Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Wahlkämpfer der FDP! Welch eine Verschwendung! Da spielen Sie seit Wochen die AfD light, um sich für Konservative wählbar zu machen, und beweisen heute doch nur, wie gerne Sie Teil von R2G2 wären, von Rot-Rot-Grün-Gelb.
In der Einleitung Ihres Antrags stellen Sie es klar: überkommene Rollen- und Familienbilder über Bord werfen. Liebe FDP, als Vertreter des ganzen Volkes haben wir nicht die Lebensentwürfe von Menschen wie Abfall in die Tonne zu werfen.
Es ist ein Unding, den Menschen Ihre zerstörerische Ideologie, die natürlich auch da drüben hingehört, aufzwingen zu wollen; denn die Mehrheit der Deutschen möchte weitaus konservativer leben, als Sie es vielleicht glauben. Die Mehrheit der Menschen hält die Ehe zwischen Mann und Frau für das richtige und, ich sage, das einzige vernünftige Familienmodell. Wer anders lebt, hat dafür seine Gründe
und nimmt die notwendigen Unterschiede in Kauf. Deshalb wurde das Leitbild der Ehe in den Zeiten eines normalen Deutschlands auch respektiert und gefördert.
Nicht jeder Zeitgeist taugt zum Modell oder Vorbild und schon gar nicht die vorangetriebene Marginalisierung von klassischer Ehe und Familie.
Ihre Verantwortungsgemeinschaft ist nichts anderes als eine Ehe light auf Widerruf und soll die Unterschiede zwischen Ehe und anderen Lebensformen einebnen. Das ist verfassungswidrig.
Wenn Sie dieses Institut gleich für Personengruppen öffnen wollen, ist Ihr wahres Ziel die Zerstörung der Ehe und Ersetzung durch Verbindungen beliebiger Art und Zahl. Schöne neue Welt!
Und was schreiben Sie sonst noch? Zitat :
Die Einführung einer automatischen Mit-Mutterschaft muss zusammen mit der Implementierung der rechtlichen Mehrelternschaft gedacht werden.
Beim ersten Lesen war ich einfach nur sprach- und fassungslos. Klingt denn das nur für mich unmenschlich? Ihre vorgeburtlichen Elternschaftsvereinbarungen lassen Kinder wie eine Handelsware wirken. Sie sprechen wohlklingend von einer Stärkung des Selbstbestimmungsrechts, meinen aber weitere Beschneidungen der Elternrechte.
Auch Ihre Vorstellungen zur Adoption missachten bewusst das Kindeswohl. Denn wenn nur ein Ehepartner ein Kind adoptieren will und der andere nicht, dann liegt ein schwerer Dissens vor, ein unkalkulierbares Risiko für jedes Kind – unerträglich.
Und nun zu Ihrem Wechselmodell. Die meisten Familien brauchen zwei Einkommen, um eine Familienwohnung zu finanzieren. Die Trennung führt regelmäßig zu einem Rückgang des Lebensstandards, weil zusätzlich zur Familienwohnung eine zweite, zumindest kleinere Wohnung notwendig wird. Und wie sollen die Ex-Partner beim Wechselmodell nun zwei Familienwohnungen dauerhaft finanzieren? Wo ist da Ihre Lebenswirklichkeit? Nein, wir sehen keine Lebenswirklichkeit, sondern die hässliche Fratze der Partei der kinderlosen Besserverdiener ohne Bezug zum Leben normaler Menschen.
Nach Trennungen haben wir meistens einen, manchmal zwei sich bitter enttäuscht fühlende Menschen, die sich mit dem Ex-Partner nicht einmal über Bagatellfragen einigen können. Und daraus soll über Nacht und per Gesetz Rücksicht, Verständnis und Kooperation erwachsen? Nein, in der Wirklichkeit ist Ihr Wechselmodell Wunschdenken. Eine tolle Idee, wenn sie funktioniert. Lesen Sie doch den BGH, bevor Sie ihn zitieren! Der sagt:
Bei bestehender hoher elterlicher Konfliktbelastung wird das Wechselmodell dagegen in der Regel nicht dem Kindeswohl entsprechen.
Es ist darum ausgeschlossen, ein Nischenmodell – wenn es funktioniert, ein tolles Modell – zum Regelfall zu machen.
Mit Ihren Anträgen wecken Sie bei vielen leidenden Vätern und Müttern große Hoffnungen, die in der Realität leider nur enttäuscht werden können. Wie schäbig ist das?
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg im Wahlkampf, aber tragen Sie das bitte nicht länger auf dem Rücken von Eltern und Kindern aus.
Danke.