Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man als ehemaliger Personaloffizier auf die nackten Zahlen blickt, die uns dieser Bericht präsentiert, was sehen wir? Einen Scherbenhaufen der Versprechungen. Trendwende, Zeitenwende – das sind die glänzenden Vokabeln der Verteidigungsminister seit 2018. Aber von Vokabeln allein wird keine Kompanie voll. Die Realität ist nämlich eine Bankrotterklärung: Nur noch 184 000 Soldaten stehen unter Waffen. Das sind 20 000 weniger, als man 2018 bereits plante. Da sage ich: Ziel verfehlt!
Besonders dramatisch: Bei den Mannschaftssoldaten ist fast jede dritte Stelle unbesetzt. Und während die Regierung sogar von 260 000 Soldaten träumt, rollt die demografische Lawine unaufhaltsam auf uns zu.
Aber das eigentliche Problem sitzt viel tiefer: Nur noch 11 Prozent der 16- bis 29-Jährigen können sich überhaupt noch einen Dienst an der Waffe vorstellen. Das ist ein dramatischer Einbruch von 8 Prozent zum Vorjahr. Und warum ist das so? Keine Antwort. Was macht der Minister – der heute nicht mal hier ist – stattdessen? Sie hissen die Regenbogenflagge vor dem Bendlerblock. Na, herzlichen Glückwunsch!
Glauben Sie ernsthaft, dass Sie damit auch nur einen jungen Patrioten gewinnen, der bereit ist, sein Leben für dieses Land zu geben? Ich glaube nicht.
Lassen Sie mich eines sagen: Auf unserer Uniform, da prangt Schwarz-Rot-Gold. Das sind die Farben, auf die wir geschworen haben, das sind die Farben unserer Werte und unserer Nation. Unsere Bundeswehr besteht aber nicht nur aus Uniformträgern. Ich rede heute auch von unseren Beamten und zivilen Arbeitnehmern. Sie leisten ebenso einen hervorragenden Job, doch auch hier haben wir ein massives Personalproblem. Und wie begegnen wir diesem Mangel? Mit einem funktionierenden Binnenmarkt, so die Idee. Die Realität: Im letzten Jahr haben 22 000 teils hochqualifizierte Soldaten die Bundeswehr verlassen; Menschen, die das System Bundeswehr bereits kennen. Und wie viele davon konnten wir für eine zivile Anschlussverwendung in der Bundeswehr gewinnen? Was glauben Sie? Keine 400; das sind gerade mal 5 Prozent der Neueinstellungen. Soldaten werden vor ihrem Dienstzeitende nicht einmal über offene zivile Dienstposten informiert. Dabei weiß doch jedes mittelständische Unternehmen: Interne Ausschreibungen sind das A und O der Mitarbeiterbindung. Aber bei der Bundeswehr, da lässt man wertvolles Personal zur Tür hinausspazieren, während nebenan die Schreibtische leer stehen. Das ist kein Personalmanagement, das ist organisierte Verantwortungslosigkeit!
Geben Sie den Soldaten eine echte Perspektive. Nehmen Sie diesen Bericht und die darin genannten Probleme ernst, und besinnen Sie sich auf das, was uns alle eint: Der Dienst für unser Vaterland.
Vielen Dank.