Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Sicherheit in unserem Land liegt am Boden, und die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Die Hauptursache für dieses Desaster sitzt auf der Regierungsbank, weil wir einen Innenminister haben, der zwar mit markigen Worten immer große Ankündigungen macht, diese dann aber nur unzureichend umsetzt. Wir sind der Auffassung: Das muss endlich aufhören. Unsere Bürger haben ein Recht darauf, dass Deutschland endlich wieder sicher wird.
Diese Regierung behauptet zum Beispiel wahrheitswidrig, es habe eine Migrationswende stattgefunden. Die Tatsachen belegen jedoch das glatte Gegenteil. Es befinden sich derzeit in unserem Land über 930 000 Menschen, deren Asylgesuch abgelehnt worden ist.
Wenn man die Zahl der Abschiebungen mit der Zahl der Asylantragstellungen vergleicht, dann stellt man fest, dass auf einen Abgeschobenen fünf Asylantragsteller kommen. Einer geht raus, fünf kommen rein.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bingo! Bingo!
Und da ist noch nicht mal die Zahl des Familiennachzugs mit drin. Der Innenminister nennt das eine Migrationswende. Wir nennen das staatliches Totalversagen, und das muss endlich beendet werden.
Denn genau diese völlig verfehlte Migrationspolitik ist für die massive Verschlechterung der Sicherheitslage in unserem Land verantwortlich. Daran kann es nicht den geringsten Zweifel geben. Von 2015 bis 2024 gab es in Deutschland fast 1 Million Opfer durch Tatverdächtige aus den größten Asylherkunftsländern. Mit jedem Tag, an dem die Migrationspolitik dieser Regierung fortgeführt wird, steigt diese Zahl immer stärker an. Und wir sagen: Schluss damit! Es gab schon viel zu viele Opfer.
Die Zustände, die mittlerweile in Deutschland herrschen, lassen sich mit einem funktionierenden Rechtsstaat nicht mehr in Einklang bringen. Clankriminelle setzen in Berlin immer häufiger die Schusswaffe ein. Alle 17 Stunden fallen dort Schüsse, alle 18 Minuten ein Messerangriff in Deutschland. Über 50 Prozent der Tatverdächtigen sind Ausländer. In der Innenstadt von Frankfurt am Main liegt der Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei Messerangriffen bei 60 Prozent, bei Sexualstraftaten bei 65 Prozent und bei Raubdelikten sogar bei unfassbaren 76 Prozent. Die Zahl der Delikte und die Aggressivität in Shoppingcentern wächst immer weiter, wobei 75 Prozent der Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund haben.
Diese Zahlen belegen eindeutig: Ohne eine tatsächliche Migrationswende wird es in Deutschland keine Sicherheit geben. Und die AfD ist die einzige Partei, die diese Migrationswende will und in Regierungsverantwortung auch umsetzen wird.
Der Einzelplan 06 zeigt sehr deutlich, dass diese Regierung der Auffassung ist, man müsse nur genügend Geld in die Sicherheitsbehörden pumpen und dann werde sich die Sicherheitslage quasi von allein verbessern. Das Problem ist nur, dass Geld nichts nutzt, wenn die falschen sicherheitspolitischen Schwerpunkte gesetzt werden und in der Folge das vorhandene Personal und Material zu großen Teilen völlig falsch eingesetzt werden. Und genau das tut diese Regierung. Sie führen einen völlig überzogenen Kampf gegen rechts, während Islamisten und Linksextremisten in diesem Land nahezu ungehindert ihr Unwesen treiben können.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ist Ihre Kollegin nicht im Gefängnis? Können Sie mal was dazu sagen?
Wenn Deutschland wieder sicher werden soll, dann muss das sofort korrigiert werden. Es muss der Grundsatz gelten: Nulltoleranz gegen alle Extremismusformen, auch und vor allem gegen Islamismus und Linksextremismus.
Aber Islamismus, Herr Minister, bekämpft man nicht dadurch, dass man eine diesbezügliche Taskforce der ehemaligen Innenministerin Faeser durch ein neues Expertengremium ersetzt,
wie Sie es jetzt getan haben. Denn das ist die Fortsetzung der Ampelpolitik mit anderen Mitteln. Wir brauchen keine Diskussionsforen mehr, sondern endlich entschlossenes und konsequentes Handeln. Wer dazu nicht in der Lage ist, kann niemals zur Lösung beitragen, sondern ist Hauptbestandteil des Problems.
Solange islamistische Gruppen durch unser Land ziehen und nahezu folgenlos das Kalifat fordern und widerwärtigsten Antisemitismus praktizieren, haben Sie, Herr Minister, versagt. Solange Volksfeste und Weihnachtsmärkte in unserem Land aus Angst vor islamistischen Terroranschlägen abgesagt werden müssen, haben Sie versagt. Solange Linksextremisten immer und immer wieder kritische Infrastruktur angreifen, das Leben und die Gesundheit Zehntausender Bürger gefährden, haben Sie versagt. Solange die Antifa von Ihnen nicht endlich verboten wird, haben Sie versagt.
Clara Bünger [DIE LINKE]: Das ist ja lächerlich, Herr Hess!
Und solange bis zu 6 000 Polizeibeamte erforderlich sind, um die Gründungsveranstaltung der Jugendorganisation einer Partei gegen gewalttätige Linksterroristen zu schützen,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren, auch auf den Tribünen und an den Bildschirmen! Mit dem Haushalt 2025 haben wir begonnen, Staat und Strukturen widerstandsfähiger zu machen, und mit dem Haushalt 2026 führen wir dies unbeirrt fort. Im Gegensatz zu dem, was Sie hier darzustellen versuchen, Herr Hess – Sie versuchen, mit dem Hinweis auf Probleme, die es unwidersprochen gibt, die Stimmung für Ihre Partei weiter zu nähren –, neigen wir dazu, zu sagen: Wir finden gut, was wir erreicht haben, und setzen diesen Kurs fort, weil er richtig ist
Was wir heute vorlegen, ist ein Sicherheitshaushalt. Sicherheit ist kein Zufallsprodukt, sondern entsteht durch klare Entscheidungen und feste Prioritäten. Mit fast 60 Anträgen haben wir den Innenetat richtungsweisend geprägt und Sicherheit sowie Zukunftsfähigkeit in Zahlen gefasst. Allen, die an diesem Prozess konstruktiv mitgewirkt haben, danke ich für die Zusammenarbeit in den vergangenen Wochen und Monaten, allen voran Ihnen, Herr Minister Dobrindt, sowie Ihrem Haus. Es ist deutlich erkennbar, dass Sie einen echten Wechsel in der Ausrichtung des Ressorts anstreben. Wir werden Sie auf dem Weg mit voller Tatkraft unterstützen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Ebenso gilt mein Dank dem Hauptberichterstatter Martin Gerster. Danke, lieber Martin Gerster! Unsere Zusammenarbeit war verlässlich und lösungsorientiert. Gerade angesichts der medialen Unkenrufe zeigt sich: Die Koalition ist handlungsfähig.
