Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen! Meine Herren! Wladimir Putin hat uns den Gashahn abgedreht und gezeigt: Energie ist eine Waffe. Damals spürten wir eindringlich, wie sehr es wehtun kann, wenn wir von fremden Ressourcen abhängig sind. Aber Gas ist nicht der einzige wertvolle Rohstoff. 2026 sind Daten und die Frage, wie wir mit Daten umgehen, wichtiger denn je. Deshalb kommt die neue Rechenzentrumsstrategie der Bundesrepublik Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie ist die Chance, die Fuel-Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Sie ist unsere Möglichkeit, dafür zu sorgen, im digitalen Wettrennen endlich aufzuholen.
Rechenzentren, meine Damen, meine Herren, sind große Gebäude, in denen Computer laufen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Sie ermöglichen, dass Onlinebanking funktioniert, dass Bundestagsabgeordnete die Gelegenheit haben, auf Netflix „House of Cards“ zu streamen,
dass ChatGPT deine Gedichtinterpretation schreiben kann. Alles, was im digitalen Raum stattfindet, läuft auch auf physischen Computern, und die stehen in Rechenzentren.
Jetzt stellen wir uns für eine Sekunde vor: Hier in Berlin zum Beispiel bauen wir die klügste KI-Firma der Welt – aber ihr Herz schlägt nicht in Deutschland, sondern in den USA, in China oder irgendwo sonst auf der Welt. Das können wir uns als Deutschland – denken wir an den Beginn meiner Rede – nicht leisten, nicht nur, weil wir erfolgreich und eigenständig im digitalen Raum sein müssen, sondern auch, weil Rechenzentren eine wirtschaftliche Komponente sind. Es ist so: Wenn wir mehr Rechenzentren in Deutschland haben, ist mehr Leistung vorhanden. Je mehr Leistung vorhanden ist, desto besser können wir künstliche Intelligenz einsetzen. Je mehr künstliche Intelligenz in Deutschland zur Anwendung kommt, desto stärker, schneller und gesünder ist unser Land.
Nvidia baut gerade gemeinsam mit der Deutschen Telekom in Bayern ein Rechenzentrum und bringt dort 10 000 Computerchips unter – 10 000 Stück! Zur gleichen Zeit baut die gleiche Firma, Nvidia, in Texas in Amerika ein Rechenzentrum, wo 500 000 dieser Computerchips untergebracht werden – Faktor 50! Das ist der Abstand, mit dem wir geopolitisch konfrontiert sind. Das ist das Rennen, in dem wir gerade stecken. Die Rechenzentrumsstrategie von Minister Wildberger ist unsere Möglichkeit, hier endlich aufzuholen.
Und diese Möglichkeit bietet sie, meine Damen, meine Herren, indem sie die Probleme adressiert, die man gemeinhin beim Bau von Rechenzentren hat; vieles ist schon angesprochen worden. Ich will ein neues Thema in diese Debatte einbringen: das der geeigneten Flächen. Wenn man in Deutschland ein Rechenzentrum bauen will, dann sucht man zuallererst einmal ein Grundstück. Und wenn man das große Glück hat, ein solches zu finden, dann heißt es üblicherweise erst mal: warten. Warten auf Bebauungspläne, Umweltprüfungen, den Gemeinderatsbeschluss – warten, warten, warten, teilweise jahrelang.
Die Rechenzentrumsstrategie setzt jetzt hier neue Schwerpunkte. Sie gibt uns endlich die Chance, nicht weiter nach neuen Grünflächen suchen zu müssen, sondern alte Industrieflächen nutzen zu können, wo ohnehin oftmals schon Strom ist. Sie gibt uns die Möglichkeit, Netzanschlüsse frühzeitig zu vergeben und gemeinsam hochzuskalieren. Meine Damen, meine Herren, mehr Flexibilität, weniger Bürokratie: Das ist unsere Antwort in der Rechenzentrumsstrategie.
Diese Rechenzentrumsstrategie ist daher auch nur der Anfang, ein kurzfristiger Maßnahmenkatalog, der auf drei Gedanken fußt:
Erstens: Geschwindigkeit, weil wir erkannt haben, dass die Welt um uns herum nicht wartet.
Zweitens: Souveränität, weil wir nicht wollen, dass jemand anderes uns den Hahn abdrehen kann.
Und drittens: Verantwortung, weil wir es sind, die jetzt Tempo ins digitale Race bringen.
Ich freue mich darauf. Packen wir es an!