Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dann kommen wir doch mal zurück zum Thema Gesundheit.
Fast 40 Prozent unserer Bevölkerung sind von stillen, oft unerkannten Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas betroffen. Die Folgen für jeden Einzelnen sind dramatisch: Herzinfarkt, Schlaganfall und die schlimmste Konsequenz, die Pflegebedürftigkeit. Das bedeutet für unsere Volkswirtschaft jährliche Kosten von 60 Milliarden Euro allein durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 21 Milliarden Euro durch Diabetes und 63 Milliarden Euro durch Adipositas. Doch obwohl wir die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit im Vergleich zu unseren Partnerstaaten in der EU haben, haben wir hierzulande eine niedrige Lebenserwartung. Das zeigt uns, dass wir endlich den Schritt weg von einer rein reaktionären medizinischen Versorgung hin zu Prävention und Vorsorge schaffen müssen. In diesem Kontext ist das Thema Ernährung unerlässlich.
Als Fleischermeisterin und somit Handwerkerin in einer Lebensmittelproduktion habe ich mich zeit meines Berufslebens intensiv mit Fragen rund um Gesundheit und Ernährung beschäftigt. Es war und ist immer wichtig, darauf zu achten, möglichst regionale und saisonale Produkte herzustellen.
Viele gesundheitliche Grundlagen werden eben gerade durch eine ausgewogene Ernährung gelegt.
Allerdings lässt sich gesunde Ernährung weder per Gesetz verordnen noch allein durch die Einführung vegetarischer oder veganer Tage in Kantinen erzwingen.
Entscheidend ist, dass wir in unserer Gesellschaft ein echtes Bewusstsein für die Bedeutung gesunder Ernährung und eines gesunden Lebensstils schaffen.
Und bei allem Reformwillen, sei es in Bezug auf das Krankenhaus, die Pflege oder die Finanzierung insgesamt, dürfen wir den Kern unserer Gesundheitspolitik nicht aus den Augen verlieren: Prävention muss unser Leitprinzip werden!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gesundheitspolitik bedeutet auch, die wichtigen Dinge im Blick zu behalten, auch jene, die sonst weniger Aufmerksamkeit erfahren. Es gibt Krankheiten, bei denen wir präventiv nur wenig erreichen können, die einfach über uns hereinbrechen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir beispielsweise die Mittel für Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid sowie von ME/CFS-Betroffenen von 7 auf 15 Millionen Euro mehr als verdoppelt haben.
Das ist ein wichtiges Signal – nicht nur für die betroffenen Jugendlichen in unserem Land, sondern für alle von ME/CFS oder von Long Covid Betroffenen. Es sind Menschen, die aus dem Alltag gerissen wurden, ihren Beruf nicht mehr ausüben können, ihre Ausbildung abbrechen mussten oder die kaum bis gar nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wenn wir hier nicht proaktiv investieren, zahlen wir am Ende den doppelten Preis, menschlich wie ökonomisch.
Allein im vergangenen Jahr, 2024, beliefen sich die volkswirtschaftlichen Schäden durch Long Covid und ME/CFS auf über 63 Milliarden Euro. Hinter dieser gewaltigen Zahl stehen Betroffene mit ihrem individuellen Schicksal.
Deshalb wiederhole ich meine Aussage von eben: Lassen Sie uns die wichtigen Dinge im Blick behalten, und das, obwohl wir beim Umbau unseres Gesundheitssystems vor großen finanziellen Problemen stehen.
Denn wir sollten die Frage nach dem Wofür mit Wärme im Herzen emotional beantworten dürfen und trotzdem wirtschaftlich rational agieren können. Dann bringen wir Deutschland auch wieder nach vorn.
Vielen Dank.