Mir ist nicht bekannt, dass mein Haus ein Paritätsgesetz erarbeitet und vorgelegt hätte.
– Verfolgen im Sinne von beobachten, ja, das tue ich weiterhin. Ich lese aus Artikel 3 Absatz 2 auch den Auftrag, hier als Gesetzgeber einen Gleichstellungsauftrag wahrzunehmen.
Das lese ich so, und den nehme ich auch wahr.
Klar können Sie anführen, dass auf dem Papier die Rechte gegeben sind.
Aber ich mache ja keine Politik fürs Papier; ich mache Politik fürs reale Leben.
Menschen wollen ja in ihrem realen Leben erleben, was denn aus Gesetzen, was denn aus Papier wird. Und wenn Frauen erleben, dass sie immer dann, wenn sie in Führungspositionen wollen, an eine gläserne Decke stoßen, dann fühle ich mich durch Artikel 3 Absatz 2 beauftragt, den Worten im Gesetz Taten folgen zu lassen,
zum Beispiel dadurch, dass ich ein FüPoG vorgelegt habe, das dafür sorgen soll, dass in Zukunft auch Frauen in Vorständen vertreten sind. Obwohl Männer offensichtlich wissen – oder vielleicht auch nicht wissen –, dass auf dem Papier Männer und Frauen die gleichen Rechte haben, geben 70 Prozent der Unternehmen an, dass sie gar keine Frauen in Vorständen haben wollen. Das ist der Unterschied zwischen dem, was auf dem Papier steht, und der Lebensrealität. Ich verstehe Politik so, dass es darum geht, die Lebensrealität zu gestalten und nicht das Papier.