In den entscheidenden Phasen der Haushaltsverhandlungen hat sich bewährt, dass wir trotz unterschiedlicher Perspektiven gemeinsam zu tragfähigen Ergebnissen gekommen sind.
Zur inneren Sicherheit. Die veränderte Sicherheitslage und die Lehren aus gegenwärtigen Konflikt- und Bedrohungslagen erfordern ein konsequentes Aufholen. Wer Sicherheit gewährleisten will, darf nicht nur reagieren, sondern muss vorausschauend handeln. Deshalb stärken wir mit einem Innenetat von fast 16 Milliarden Euro gezielt die Strukturen, die unser Land schützen. Dazu gehört auch der konsequente Ausbau der Drohnenabwehr. Wir haben erlebt, wie verunsichert die Menschen sind durch die Zwischenfälle an Flughäfen und bei anderer kritischer Infrastruktur. Wir stellen im kommenden Jahr zusätzlich 50 Millionen Euro für die Drohnenabwehr bereit, 30 Millionen Euro für Systeme an Verkehrsflughäfen und 20 Millionen Euro für operative Einheiten. Damit setzen wir den bereits 2025 begonnenen Aufbau fort und machen deutlich: Wir schützen unsere Infrastruktur kompromisslos und handeln, bevor Gefahr Realität wird.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Lassen Sie mich noch einen Punkt besonders herausheben, der ja nun nach dem jüngsten Organisationserlass des Bundeskanzlers auch im Einzelplan 06 angesiedelt ist: die Verantwortung für die Vertriebenenpolitik. Sie ist jetzt dorthin zurückgekommen, wo sie hingehört: gebündelt im Innenministerium. Und ich kann Ihnen versichern, dass wir unsere Verantwortung diesbezüglich ernst nehmen. Anders als unter der links-gelben Ampel, wo dieser Politikbereich keinerlei Priorität hatte, sondern von der grünen Kulturministerin jahrelang ideologisch motiviert vernachlässigt und massiv zusammengestrichen wurde, setzen wir ein starkes Zeichen für den nachhaltigen Erhalt des deutschen Kulturerbes im östlichen Europa.
Auf Initiative der Union bleibt der Auftrag gemäß Bundesvertriebenengesetz ein Kernanliegen deutscher Politik. Die Mittel für Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler sowie deutsche Minderheiten im Ausland werden im Bundeshaushalt 2026 um mehr als 20 Millionen Euro erhöht.
Ein Projekt lassen Sie mich dabei besonders hervorheben, weil es auch eine gewisse mediale Aufmerksamkeit erfahren hat: die Rettung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen. Nachdem uns hier im Plenum vorgeworfen wurde, das oberschlesische Erbe mithilfe der CDU-geführten Regierung in NRW beerdigen zu wollen, möchte ich ganz deutlich sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Während die meisten Fraktionen in diesem Haus häufig große Bögen um die nach § 96 Bundesvertriebenengesetz geförderten Einrichtungen machen, haben mein Kollege Peter Beyer als der örtliche Abgeordnete aus Ratingen und ich uns vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und zusammen mit der NRW-Kulturministerin Ina Brandes konstruktiv eine Lösung erarbeitet, um das Kulturerbe Oberschlesiens dauerhaft für kommende Generationen zu erhalten.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Doch lassen Sie mich nun zum Bereich der Migration kommen. Ein wesentlicher Teil des Einzelplanes betrifft die Steuerung von Migration und die Ausrichtung unserer Asylpolitik. Die Folgekosten illegaler Einreise belasten unseren Haushalt in Milliardenhöhe und treiben unsere Kommunen in den Ruin. Der Minister hat bereits entschlossen gehandelt und erste wirksame Schritte eingeleitet. Das Ergebnis ist eindeutig: So wurden von Januar bis Oktober 2025 34,6 Prozent weniger Asylanträge gestellt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Zahlen sprechen für sich. Die eingeleiteten Maßnahmen wirken.
Wir nehmen den Haushaltsausgleich ernst und setzen deshalb nicht auf neue Belastungen, sondern auf klare Ausgabenkürzungen. Das Ziel muss sein, illegale Migration so weit wie möglich auf null zu bringen. Dass die linke Seite des Hauses das traditionell anders sieht, überrascht niemanden. Verwundert bin ich aber schon darüber, dass sich von Ihnen, Grüne oder Linke, niemand hier vorne ans Pult stellt und offen ausspricht, was Sie tatsächlich fordern; das weiß man nämlich, wenn man sich Ihre Anträge in den Haushaltsberatungen angeschaut hat. Sagen Sie den Menschen draußen doch einmal ehrlich, was Sie hier beantragen. Berichten Sie von Ihren humanitären Luftschlössern in Milliardenhöhe, die illegale und unkontrollierte Migration weiter befeuern, oder dem Goldregen für Asylanwälte, den Sie sich herbeisehnen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Wie einseitig Ihre vielbeschworene humanitäre Haltung tatsächlich ist, kann man an diesen Anträgen sehr gut ablesen. Als ich in der letzten Debatte hierzu an die unschuldigen Menschen, die von der Hamas verschleppt, festgehalten, grausam gefoltert und bestialisch ermordet wurden, erinnert habe, haben Sie nur hämische Zwischenrufe dafür übrig gehabt. Wer Terror relativiert und moralische Belehrungen über die Sicherheit unseres Landes stellt, sollte vorsichtig sein mit seinen Anschuldigungen. Wenn Solidarität mit Israel und den von Terroristen entführten Geiseln für Sie bereits ein Problem darstellt, dann sagt das mehr über Ihre Haltung aus als über meine.
Tino Chrupalla [AfD]: Na, dann fangt mal damit an!
