Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was haben unser Personalausweis, die Wettervorhersage und ein Überweisungsträger der Sparkasse gemeinsam? Sie sind durch eine Frau gerechter geworden: Marlies Krämer aus meinem Wahlkreis, eine Kommunalpolitikerin, eine Feministin, eine Kämpferin. Denn jahrelang war es selbstverständlich, dass sowohl Personalausweise als auch Bankkonten nur „Inhaber“ hatten. Jahrelang haben wir akzeptiert, dass Wetterhochs, die das gute Wetter bringen, Karl oder Gustav hießen, während die Tiefs mit dem Regen und den Stürmen nach Laura oder Sophie benannt wurden.
Aber heute sprechen wir selbstverständlich von „Kontoinhaberinnen“ und nennen ein Tiefdruckgebiet auch mal „Friedrich“ – dank Marlies Krämer.
Sie hat die Ungerechtigkeiten erkannt, sie hat sie benannt, und sie hat sie bekämpft. Sie hat den Unterschied gemacht. Und genau deshalb ist sie eine Vorreiterin.
Es sind oft die vermeintlich kleinen Dinge, die das große Ganze prägen. Es sind Frauen wie Marlies Krämer, die nie akzeptiert haben, dass Ungleichheit einfach als Normalität durchgeht. Marlies Krämer ist Anfang des Jahres mit 88 Jahren verstorben. Ihr Lebenswerk hat gezeigt: Fortschritt entsteht, wenn Menschen auch mal unbequem bleiben, wenn sie widersprechen, wenn sie beharrlich sind. Marlies Krämer hat sich nicht einreden lassen, ihre Forderungen seien zu klein, zu unwichtig, zu lästig oder es sei gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Sie ist drangeblieben. Beharrlichkeit und der Kampf für echte Gleichberechtigung waren ihre Stärke. Das ist die Botschaft ihres Wirkens.
Frau Bessin, ehrlicherweise, auch Sie und ihre Kolleginnen stehen auf den Schultern dieser Frauen. Sie haben das für uns erkämpft, dass Sie hier sitzen können.
Deswegen ist ihre Rede und Ihr Herbeiwünschen dieses Rollbacks eine Schande für solche Frauen, für Frauen wie Waltraud Schoppe, wie Marlies Krämer, wie Rita Süssmuth.