Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man den Jahresbericht des Petitionsausschusses aufschlägt, begegnet man zunächst vielen Zahlen: 12 399 Petitionen im Jahr 2025 mit mehr als einer halben Million Unterstützungen. Davon wurden 652 Petitionen veröffentlicht. Somit erreichten den Deutschen Bundestag im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 50 Petitionen pro Tag, 50 Menschen also, die sich Tag für Tag mit ihrem Anliegen an unser Parlament wenden.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber 2024 ist die Zahl der Petitionen um rund 34 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung verdient Aufmerksamkeit. Denn hinter diesem deutlichen Anstieg stehen nicht nur mehr Verfahren und mehr Arbeit für den Ausschuss. Er macht auch deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich weiterhin an den Deutschen Bundestag wenden, wenn sie Kritik äußern, Entscheidungen hinterfragen oder Verbesserungen anregen wollen.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Je länger man über diese Zahl nachdenkt, desto deutlicher wird, was sich dahinter verbirgt. Denn hinter jeder Petition steht ein Mensch, der darauf vertraut, dass sein Anliegen gehört, geprüft und vor allen Dingen ernst genommen wird. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Jahresberichtes.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Denn in einer Zeit, in der häufig über Politikverdrossenheit, über gesellschaftliche Polarisierung und über schwindendes Vertrauen in staatliche Institutionen gesprochen wird, haben sich im vergangenen Jahr mehr als 12 000 Menschen bewusst dafür entschieden, sich an den Deutschen Bundestag zu wenden. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Wer eine Petition schreibt, nimmt die Demokratie beim Wort. Er erwartet, dass sich staatliche Institutionen mit seinem Anliegen auseinandersetzen und dass Argumente auch Gehör finden.
📢Johannes Schraps [SPD]: Sehr richtig!
Genau darin liegt die besondere Stärke des parlamentarischen Petitionswesens. Denn nur für Petitionen an den Deutschen Bundestag gilt die verfassungsrechtlich verankerte Dreifachgarantie: Jede Petition wird entgegengenommen, geprüft und beschieden, und zwar unabhängig davon, ob sich eine einzelne Person oder viele Tausend Menschen mit einem Anliegen an uns wenden. Dieses Vertrauen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein hohes Gut, und es ist zugleich ein Auftrag an uns.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Meine Damen und Herren, das Jahr 2025 war für den Petitionsausschuss ein besonderes Jahr. Zum einen war es geprägt vom Wechsel der Wahlperiode, zum anderen konnten wir zwei wichtige Jubiläen begehen: Vor 50 Jahren wurde der Petitionsausschuss als Pflichtausschuss im Grundgesetz verankert, und vor 20 Jahren ging die erste elektronische Petition beim Deutschen Bundestag ein. Beides macht deutlich, dass das Petitionsrecht kein Randbereich unserer parlamentarischen Demokratie ist. Es gehört zu ihren festen Fundamenten.
👏Beifall des Abg. Dr. Marlon Bröhr [CDU/CSU]
Artikel 17 des Grundgesetzes garantiert jedem Menschen das Recht, sich mit Bitten und Beschwerden an die Volksvertretung zu wenden. Das ist verfassungsrechtlich garantiert; da kann man wirklich klatschen.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD und der Linken
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dahinter steht ein Gedanke, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Demokratie erschöpft sich nicht darin, alle vier Jahre ein Kreuz auf dem Stimmzettel zu machen. Sie lebt auch davon, dass Menschen ihre Erfahrungen, ihre Kritik und ihre Vorschläge in den politischen Prozess einbringen können. Das Petitionsrecht eröffnet genau diesen Weg. Es schafft eine Verbindung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und dem Parlament und sorgt dafür, dass ihre Erfahrungen, ihre Kritik und ihre Vorschläge in politische Entscheidungsprozesse einfließen können.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer die Petitionen eines Jahres liest, erhält einen sehr unmittelbaren Eindruck davon, was die Menschen in unserem Land bewegt. Man begegnet dort nicht abstrakten politischen Debatten, sondern konkreten Lebenssituationen. Man liest von Menschen, die Unterstützung suchen, von Familien, die mit Behördenentscheidungen ringen, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die auf Probleme aufmerksam machen, von Menschen mit Behinderungen, die um Teilhabe kämpfen, und von Bürgerinnen und Bürger, die überzeugt sind, dass bestehende Regelungen verbessert werden sollten. Und genau deshalb sind Petitionen für uns Abgeordnete so wertvoll. Sie machen sichtbar, wie politische Entscheidungen in der Praxis wirken. Sie machen deutlich, wo Regelungen funktionieren, und sie geben Hinweise darauf, wo Handlungsbedarf besteht.