Wer Schutz braucht, erhält ihn. Wer kein Bleiberecht hat, muss unser Land wieder verlassen, und dazu gehört auch, dass wir konsequent abschieben. Wir setzen dort an, wo der Staat funktionsfähig sein muss: bei innerer Sicherheit, Schutz der Bevölkerung und Unterstützung der Kommunen. Mit neuen Maßnahmen zur Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung treten wir dem politischen Islam entschieden entgegen. Hierfür haben wir im neuen Titel 9 Millionen Euro veranschlagt. Für Hass und Extremismus darf es in Deutschland keinen Platz geben.
Den Menschen rufe ich abschließend zu: Bei der inneren Sicherheit können Sie sich auf die Union verlassen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister Dobrindt! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ein Amt in der Bundesregierung zu übernehmen, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für die Zukunft der Menschen in diesem Land, aber auch für die Entscheidungen der Vergangenheit. Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan war für viele Bundestagsabgeordnete keine leichte Entscheidung. Sie, Herr Bundesminister, haben in der Vergangenheit diesem Einsatz zugestimmt. In meiner Fraktion gab es Neinstimmen und Enthaltungen, aber auch Zustimmung. Aber egal wie wir in der Grünenfraktion den Einsatz und seine Sinnhaftigkeit im Nachgang bewerten, wir stehen klar dazu, Verantwortung für die Beschlüsse des Deutschen Bundestages und den Einsatz in Afghanistan zu übernehmen.
Das erwarten wir auch von der Bundesregierung: die Aufnahmezusage für Menschen einzuhalten, die mit der Bundeswehr zusammengearbeitet und die sich auch auf unseren Wunsch für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit eingesetzt haben, und sie nicht in die Fänge ihrer Häscher zu schicken. Der Versuch, sich gegen Geldzahlung von der rechtlichen und moralischen Verantwortung einer Aufnahme freizukaufen, wirkt wie ein moderner Ablasshandel. Dass Mittel, die ursprünglich einmal für die Aufnahme gefährdeter Menschen eingestellt wurden, nun dazu dienen sollen, das eigene Gewissen zu erleichtern, ist zynisch und eine Zweckentfremdung von Haushaltsmitteln.
Herr Bundesminister, Sie haben gestern beklagt, wie groß der Aufgabenberg ist, den Ihnen Ihre Vorgängerin überlassen hat. Das mag aus Ihrer Sicht so sein. Doch Sie sind jetzt Minister, und zwar nicht nur für die leichten Aufgaben, sondern für alle. Die Menschen in diesem Land erwarten, dass Sie Ihre ideologischen Scheuklappen ablegen und dann diese Aufgaben lösen. Übernehmen Sie Verantwortung für den Einsatz in Afghanistan, für die Entscheidungen der Bundesregierung, und beenden Sie das unselige Feilschen um Menschenleben!
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE]
Ihre gefärbte Sicht auf die Realität verursacht in Ihrem Haushalt leider weitere Baustellen. Die gezielt betriebene Unterfinanzierung der Integrationskurse ist dafür der beste Beweis. Denn schon dieses Jahr sind die Mittel nur unzureichend bereitgestellt, und auch nächstes Jahr wird aus unserer Sicht der Bedarf über den zur Verfügung gestellten Mitteln liegen. Eines der besten Instrumente, europaweit vorzeigbar, um Menschen in ein Land zu integrieren, sie in Arbeit zu bringen, wird hier an den Rand der Funktionsfähigkeit gebracht. Träger wie Volkshochschulen kämpfen mit Insolvenzen. Lehrkräfte fliehen wegen der Unsicherheit aus ihrer Beschäftigung. Diese Entwicklung nimmt die Regierung in Kauf aus Verweigerung gegenüber der Realität und der Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und, wenn es erfolgreich bleiben will, auch weiter sein wird.
Wir wollen mehr Integrationskurse, passgenaue Angebote für Eltern und für Alleinerziehende, und das stabil und langfristig finanziert. Wenn es für diese Stabilität einen stärkeren gesetzlichen Rahmen braucht, dann sind wir Grüne die Ersten, die sagen: Lasst es uns machen.
Eingefahrene, konservativere Denkmuster dürfen uns auch nicht den Blick auf die Bedrohungen durch autoritäre Staaten wie Russland und die Bedarfe der Gesamtverteidigung versperren. Gesamtverteidigung bedeutet, Landesverteidigung größer zu denken als nur durch die Bundeswehr. Der grünen Bundestagsfraktion ist es zu verdanken, dass auch die Zivilverteidigung Teil der Ausnahme der Schuldenbremse geworden ist und damit jetzt als ein zentraler Teil der finanziellen Anstrengungen für eine abwehrbereite Gesellschaft finanziert werden kann.
Doch für uns Grüne ist diese Finanzierung des Zivilschutzes bzw. der Zivilverteidigung – des BBK und des THW – nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer umfassend resilienten Gesellschaft. Denn gegen Desinformation, gegen Chatbot-Trollarmeen braucht es einen weiter gefassten Sicherheitsbegriff: politische Bildung, starkes Ehrenamt, auch eine gute soziale Absicherung, die Vertrauen in staatliche Strukturen schafft. Das alles braucht eine starke Zivilverteidigung, um eine wirklich solidarische Gesellschaft zu schaffen.
In diesem Zusammenhang sage ich Ihnen das Offensichtliche: Eine Doppelstunde Krisenvorsorge in der zehnten Klasse wird es nicht richten.
Es braucht einen deutlichen Aufwuchs in der Selbsthilfebildung und in der politischen Bildung. Sie sind Schlüssel, um den Kampf gegen Verschwörungsmythen, russische Desinformationen und antisemitische Narrative zu bestehen.
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]
Aus diesem Grund ist es kontraproduktiv, wenn zum ersten Mal vorsorglich staatliche Mittel für eine rechtsextreme Gedankenschmiede der AfD im Stiftungstitel eingestellt werden. Diese Entscheidung lehnen wir ausdrücklich ab.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Die Geschichte zeigt: Rechtsextreme Vordenker fangen mit Schlagwörtern wie „konservative Revolution“ an und leugnen später die Gaskammern in Auschwitz.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken
Ich möchte zum Schluss dem Minister und meinen Mitberichterstattern danken, die den Haushalt für Inneres um 4 Uhr nachts mit mir beraten haben. Wir haben einige Fragen gestellt. Aber man muss ehrlich sagen: Eine Beratung zu dieser späten Uhrzeit wird der Sache meiner Meinung nach nicht gerecht. Unser Ziel muss es doch sein, einschneidende Entscheidungen mit klarem Kopf und ausgeruht zu treffen.
Daniel Baldy [SPD]: Sind Sie das nachts 4 Uhr nicht?
