Nein.
Drittens. MINT-Bildung hat im Osten eine lange Tradition. Sie hieß dort „polytechnische Bildung“. Daran gibt es viel zu kritisieren, aber es gibt auch sehr viel Interessantes, was man durchaus hinterfragen könnte. Dennoch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Angebote, die vom Bund bereitgestellt werden, sehr viel weniger angenommen werden. Das muss uns nachdenklich machen. Lassen Sie mich das am Anteil der MINT-Regionen im Osten verdeutlichen. In Sachsen-Anhalt – das ist bei mir um die Ecke – gibt es eine einzige MINT-Region, obwohl Mitteldeutschland Chemieregion ist. In Nordrhein-Westfalen gibt es dagegen 41 MINT-Regionen. Das ist symptomatisch. Hier läuft was schief.
Das heißt, Akteurinnen und Strukturen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Berlin müssen direkt angesprochen werden, und ihre Erfahrungen müssen auf Wertschätzung stoßen.
Viertens. Naturwissenschaftliche Bildung darf kein Einfallstor für Lobbyismus werden. Herr Sattelberger, Redundanz und Klischees langweilen.
Was ist eigentlich gemeint? Gemeint ist: Schulen sind momentan zum Beispiel in Bezug auf die digitale Infrastruktur ausgehungert. Es wird am Limit gearbeitet. Es gibt einen Mangel an gut ausgebildeten Lehrkräften und an dem, was man für digitales Lernen braucht. Wenn jetzt die ganz großen Player ans Tor klopfen – da bin ich mir im Übrigen mit sehr vielen aufmerksamen Lehrkräften einig –, dann sollte ein gerüttelt Maß an Skepsis und an Vorsicht aufgerufen werden; denn die Konzentration auf deren Betriebssysteme und auf deren Software gefährdet digitale Mündigkeit. Dabei ist das eine ganz zentrale Kompetenz.
Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Betriebssystemen aufwachsen, dass sie hinter die Kulissen gucken und selbst programmieren und verändern können; „Open Educational Resources“ ist das Stichwort. Wir brauchen Standards offener Bildung, Software, die mit offenen Quellcodes arbeitet, und wir brauchen Rahmenbedingungen, die zur Förderung dieser Bildungsmaterialien beitragen.
Wir brauchen Interoperabilität, das heißt, das Miteinander der Systeme muss funktionieren. Außerdem brauchen wir eine Kultur des Tauschens und des Teilens statt der Abhängigkeit von Lizenzen geschlossener Programme.
Selbstverständlich sind wirtschaftliche Interessen legitim – wir werden auch künftig Schulbücher nicht von der Kultusbehörde schreiben lassen; selbstverständlich nicht –, aber in Schulen haben Lock-in-Effekte nichts zu suchen. Hier brauchen wir Aufmerksamkeit und Standards.
Wenn ich es auf den Punkt bringen soll: MINT-Bildung muss nicht nur sensibel für Vielfalt sein, sondern Vielfalt muss dort auch stattfinden; sonst wird es nichts mit erfolgreicher MINT-Bildung.