Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine verehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich habe diese Debatte verfolgt und eigentlich gedacht, dass ein bisschen mehr Freude dahinter ist, nämlich Freude darüber, dass es uns gelungen ist, Konversionsmaßnahmen und ‑therapien endlich unter Strafe zu stellen und endlich in diesem Land zu ächten.
Deshalb mein Dank an die Staatssekretärin Weiss, die ja versucht hat, diese Freude zum Ausdruck zu bringen.
Es ist ein epochales Ereignis in Deutschland. Niemals zuvor sind auf deutschem Boden derartige Therapien und Maßnahmen, derartige Eingriffe an Menschen unter Strafe gestellt worden. Ich sage das deshalb, weil ich in den letzten Tagen und Wochen vor dieser Abstimmung das Gefühl hatte, als wenn zwar eine gute Suppe serviert würde, aber jeder, der sie nicht selbst gekocht hat, darin sucht, um zu sehen, ob in dieser Suppe nicht vielleicht doch ein Härchen oder Steinchen ist, das nicht in diese Suppe passt, obwohl die Suppe gut gekocht ist, einfach weil sie ordentlich ist.
Das entsprechende Verfahren, das wir unter Führung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld auf den Weg gebracht haben, hat zu einem Ergebnis geführt, das nicht das absolut Ideale ist. Wir wollten mehr – die Kollegin Hilde Mattheis hat das angesprochen –, und wir werden auch noch mehr als dies erreichen; denn Politik ist ein immerwährender Prozess. Aber freuen wir uns heute darüber,
dass wir allen jungen Menschen bis zum 18. Lebensjahr diese Qualen von angeblichen Konversionstherapien, die ich als Unfug und als Unheil bezeichne, endlich ersparen.
Freuen wir uns auch darüber, dass ein kleiner Schritt in die Gruppe der bis 26-Jährigen, die ich gerne geschützt haben möchte, erreicht ist! Dies ist dadurch geschehen, dass die Definition dessen, was Einflussnahme, was Druck auf die freie Selbstbestimmung ist, deutlich weiter gefasst wurde und beispielsweise das Entziehen des Erbteils schon als unzulässige Einflussnahme und Erzeugen eines Drucks gesehen werden kann. Freuen wir uns darüber, dass wir mit diesem Gesetzentwurf nun endlich die Möglichkeit haben, nicht nur die Therapien zu verbieten, sondern endlich gegen die unseligen Werbungen vorzugehen!
Ich würde mir wünschen, dass wir den heutigen Tag dazu nutzen, die Aufgaben, die vor uns liegen, zu beschreiben, wie gegebenenfalls das Strafmaß zu erhöhen, das Schutzalter für ein tolles Beratungsangebot zu erhöhen, flächendeckend in dieser Republik dafür zu sorgen, dass junge Menschen nie in Nöte kommen, dafür zu sorgen, dass auch die Glaubens- und Religionsgemeinschaften in diesem Land nicht nur an Workshops teilnehmen, sondern aktiv mitarbeiten, dass solche kulturellen, religiösen und klerikalen Ideen überhaupt nie umgesetzt werden.
Dieser Tag heute ist ein guter Tag, und ich glaube, wenn wir an diesem guten Tag den Prozess weiterhin anstoßen, kommen wir zu noch besseren Ergebnissen – deutlich besseren Ergebnissen –, als wir sie vielleicht heute haben. Freuen wir uns über das, was wir erreicht haben! Das ist was Gutes. Deshalb: Bitte stimmen Sie diesem Gesetzentwurf zu! Es ist ein guter, richtiger epochaler Schritt.