Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Sie den Antrag anschauen, dann werden Sie meinen Namen dort nicht finden. Umso glücklicher bin ich darüber, dass ich heute trotzdem die Gelegenheit bekomme, hier zu reden. Mein Name steht nicht deshalb nicht unter dem Antrag, weil ich ihn grundsätzlich ablehne. Tatsächlich unterstütze ich einige Punkte. Ich finde es gut, wenn wir bessere Datengrundlagen haben, gerade im Gesundheitsbereich. Ich finde es auch wichtig, gerade hier hinzuschauen, ob es tatsächlich so ist, wie in dem Antrag formuliert: dass die Rate falsch-positiver Befunde viermal höher ist als eigentlich erwartet. Natürlich ist ein falsch-positiver Befund ein sehr, sehr großer Stressfaktor. Das heißt, wir müssen da genau hinschauen und fragen: Wie findet die Beratung statt? Warum gibt es so viele falsch-positive Befunde? Was macht das mit den Frauen? Deswegen: Da bin ich schon sehr dabei.
Der Grund, warum mein Name trotzdem nicht unter diesem Antrag steht, ist: Ich habe Bauchschmerzen mit der grundsätzlichen Intention des Antrags. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass wir in einer Welt leben sollten, die inklusiv ist, und wir alles dafür tun sollten. Es ist selbstverständlich nicht in Ordnung, wenn Frauen sich in einer Gesellschaft enormem Druck ausgesetzt sehen, sich zu rechtfertigen, warum sie etwas machen oder warum sie etwas nicht machen.
Ich will aber auch für mich persönlich sagen: Ich bin selber Mutter. Ich habe mich für den Test entschieden – in einer Alterskohorte, in der man das nicht machen müsste. Ich bin da vollkommen frei und gut von meiner Gynäkologin beraten worden. Aber ich habe mich sehr bewusst dafür entschieden, es wissen zu wollen. In dieser Debatte hier ist es, glaube ich, wichtig, zu sagen: Frauen, aber auch Männer, die Väter werden, haben ein Recht darauf, es zu wissen. Sie haben gleichzeitig auch ein Recht darauf, es nicht zu wissen.
Ich persönlich finde es wichtig, dass es diesen Test gibt.
Und ich habe einfach Sorge, wenn ich mir anschaue, was in dem Antrag steht. Da heißt es: „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, ein Monitoring […] zu implementieren […].“ Das ist erst mal gut. Ich bin auch dafür, mehr Daten zu haben. Aber dann steht da eben auch, dass man schauen will, warum eine Frau einen solchen Test gemacht hat. Ich finde, das ist höchst persönlich.
Ich weiß gar nicht, ob ich das irgendwem mitteilen möchte. Dann will man auch feststellen, welche konkreten Auswirkungen dieser Test auf die Geburtenrate hat. Ich finde, auch das ist höchst persönlich.
Wenn wir so wenige Daten haben, gibt es – das habe ich hier heute auch in der Debatte häufig erlebt – Unterstellungen, von denen ich gar nicht weiß: Ist das denn so? Ist es wirklich so, dass schlecht beraten wird? Ist es wirklich so, dass Frauen sich aus diesen Gründen entscheiden?
Deswegen frage ich mich auch: Ist es angemessen für uns, die Entscheidung zu treffen, ab wann eine Zahl hoch genug ist, um zu sagen: „Das ist eine problematische Entwicklung“? Ist es nicht immer eine individuelle Entscheidung, die wir nicht zu bewerten haben, –