– Ich glaube, niemand ist nachts um 4 Uhr so fit wie am Tag. – Und deswegen ist aus meiner Sicht klar, dass wir die Haushaltsberatungen in dieser Hinsicht ändern müssen und diese wichtigen Themen nicht mehr spätnachts behandeln dürfen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Minister Alexander Dobrindt! Welche Erwartungen haben die Menschen an die Innenpolitik? Vor allem erwarten sie – die meisten zumindest – eine Politik, die Sicherheit schafft und garantiert, die Demokratiefeinde bekämpft und den Zusammenhalt in unserem Land gut organisiert. Das war auch zentrales Thema unserer Beratungen im Haushaltsausschuss: Investitionen in Sicherheit und Zusammenhalt, bessere Rahmenbedingungen für diejenigen, die für unser Land und unsere Demokratie im Einsatz sind oder sich ehrenamtlich dafür engagieren. Wir haben hierzu, wie ich finde, auch sehr gute Ergebnisse erzielt, wenn auch frühmorgens.
bei der SPD sowie des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]
Der Etat der Bundespolizei, liebe Kolleginnen und Kollegen, steigt erstmals auf 5 Milliarden Euro. Außerdem stellen wir 1 000 neue Bundespolizistinnen und Bundespolizisten ein, die konkret vor Ort für Sicherheit sorgen – an Bahnhöfen, bei Großveranstaltungen, aber auch beispielsweise auf den vier neuen Einsatzschiffen zur Sicherung des Ostseeraums.
Wir haben auch einiges beschlossen, was den Polizeikräften ganz konkret hilft: 6 Millionen Euro zusätzlich für ballistische Schutzwesten, um Einsatzkräfte in lebensbedrohlichen Lagen besser zu schützen, 4 Millionen Euro zusätzlich zur Modernisierung von Dienststellen und Unterkünften. Und wir beschaffen für 80 Millionen Euro Drohnenabwehrtechnik und stärken die Fähigkeiten der Bundespolizei, um Drohnen besser zu erkennen und abzuwehren. So schützen wir unsere kritische Infrastruktur und schützen uns auch besser vor Spionage und Sabotage. Finanziell und personell gestärkt werden im Übrigen auch das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und andere Sicherheitsbehörden. Das ist richtig und wichtig und auch gut so.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ja, die Sicherheitslage hat sich massiv verändert. Deswegen ist es auch absolut richtig, den Bevölkerungsschutz, die Cybersicherheit und andere Ausgaben zur Stärkung unserer Wehrhaftigkeit von den engen Vorgaben der Schuldenbremse auszunehmen. Deswegen ist es auch richtig, die Mittel für das Technische Hilfswerk und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf ein nie dagewesenes Niveau zu heben: plus 42 Prozent beim THW, plus 82 Prozent beim BBK. 80 Millionen Euro und zusätzliche Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro stellen wir für das THW-Bauprogramm zur Verfügung. Eine unglaubliche Zahl! Wir wollen, dass aus den Baracken beim THW moderne Neubauten werden, auf einen Schlag finanziert. Ich glaube, das ist ein großartiger Beschluss, den wir im Haushaltsausschuss gefasst haben.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Dank der Bereichsausnahme, die wir im Frühjahr hier beschlossen haben, war das möglich. Das ist ein klares Signal an die gesamte Blaulichtfamilie und den ehrenamtlich getragenen Bevölkerungsschutz in unserem Land. Ich möchte allen zurufen: Ja, wir sehen euren unverzichtbaren Einsatz, und wir verbessern die Rahmenbedingungen für euer Engagement mit diesem Haushalt massiv. Das ist keine Eintagsfliege, sondern daran wollen wir auch in den nächsten Jahren arbeiten. Und deswegen erhöhen wir auch die Mittel für die Ausbildung der Bevölkerung in Erster Hilfe und Selbstschutz auf 6 Millionen Euro und fördern zusammen mit den anerkannten Hilfsorganisationen in unserem Land mit 2 Millionen Euro eine neue Ehrenamtskampagne.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Liebe Kolleginnen und Kollegen, einen wichtigen Schwerpunkt setzen wir in diesem Haushalt auch beim Thema Integration: Mit 377 Millionen Euro zusätzlich unterstützen wir die Integrationskurse in unserem Land für dieses und nächstes Jahr. So kommen wir wieder über die Marke von 1 Milliarde Euro. Das ist wichtig für die Volkshochschulen und für die Sprachkursträger, aber auch für all diejenigen, die sich in unser Land integrieren wollen, und das ist doch so wichtig für unsere Gesellschaft.
Ganz konkret unterstützen wir auch Frauen im Kampf gegen Gewalt. Wir haben – und darüber bin ich sehr froh – die Entwicklung und Verbreitung der Tarn-App für Betroffene häuslicher Gewalt verlängert. Bis zum Jahr 2030 stellen wir dafür 11 Millionen Euro zur Verfügung. Und das ist auch richtig und gut so. Gerade in dieser Woche war Gewalt gegen Frauen ja ein Schwerpunkt in der Politik und in unserer Gesellschaft.
Ich komme zurück zu meiner Einstiegsfrage: Was erwarten die Menschen in der Innenpolitik von Regierung und Parlament? Sie erwarten, dass wir konstruktiv zusammenarbeiten und gute Lösungen finden. Das ist uns gelungen. Deswegen möchte ich mich ganz herzlich bei dem Kollegen Klaus-Peter Willsch, –
PIhre Redezeit ist abgelaufen. Danke für die Danksagungen, aber die Redezeit ist abgelaufen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Erst denken, dann prüfen, dann reden: Das sollte der Anspruch an den Bundesinnenminister sein, der qua Amt für den Schutz der Verfassung verantwortlich ist. Ich bin sehr für zweite und unter Umständen auch dritte Chancen, auch in der Politik. Fehler geschehen, doch der Innenminister hat einige zu verantworten. Als Bundesverkehrsminister sagte er einst: „Die Maut ist nicht aufzuhalten.“ Für die Steuerzahler wurde diese Dobrindt-Aussage zu einem teuren Debakel. Ich erinnere daran, weil auch heute viel angekündigt wird und nach wie vor eines die Amtsführung bestimmt: Erst redet der Minister, und dann ist er von der Realität überrascht.
Meine Damen und Herren, beinahe täglich werden Drohnen in Deutschland gesichtet, Infrastruktur wird überflogen, Flüge fallen aus. Diese Sichtungen verunsichern die Bürgerinnen und Bürger.
Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Die kommen doch von Ihren Russlandfreunden! Rufen Sie doch mal in Moskau an!
Den für die Bundespolizei und damit für die innere Sicherheit zuständigen Innenminister hat dieses Thema kalt erwischt. Monatelang war das Innenministerium blank, obwohl bereits zur Fußballeuropameisterschaft 2024 Abwehrgeräte beschafft wurden.
Nun bringen Sie hektisch eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes auf den Weg. Erst letzte Woche sagten Sie: „Wir versetzen deshalb die Bundeswehr in die Lage, die Drohnen zu bekämpfen, abzufangen und abzuschießen.“ Ich sage Ihnen ganz klar: Dem Einsatz der Bundeswehr im Innern setzt das Grundgesetz aus guten Gründen enge Grenzen. Sie behaupten, ein Teil der Drohnen werde von fremden Mächten gesteuert. Die Realität ist: Sie wissen doch überhaupt nicht, wer diese Drohnen steuert, und mussten mir das auch häufig auf Nachfrage bestätigen.
Nach Ihrem Willen soll die Bundeswehr nun eingreifen, um besonders schwere Unglücksfälle zu vermeiden, etwa Angriffe auf Kernkraftwerke oder auf ein voll besetztes Fußballstadion. In der Realität ist eine solche Eingrenzung – wer ist der Akteur, welche Gefahr liegt vor? – kaum möglich. Und auch dann müsste erst die Frage der Verhältnismäßigkeit beantwortet werden. Sprüche wie der Ihres Ministerpräsidenten Söder – im Zweifel abschießen – zeigen doch, dass weder die Komplexität noch das Grundgesetz verstanden wurden.
Sicherheit im Inland ist Polizeiaufgabe. Ich erinnere daran: Ihre Amtsvorgängerin wollte eine Novelle des Luftsicherheitsgesetzes. Damals war es die Union, die eine Grundgesetzänderung verlangte. Darauf wollen Sie jetzt verzichten, weil Sie keine Mehrheiten haben. Wir werden Ihren erneuten Schnellschuss im Zweifel in Karlsruhe prüfen lassen. Bei der inneren Sicherheit muss gelten: Erst prüfen, dann reden.
Alexander Throm [CDU/CSU]: Das sollte man auch selber beachten!
Meine Damen und Herren, der Bundeskanzler hat ein Problem mit dem Stadtbild, und er hat einen Innenminister, dessen Kernanliegen es ist, Abhilfe zu schaffen. Vier Jahre ist es her, dass der letzte Flieger der Bundeswehr Afghanistan verlassen hat. Deutschland versprach damals Sicherheit, Demokratie, Freiheit für Frauen und Bildung für Mädchen. Man hat uns geglaubt. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Stattdessen sitzen heute die Taliban in den konsularischen Vertretungen in Deutschland. Und Sie haben nichts Besseres zu tun, als mit diesen Menschenfeinden über Abschiebungen zu verhandeln. Das ist ein einziger Skandal!
Und es ist beschämend, dass das Bundesinnenministerium jenen, die einst für Deutschland tätig waren, die mutig waren und in Afghanistan für Demokratie kämpften, die Aufnahme faktisch verweigert. Hunderte Kinder, Frauen und Männer, die an unsere Werte und Versprechen geglaubt haben, warten in Pakistan auf die Antwort Deutschlands. Der Bundesinnenminister hat diesen Menschen Geld geboten, damit sie auf die zugesagte Sicherheit in Deutschland verzichten. Zu glauben, Deutschland könne sich aus der Verantwortung kaufen, ist eine moralische Bankrotterklärung.
Herr Dobrindt, Sie sind Verfassungsminister. Sie sind im Amt, um die Demokratie und den Kampf für sie zu verteidigen. Ich erwarte, dass noch vor dem Jahreswechsel alle Zusagen der Bundesregierung eingehalten und die Menschen in Sicherheit gebracht werden.
Meine Damen und Herren, Ihr Handeln in den ersten Monaten ist verfassungsrechtlich fragwürdig,
Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Von den Linken brauchen wir echt keine Belehrungen zur Verfassung!
Ihr Handeln in den ersten Monaten ist moralisch unredlich, und Ihr Handeln in den ersten Monaten ist haushalterisch eine Mogelpackung.
Mehr als 20 Prozent Ihres Budgets beruhen auf Bereichsausnahmen. Sie wollten im Wahlkampf keine neuen Schulden machen und an der Schuldenbremse festhalten. Eine Kernaufgabe des Staates ist aber der Schutz der inneren Sicherheit. Ihre Sicherheitsagenda ist eine Agenda auf Pump und damit auf Dauer nicht fortzusetzen, ohne in den kommenden Jahren erheblich neue Schulden aufzunehmen.
Aus den Bereichsausnahmen finanzieren Sie beispielsweise die Modernisierung von Rechenzentren. Das hätte ohnehin geschehen müssen und zeigt, dass diese Koalition auch Sicherheit als Verschiebebahnhof betrachtet, und das darf sich nicht fortsetzen.
Meine Damen und Herren, in den vergangenen Jahren hat meine Fraktion regelmäßig gefordert, das THW und den Katastrophenschutz finanziell besser auszustatten. Keine Naturkatastrophe konnte Union und SPD dazu bewegen. Ich sage ausdrücklich: Dass die Mittel nun endlich steigen, ist erfreulich. Hier kommen Sie tatsächlich Ihrer politischen Verantwortung nach. Das ist löblich, aber für einen zustimmungsfähigen Haushalt zu wenig. Wir werden genau darauf achten, ob diese Mittel nur im Haushalt stehen oder auch real ausgegeben werden.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In dieser Woche – genauer gesagt vorgestern – war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Deswegen lassen Sie mich zu Beginn sagen: Ich bin all den Frauen dankbar, die mutig auf das gesellschaftliche Thema „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam machen. Ich bin dankbar, dass sie sich engagieren und dass sie die Politik auch stärker in die Verantwortung nehmen, wenn es darum geht, gegen Täter vorzugehen und Opfer zu schützen. Und es ist genau diesem Engagement von mutigen Frauen zu verdanken, dass wir in der Politik Entscheidungen treffen, die die Opfer stärker schützen. Es geht um Freiheit, Fußfessel und Frühwarnsystem: Freiheit für die Opfer, Fußfessel für die Täter und ein Frühwarnsystem gegen Gewalt gegen Frauen, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Marcel Bauer [Die Linke] und Sonja Lemke [Die Linke]
Ich möchte mich ausdrücklich bei Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und bei Bundesfamilienministerin Karin Prien dafür bedanken, dass das spanische Modell mit Fußfessel und Sender jetzt umgesetzt wird, und wir wollen auch weitere Maßnahmen ergreifen.
