Nein. – Rollenbilder wirken leider auch in die andere Richtung. Ein Vater, der sich um die Kinder kümmert, wird vom Vertreter an der Haustür nach der Hausfrau gefragt. Ein Junge, der beim Kochen hilft, muss sich fragen lassen, wie aus ihm ein richtiger Mann werden soll. Die Klischees reichen bis in die Politik, liebe Kolleginnen. Wie oft wurde Ihr Partner nach Ihrer Wahl ins Hohe Haus gefragt, was er denn nun mache, wenn die Frau die ganze Zeit in Berlin sei?
Diese rollenspezifische Sicht findet sich leider auch im Antrag selber wieder. Ein Maker Space ist hier vor allem Werkstatt. Liebe Kolleginnen, eine Küche ist auch ein Maker Space. Kochen ist angewandte Naturwissenschaft, Physik, Chemie, Biologie, und angesichts der massiven Probleme durch Fehlernährung – über 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig – sollte auch die Küche als Maker Space in einer Schule verankert sein.
Was ist mit dem Kreativpotenzial von analoger Kunst und Musik? Kulturelle Bildung ist prozessorientiert. Wie verhält es sich mit der Bildung über nachhaltige Entwicklung? Das ist Ihnen noch eingefallen, und Sie haben einen Antrag nachgeschoben. Diese Bildung kommt ebenfalls zu kurz, obwohl sie viel Kreativpotenzial bietet. Ich bin der Meinung: Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.
Es ist richtig und notwendig, in den Schulen mehr Freiräume für Kreativität zu schaffen, damit den Kindern die Freude am Experimentieren und Erkunden erhalten bleibt. Dafür gibt es viele gute Beispiele, gerade in meinem Wahlkreis. Das Werkgymnasium ist als „Heidenheimer Modell“ seit 50 Jahren Modellschule und es ist immer noch Modell. Die JuniorAkademien und das Experiminte-Museum sowie das Explorhino sind als außerschulische Lernorte Erfolgsmodelle. Und natürlich leisten Institutionen wie das „Haus der kleinen Forscher“ exzellente Arbeit.
Deswegen ist uns ein rhythmisierter Ganztag mit den notwendigen zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten wichtig. Deswegen fordern wir die Entlastung der Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams und Medienbildung von Anfang an. Dazu gehören natürlich hohe Qualitätsstandards, aber doch nicht nur für MINT. Die alleinige Fokussierung darauf greift zu kurz. Deswegen ist die Vorgabe für spezielle Fächer und Stundenzahlen zu einseitig; denn das Experimentieren-Können und Ausprobieren-Wollen sind Elemente des ganzheitlichen Lernens und hängen nicht an einzelnen Fächern.
Wie wir eine offene Lernkultur, nicht nur mit Blick auf freies Lernen, sondern auch mit Blick auf die Freiheit der Lehre und der Pädagogik verankern wollen, ist strittig. Über diesen und andere Punkte müssen wir im Ausschuss reden.
Vielen Dank.