Herzlichen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Raus aus dem Gas, rein in die Unabhängigkeit! – Lassen Sie uns zuerst die Lage nüchtern betrachten: 2018 lag der Primärenergieverbrauch Deutschlands bei rund 3 600 Terawattstunden. Davon stammten rund 30 Prozent aus heimischer Produktion. 2024 verbrauchten wir rund 2 925 Terawattstunden, also weniger, und erzeugten davon 938 Terawattstunden im Inland, etwa 32 Prozent. Nun muss man kein mathematisches Genie sein, um festzustellen, dass wir die heimische Energieproduktion seit 2018 absolut betrachtet um gut 13 Prozent gesenkt haben. Der Importanteil und damit die Abhängigkeit bleiben gleich groß. 2024 waren wir zudem Nettostromimporteur.
Zwei strukturelle Weichenstellungen verschärfen die Aufgabe, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das ist der Atomausstieg, der am 15. April 2023 abgeschlossen war, und natürlich auch die Kohleverstromung, die in den nächsten fünf Jahren kaum noch zu bezahlen sein wird, wenn wir an der CO2-Preissteigerung so festhalten. Die Kohle macht nach wie vor 15 Prozent unseres Primärenergiebedarfes aus.
Vor diesem Befund sieht nun der Antrag der Grünen vor, neue Öl- und Gasbohrungen zu untersagen und laufende Projekte bis 2030 zu beenden. Das wäre ein generelles Genehmigungsverbot für weitere Gasförderung in Deutschland.
– Ja. – Gleichzeitig decken wir aber nur rund 5 Prozent unseres Erdgasbedarfes aus heimischer Förderung – und Sie reden von Unabhängigkeit –, der Rest kommt über Importe mit allen Preis- und geopolitischen Risiken.
Genau deshalb warnt die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Versorgungssicherheitsmonitoring davor, dass wir, wenn wir nicht schnell handeln, ein Problem mit der Versorgungssicherheit haben werden. Wir brauchen bis 2035 zusätzliche, steuerbare Kapazitäten.
Je nach Szenario sind neue Gaskraftwerke in erheblichem Umfang erforderlich. Gas bleibt also unsere energiepolitische Lebensversicherung, solange es keinen neuen Kompromiss zur Kernkraft gibt.
Es gibt handfeste Projekte wie das grenzüberschreitende Nordseeprojekt N05-A der Niederlande, übrigens mit deutschem Anteil, das in Zukunft 16 Prozent des jährlichen deutschen Gasverbrauchs ausmachen würde. Das Projekt steht selbstverständlich unter Umwelt- und Wattenmeerschutzauflagen. Das wollen wir wieder absagen? Unsere Nachbarn in Polen treiben Offshore-Gasförderung voran und meldeten im Juli 2025, dass sie ein neues, großes Feld gefunden haben. Das würde die Versorgungssouveränität stärken, und wir müssen überlegen, wie wir als Deutschland damit umgehen.
Was folgt daraus?
Erstens. Energiesouveränität verlangt Realismus. Wir brauchen gesicherte flexible Leistung.
Zweitens. Ein pauschales Bohrverbot nimmt uns Optionen und erhöht die Importabhängigkeit.
Drittens. Heimische Förderung, geologisch und ökologisch vertretbar, ist kein Rückschritt, sondern Risikodiversifizierung unter strengen Standards. Das gilt insbesondere für Offshore-Projekte.
Meine Damen und Herren, wir schulden unseren Bürgern und Unternehmen Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie
und unserer Industrie Planbarkeit. Wer alle heimischen Öl- und Gasprojekte per Federstrich ausschließen will, handelt ideologisch und nicht strategisch.
Wir lehnen den Antrag ab.
Herzlichen Dank.