Zum Inhalt springen
74. Sitzung
Donnerstag, 23. April 202621. Wahlperiode, 74. SitzungBeratung des Antrags der Abgeordneten Harald Ebner, Dr. Julia Verlinden, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN — 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
11 VermerkeReaktionswert: hoch506 Wörter Im Protokoll lesen

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir erinnern uns heute an die Tschernobyl-Katastrophe, eine Katastrophe, die bis heute nachwirkt. Nämlich vor 40 Jahren verloren Menschen ihre Heimat, sie verloren ihre Gesundheit und auch ihre Zukunft. Bis heute tragen die Familien die Folgen – leise, aber dauerhaft.

Ich will die Gelegenheit auch nutzen, heute den vielen ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen zu danken, die in den vergangenen vier Jahrzehnten tatsächlich Kindern zum Beispiel Ferienaufenthalte, medizinische Versorgung und auch Bildungsstipendien ermöglichten. Das verdient unser aller Respekt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Tschernobyl war kein Einzelfall. Die Fukushima-Katastrophe und der Three-Mile-Island-Accident zeigen: Das Restrisiko ist real. Das können Sie irgendwie zu erklären versuchen, Herr Dr. Kraft, und sich auf bestimmte Dinge kaprizieren; aber es war halt kein Einzelfall. Die Kosten sind auch enorm. Schauen wir nach Tschernobyl, schauen wir nach Fukushima: Es sind dreistellige Milliardenbeträge, die uns diese Risiken, diese Unfälle gekostet haben. Das Risiko steigt auch mit zunehmendem Alter. Die ältesten Atomkraftwerke stehen mitten in Europa, nämlich genau an der deutsch-schweizerischen Grenze, in einem sehr dicht bevölkerten Gebiet.

Und die funktionieren hervorragend!

Auch wenn es ein ländlicher Raum ist, aber Europa ist halt mal dicht bevölkert. Dort mittendrin stehen sie.

Zum Risiko der AKWs hinzu kommen natürlich auch die Hinterlassenschaften, nämlich der Atommüll: hochradioaktiv, gefährlich für Hunderttausende von Jahren. Die Endlagerung kostet nicht nur bis heute Milliarden, sondern wir belasten damit auch Generationen um Generationen, die nie eine Kilowattstunde Nutzen davon hatten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Lorenz Gösta Beutin [Die Linke]

Der Krieg in der Ukraine zeigt auch, wie verwundbar Atomkraft ist. Das Kernkraftwerk Saporischschja stand unter Beschuss und wurde beschädigt. Auch im Nahen Osten sehen wir, wie eng Atomtechnologie und Konflikte zusammenhängen, etwa rund um das Kernkraftwerk Buschehr und beim iranischen Atomprogramm. Ich glaube, deutlicher kann man das eigentlich gar nicht zeigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Die Gefahr von Eskalation und Weiterverbreitung ist real. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ein gutes radiologisches Zentrum haben und wir genau sehen und verfolgen können, was tatsächlich läuft.

Die Atomkraft ist nicht nur riskant; sie ist unwirtschaftlich, sie ist teuer.

Zurufevon der AfD: Falsch!
Weiterer Zurufvon der AfD: Das ist Unsinn!

Das müssen sie auch den Bürgerinnen und Bürgern sagen. Sie ist nämlich nicht nur bei den Gestehungskosten die teuerste Form der Energiegewinnung, sondern auch bei dem, was hinterherkommt. Hier quasi einen Tanz um das Goldene Kalb zu machen und den Bürgern ein X für ein U vorzumachen, funktioniert nicht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Lorenz Gösta Beutin [Die Linke]

Erneuerbare Energien machen uns unabhängig.

Sie machen uns auch unabhängig vom Uran.

Wir machen Deutschland unabhängig von der SPD!

Ich will noch mal sagen: Zur Brennelementefabrik in Lingen liegt die Genehmigungsbefugnis tatsächlich beim niedersächsischen Umweltministerium und nicht bei der Bundesregierung.

Mit einem Satz: Atomkraft ist keine Zukunftstechnologie, auch nicht dann, wenn man meint, man müsse sie in kleinere Portionen aufteilen. Auch dann ist sie nicht ungefährlicher, sondern tatsächlich macht man damit eigentlich nur etwas aus einer alten Idee. Man gießt etwas Altes in neue Schläuche. Das bringt ein industrielles Land, wie wir es sind, nicht weiter.

Beifallbei der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Tschernobyl ist eine Mahnung, Verantwortung zu übernehmen für die Menschen heute und auch für die zukünftigen Generationen. Deshalb: Die Zukunft unserer Energie ist erneuerbar.

Ich danke Ihnen vielmals.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Beifallbei der Linken

Ähnliche Reden