Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland verfügt über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Ihr Wert betrug zum letzten Bewertungsstichtag fast 400 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa den Steuereinnahmen des Bundes in einem Jahr. Dieses Gold liegt zu mehr als der Hälfte in Frankfurt – das haben wir eben schon gehört –, zu 12 Prozent liegt es in London, dem wichtigsten Goldhandelsplatz der Welt, und zu 37 Prozent in New York, dem Dreh- und Angelpunkt des Dollarraums.
Dieses Gold halten wir nicht, weil es einen inhärenten Wert besäße, sondern um es theoretisch, im absoluten Krisenfall, gegen Güter oder Devisen eintauschen zu können.
Nehmen wir ein fiktives drastisches Beispiel. In den USA kommt es zu einer schweren Finanzkrise. US-Papiere fallen im Wert, die Clearinghäuser verlangen höhere Sicherheiten. Deutsche Institute müssen auf einmal Geld nachschießen, und es kommt zum sogenannten Margin Call. Und jetzt stellt sich heraus: Den deutschen Banken fehlen dafür die US-Dollar. Alle anderen Mittel sind ausgeschöpft. Die Bundesbank muss Gold verkaufen, um Dollar zu beschaffen.
Meine Damen und Herren, wir wissen, wie schnell sich Finanzkrisen heutzutage abspielen. Heute, im aktuellen System, könnte die Bundesbank ihr Gold innerhalb von wenigen Stunden in US-Dollar umwandeln; denn das Gold liegt bereits in den USA. Würden wir aber den Antrag der AfD umsetzen, dann müsste das Gold erst verladen, versichert und mühselig in die USA verschifft werden.
Bis dahin wäre es für den deutschen Finanzmarkt längst zu spät.
Ihr Antrag, meine Damen und Herren von der AfD, ist impraktikabel. Er zeugt aber darüber hinaus auch von Unkenntnis über die Größenordnungen unserer Weltwirtschaft.
Und hier kommt wieder Ihr altes Geschäftsmodell zum Vorschein: Sie wollen die Angst schüren, die USA könnten unsere Goldreserven in New York enteignen,
sich also räuberisch Gold im Wert von circa 150 Milliarden Euro verschaffen.
Das muss man sich mal vorstellen!
Was wäre die Konsequenz? Wenn die USA einen solchen Rechtsbruch begingen, dann wäre das Dollarsystem, auf dem der Wohlstand der USA basiert, innerhalb eines Tages zerstört.
Unsere Weltwirtschaft würde am Boden liegen.
Die USA selbst wären der größte Leidtragende. Sie würden weit mehr als den Wert des Goldes verlieren. Und wir, meine Damen und Herren, hätten ganz andere Probleme als unser verlorenes Gold.
Ich hatte beim Lesen Ihres Antrags die ganze Zeit darauf gewartet, dass Sie unser ganzes Gold nun zu Ihrem Kuschelpartner nach Russland verschiffen wollen.
Ihr Antrag ist mal wieder die nächste Nebelkerze in einer Reihe von ganz vielen.