländern liegt, der Bund aber koordinierend unterstützt. Bund und Länder erarbeiten gemeinsame Leitlinien, um bundesweit sicherzustellen, dass Jagd und günstiger Erhaltungszustand vereinbar bleiben. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat ihre Arbeit bereits aufgenommen.
Zudem setzen wir uns für die Stärkung der Weidetierhaltung ein; denn vorbeugende Herdenschutzmaßnahmen treffen auf mehr Akzeptanz in der Praxis, wenn die wirtschaftliche Situation für die Weidetierhaltung insgesamt verbessert wird. Darüber hinaus müssen wir gemeinsam mit den Ländern dafür sorgen, dass der erforderliche vorbeugende Herdenschutz durch die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ gestärkt wird.
Dafür brauchen wir keinen Antrag der Linken. Und auch das Monitoring ist bei den Ländern sehr gut aufgehoben.
Die AfD geht noch weiter und möchte unter anderem das Monitoring ganz der Jägerschaft übertragen. Auch Ihren Antrag lehnen wir ab.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Herdenschutz ist und bleibt die wichtigste Maßnahme, um unsere Weidetiere zu schützen. Nur wenn wir rechtssicher Entnahme, wirksamen Herdenschutz, verlässliches Monitoring und klare Verantwortlichkeiten zusammen denken, dann kann auch Akzeptanz in der Bevölkerung entstehen. Besonders wichtig ist, dass wir mit dem von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium eingesetzten Runden Tisch „Wald/Wild“ bis Ende 2026 ganzheitliche Lösungen zum Wald-Wild-Konflikt erarbeiten. Das unterstützen wir als Koalition ausdrücklich.
Ich trage heute eine besondere Schleife an meinem Jackett; denn die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt und damit in den Mittelpunkt gerückt, dass für die Zukunft der Landwirtschaft, der Ernährungssicherheit und der ländlichen Räume von zentraler Bedeutung ist, Frauen sichtbar zu machen und zu stärken. Das unterstützen wir sehr. Und dafür steht auch diese Schleife, die ich mit Freude trage.
Vielen Dank.
Mit Blick auf den 8. März könnte ich noch den Schutz von Rotkäppchen anmahnen.
Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Harald Ebner das Wort erteilen.