Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst zwei Vorbemerkungen:
Erstens. Die Games-Industrie ist für uns als Koalition bzw. als Regierung wichtig. Deswegen kann man heute relativ frisch verkünden, dass der Haushaltsausschuss 50 Millionen Euro für die Förderung der Games-Industrie freigemacht hat. Das ist, glaube ich, erstens ein gutes Zeichen und zweitens ein Lob an die Kollegen in der eigenen Fraktion – Kai Whittacker ist heute auch hier –, die dafür gesorgt haben. Das ist ein gutes Zeichen für die Games-Industrie in Deutschland.
Zweitens. Auch wenn wir dieses Thema heute relativ spät diskutieren – es ist 0.52 Uhr –, hat das Thema eSport große Aufmerksamkeit in der Szene, in der Community. Wir sehen, dass der Präsident des eSport-Verbands jetzt noch einer der wenigen Gäste hier bei uns. Ich glaube, es ist bisher auch noch nie eine Bundestagsdebatte auf dem Sender Twitch gestreamt worden. Also auch hier machen wir vielleicht ein bisschen politische Bildung; das ist dann ja auch gut so.
Wir sehen, dass es deshalb richtig war, dass wir in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben haben, Frau Staatsministerin Bär, dass wir den eSport in Deutschland noch besser unterstützen möchten.
Jetzt schreiben Sie in Ihrem Antrag – das könnte fast aus dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD abgeschrieben sein –:
Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an. Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind ...
Das ist im Grunde genommen genau das, was wir machen wollen.
Wir sehen, dass eSport ein Megatrend in unserer Gesellschaft ist. Das sehen wir, wenn wir uns die Medien und auch die Streams auf Youtube anschauen und wenn Zehntausende von jungen Menschen die Turniere besuchen. Gerade vor kurzem gab es ein großes Turnier in Hamburg.
Aber wir wollen auch in diesem Politikfeld nicht die Socken über die Schuhe ziehen, sondern einen Schritt nach dem anderen machen. Deswegen haben wir von Anfang an klargestellt, dass die Anerkennung einer Sportart – Stichwort „Autonomie des Sports“ – und auch die Debatte dem Deutschen Olympischen Sportbund obliegen.
Wir haben zweitens gesagt, dass wir uns im Sportausschuss mit dem Thema beschäftigen. Wir werden Ende November eine große Anhörung zu diesem Thema machen. Deswegen beschäftigt sich dieses Parlament mit dem Thema eSport, und wir werden mit Vertretern aus dem organisierten Sport und aus der Wissenschaft, mit Athleten und mit Praktikern aus den eSports selbst die Fragen diskutieren und dann auch die aneinandergereihten Forderungen des Grünenantrags durchaus miteinander besprechen.
Nun zur aktuellen Debatte um den eSport selbst. Es wurde genannt: Der Deutsche Olympische Sportbund bezweifelt in seiner Positionierung, dass die Motorik und die Bewegungsabläufe beim eSport mit denen bei anderen Sportarten vergleichbar sind. Er hält in seinem Papier, das wir letzte Woche gelesen haben, fest, dass eine eigenmotorische sportartbestimmende Bewegung beim eSport nicht vorliege.
Es ist verfassungsrechtlich – Stichwort „Autonomie des Sports“ – okay, wenn sich der organisierte Sport hier eine Meinung bildet, auch wenn ich selbst, ehrlich gesagt, anderer Meinung bin. Denn auch zu eSports gibt es Statistiken. Bei 400 Klicks pro Minute braucht man eine gewisse Koordination von Augen und Händen, große Konzentration und eine durchaus starke Rückenmuskulatur, um dies entsprechend machen zu können. Dort wird im Team gespielt. Es geht um Teamgeist. Es muss eine Strategie entwickelt werden. Deswegen kann man, wenn man sich das genau anschaut, schon sagen: eSport ist Sport.
So wie der organisierte Sport darüber entscheidet, was aus seiner Sicht Sport ist, so ist es dann die Aufgabe der Politik, sich mit so einem gesellschaftlichen Massenphänomen auseinanderzusetzen und zu überlegen, welches die richtigen Rahmenbedingungen für so ein Massenphänomen sind, und eSport ist ein solches Phänomen.
Deswegen bedaure ich es schon. Ich glaube, der Deutsche Olympische Sportbund hat hier eine Chance verpasst; denn wir wollen doch, dass die Kinder und Jugendlichen in Deutschland in unsere Vereine kommen. Und wenn wir sehen, dass wir sie zwar über sportliche Angebote, aber auch über die Möglichkeit, sich in eSports zu engagieren, dazu bekommen, dann wollen wir, dass die Jugendlichen und Kinder dies in den Vereinen in Deutschland auch machen können.
In unseren Vereinen werden ja die Werte des Sports vorgelebt: Respekt, Fairness, Gemeinschaftssinn. Das ist aus meiner Sicht auch ein gesellschaftlicher Mehrwert, ein wahrer Mehrwert für unsere Gesellschaft.
Es wurde eben angesprochen: Wir haben ein Problem beim Thema Gemeinnützigkeit. – Das ist richtig. In Leipzig hat es geklappt. Da ist der Satzungszweck die sogenannte Jugendhilfe. Wir haben aber ein Problem, wenn der Satzungszweck eines Vereins Sport ist und ein solcher Verein eine eSport-Abteilung aufbauen möchte. Da hängt ein Stück weit die Gefahr der Aufhebung der Gemeinnützigkeit als eine Art Damoklesschwert über dem Verein, und wir wollen diese Rechtsunsicherheit beseitigen.
Das ist keine theoretische Diskussion. Ich kann Ihnen ein Beispiel aus meinem Wahlkreis nennen. Da gibt es den TuS Sausenheim, ein Verein mit 900 Mitgliedern. Vertreter des Vereins waren mal auf einem Abenteuerspielplatz und haben die Jugendlichen gefragt: „Würdet ihr denn zu uns kommen, wenn wir eine eSports-Abteilung hätten?“, und sie hätten von heute auf morgen 20 bis 25 Kinder und Jugendliche neu im Verein gehabt, die sie dann natürlich an ehrenamtliche Arbeit heranführen wollen. Mit ihnen soll nicht gezockt, sondern im Wettbewerb gegeneinander angetreten werden, und es soll natürlich auch um körperliche Betätigung gehen.
Ich möchte zum Schluss noch einen Punkt ansprechen: Natürlich ist die Frage nach den Spielinhalten eine, die umstritten ist und die es in der Anhörung auch zu erörtern gilt. Da müssen die Bedenken ernst genommen und diskutiert werden. Klar ist aber auch – das sage ich ganz deutlich –, dass alle Spiele durch die USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, eine Altersfreigabe erhalten. Natürlich wird auch in einem Sportverein ein 14-Jähriger kein Spiel spielen dürfen, das erst ab 16 Jahren freigegeben ist.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir wollen dem eSport Perspektiven öffnen. Parlamentarisch gehen wir das jetzt an, heute mit dem Antrag der Grünen – herzlichen Dank! –, der sozusagen der Anlass ist, dass wir heute damit starten können, darüber zu diskutieren. Als nächster Schritt folgt die Anhörung. Ich lade alle Kolleginnen und Kollegen ein, sich hier entsprechend zu beteiligen, und dann kriegen wir ein gutes Ergebnis hin.
Herzlichen Dank.