Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor allem liebe Veteraninnen und Veteranen, die Sie hier sind als Vertreterinnen und Vertreter der 10 Millionen Soldatinnen und Soldaten, die seit Gründung der Bundeswehr ihren Dienst getan haben – ihren Dienst für unser Land! Wenn ich nach dieser Debatte am Wochenende wieder nach Hause komme und mich mit einem guten Freund treffe, wird er mich fragen, was wir für eine Debatte geführt haben. Warum tut er das? Weil er, seitdem er im Kosovo im Einsatz war, keine Nacht mehr schlafen kann; denn er hört jede Nacht ein Klicken – ein Klicken von der Mine, auf die er getreten ist, was er wie durch ein Wunder überlebt hat. Dieses Klicken hat er heute noch im Kopf. Er hat sein Leben eingesetzt im Dienst für sein Land, um den Eid, den er geschworen hat, nämlich das Land tapfer zu verteidigen, auch entsprechend umzusetzen.
Und er fragt mich regelmäßig. Er will nicht in der Öffentlichkeit stehen und hat nur wenige, mit denen er reden kann – ganz besonders seine Frau. Er fragt mich dann: Was habt ihr denn getan? Was tut ihr für mich und für die anderen, die dasselbe erlebt haben, damit wir jetzt wieder besser leben können? Und ich sage ihm, was wir alles getan haben und was wir alles tun. Er sagt mir dann aber auch: Wenn ich mit meinen Nachbarn nicht darüber reden kann, wo ich im Einsatz war, weil die kein Verständnis dafür haben, dann hilft mir das nicht und meiner Frau auch nicht; denn wir müssen schweigen.
Dieses Schweigen müssen wir durchbrechen. Und ich glaube, mit diesem Veteranentag geben wir die Möglichkeit dazu und schaffen es, das Schweigen zu durchbrechen und ihnen allen, die so etwas erlebt haben und die ihren Dienst getan haben, eine Stimme zu geben. So können sie selbst auch zu Wort kommen, damit sie ihre Stimme erheben und sagen können, was sie geleistet haben, was sie getan haben und wofür sie sich eingesetzt haben.
Der Eid, den sie geschworen haben, das Land tapfer zu verteidigen, bindet sie ein Leben lang. Aber er bindet auch uns in unserer Verantwortung für sie, und zwar auch ein Leben lang. Diese Verantwortung endet eben nicht, wenn der Dienst beendet ist, sondern diese Verantwortung endet erst dann, wenn die einzelnen Soldatinnen und Soldaten nicht mehr auf dieser Erde sind. Vorher sind wir verantwortlich für jede einzelne und jeden einzelnen.
Heute gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt. In der vergangenen Legislaturperiode haben wir schon einen kleinen Schritt getan. Die Stele, die wir vor dem Saal des Verteidigungsausschusses aufgebaut haben, um an die gefallenen, die zu Tode gekommenen Soldatinnen und Soldaten zu erinnern, war ein kleiner Schritt. Dieser heutige Schritt ist der nächste, große Schritt: mit der Einführung dieses Veteranentages unseren Soldatinnen und Soldaten den Respekt entgegenzubringen, den sie brauchen, um sie wieder ein Stück weit dorthin zu rücken, wo sie hingehören, nämlich in die Mitte unserer Gesellschaft.
Wir tun das im Einklang mit der großen Mehrheit der Menschen in unserem Lande. Ich habe heute Morgen Meldungen in einigen Zeitungen gelesen, das alles geschehe irgendwie am Rande. Nein, das ist nicht am Rande. Die Bundeswehr hat im Jahr 2024 Untersuchungen gemacht, also vor wenigen Wochen, und dabei festgestellt: 84 Prozent der Menschen sprechen sich für eine lebenslange soziale Absicherung der Soldatinnen und Soldaten aus, 73 Prozent für eine besondere Ehrung, für einen Veteranentag, und spezielle Betreuungsangebote für Familien. Diese Bundeswehr, die Veteraninnen und Veteranen, stehen im Mittelpunkt dieser Gesellschaft, und dem verschaffen wir mit dieser Entscheidung heute Ausdruck.
Die Bundeswehr ist mehr denn je eine Bundeswehr der gesamten Gesellschaft, nicht nur des Parlamentes. Das ist unsere Verantwortung. Die Soldatinnen und Soldaten sind die Bundeswehr, die Armee der gesamten Gesellschaft. Diesen Treueeid, den sie geschworen haben und an den wir gebunden sind, leben sie jeden Tag, und sie fragen uns, wie wir denn diese Verantwortung umsetzen. Deshalb wird es darauf ankommen, dass wir nicht nur einen Antrag beschließen, sondern es geht dann um das Tun. Nach dieser Beschlussfassung müssen wir in den Maschinenraum der praktischen politischen Arbeit und ein Blatt Papier, einen Beschluss auch lebendig werden lassen. Das ist unsere politische Verantwortung, an der wir gemessen werden.
Ich danke den vier Fraktionen für ihre wertvolle Arbeit und den Dienst, den sie denen gegenüber erbracht haben, die ihren Dienst für unsere Gesellschaft, für unser Land, für Frieden und Freiheit geleistet haben. Vielen Dank dafür – ich glaube, im Namen des ganzen Hauses! Ihr habt Großartiges vollbracht. Es war mir eine große Ehre und Freude, euch ein bisschen dabei unterstützen zu können.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.