Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Aufstellung des Bundeshaushalts 2026 war eine Herausforderung. Und trotzdem möchte ich jetzt mit einem positiven Beispiel schließen.
Vor einigen Wochen war ich bei Lisa zu Hause. Lisa ist Anfang 20. Sie hat es geliebt, mit ihren Freundinnen auszugehen, Klavier zu spielen, im Chor zu singen, auf Reisen zu gehen, neue Länder und Kulturen zu entdecken oder sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren.
Sie merken: Ich habe das alles in der Vergangenheit aufgezählt. Lisa kann all diese Dinge seit Anfang 2021 nicht mehr tun. Lisa liegt mit 23 Jahren in ihrem abgedunkelten Kinderzimmer bei ihren Eltern zu Hause, während andere Mädels in ihrem Alter in einer WG mit Freundinnen Abend für Abend gemeinsam Pläne für die Zukunft nach der Ausbildung oder dem Studium schmieden.
Lisa leidet an ME/CFS oder auch dem sogenannten Postviralen Fatigue-Syndrom. Ihr Leben hat kaum noch etwas mit dem zu tun, was junge Menschen in ihrem Alter eigentlich erwarten dürfen: Ausbildung, Freunde, Zukunftspläne. Aber Lisa ist nicht allein. In Deutschland sind rund 650 000 Menschen davon betroffen. Diesen Menschen haben insbesondere wir von der Union auch in den letzten Jahren immer wieder versprochen, dass wir sie sehen und sie nicht vergessen.
Umso mehr freut es mich, dass wir im Haushalt 2026 die Forschungsdekade gegen postinfektiöse Erkrankungen einläuten. Das ist nicht nur ein Signal, sondern auch ein Beweis, dass wir hier unser Versprechen einhalten und ins Handeln kommen. In den kommenden zehn Jahren werden Kräfte aus Wissenschaft, Forschung und Praxis gebündelt, mit dem Ziel, aus schweren, oft rätselhaften Erkrankungen wie ME/CFS, Long Covid oder auch dem Post-Vac-Syndrom möglichst bald gut behandelbare Krankheitsbilder zu machen. Eine halbe Milliarde Euro wird dafür in den kommenden Jahren investiert – ein starkes Bekenntnis zur Forschung an diesen Krankheiten, die oft im Verborgenen bleiben.
Ich möchte an dieser Stelle auch eine Lanze für die seltenen Erkrankungen brechen, die eben auch oft im Verborgenen bleiben. Rund 4 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer von rund 8 000 seltenen Erkrankungen. Das ist alles andere als selten. Diese Patienten und Patientinnen dürfen nicht am Rande unseres Gesundheitssystems verwaltet werden.
Hinter jeder Diagnose stehen ein Schicksal, eine Familie, ein Kampf um Anerkennung und Versorgung. Auch diese Menschen müssen wir weiterhin fest im Blick behalten.
Denn oft sind es bei seltenen und komplizierten Krankheiten nicht nur die Patientinnen und Patienten, deren Leben von Unsicherheit, ständigen Arztbesuchen und langen Wartezeiten für Diagnosen geprägt ist, sondern auch die Angehörigen, die tagtäglich pflegen, Trost und Unterstützung spenden und dafür oft ihre eigenen Bedürfnisse hintanstellen.
Zugleich ist die Forschung an seltenen Erkrankungen ein wichtiger Innovationsmotor für die gesamte forschende Industrie. Jede Erkenntnis, jedes neue Medikament kann Türen öffnen – vor allem die zu anderen Krankheitsbildern. Forschung lohnt sich immer, menschlich wie auch wirtschaftlich.
Doch sosehr Forschung und individuelle Versorgung unverzichtbar sind: Wir müssen in Zukunft ganzheitlicher denken, und das vor allem bei der Reform unserer Gesundheitsversorgung. Wir dürfen nicht erst ab dem Punkt denken, wo der Mensch bereits krank ist, sondern wir müssen schon weit vorher alles Notwendige tun, um eine grundsätzlich gesündere Gesellschaft zu haben. Prävention wird also auch angesichts steigender Ausgaben und immer komplexerer Versorgungsrealitäten gerade in einer älter werdenden Bevölkerung immer wichtiger. Menschen müssen so lange wie möglich mobil bleiben und sich selbst versorgen können; denn unser System beginnt schon jetzt langsam zu kippen. Hier müssen wir uns ehrlich machen und in Zukunft ein größeres Augenmerk darauf legen.
Deutschland gibt pro Kopf mehr Geld für Gesundheit aus als der EU-Schnitt, und trotzdem haben wir in unserem besonders teuren Gesundheitssystem keine besonders gesunde Gesellschaft. Prävention, Lebensstil und Eigenverantwortung sind entscheidend für eine gesunde Gesellschaft. Hier müssen wir mehr tun. Deshalb appelliere ich gleichzeitig an die Eigenständigkeit und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger; denn ein gesünderes Leben entsteht nicht durch Verbote, Abgaben und Verordnungen allein. Entscheidend sind Bildung, Aufklärung und gute Rahmenbedingungen, die einen gesunden Lebensstil fördern.
Vielen Dank.