Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag der AfD stellt den Umbau unseres Energiesystems grundsätzlich in Frage.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist: Wie wird so etwas begründet? Deswegen will ich sehr grundsätzlich auf die Art und Weise eingehen, wie die AfD schriftlich, aber auch mündlich ihre so schrägen Anträge begründet. Es lohnt sich also, einen Blick auf die rhetorischen Tricks zu werfen,
auf die Methode, mit denen Klimawandelleugner und auch die AfD versuchen,
die Bürgerinnen und Bürger zu verunsichern, Stimmung zu machen und die Leute aufzuwiegeln.
Da sind zunächst mal, erstens, die Pseudoexperten. Man benennt unqualifizierte Personen oder Institutionen als Expertinnen und Experten, die andere Meinungen verbreiten,
und deklariert diese als kompetent. Dann bläht man diese Meinungen, diese tatsächlich oder wahlweise auch nicht vorhandenen, nicht existierenden Gruppen zu einer angeblich großen Anzahl auf. Dann suggeriert man, es gebe einen unglaublichen großen Streit und man sei sich keineswegs in der Wissenschaft einig.
– Dazu kommen wir tatsächlich noch.
– Sie können das ja in Ihren eigenen Reden mal nachprüfen.
Zweiter Punkt. Weiterhin verbreitet sind Logikfehler – sehr beliebte Angelegenheit. Man zieht aus den Fakten falsche Schlüsse, verdreht sie und stellt sie als gegenteiligen Fakt dar, so nach dem Motto „Klimawandel gab es schon immer“ und Ähnliches.
Oder auch: CO2 ist harmlos, weil sich Pflanzen davon ernähren. – Man verwendet also falsche Darstellungen, Mehrdeutigkeiten, übermäßige Vereinfachungen, falsche Analogien.
– In der Hinsicht, würde ich sagen: raffiniert.
Dritter Punkt. Beliebt ist es auch, an die Wissenschaft oder wissenschaftliche Ergebnisse erkennbar unerfüllbare Erwartungen zu stellen, um sie dann eben wegen der Nichterfüllung anschließend zu diskreditieren. Ein Beispiel: Klimamodelle liefern keine präzisen Vorhersagen, daher taugen sie nichts.
Unerfüllbare Erwartungen – raffinierte Methode!
Allgemein bekannt ist die Rosinenpickerei. Man pickt sich also aus den Daten nur kleine Puzzlestücke heraus, die die eigene Meinung untermauern
und im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über dem Gesamtzusammenhang stehen. Was wir hier immer wieder sehen, ist zum Beispiel das Hervorkramen einzelner methodisch schwacher und ungeprüfter Studien, die scheinbar oder tatsächlich gegen den Konsens im Weltklimarat stehen. Das war der vierte Punkt.
Und natürlich – jetzt kommen wir zu Ihren Verschwörungstheorien –
behauptet man, geheime Organisationen oder Bünde würden die Daten verfälschen, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Hier sind konstruierte Widersprüche zu nennen. Man spricht Generalverdacht aus, unterstellt üble Absichten, man suggeriert, irgendetwas würde nicht stimmen, selbst begibt man sich in die Opferrolle. Und letztlich erzeugt das eine Immunität gegen das, was als Beweisen tatsächlich vorliegt.
All diese üblen Zutaten mischen Sie von der AfD Woche für Woche, Sitzung für Sitzung zu einem toxischen Cocktail zusammen,
fügen noch eine Überdosis beleidigende Zuschreibungen hinzu und malträtieren uns hier damit.
Ich kenne Kolleginnen und Kollegen hier im Saal, die kriegen davon – ich entschuldige mich für meine Ausdrucksweise; aber es stimmt einfach – nur noch Brechreiz.
Wir können ja mal eine kleine Umfrage dazu machen.
Sie haben von mir etwas zum Antrag erwartet. Die Begründungszusammenhänge der AfD in Bezug auf den Klimawandel sind eigentlich immer gleich. Wenn man also diese rhetorischen Methoden mal entkleidet, mal beiseitelässt, erkennt man Folgendes:
Ihre Behauptung ist: Den Klimawandel gibt es nicht.
Falls es ihn dann doch gibt, ist auf jeden Fall nicht das CO2 schuld. Falls das CO2 doch schuld sein sollte, ist auf jeden Fall nicht die Menschheit mit ihren Emissionen schuld.
Im Zweifel gibt man an, die Wissenschaft sei sich nicht einig – darauf bin ich schon eingegangen –,
oder alternativ: Wir können nichts dagegen tun, und deswegen müssten wir uns einfach anpassen.
Und beim neuesten Drive – Sie haben schon immer gesagt, es sei eine Ideologie; dabei sind Sie selbst zutiefst ideologisch – kommt allmählich der Begriff der Religion ins Spiel.
Klimaschutz und der Umgang mit dem Klimawandel seien eine Religion.
Ihre Kommunikation hat diese fünf Elemente.
Und Sie können sie alle methodisch durch ihre Begründungszusammenhänge in Ihren Reden dieser und der letzten Wochen durchdeklinieren. Sie mischen das alles zusammen und versuchen, die Leute zu verwirren.
– Dafür reicht die Zeit nicht mehr; deswegen: Fortsetzung folgt.
Wir haben ja noch weitere Gelegenheiten.
Ich will vielleicht eine Sache zum Abschluss sagen. Der Klimawandel ist durch unzählige Messwerte, durch unzählige Messreihen, durch Beobachtungen der Natur absolut bewiesen.
Und es ist physikalisch absolut bewiesen – das werde ich an späterer Stelle noch mal ausführen –, welche Zusammenhänge bestehen. Die Naturgesetze sind verstanden, sie sind absolut zuverlässig beschrieben, sie sind durch Experimente belegt.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass Treibhausgase – vor allen Dingen CO2 – die entscheidenden Treiber des Klimawandels sind. Alles andere werde ich Ihnen später erzählen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Vielen Dank. – Der nächste Redner in der Debatte ist Dr. Alaa Alhamwi für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.