Sonja Lemke [DIE LINKE]: Das spanische Modell ist: mehr Frauenhäuser!
Mein Dank geht auch dafür an die Bundesjustizministerin, dass es weitere Entscheidungen dieser Bundesregierung zum Einsatz von K.-o.-Tropfen zur Ausübung sexueller Gewalt gibt und dass K.-o.-Tropfen, die schlichtweg K.-o.-Waffen sind, auch so eingestuft werden.
Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hätten Sie längst beschließen können! Es gab eine Bundesratsinitiative!
Dass Männer, die Frauen mit K.-o.-Tropfen Gewalt antun, härter bestraft werden, das ist unser Ziel. Die Tat mit K.-o.-Tropfen muss wie die Tat mit einer Waffe eingestuft werden. Darum geht es, meine Damen und Herren.
bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jan Köstering [DIE LINKE]
Dieser Haushalt des Bundesinnenministeriums, den wir heute vorlegen – ich möchte meinen Dank ausdrücken an die Berichterstatter der Koalition, Klaus-Peter Willsch und Martin Gerster, für die gute Beratung in den vergangenen Wochen –, ist von dem Leitgedanken geprägt: Steuerung, Stabilität und Stärke – Steuerung bei der Migration, Stabilität der kritischen Infrastruktur und Stärke für unsere Sicherheitsbehörden und die Polizei. Das sind die Leitlinien der Innenpolitik: Steuerung, Stabilität und Stärke, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir kennen doch die hybriden Bedrohungen, mit denen wir uns aktuell auseinandersetzen. Deutschland ist nicht im Krieg, aber Ziel einer hybriden Kriegsführung, und das stellen wir täglich fest: Sabotage, Spionage, Desinformation. Ja, und diese Sabotage, Spionage und Desinformation kommen natürlich gerade auch von fremden Mächten. Genau diese Elemente sind eine Bedrohung für das Staatsvertrauen. Sie sind eine Bedrohung, weil sie Erosionstreiber des Staatsvertrauens sind. Deswegen wehren wir uns gegen diese hybriden Bedrohungen.
Wir schaffen ein gemeinsames Abwehrzentrum gegen hybride Bedrohungen. Wir schaffen eine Drohneneinheit bei der Bundespolizei, um uns gegen genau diese Bedrohungen zur Wehr zu setzen. Und wir haben ein Gesetz zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes in der Umsetzung, das die Bundeswehr in die Lage versetzt, auch im Inneren zur Drohnenabwehr zur Verfügung zu stehen. Das ist Sicherheitspolitik: die Sicherheitskräfte stärken und gegen hybride Bedrohungen vorgehen, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Ja, und wir stärken unsere Polizei und unsere Sicherheitskräfte auch, wenn es darum geht, gegen kriminelle Banden, die Verbrecher und Verbrechen, vorzugehen. Wir akzeptieren schlichtweg nicht, dass es eine systemische Straflosigkeit gibt. Deswegen an dieser Stelle: Wir werden IP-Adressen-Erkenntnisse zukünftig auswerten können, wir werden IP-Adressen ermitteln können, wir brauchen digitale Datenabgleiche. Es geht uns schlichtweg darum, nicht zu akzeptieren, dass systemische Straflosigkeit herrscht, weil keine IP-Adressen ermittelt werden können. Wir wollen die systemische Strafverfolgung, und deswegen wird die IP-Adressenspeicherung eingeführt. Die automatische Datenanalyse kommt, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Gerade bei dem Thema der illegalen Migration, um das sehr deutlich zu machen, geht es uns um Kontrolle, Kurs und klare Kante. Sehr geehrter Herr Eckert, Sie haben darauf hingewiesen, dass das Thema der Afghanen, die sich in Pakistan befinden, aktuell eine Herausforderung ist, die wir bewältigen müssen. Das ist objektiv so.
Was Sie dabei zu sagen vergessen haben, ist, dass wir es hier mit einem geerbten Problem zu tun haben.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das habe ich doch gesagt! Muss man das dann nicht trotzdem lösen?
📢
Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben Sie schon von Horst Seehofer geerbt!
Wir haben es mit einem geerbten Problem zu tun, das in der letzten Wahlperiode unter Ihrer Verantwortung entstanden ist. Und Sie sollten hier endlich mal die Frage beantworten, warum Sie Tausende von Menschen aus Afghanistan nach Islamabad, nach Pakistan, gebracht haben und nicht dafür gesorgt haben, dass es die notwendigen Aufnahmeverfahren und die notwendigen Sicherheitsüberprüfungen gegeben hat. Sie haben sich nicht darum gekümmert, dass dieses Problem abgearbeitet wird, und es dieser Regierung überlassen,
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das scheint ja ein wunder Punkt zu sein für Sie!
📢
Schahina Gambir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
und dann regen Sie sich hier auch noch auf und meinen, man könnte jetzt einfach Entscheidungen einfordern.
Deswegen kann ich Ihnen an dieser Stelle deutlich sagen: Wir arbeiten dieses Thema ab. Aber wir arbeiten dieses Thema nach klaren Regeln ab. Menschen, die keine rechtsverbindliche Aufnahmezusage haben, werden nicht nach Deutschland kommen können.
Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es gibt aber so was wie eine moralische Verpflichtung!
Auch Menschen, die eine Sicherheitsüberprüfung, die durchgeführt wird, nicht positiv bestehen, werden schlichtweg nicht nach Deutschland kommen können.
dass sie dann, wenn sie die Sicherheitsüberprüfung positiv bestanden haben, auch nach Deutschland kommen können. Aber das sind die klaren Regeln, nach denen man solche Aufgaben abarbeiten können muss: Aufnahme, wenn rechtsverbindliche Zusagen – wo keine rechtsverbindlichen Zusagen und kein positives Bestehen einer Sicherheitsüberprüfung, kann auch keine Aufnahme erfolgen, meine Damen und Herren.
Ich finde es übrigens reichlich perfide, um Ihnen das an dieser Stelle zu sagen, dass Sie davon sprechen, dass es jetzt inhuman wäre, Menschen, die keine Aufnahme erwarten können, eine finanzielle Perspektive zu geben.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die haben Aufnahmezusagen! Die haben sich eingeklagt! Nur deswegen haben Sie die genommen!
