Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen und andere!
Deutschland hat die Wahl zum nichtständigen Mitglied im UN-Sicherheitsrat verloren – ziemlich klar, deutlich, ganz ohne Zitterpartie. Das ist wirklich eine herbe Niederlage, und wir werden sie auch nicht schönreden; der Herr Staatsminister hat das auch nicht getan.
Durchgefallen bei einer Wahl in den UN-Sicherheitsrat war Deutschland bisher noch nie. Das verlangt eine ehrliche Analyse, und das verlangt auch Haltung und die Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen – auch an uns selbst und auch an vergangene Bundesregierungen.
Aber zuerst ein Wort, das dieser Moment verdient: Außenminister Wadephul hat bis zur letzten Minute gekämpft und wirklich alles gegeben.
Er hat das Ergebnis klar benannt, eine tiefgreifende Analyse angekündigt und die richtigen Konsequenzen gezogen. Und dafür danken meine Fraktion und ich ihm ausdrücklich.
Denn die richtige Konsequenz ist nicht Rückzug. Deutschland wird sich nicht in die Schmollecke verziehen. Wir werden auf der internationalen Bühne weiterhin präsent bleiben, unser Engagement verlässlich fortführen und unsere Rolle in der Generalversammlung selbstbewusst gestalten.
Und nun zu einem kleinen Teil einer ehrlichen Analyse. Ex-UN-Botschafter Heusgen hat einen der Punkte für diese Niederlage benannt: „Wenn wir das Völkerrecht relativieren, dürfen wir uns nicht wundern.“ Ja, das sitzt! Das sitzt bei uns; denn das ist ein Hinweis, den wir ernst nehmen sollten. Dort, wo mehr Klarheit gefordert gewesen wäre, waren wir vielleicht manchmal nicht klar genug. Das könnte bei den Staaten, die in New York mit abgestimmt haben, Spuren hinterlassen haben. Wer auf der Weltbühne gehört werden will, muss bereit sein, unbequeme Wahrheiten auch dann auszusprechen, wenn sie starke Partner betreffen. Es geht um Glaubwürdigkeit und Haltung.
Das ist allerdings nur eine der Lektionen aus New York – eine ernste, eine wichtige und eine, mit der wir konstruktiv umgehen werden, aber nicht die einzige, so wie die Gründe der Nichtwahl vielschichtig waren.
Und jetzt, meine Damen und Herren von der AfD, zu Ihnen!
Sie haben die Aktuelle Stunde beantragt. Sie sorgen sich um das Ansehen Deutschlands in der Welt. Das finde ich echt putzig. Es wäre rührend, wenn es nicht so entlarvend wäre.
Schauen wir uns doch mal an, was Sie wirklich tun: Ihre Abgeordneten reisen nach Washington
und erzählen dort, wie Deutschland und Europa die Justiz missbrauchen. Sie geben in russischen Propagandasendern Interviews und stellen Deutschland als Unrechtsstaat dar. Pseudowahlbeobachtungsmission, Verbreitung russischer Kriegspropaganda, ganz aktuell Flanieren in Sankt Petersburg: Das ist Ihre außenpolitische Bilanz.
Bei Ihren Anti-Deutschland-Reisen
haben Sie wirklich ganze Arbeit geleistet. Herzlichen Glückwunsch!