Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Um etwas von der Bedeutung der deutsch-ungarischen Beziehungen zu erfahren, muss man nur ganz wenige Schritte aus diesem Plenarsaal gehen. An der Nordostecke des Reichstags ist eine große, würdige Bronzetafel angebracht. Darauf steht in Großbuchstaben:
„10. SEPTEMBER 1989 EIN ZEICHEN DER FREUNDSCHAFT ZWISCHEN DEM UNGARISCHEN UND DEM DEUTSCHEN VOLKE FÜR EIN VEREINIGTES DEUTSCHLAND FÜR EIN UNABHÄNGIGES UNGARN FÜR EIN DEMOKRATISCHES EUROPA.“
Am 10. September 1989 hatte Ungarn endgültig seine Grenzen geöffnet. Niemand wüsste das besser als Botschafter Györkös, den auch ich hier sehr herzlich begrüße, der damals in verantwortlicher Position mitgewirkt hat. Das war eine mutige und großartige Tat.
Daher die Tafel, an deren Einweihung ich übrigens damals, im September 1991, selbst teilgenommen habe. Wenn Sie sich nachher vielleicht die Mühe machen und sich die Gedenktafel mal ansehen, werden Sie feststellen: Die Tafel ist in die Jahre gekommen. Sie bräuchte Beachtung und eine Wiederauffrischung.
Das gilt auch für die deutsch-ungarischen Beziehungen im Allgemeinen: Sie brauchen Beachtung und eine Wiederauffrischung. Nutzen wir jetzt die Chance des politischen Neuanfangs in Budapest und schlagen ein neues Kapitel auf in den Beziehungen zwischen Magyaren und Deutschen!
Ungarn hat am Sonntag die Fenster nach Europa und damit auch zu uns nach Berlin aufgestoßen. Das war kein Nebeneffekt der Wahlen am Sonntag. Die vom Wahlsieger Péter Magyar propagierte Rückkehr Ungarns in das Herz Europas war für viele Wähler ein zentraler Punkt für Ungarn, das 1956 so entsetzlich gelitten hat unter der Niederschlagung des Aufstands der Freiheit durch die sowjetischen Truppen.
Herr Frohnmaier, dass Sie hier den ungarischen Aufstand von 1956 in Ihrem russlandfreundlichen Munde führen, ist absurd.
Es sind die gleichen russischen Panzer, die heute den Menschen in der Ukraine die Freiheit nehmen.
Meine Damen und Herren, lassen Sie uns jetzt neue Wege gehen. Ein besonderes Anliegen ist mir das Deutsch-Ungarische Jugendwerk. Das ist die Zukunft. Bisher ist das überparteilich besetzte Jugendwerk weitgehend von Ungarn finanziert. Gerade in den zurückliegenden, schwierigen Jahren hat das Jugendwerk eine besonders wertvolle Rolle gespielt, indem es den Austausch junger Leute am Leben gehalten und gefördert hat. Im letzten November gab es zum Beispiel das großartige erste Deutsch-Ungarische Jugendparlament. 150 Menschen haben daran mitgewirkt, und sie haben richtig gearbeitet.
Aber zurück zur Gedenkplatte und zum Jahr 1989. Schirmherren des vom Herrn Staatsminister schon angesprochenen Paneuropäischen Picknicks waren Otto von Habsburg, für den ich damals arbeitete, und der ungarische sozialistische Staatsminister Imre Pozsgay. Das Wirken von Otto von Habsburg wird heute übrigens in Budapest von einer hochangesehenen Stiftung erforscht. Ungarn hat das erste Loch in die Mauer geschlagen. Oder um es mit Helmut Kohl auszudrücken, der den Beziehungen zu Ungarn immer einen besonderen Stellenwert eingeräumt hat: Die Erde unter dem Brandenburger Tor ist auch ungarische Erde.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns ein Signal senden, wie wichtig uns die Beziehungen zu Ungarn sind. Diese tausend Jahre Nachbarschaft sind eine große Verpflichtung. Für mich persönlich auch ganz besonders deshalb, weil mein Wahlkreis in der Niederlausitz einst Teil des Ungarischen Reiches unter König Matthias Corvinus war, von 1469 bis 1490. Sie sehen, die Verbundenheit ist geblieben.
Vielen Dank.