Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir reden heute über die Lage der Städte und Gemeinden, und das ist zwingend notwendig. Wenn wir an die Städte und Gemeinden denken, in denen wir leben, dann fällt auf: Sie sind so vielfältig wie unser Land insgesamt, und sie sind schön. Viele von uns leben sehr gerne in den Städten. Für Bürgerinnen und Bürger sind sie ihre Bezugspunkte. Sie identifizieren sich mit ihrer Stadt. Und um das einmal zu sagen: Es gibt wahnsinnig viel Schönes und Erlebnisreiches in jeder Stadt und in jeder Gemeinde.
Dennoch ist es so, meine Damen und Herren: Überall im Land – inzwischen in jedem Bundesland – geht es Städten und Gemeinden sehr, sehr schlecht – 25 Milliarden Euro Defizit im Jahr, zu wenig Geld also in den Städten und Gemeinden.
Hinzu kommen allein 372 Milliarden Euro an Investitionsstau bei Straßen, bei der Sanierung der Schienenwege,
beim öffentlichen Personennahverkehr und bei maroden Brücken vor Ort – 67 Millionen Euro allein bei den Schulgebäuden.
Viele von Ihnen sind Eltern, haben Kinder oder Enkel und wissen, was es bedeutet, wenn Kinder jeden Tag in marode Schulen gehen müssen. Das muss anders werden,
und zwar nicht nur in Ankündigungen dieser Regierung, meine Damen und Herren, wie: Wir haben uns was vorgenommen im Koalitionsvertrag.
Sie tun plötzlich so, als würde durch Ihre Vorstellung von Migrationspolitik vor Ort alles verändert und gelöst werden. Jede und jeder von uns, die oder der vor Ort in einer Stadt oder Gemeinde lebt, weiß, dass es nicht so ist.
Ich kann der CDU/CSU nur raten: Laufen Sie nicht den Rattenfängern der AfD hinterher,
wenn es darum geht, die Probleme der Städte und Gemeinden zu lösen, meine Damen und Herren!
Deshalb: Eine Debatte über diese Frage kann man heute gar nicht führen, ohne daran zu erinnern,
dass der Kanzler vor zwei Wochen ohne Not eine Debatte über das Stadtbild eröffnet hat.
Ich sage Ihnen mal eins: In Bielefeld leben Menschen aus über 150 Nationen.
– Das ist mein Zuhause, und jeder blöde Zwischenruf von Brandner sollte uns nicht interessieren.
Da leben Menschen aus 150 Nationen, und ich frage mich, wenn ich die Menschen, die dort friedlich zusammenleben, im Stadtbild sehe:
Wen hat der Kanzler eigentlich gemeint?
Den Arzt, der im Klinikum in der Kardiologie arbeitet und jemanden aus meiner Familie behandelt hat?
Oder denjenigen, der vielleicht noch keinen Aufenthaltsstatus hat, aber als Geflüchteter nach Bielefeld gekommen ist? Oder die Studierende aus Pakistan? Wen hat er eigentlich angesprochen?
Meine Damen und Herren, viele Menschen in diesem Land haben sich angesprochen gefühlt und sind zutiefst verletzt.
Und bis heute warten alle darauf, dass der Kanzler ihnen ein Signal gibt, dass er der Kanzler aller Menschen in Deutschland ist und nicht nur derer, die er definiert, meine Damen und Herren.
Abschließend noch eine Bemerkung zum Thema Liefern: Der Kanzler hat in Nordrhein-Westfalen beim Landesparteitag der CDU zugesagt, dass es ab Januar eine Altschuldenhilfe für die Kommunen gibt.
Frau Kollegin.
Wo ist der Vorschlag, meine Damen und Herren?
Wir haben noch vier Sitzungswochen. Der Kanzler hat zugesagt, –
Frau Kollegin Haßelmann.
– dass es Investitionen geben soll. Wo sind die? Ihr habt am meisten Geld seit Jahren.
Frau Kollegin Haßelmann!
Deshalb: Tut was für die Kommunen!
Für die Fraktion Die Linke darf ich Sahra Mirow das Wort erteilen.