Pech gehabt, Herr Kollege! Ich habe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem DLR, zwölf Jahre lang Energieforschung betrieben. Und warum haben wir das gemacht? Wir wollen das Klima und die Natur schützen. Deswegen brauchen wir die Windanlagen.
Dass Sie Naturschutz und Klimaschutz – dazu auch Artenvielfalt – immer wieder gegeneinander ausspielen,
ist wirklich schwach.
Was ist Ihre Alternative? Es ist keine Alternative, das Klima nicht zu schützen,
indem wir einfach weiter Gas verbrauchen und damit nicht nur die Lebensgrundlage der Menschen, sondern auch die aller Arten dieser Welt, aller Wesen zerstören.
Die Antwort darauf ist, dass wir mehr grüne und weniger fossile Energiequellen und deswegen mehr Windkraftanlagen brauchen.
Ja, es gibt natürlich das Vogelproblem.
Aber die Technologie ist so weit fortgeschritten, dass wir die Windanlagen stoppen können.
– Doch, ich weiß, wovon ich rede. Durch den Autoverkehr sterben viel mehr Vögel als durch Windanlagen.
Wir erleben auch heute wieder das Übliche: ideologischer Quatsch statt energiepolitische Expertise. Das überrascht inzwischen niemanden mehr.
Was allerdings tatsächlich Anlass zur Sorge gibt, sind nicht diese dauernd eingebrachten Krawallanträge, sondern konkrete politische Entscheidungen dieser Regierung mit realen Folgen. Denn ja, die AfD stellt laut, offen und faktenfrei die Energiewende infrage, aber Ministerin Reiche und die Union beteiligen sich aktiv an ihrer Rückabwicklung.
Nehmen wir den geplanten Redispatch-Vorbehalt. In Regionen, in denen im Vorjahr mehr als 3 Prozent des Stroms wegen Netzengpässen abgeregelt werden mussten, sollen neue Anlagen zehn Jahre lang keine Entschädigung mehr erhalten. Das macht viele Projekte unwirtschaftlich; das macht sie auch unattraktiv und kaum noch finanzierbar.
Statt den Netzausbau und die Netzoptimierung in Engpassregionen voranzubringen, werden Erneuerbare ausgebremst. Das darf so nicht umgesetzt werden.
Die Energiewende werden wir niemals aufgeben; wir kämpfen weiter für sie.
Meine Damen und Herren, ich stehe hier als Abgeordneter aus dem schönen Niedersachsen. Wir sind das Windland Nummer eins
und haben es geschafft, unseren Strombedarf zu mehr als 100 Prozent aus Erneuerbaren zu decken.
Der nächste entscheidende Schritt ist deshalb klar: Wir müssen diesen Strom speichern und dann verfügbar machen, wenn er gebraucht wird. Das Zauberwort heißt „Flexibilität“ – das haben Sie bestimmt noch nicht gehört –, und die ist längst überfällig. Wir brauchen Speicher, intelligente Netze und innovative Ansätze
wie bidirektionales Laden, steuerbare Wärmepumpen und Wärmenetze als Energiespeicher.
Die Lösung ist also nicht, Windkraft zu verbieten oder auszubremsen. Die Lösung ist, das E-Potenzial und alle Flexibilitätsmöglichkeiten im System endlich voll zu nutzen; denn das sorgt für stabile und bezahlbare Preise, mehr Unabhängigkeit, industrielle Wertschöpfung hier in Deutschland. Und dabei ist das auch noch gut fürs Klima.
Die Expertise dafür haben wir längst in der Forschung und in der Entwicklung, im Mittelstand und in der Industrie. Nutzen wir sie endlich! Und vielleicht sollten wir uns auch daran erinnern: Hässlich ist nicht Windkraft, hässlich ist Politik, die Zukunft verhindert.
Vielen Dank.