Moin, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Herr Grosse-Brömer, Sie haben die ganze Zeit von Wertschöpfungskriterien gesprochen; das finde ich sehr interessant. Sie hätten mal ins Wind-auf-See-Gesetz reingucken können; dazu haben wir bereits letztes Jahr etwas reingeschrieben. Da steht drin: CO2-Fußabdruck in der Lieferkette, Fachkräftesicherung, Grünstrom in der Produktion. Während Sie noch darüber nachdenken, haben wir das letztes Jahr schon reingeschrieben.
– Das sind keine Umweltkriterien. Je kürzer die Lieferkette, desto besser ist es; also ist es eine lokale Stärkung.
Herr Grundmann, Sie kamen hier mit einer Dumpingregel an. Dann hätten auch Sie mal in das Wind-auf-See-Gesetz reingucken können, was letztes Jahr schon verabschiedet wurde; da gibt es unter § 1 die Möglichkeit des Ausschlusses unionsfremder Bieter. Raten Sie mal, was das ist! Also, im Endeffekt haben wir schon geliefert; Sie sind immer noch dabei, zu überlegen.
Aber es ist ja so – da gebe ich Ihnen recht –: Die maritime Wirtschaft ist eine der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland; 200 000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in diesem Bereich: Bootsführer, Ingenieure, Logistiker, Informatiker, Staplerfahrer und viele, viele mehr. Noch mal 200 000 Arbeitsplätze hängen direkt an der maritimen Wirtschaft dran, zum Beispiel in der Forschung oder in der Stromerzeugung.
Um sich mal die Bedeutung dieser Branche insgesamt vor Augen zu führen, fernab von diesen Zahlen: 330 Millionen Tonnen Waren werden im Wert von 500 Milliarden Euro allein in Deutschland im seewärtigen Außenhandel über deutsche Seehäfen ein- und wieder ausgeführt – jedes einzelne Jahr. Jedes vierte importierte Produkt erreicht den deutschen Markt über deutsche Seehäfen. Da kommen Fernseher, Autos, Medikamente – das kennt man alles –, aber auch Kupfer und Aluminium, die zum Beispiel für die Herstellung von Windenergieanlagen benötigt werden. Und ja, auch LNG, also Energie, erreicht uns über den Seeweg.
Was zeigt uns das an? Die maritime Wirtschaft in Deutschland ist ein zentraler Eckpfeiler unseres Wohlstands und für die Sicherung unserer Energieversorgung, für das Gelingen der Energiewende. Man darf das an dieser Stelle ruhig mal sagen: Vielen Dank an die 200 000 Mitarbeitenden in der maritimen Wirtschaft, die das möglich machen.
Es ist auch kein Geheimnis, dass unsere Häfen vor großen Herausforderungen stehen. Doch wenn man stark ist, heißt das nicht, dass man stark bleibt. Wenn wir wollen, dass unsere Häfen international wettbewerbsfähig bleiben und die Werften wieder zukunftsfähig werden, dass sie widerstandsfähig sind und den Kurs halten, wenn es international stürmt, und wenn wir wollen, dass sie Jobmotor und Booster für unsere Energiewende sind, dann müssen wir jetzt handeln und die nötigen Weichen stellen. Das tun wir als Ampelkoalition mit diesem Antrag und mit klaren Erwartungen an die Bundesregierung.
Ich will mal drei Punkte ein bisschen hervorheben: erstens die Bedeutung von Qualifizierung, Weiterbildung und Fachkräftegewinnung, zweitens die nötigen Weichenstellungen für den Offshoreausbau und die Erzeugung von grünem Wasserstoff und drittens die schlummernden Chancen, besonders für den Norden, in puncto Wertschöpfung und Arbeitsplätze.
Sie merken: Das eine geht ohne das andere nicht. Ohne die qualifizierten Windenergiemonteure – Schweißer, Schlosser, Kapitäne, Bootsleute – bekommen wir die Windturbinen und Plattformen einfach nicht auf See. Ohne einen Offshorewind- und Wasserstoffhochlauf können wir die großen Potenziale unserer Wirtschaft nicht ausnutzen und die deutsche Wirtschaft nicht transformieren. Ohne die industrielle Transformation verlieren wir Wertschöpfung und Wohlstand in diesem Land. Denn ein Weiter-so mit der fossilen Welt ist einfach ausgeschlossen; das geht nicht.
Das wird aber nicht einfach. Wir können fördern und ausschreiben wie wild, aber das Kernproblem ist, dass wir bis 2030 etwa 3 Millionen Vollzeitstellen nicht besetzen können, wenn wir nichts dafür tun. Die Alterung der Gesellschaft hat ganz konkrete Auswirkungen; das hat auch eine Studie der IG Metall Küste aus dem Jahr 2020 gezeigt. Die Zahl der eingegangenen Bewerbungen pro Ausbildungsplatz hat sich seit 2015 glatt halbiert.
Die Hälfte der Bewerber bedeutet aber auch: Die Suche nach den neuen Leuten ist doppelt so schwer.
Wir brauchen aber im wörtlichen Sinne alle Hände an Deck. Es ist deshalb sehr gut, dass wir ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen haben. Für die ausländischen Fachkräfte wird es einfacher,
nach Deutschland zu kommen und unser aller Wohlstand mitzugestalten.
Zum einen sind wir auf Einwanderung angewiesen, wir müssen aber auch unsere eigenen Trümpfe stärker ausspielen.
– Sie sind definitiv kein Trumpf davon. – Wichtig ist, dass wir das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Aus- und Weiterbildung Schritt halten müssen mit den steigenden und wechselnden Anforderungen.
Ein tolles Beispiel dafür ist das maritime competenzcentrum in Hamburg. Dort werden 8 500 Menschen jedes Jahr qualifiziert, von Offshore bis Logistik. Das sind Strukturen, auf die wir aufbauen können und die wir weiter stärken müssen.
Für unsere Energieversorgung haben wir uns zum Ziel gesetzt, mindestens 30 Gigawatt installierte Offshoreleistung bis 2030 und 70 Gigawatt bis 2045 zu erreichen. Das ist schon 2030 eine Leistung von 15 Atomkraftwerken. Dieser grüne Strom öffnet auch die Tür für eine Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Deshalb ist es gut, dass wir eine Wasserstofferzeugung von mindestens 10 Gigawatt auf See in diesen Antrag mit aufgenommen haben.
Von bezahlbarem grünen Strom und bezahlbarem grünen Wasserstoff profitieren am Ende alle. Es braucht aber eben eine starke maritime Wirtschaft drum herum: ausreichende Hafen- und Werftflächen für den Bau von Offshore- und Leistungskomponenten, funktionierende Schleusen, schnellere Genehmigungsverfahren von Transporten über Wasserstraßen. Es gilt aber auch, weitere Flächen für den Offshoreausbau zu gewinnen. Der Meeresraum ist knapp; die Natur ist kostbar. Hier kann eine naturverträgliche Konutzung für unterschiedliche Akteure wirklich sinnvoll sein.
Des Weiteren – es wurde schon kurz angesprochen – müssen wir den Bau von Konverterplattformen nach Deutschland holen. Der letzte Großauftrag für Offshoreflächen im Wert von sage und schreibe 32 Milliarden Euro ist in aller Herren Länder gegangen, –