Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! 3,5 Millionen Menschen in unserem Land haben mittlerweile eine Solaranlage auf dem Dach, über 1 Million Menschen haben Balkonkraftwerke. Sie haben privates Geld in die Energiewende investiert, sie haben sich entschieden, einen Beitrag zu leisten, weil erneuerbare Energien Freiheitsenergien sind, weil sie billiger als fossile Energien sind und weil sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Deswegen würde ich vorschlagen, Herr Merz, Frau Reiche: Anstatt zu überlegen, ob jetzt die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Solaranlagen das Problem sind, sagen Sie doch einfach mal Danke für diesen geleisteten Klimaschutz!
Jede Solaranlage, jede Wärmepumpe, jedes Elektroauto trägt dazu bei, dass wir als Land auf heimische Energieerzeugung setzen können und uns unabhängiger machen von Fracking-Gas aus den USA, von Gaslieferungen aus Russland, von Öllieferungen aus Saudi-Arabien. Ich sage: Diese Menschen tun mehr für unsere Unabhängigkeit von Öl und Gas als diese Regierung.
Liebe Freundinnen und Freunde von der Linken, es war Annalena Baerbock, die auf der COP in Dubai dafür gesorgt hat,
dass der Ausstieg aus fossilen Energien in die Dokumente der COP aufgenommen wurde. Das war ein großer Erfolg. Ich erinnere mich noch an Landesregierungen in Brandenburg mit linker Beteiligung: Die haben sich noch an der Braunkohle festgeklammert.
Es braucht Rückenwind für den Ausstieg aus fossilen Energien, keinen Herbst der Verunsicherung. Doch genau diese Verunsicherung schaffen Sie gerade. Kanzler Merz sagt, bei den Erneuerbaren könnten wir Tempo rausnehmen. Auch die Energieministerin will den Ausbau bremsen. Katherina Reiche hat vor Kurzem sogar von einer „Zeitenwende in der Energiepolitik“ gesprochen.
Ich sage Ihnen: Die Zeitenwende, das war doch die Befreiung von russischem Gas. Bei Ihnen klingt „Zeitenwende“ nach Ausbremsen der Erneuerbaren und neuer Abhängigkeit – dieses Mal von Fracking-Gas aus den USA.
Das macht nur die Strompreise teuer.
Sie wollten für Ihre Energiepolitik bis zur Sommerpause einen Monitoring-Bericht vorlegen. Sie haben diesen Bericht immer noch nicht vorgelegt. Der Kanzler sagt, er komme nächste Woche. Ministerin Reiche sagt, er liege ihr noch gar nicht vor. Ich vermute, er wird gerade umgeschrieben. Legen Sie uns den Bericht doch im Bundestag vor, unzensiert! Lassen Sie uns diskutieren! Ich würde mich darüber freuen. Doch ich fürchte, Sie wollen den Bericht als Vorwand zur Rückkehr zu teurem Gas nutzen.
Sie sagen, der Strombedarf in unserem Land würde bis 2035 vielleicht weniger schnell steigen als angenommen. Ich frage Sie: Geben Sie den Hochlauf der E-Mobilität auf? Geben Sie auf, dass energieintensive Rechenzentren, KI-Rechenzentren, keinen Bogen um Deutschland machen? Geben Sie auf, dass wir eine dekarbonisierte Grundstoffindustrie hier in Deutschland haben? Rechnen Sie einfach mit einer dauerhaft schwachen Konjunktur, nach dem Motto: „Wenn die Wirtschaft schwächelt, können wir ja direkt das Licht ausmachen“? Das ist doch Wahnsinn! Deswegen setzen wir auf eine Elektrifizierung in unserer Gesellschaft.
Dass günstiger Strom da ist, ist doch gerade eine Voraussetzung dafür, dass Deutschland ein modernes Industrieland bleibt. Und wenn der Strombedarf 2035 geringer wäre, dann ist es doch besser, wenn wir mehr sauberen und weniger dreckigen fossilen Strom anwenden. Studien zeigen uns: Der Ausbau der Erneuerbaren senkt den Strompreis.
Robert Habeck hat die Altmaier-Delle ausgebügelt.
Jetzt droht die Reiche-Lücke. Es ist dann Ihre Verantwortung, wenn Deutschland in einigen Jahren zu wenig sauberen Strom hat.
Sie sagen, Sie wollen Kosten einsparen. Richtig, aber durch den massiven Neubau von Gaskraftwerken spart man keine Kosten. Die Bundesnetzagentur hat in der vergangenen Woche klargestellt: Eine Zielerreichung beim Ausbau der erneuerbaren Energien verringert die Lücke an notwendig gesicherter Leistung, also von Leistung, die unabhängig von wehendem Wind oder von Sonnenschein ist. Je mehr Erneuerbare wir ausbauen, desto kleiner ist der Bedarf an solchen steuerbaren Kapazitäten, desto kleiner auch der Bedarf an teuren Gaskraftwerken. Wenn Sie Kosten einsparen wollen, dann, indem wir weiter Erneuerbare ausbauen und indem wir die Stromnetze rausholen aus dem Zeitalter der Faxgeräte und sie endlich digitalisieren.
Stattdessen erleben wir falsche Interpretationen, wie in der letzten Woche beim Versorgungssicherheitsbericht. Die Bundesnetzagentur sagt: Wir brauchen gesicherte Leistung. – Und was macht Ministerin Reiche daraus? Sie interpretiert gesicherte Leistung allein als Gaskraftwerke. Aber was ist mit Großbatterien, mit modernisierten Pumpspeicherkraftwerken, was ist mit Biogasanlagen? Wo bleibt denn die Technologieoffenheit der Union?
Und bei den Gaskraftwerken, die wir brauchen: Was ist mit der Umrüstung der Gaskraftwerke auf Wasserstoff?
Wo bleibt eigentlich Ihre Kraftwerksstrategie? Darauf warten wir die ganze Zeit. Sie hätten die von Robert Habeck beschließen können; das hatten wir Ihnen nach der Flucht der FDP aus der Regierung angeboten. Dann hätten wir heute schon die Ausschreibungen. Stattdessen warten und warten wir. Deswegen: Machen Sie Tempo!
Und wenn Sie den Monitoring-Bericht präsentieren wollen, dann hätte ich folgenden Tipp: Machen Sie sich nicht zum Bremser, sondern sorgen Sie für günstigen Strom! Senken Sie die Stromsteuer für alle!
Bauen Sie die erneuerbaren Energien aus, und machen Sie die Netze fit für günstigen Strom und für all das, was von den Menschen in diesem Land geleistet wird mit jeder Solaranlage, mit jedem Batteriespeicher, mit jedem Elektroauto! Sagen Sie einfach Danke –
Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.
– für den gelebten Klimaschutz!
Herzlichen Dank.
Der nächste Redner in der Debatte: für die Unionsfraktion Christian Moser.