Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Der Veteranentag ist ein wichtiges, ja überfälliges Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung – Wertschätzung für all diejenigen, die sich mit ihrem Leben im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland für das Recht und die Freiheit unseres Landes einsetzen oder eingesetzt haben. Es geht um Millionen von Veteraninnen und Veteranen, und es geht um ihre Familien. Denn es stimmt ja: Hinter jedem Einsatz, hinter jeder sicherheitspolitischen Debatte in diesem Haus, hinter jeder Diskussion, die wir über die Bundeswehr führen, stehen immer Menschen – Menschen, die bereit sind, für unser Land Verantwortung zu übernehmen und dafür Entbehrungen auf sich nehmen.
Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich über genau diese Menschen heute hier sprechen – Menschen wie ein Oberstleutnant aus meiner saarländischen Heimat, ein Soldat der Luftlandebrigade, stationiert in Saarlouis, ein verheirateter Familienvater mit zwei Kindern. Vor wenigen Wochen kehrte er aus seinem fünften Auslandseinsatz zurück. Sechseinhalb Monate war er in Bagdad im Irak eingesetzt. Ich will darüber sprechen, was für eine Belastung ein solcher Einsatz auslöst – nicht immer, weil es Verwundungen oder sonstige Belastungen danach gibt, sondern weil auch die Familie immer dabei ist. Allein die Ankündigung reicht schon; denn man weiß nicht, wann es wirklich losgeht. Man weiß auch nicht wirklich, wann der Einsatz zu Ende ist.
Ich will darüber sprechen, dass sechseinhalb Monate für viele von uns eine überschaubare Zeit darstellen, aber für Familien eine Ewigkeit sein können. Im Einsatz selbst gehören Entbehrungen nämlich zum Alltag: die Trennung von den Liebsten, verpasste Geburtstage und Familienfeiern, verpasste Entwicklungsschritte der Kinder. Die Belastungen des Einsatzgebietes kommen noch dazu. Moderne Technik erleichtert den Kontakt nach Hause – das stimmt –; aber kein Bildschirm ersetzt die Umarmung der eigenen Kinder, kein Videoanruf ersetzt das gemeinsame Abendessen mit der Familie.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will darüber sprechen, dass es schlimme Schicksale von verwundeten und gefallenen Soldaten im Einsatz gibt. Aber mir ist es auch wichtig, die Geschichten und den Alltag der gewöhnlichen Einsätze hier sichtbar zu machen. Es sind Soldaten wie der saarländische Oberstleutnant und Familienvater, von dem ich gerade gesprochen habe, die ihren Beruf lieben, aber im Einsatz sehr viel opfern.
Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist der Veteranentag mehr als ein Tag der Erinnerung. Er ist ein Tag des Dankes, und er ist ein Auftrag an uns; denn Anerkennung darf nicht bei Worten stehen bleiben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, jede Soldatin, jeder Soldat trägt die deutsche Flagge an seinem Ärmel – nicht für sich selbst, sondern dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger auch in diesem Land frei leben dürfen.