Sie können keine Aufnahme erwarten. Deswegen geben wir ihnen eine finanzielle Perspektive. Wer keine Perspektive in Deutschland hat, kann eine finanzielle Perspektive bekommen, um in einem anderen Land, in einem Drittland oder in Afghanistan, wieder neu zu starten.
Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: In welchem Land, Herr Dobrindt?
Ich finde, das ist Teil der Verantwortung, die wir wahrnehmen – für Perspektiven. Aber es hat vor allem damit zu tun, dass wir ein Dilemma beseitigen müssen, das Sie verursacht haben. Wir kehren die Scherben Ihrer Politik zusammen. Das ist das, was wir gerade tun.
Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie machen Ihren Job als Innenminister!
Meine Damen und Herren, die Migrationswende wirkt. Die Zahlen gehen nach unten. In den letzten drei Monaten haben wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Zahlen der illegalen Migration um über 50 Prozent gesenkt. Und im November – das zeigt sich jetzt schon – wird dieser Trend ganz genau so fortgesetzt. Wir gehen den Weg der Migrationswende konsequent weiter.
Wir führen auch Straftäter in ihre Heimatländer zurück. Ich habe in den vergangenen Tagen schon wieder gelesen, dass es Kritik daran gibt, dass wir Rückführungen von Straftätern nach Afghanistan vorbereiten, meine Damen und Herren,
Schahina Gambir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es gibt Kritik daran, dass Sie mit den Taliban verhandeln wollen! Dass Sie die Taliban ins Land holen! Islamisten!
immer wieder mit dem gleichen Vorwurf: Man kann nicht mit Afghanen darüber verhandeln, dass sie ihre Staatsbürger zurücknehmen. – Auf den verständlichen Vorwurf von Ihnen, ob wir Skrupel haben, Afghanen nach Afghanistan zurückzuführen, kann ich Ihnen sagen: Ich hätte Skrupel, wenn wir nichts dagegen tun, dass Straftäter aus Afghanistan hierbleiben und weiterhin unsere Bevölkerung gefährden. Wir werden alles dafür tun, dass Straftäter zurückgeführt werden, auch nach Afghanistan, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Dazu gehört übrigens auch – dafür ein herzliches Dankeschön an die Kolleginnen und Kollegen –, dass es jetzt gelungen ist, den Rechtskreiswechsel für die ukrainischen Geflüchteten mit durchzusetzen. Es geht darum, dass wir zukünftig ukrainische Flüchtlinge nicht mehr im Bürgergeld haben, sondern dass sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Damit werden erstens die zu gewährenden Leistungen reduziert, zweitens auch die Leistungen der Krankenversorgung reduziert, drittens wird das Schonvermögen abgeschmolzen, und viertens gibt es starke Anreize zur Arbeitsaufnahme. Wer die Arbeitsaufnahme nicht angeht, kann mit Sanktionen rechnen.
Meine Damen und Herren, das ist konsequente Politik. Das ist konsequente Migrationswende. Das ist das, was wir gemeinsam umsetzen. Das ist das, was wir unter „Kontrolle, Kurs und klare Kante“ verstehen.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Haushaltsverhandlungen haben erneut bestätigt: Diese Bundesregierung hat weder den Willen noch die Kraft, die Migrationspolitik grundlegend neu auszurichten. Stattdessen erleben wir eine Symbolpolitik, die als Migrationswende verkauft werden soll. Aber in der Realität wird die migrationspolitische Geisterfahrt fortgesetzt. Während Sie an den Grenzen kaum zurückweisen, erweitern Sie sogar noch die steuerfinanzierten Angebote an umfangreichen Leistungen für Asylbewerber.
Schauen wir auf ein paar Beispiele: Der Umfang der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer wurde in den Haushaltsberatungen von der Koalition weiter erhöht. Die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung, deren Abschaffung vor der Wahl von der CDU noch beworben wurde, bleibt auch 2026. Ebenso sollen die finanziellen Anreize zur sogenannten freiwilligen Ausreise weiter ausgebaut werden. Sie zahlen seit Jahren abgelehnten Asylbewerbern deutsches Steuergeld aus, um sie damit zur Einhaltung der Gesetze zu motivieren.
Laut Ausländerzentralregister waren Ende Oktober 2025 rund 935 000 abgelehnte Asylbewerber erfasst. Das sind noch einmal rund 40 000 mehr als im Sommer 2023. Fast 1 Million abgelehnte Asylbewerber halten sich also weiterhin in Deutschland auf. Ihr freiwilliges Ausreiseprogramm steht sinnbildlich für die völlig gescheiterte Migrationspolitik dieser Regierung und der vorherigen Regierungen. Damit muss endlich Schluss sein.
Ein weiteres Beispiel. Die sogenannten Sprach- und Integrationskurse wurden in den Haushaltsberatungen nochmals mit einem dreistelligen Millionenbetrag aufgebläht. Es ist längst bekannt und seit Jahren weisen wir immer wieder darauf hin: Die Betrugsanfälligkeit ist hoch; das Abrechnungssystem per Unterschrift der Teilnehmer lädt förmlich zum Missbrauch ein. Die stichprobenhaften Kontrollen des BAMF sind verschwindend gering, die Ergebnisse unzureichend. 1 Milliarde Euro Steuergeld fließt jedes Jahr in diese Kurse. 40 Prozent der Teilnehmer verfehlen das angestrebte Sprachniveau B1. Parallel dazu hat sich ein illegaler Internetmarkt für gefälschte B1-Zertifikate entwickelt, wozu ich hier im Plenum schon ausgeführt habe.
Das Nichtabstellen des Sozialmagneten, das Füttern der Asylindustrie, die völlig mangelhafte Bekämpfung des Missbrauchs, die damit einhergehende Überlastung der Behörden – es sind die Mosaikstücke Ihres Scheiterns in der Migrationspolitik. Was wir brauchen, ist eine echte Migrationswende, und das sofort.
Herr Minister, in den letzten Wochen wurde viel über gesichtete Drohnen diskutiert und darüber, wie man sie abwehren kann. Schnell gab es noch eine hastige Vorlage, um umgehend in die Drohnenbeschaffung einzusteigen, ohne dass ein schlüssiges und umfassendes Konzept dazu vorliegt. Ganz schnell ganz dünn wurde es im Anschluss, als es um die Grenzsicherung mithilfe von Drohnen ging. Unsere europäischen Nachbarländer machen es uns seit Jahren vor: Polen, Österreich, die Schweiz, Italien und Griechenland überwachen ihre Grenzen mit Drohnen. Ein Drohneneinsatz findet ebenso durch Dänemark an der dänisch-deutschen Grenze statt. Selbst die europäische Grenzagentur Frontex steigerte im letzten Jahr ihre Drohnenflugstunden zur Außengrenzsicherung um 50 Prozent.
