Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Gamer! eSport, der sportliche Wettkampf zwischen Menschen mithilfe von Computerspielen, ist oft mit Vorurteilen behaftet. Gerade Menschen, die nicht spielen, wissen mit dem Thema wenig anzufangen. Der erste Gedanke geht dann oft in Richtung „der einsame Nerd im Keller bei Mama, der gefährliche Spiele zockt und Tiefkühlpizza isst“. Der Wirklichkeit und der Bedeutung des eSports wird das nicht gerecht.
Schauen wir uns die Fakten einmal an: eSport ist längst zu einem Massenphänomen geworden. Über 320 Millionen Zuschauer fiebern oft regelmäßig mit ihren Teams mit. Für das Jahr 2021 werden über 550 Millionen Zuschauer prognostiziert. Der Gesamtumsatz mit eSport wird in zwei Jahren rund 1,4 Milliarden Euro betragen, ein rasant steigender Markt.
eSport-Turniere füllen ganze Stadien. Preisgelder liegen oft in Millionenhöhe. In über 60 Ländern wird eSport von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt und teilweise vom Staat gefördert. USA, China, Russland und Großbritannien sind prominente Beispiele dafür. Bei den Asienspielen gehört er ab 2022 zum Programm. In den USA gibt es College-Stipendien, und an einigen Schulen in Norwegen ist eSport sogar Unterrichtsfach.
Deutschland ist noch nicht so weit. Aber bei uns wächst auch die Zahl der eSport-Vereine, der Gamer und der Fans. Die Electronic Sports League veranstaltet Schulmeisterschaften, um Kinder und Jugendliche im verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien zu schulen. Auch traditionelle Sportvereine wie der FC Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg haben die Bedeutung erkannt und haben eigene eSport-Teams.
Daher begrüße ich den Antrag der Grünen, die Förderung des eSports als Förderung der Allgemeinheit im Sinne des § 52 Absatz 2 AO anzuerkennen. Denn es geht dabei auch und vor allem um den verantwortlichen Umgang mit der digitalen Welt. Es sollen nicht nur Spaß und Zeitvertreib im Vordergrund stehen, auch soziale Dimensionen spielen eine zentrale Rolle. Kontakte zu anderen Spielern, Teamgeist, gegenseitiger Respekt, taktisches und strategisches Handeln, Disziplin, der Umgang mit Sieg und Niederlage – all das wird bei eSport trainiert. Das sind wichtige Kernkompetenzen für junge Leute.
Für diese Kombination, für diese Vermittlung braucht es geregelte Strukturen. Beim Thema eSport sollte die Gemeinnützigkeit und nicht das Profitdenken im Vordergrund stehen; denn eSport ist vor allem auch Jugendarbeit.
Professionelle Spieler sind oft junge Leute, für die ein betreuter Rahmen, Training und Ordnung wichtig sind.
Ein Verein kann diese Werte des Sportes am besten vermitteln und auch den klassischen mit dem eSport zusammenbringen. Ganz nebenbei kann der eSport frischen Wind ins Vereinsleben bringen und dem Mitgliederschwund entgegenwirken. Es gilt hier, die Entwicklungen sinnvoll zu steuern und die Kinder und Jugendlichen eben nicht der Gaming-Industrie zu überlassen.
Der Deutsche Olympische Sportbund verpasst mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber eSport eine Chance, einen gesunden Einfluss auf diese Entwicklung zu nehmen. Denn natürlich gibt es auch beim eSport Probleme. Auch hier gibt es Doping, und es braucht Regeln und Präventionsmaßnahmen. Natürlich ist Sucht ein Thema. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, Ihre Vorschläge – und hier zitiere ich Sie – wie beispielsweise „automatische Verlangsamungen bei langer Spieldauer“ sind schlicht absurd. Wie soll denn das aussehen? Ein 200er-Ping nach drei Stunden Spielen?
Genauso unsinnig sind Ihre Einlassungen zur Geschlechtergerechtigkeit, zu Sexismus, zu Hate Speech – NetzDG und Zensur lassen grüßen. Tun Sie uns doch einmal den Gefallen und setzen Sie Ihre ideologische Brille ab und beschäftigen Sie sich mit der Wirklichkeit.
Die von Ihnen geforderten Social Justice Warriors werden sich in den Spielen nicht durchsetzen. Und das ist auch gut so.
Interessant finde ich Ihren Vorstoß, keine Aufteilung in Frauen- und Männerwettbewerbe vorzunehmen. Ich denke, dass genau so eine Aufteilung mehr Frauen zum Gaming bringen wird. Wenn Sie Frauen fördern wollen, dann doch so.
Für geradezu gefährlich halte ich Ihren Vorschlag, die Altersfreigabe bei eSport-Veranstaltungen aufzuweichen. Sie selbst sprechen im Antrag davon, wie wichtig effektiver Jugendschutz ist. Dann gilt das selbstverständlich auch für Veranstaltungen.
Mir geht es darum, das Verständnis in der Gesellschaft für eSport auszubauen. Wichtig ist, dass die Spieler gefördert werden, wichtig ist die Gemeinnützigkeit, damit eSport in Vereinen rechtssicher betrieben werden kann. Und wenn Bridgeturniere Sport sind, warum dann nicht auch League of Legends oder Dota 2?
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag das Versprechen abgegeben, eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anzuerkennen. Es ist Zeit, das Versprechen einzulösen. Die AfD stimmt der Überweisung in den Ausschuss zu. Ich freue mich auf die Diskussionen über den Einfluss der Spieleindustrie und die Differenzierung der Spiele.
Jedem, der jetzt eher den Kopf schüttelt und sich denkt „Jetzt droht der Untergang, wenn man eSport nicht ablehnt“, dem empfehle ich einmal den Besuch eines eSport-Turnieres mit Tausenden begeisterten Fans oder das kompetitive Spielen einmal selbst auszuprobieren und dann noch einmal zu urteilen.
Vielen Dank.