Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer mit Eltern, mit Lehrkräften, mit Erzieherinnen und Erziehern spricht, der bekommt derzeit selten irgendwelche ideologischen Grundsatzdebatten zu hören. Die meisten wünschen sich vielmehr Konkretes, nämlich dass die Schulen und die Kindergärten einfach funktionieren, dass der Unterricht verlässlich stattfindet und dass die Kinder genau die Förderung bekommen, die sie brauchen.
Und die Herausforderungen sind doch allen längst bekannt. Viele Kinder starten mit sprachlichen Defiziten in die Schule. Unsere Erzieherinnen und Erzieher, unsere Lehrkräfte arbeiten seit Jahren unter hoher Belastung. Gleichzeitig übernehmen die Schulen und die Betreuungseinrichtungen immer mehr Aufgaben zusätzlich zum eigentlichen Bildungsauftrag. Deswegen greift es meines Erachtens zu kurz, immer neue Forderungskataloge aufzustellen, als hätte man die anderen Probleme erst gerade entdeckt.
Jetzt mal ganz ehrlich: Die Grünen waren dreieinhalb Jahre Teil der Bundesregierung. Deshalb darf man auch schon mal fragen, warum viele der Schwierigkeiten, die heute durchaus berechtigterweise beschrieben werden, in dieser Zeit nicht kleiner geworden sind. Denn weder Bildungsungleichheit noch die Probleme bei der frühkindlichen Bildung oder frühkindlichen Förderung oder auch der Fachkräftemangel kamen jetzt überraschend ums Eck. Trotzdem blieb nach dreieinhalb Jahren häufig der Eindruck zurück, dass die politischen Debatten und auch die neuen Förderankündigungen wichtiger waren als vielleicht spürbare Verbesserungen im Alltag unserer Familien, der Schulen und der Betreuungseinrichtungen.
Die Familien erwarten zu Recht, dass die Betreuung funktioniert, dass der Unterricht verlässlich stattfindet und dass die Kinder die Unterstützung bekommen, die sie einfach brauchen. Dafür brauchen wir eine gute Struktur, dafür brauchen wir die Fachkräfte und eine gezielte Förderung. Und die Antwort auf dieses Problem kann nicht immer nur lauten: Wir brauchen mehr Programme, wir brauchen mehr Zuständigkeiten des Bundes und immer neue Milliardenforderungen. Wir haben es gehört: Das Geld wächst nicht auf den Bäumen. Entscheidend ist doch, ob die Unterstützung tatsächlich bei den Kindern ankommt und den Alltag in den Schulen und Kindergärten verbessert. Darum geht es, um nicht mehr und auch nicht um weniger.
Deshalb setzen wir stärker auf Qualität und die frühe Förderung; denn die Bildungsungleichheit entsteht häufig schon sehr früh, wenn Kinder mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in unserem Bildungssystem starten. Genau deshalb investieren wir gezielt in die Sprachförderung, gezielt in die Ganztagsangebote, gezielt in bessere Bildungs- und Betreuungsstrukturen. Wir arbeiten daran, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, indem wir neue Fachkräfte gewinnen und die Einrichtungen im Alltag stärker entlasten. Auch das gehört zur Wahrheit: Geld allein wird unsere Probleme nicht lösen können. Wenn die Fachkräfte immer mehr Zeit für Bürokratie aufwenden müssen, dann hilft das keinem einzigen Kind. Wenn die Lehrkräfte dauerhaft an der Belastungsgrenze arbeiten, verbessert das keine Bildungschancen für unsere Kinder.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Kinder brauchen faire Chancen unabhängig davon, aus welchem Elternhaus sie kommen.
Familien brauchen Verlässlichkeit. Und unser Bildungssystem braucht keine Politik, die Probleme nur beschreibt, sondern eine Politik, die pragmatisch an die Probleme herangeht, sie Schritt für Schritt auch löst.
Das ist unser aller Auftrag, und dem müssen wir uns auch stellen.
Vielen Dank.