Und der Jahresbericht 2025 verdeutlicht dies sehr eindrucksvoll. Die Themen reichen von der inneren Sicherheit über Gesundheit, soziale Sicherung bis hin zu Mobilität, Digitalisierung und Inklusion. Diese Vielfalt spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen in unserem Land wider. Sie macht zugleich deutlich, wie groß die Erwartungen an Politik und an den Staat sind.
📢Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!
Für uns als Parlament ist das von besonderer Bedeutung; denn politische Entscheidungen, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden häufig auf der Grundlage allgemeiner Regelungen getroffen. Ob diese Regelungen aber ihren Zweck erfüllen, zeigt sich erst im Alltag der Menschen.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Und genau da setzt die Arbeit des Petitionsausschusses an. Immer wieder zeigt sich dabei, dass Petitionen politische Entwicklungen tatsächlich anstoßen können. Ein Beispiel dafür ist die Petition zum Verkauf von Lachgas an Minderjährige. Die Petentin machte auf gesundheitliche Risiken aufmerksam, die zunächst nur wenig öffentliche Beachtung erfahren hatten. Der Deutsche Bundestag griff dieses Anliegen auf und überwies die Petition zur Berücksichtigung an die Bundesregierung. Und inzwischen wurden Regelungen geschaffen, die Kinder und Jugendliche besser schützen. Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, welche Bedeutung das Petitionsrecht haben kann.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht jede Petition führt immer zu einer Gesetzesänderung; aber jede Petition erweitert unseren Blick auf die Auswirkungen politischen Handelns. Deswegen ist ein weiterer Befund unseres Jahresberichtes ebenso wichtig: Rund 69 Prozent aller Eingaben betreffen individuelle Beschwerden und persönliche Anliegen. Hier geht es nicht immer um politische Grundsatzfragen, hier geht es um ganz konkrete Lebenssituationen: um einen Bescheid, um eine Leistung, um eine Entscheidung, die für die Betroffenen von großer Bedeutung ist. Gerade diese Eingaben machen deutlich, warum der Petitionsausschuss weit mehr ist als ein Ausschuss für politische Forderungen. Er ist auch ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger erwarten dürfen, dass ihre Anliegen sorgfältig geprüft werden.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, gehört zum Selbstverständnis unseres parlamentarischen Systems.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Jahresbericht dokumentiert Ergebnisse, Beschlüsse und Verfahren. Weniger sichtbar ist häufig die Arbeit, die hinter jedem einzelnen Vorgang steht. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, auch im Namen aller Mitglieder des Petitionsausschusses den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ausschusssekretariates ausdrücklich zu danken.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD
Mit großer Fachkenntnis, außergewöhnlicher Sorgfalt und bemerkenswerter Gründlichkeit bearbeiten sie Jahr für Jahr Tausende Eingaben, prüfen Sachverhalte, werten Stellungsnahmen aus, begleiten die parlamentarischen Beratungen und stehen auch uns jederzeit Rede und Antwort. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für die Arbeit des Ausschusses. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das Petitionsrecht tagtäglich eingelöst werden kann. Stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für das gesamte Team, möchte ich Frau Leuenberger und Herrn Trampler herzlich danken. Ihr Engagement verdient unsere ganz besondere Anerkennung. Vielen Dank dafür!
👏Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD und der Linken
Ich möchte mich auch bei den Mitgliedern des Petitionsausschusses und allen Mitarbeitern, die dafür stehen, ganz herzlich bedanken, die sich mit großem Engagement den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger widmen. Gerade der Petitionsausschuss, liebe Kolleginnen und Kollegen, zeigt immer wieder, dass uns bei aller Unterschiedlichkeit in politischen Fragen ein gemeinsames Ziel verbindet: die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen, sorgfältig zu prüfen und immer wieder nach guten Lösungen zu suchen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mehr als 12 000 Petitionen innerhalb eines Jahres sind nicht nur eine beeindruckende Zahl; sie sind Ausdruck eines Vertrauens, das Bürgerinnen und Bürger unserem Parlament entgegenbringen. Dieses Vertrauen dürfen wir niemals als selbstverständlich ansehen. Es muss immer wieder neu verdient werden – durch Offenheit, durch Sorgfalt und durch die Bereitschaft, die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen.
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Er bringt die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger in die parlamentarische Arbeit ein. Er hilft dabei, politische Entscheidungen an der Wirklichkeit zu messen. Und er erinnert uns daran, dass Demokratie dann besonders stark ist, wenn Menschen die Erfahrung machen, dass ihre Stimme gehört wird.
Sorgen wir bitte gemeinsam dafür, dass dieses Vertrauen auch künftig gerechtfertigt bleibt!
Vielen herzlichen Dank.
👏Beifall bei der CDU/CSU, der AfD, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]
PVizepräsident Bodo Ramelow: Für die AfD-Fraktion hören wir Manfred Schiller.