Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Vater eines Fünfjährigen ist es mir unbegreiflich, dass wir im Jahr 2023 überhaupt noch über sexuellen Kindesmissbrauch sprechen müssen. Und was noch viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass dieser offensichtlich tagtäglich auch in unserem Land bei rund 50 Kindern stattfindet; die Dunkelziffer – wir haben es gehört – ist noch viel höher.
Es muss doch einem jedem von uns klar sein, dass ein Missbrauch an Kindern das abscheulichste Verbrechen darstellt, das man überhaupt begehen kann; aber – das belegen die aktuellen Zahlen – es geschieht noch immer tagtäglich um uns herum. Jedes einzelne Opfer leidet ein Leben lang an den Folgen dieses erlittenen Missbrauchs. Die Chance auf ein normales Leben, so wie wir es kennen, wird schon früh rücksichtslos genommen. Ich sage Ihnen daher, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das dürfen wir als Gesellschaft und als Parlament so nicht hinnehmen.
Wir sind für die Kinder verantwortlich. Wir müssen ihre Stimme sein, wenn vermeintlich keiner zuhört. Wir müssen die Augen offen halten, und wir müssen auch bei Verdachtsfällen entsprechend handeln. Wer sind „wir“? „Wir“ sind die Eltern, die Lehrer, die Erzieherinnen, die Erzieher. Wir müssen die Warnhinweise erkennen und diese dann auch ernst nehmen. Dafür braucht es aber entsprechendes Wissen und Kenntnisse, und diese müssen jedem vermittelt werden.
Als Familienpolitiker ist es mir aber auch wichtig, dass sich die Kinder, die sich im vermeintlich geschützten Umfeld bewegen, dort auch sicher fühlen können. Deswegen ist es unabdingbar, dass jede Person, die mit Kindern in Kontakt kommt und zu tun hat, sorgfältig überprüft wird. Jeglicher Missbrauch, egal in welcher Institution – in einer staatlichen, sozialen oder kirchlichen Einrichtung –, darf nicht mehr möglich sein. Die Kinder haben ein Recht auf Unversehrtheit, und wir als Staat müssen ihnen das auch garantieren.
Ein anderes Detail erschreckt mich persönlich sehr: Die Verbreitung der Darstellung von sexuellem Missbrauch erfährt vor allem unter Kindern und Jugendlichen einen enormen Zuwachs. Bereits auf Schulhöfen der Grundschulen werden Videos geteilt, die unfassbare Gräueltaten zeigen. Das muss uns doch alle aufhorchen lassen. Denn eine Verharmlosung von Gewalt gegen Kinder führt unweigerlich auch dazu, dass Kinder in einer gewissen Weise verrohen. Da können ein frühzeitiges Gegensteuern und – wir haben es heute auch schon von den Kollegen gehört – eine bessere digitale Aufklärung dazu dienen, dass diese Spirale in die falsche Richtung durchbrochen wird.
Das sind enorme Aufgaben. Deswegen begrüße ich es ausdrücklich, dass noch vor der Sommerpause von der Bundesregierung ein Referentenentwurf für ein Stammgesetz für das Amt des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vorgelegt werden soll. Gut so!
Herzlichen Dank.