Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wenn man nach der AfD redet, bleibt es nicht aus,
dass man sagen muss, dass da sehr viel Realitätsverweigerung dabei war. Ich glaube nicht, dass man dann blass wirkt. Wenn Sie hier behaupten – das muss man wirklich mal sagen –, die Preissteigerungen würden durch dieses Haus verursacht, dann zeigt das, dass Sie keine Ahnung haben, was auf der Welt gerade los ist und was die Menschen wirklich bewegt.
Ich komme zum Antrag. Da geht es um ein wichtiges Thema, nämlich darum, wie man lange im Beruf gesund bleiben kann. Wir alle spüren in unserem Arbeitsalltag, ob im Büro, im Kontakt mit einem Kunden oder auf der Baustelle: Arbeit hat sich extrem verdichtet. Durch neue Technologien wie E-Mails und Messengerdienste hat sich die Kommunikation enorm beschleunigt – und damit auch die Geschwindigkeit, mit der Arbeit erledigt wird, und die Erwartungshaltung, wie sie erledigt werden soll.
In einer Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz“ sagten 50 Prozent der Beschäftigten, dass sie am Arbeitsplatz eine so starke Belastung durch Zeitdruck verspüren, dass sie nicht glauben, gesund das gesetzliche Renteneintrittsalter erreichen zu können. Viele der Beschäftigten geben die Einschätzung, dass sie in ihrer jetzigen Tätigkeit Einschränkungen erfahren werden. Das ist die Situation, das ist die Problemlage, über die wir hier sprechen. Das ist nicht neu; aber das Problem wird immer größer – und damit auch die Herausforderung, vor der wir alle stehen. Deswegen auch von mir ein Dank an die Grünen, dass dieses wichtige Thema hier behandelt wird.
Der Antrag enthält viele gute Punkte; trotzdem ist es mir wichtig, hier eines zu sagen: Ich finde, der Antrag kümmert sich zwar darum, was wir als Parlament tun können, schaut aber zu wenig auf die Verantwortung der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in diesem Land. Warum? Zuallererst liegt die Verantwortung für die Gesundheit der Beschäftigten doch bei den Sozialpartnern. Zuerst sollen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gemeinsam dafür sorgen, dass niemand durch seine Arbeit krank wird oder zu Schaden kommt.
Die Arbeitgeber tragen auch die Verantwortung, nicht nur auf Zahlen und Deadlines zu schauen. Nicht immer mehr leisten in immer weniger Zeit! Dann bleibt nämlich die Gesundheit der Beschäftigten auf der Strecke oder wird sogar zum Störfaktor. Wenn die Arbeitgeber dieser Verantwortung nicht gerecht werden, dann bleiben zwei Möglichkeiten.
Die erste Möglichkeit ist: Wir können hier alles kleinteilig bis ins Detail regeln, mehr und mehr Bürokratie und Vorschriften schaffen. Das birgt aber immer auch die Gefahr, dass wir an der betrieblichen Realität vorbeiarbeiten. Wir müssen nicht immer versuchen, alles besser zu wissen als die Menschen vor Ort.
Die zweite, bessere Möglichkeit ist – meine Kollegin Angelika Glöckner hat es gerade schon gesagt –: Wir befähigen die Beschäftigten vor Ort mit der betrieblichen Mitbestimmung dazu, selbst für Arbeitsbedingungen zu sorgen, die gesunde Arbeit garantieren.
Unsere sozialdemokratische Antwort ist genau diese sozialpartnerschaftliche: Auf die Herausforderungen einer immer schnelleren Arbeitswelt antworten wir mit mehr betrieblicher Mitbestimmung und einer Stärkung von Tarifverträgen.
Und so, über diesen Weg, können wir für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz sorgen – nicht nur, damit die Menschen am Ende länger arbeiten können, worauf der Antrag abzielt, sondern auch, damit die Menschen gesund bleiben. Denn Gesundheit ist ein Wert an sich.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.