Herr Kollege, ich finde es positiv, dass Sie diesen Punkt noch mal hervorheben, damit ich das auch deutlich machen kann: Was vor 20 Jahren in Büchern geschrieben worden ist, ist eine politische Auffassung, eine politische Meinung; die kann man für gut oder für falsch halten. Ich rede jetzt über einen stattgefundenen historischen Sachverhalt, der in der Vergangenheit liegt. Und dieser Sachverhalt besteht darin – ohne jeden Zweifel –, dass Russland seit über vier Jahren unter Verletzung von fundamentalen Prinzipien des Völkerrechts einen Angriffskrieg, einen zivilen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine durchführt. Und an dieser Tatsache ist nicht zu rütteln.
Das ist die historische Wahrheit.
Dagegen haben Sie auch keinen Widerspruch erhoben. Sie haben ja nicht mit einem Wort gesagt: Doch, es ist völkerrechtskonform. – Dazu haben Sie nichts zitiert. Sie haben auch nicht gesagt, dass Russland nicht angegriffen habe. Sie hätten vielleicht noch sagen können, dass die Ukraine praktisch unbewaffnet war, weil die deutsche und auch die europäische Politik gesagt haben: Wir tun nichts, um diesen Konflikt zu militarisieren – das war ein Fehler –; darum lassen wir die Ukraine mehr oder weniger schutzlos.
Russland hat ein mehr oder weniger schutzloses Land überfallen und versucht seit über vier Jahren, es zu vernichten. Und dass Sie das nicht aussprechen, dass Sie die Anerkennung der Wahrheit verweigern,
das ist ein schwerer politischer, charakterlicher Fehler der AfD, der sich durch die gesamte Debatte zieht.
Meine dritte Frage an Sie ist: Wie kann man so desinteressiert am Frieden sein? Denn wer gleichgültig gegenüber Krieg ist, der wird doch niemals Frieden erreichen. Sie machen keine Friedenspolitik – weil Sie der Krieg und auch seine Beendigung nicht interessieren.
Meine vierte Frage. Wie kann man so uneuropäisch sein, wie Sie es sind? Sehen Sie nicht, dass unsere östlichen Nachbarn unmittelbar durch diesen Krieg, der an ihrer Grenze stattfindet, bedroht sind?
Sehen Sie nicht, dass, wenn Russland diesen Krieg gewinnt, sich diese Nachbarn und übrigens auch Deutschland dann auch unmittelbar der Kriegsgefahr durch Russland ausgesetzt sehen?
Wie kann man so uneuropäisch sein! Die europäische Friedensordnung ist das, was wir erstreben. Sie akzeptieren Krieg. Sie sind nicht für die europäische Friedensordnung.
Sie sind für die Akzeptanz von Krieg mitten in Europa. Das ist die AfD, und das ist die Wahrheit.
Und meine fünfte und abschließende Frage ist: Wie kann man so unpatriotisch sein?
Denn wenn dieser Krieg zum Erfolg für Russland wird, dann macht Krieg Schule, dann wird Krieg zum Erfolgsmodell. Dann kommt der Krieg Deutschland näher. Dass dieser Krieg scheitert, ist ein existenzielles Interesse Deutschlands, ein Vaterlandsinteresse.
Sie vertreten nicht vaterländische Interessen.
Nun gebe ich Ihnen auch noch die Antwort auf diese fünf Fragen. Wie kann man so eine Politik vertreten? Meine Antwort ist: Eine solche Politik, die in jeder Beziehung so haarsträubend ist, kann man nur vertreten, wenn man sich selber als der Handlanger Putins in Deutschland versteht.
Das ist ihre Rolle in Deutschland. So verhalten Sie sich: konform, interessenorientiert. So ist ja auch Herr Frohnmaier in Moskau registriert: als ein dienendes Instrument russischer Politik.
Ich sage Ihnen neben meiner Antwort auf diese Fragen: Wir in der Mitte dieses Hauses – und das ist ein demokratisches, politisches Gut, dass wir das alle voneinander sagen können –, wir betreiben Friedenspolitik.
Wir halten Frieden für die historisch-moralische Lehre aus der deutschen und europäischen Geschichte.
Und weil wir Friedenspolitik machen, ist Ziel unserer Politik, dass Krieg scheitern muss.
Der russische Krieg hat übrigens angefangen, zu scheitern; das ist auch ein Teil der Wahrheit.