Und die deutsche Bundesregierung? Richtig, Sie ahnen es: einige Testversuche, aber kein umfassender Einsatz von Drohnen zur Grenzüberwachung. Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand: Drohnen ermöglichen die kostengünstige Überwachung großer Flächen bei weniger Personaleinsatz, zum Beispiel an Küsten- oder abgelegenen Grenzabschnitten. Die bisherigen europäischen Ergebnisse zeigen: Drohnen sind eine wesentliche Maßnahme zur Steigerung der Effizienz bei der Überwachung der Grenzen. Es konnten Schlepper mithilfe von Drohnenüberwachung festgenommen werden bzw. wesentliche Kenntnisse über Schlepperrouten erzielt werden. Für das österreichische Bundesinnenministerium ist der Drohneneinsatz ein entscheidender Erfolgsfaktor zur Grenzsicherung. Wir fordern deshalb den zügigen, umfassenden Einsatz von Drohnen zum Schutz unserer Grenzen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister Dobrindt! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen vor großen Herausforderungen in der Sicherheitspolitik, im Inneren wie im Äußeren. Es ist daher konsequent und richtig, dass wir mit diesem Haushalt in die Sicherheit und in die Resilienz unseres Landes investieren und dass der Haushalt des Bundesministeriums des Innern auf über 15 Milliarden Euro anwächst.
Wir stärken damit Investitionen in unsere Sicherheitsarchitektur, insbesondere bei der Polizei, beim Bundeskriminalamt, beim BSI und auch beim Verfassungsschutz. Sie erhalten deutlich mehr Mittel, um eben auf neue Herausforderungen reagieren zu können, auf die hybriden Bedrohungen, denen wir uns ausgesetzt sehen – wie Cyberangriffe, wie Spionage –, aber auch, um gegen den starken Zuwachs und höhere Zahlen bei Organisierter Kriminalität vorgehen zu können. Es ist wichtig, dass wir hier klar und konsequent als Koalition reagieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Auf diese veränderte Bedrohungslage reagieren wir in diesem Haushalt insbesondere bei einem Thema, das uns in den letzten Monaten sehr viel beschäftigt hat: gerade die Gefahr, die von Drohnen ausgeht. Wir werden hier ein Kompetenzzentrum schaffen. Es gibt Befugnisse im Bundespolizeigesetz, die wir ändern. Wir werden das Luftsicherheitsgesetz ändern, so wie es im Übrigen in großen Teilen auch von der letzten Regierung schon angedacht worden ist; ich sage hiermit auch einen Dank an die ehemalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser.
Wir haben das lange erkannt. Wir müssen hier handeln, um effizienter und schneller auf die hybriden Bedrohungen, auf neue Gefahren reagieren zu können. Wir tun das mit diesem Haushalt, auch mit zusätzlichen 80 Millionen Euro eben im Bereich der Drohnenabwehr, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Die Stärkung der Sicherheit unseres Landes bedeutet auch immer, dass wir die Menschen mitnehmen müssen, dass wir das Ehrenamt mitnehmen müssen, dass wir Organisationen mitnehmen und die Bevölkerung widerstandsfähiger machen müssen. Das tun wir durch große Aufwüchse beim Technischen Hilfswerk und beim BBK. Von dieser Stelle sage ich einen großen Dank an die vielen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, die tagtäglich erheblich zu der Sicherheit in unserem Land beitragen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Das tun wir zusätzlich auch durch eine bundesweite Ehrenamtskampagne und durch weitere Mittel auch bei der Erste-Hilfe-Ausbildung. Wir investieren hier insgesamt in den Zusammenhalt unseres Landes.
Deshalb lassen Sie mich von dieser Stelle aber auch noch mal sagen: Zusammenhalt bedeutet auch, dass wir betonen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, dass wir sehr, sehr viele Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten und Hintergründen haben, die zu dem Erfolg unseres Landes und unserer Bevölkerung beitragen. Das ist wichtig. Vielfalt ist eine Stärke, und das betonen wir auch als diese Bundesregierung.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Hinsichtlich der Frage von Menschlichkeit, Humanität und Ordnung ist viel gesagt worden. Es ist zugleich wichtig, dass wir eben Menschen, die zu uns kommen, unterstützen. Wir tun das mit mehr Mitteln auch für Sprach- und Integrationskurse; denn wir wollen ja den Zusammenhalt und gerade auch die Integration in unsere Gesellschaft stärken.
Und lassen Sie mich noch ein weiteres Programm ansprechen, das mir sehr wichtig ist, das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“, das gerade auch vor Ort, teilweise im ländlichen Raum, gegen Extremismus und für demokratisches Handeln bei unseren freiwilligen Feuerwehren sehr, sehr viel tut. Denn eine große Gefahr, die größte Gefahr in unserem Land, geht immer von Extremismus bzw. von Rechtsextremismus aus.
Das bekämpfen wir auch mit diesem Bundeshaushalt. Ich danke den Haushältern für diese gute Vorlage und werbe um Zustimmung.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Das, was wir gerade vom Innenminister gehört haben, zeigt noch mal eindrücklich, wie untief er in der Materie steckt.
Denn sonst wüsste er, dass die Fälle, in denen er jetzt bei den Aufnahmen aus Afghanistan eine rechtliche Unsicherheit konstruiert, Programme auf Grundlage unter anderem der Menschenrechtsliste von einem gewissen Horst Seehofer betreffen, und der dürfte Ihnen ja wohl gut bekannt sein.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Deswegen ziehen Sie sich hier einfach unberechtigterweise aus der Verantwortung.
Und das zeigt noch mal, dass Sie auch nur auf Grundlage von Gerichtsurteilen überhaupt dazu bereit sind, Menschen aus Afghanistan aufzunehmen. Und das zeigt: Ihre Strategie besteht hier aus Verschleppung, Verzögerung und Verantwortungslosigkeit.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Hunderte Menschen, die sich als Richter oder Frauenrechtlerinnen den radikalen Islamisten der Terror-Taliban entgegengestellt haben, wollen Sie im Stich lassen. Ein afghanischer Richter, der die Taliban hinter Gitter brachte, verliert hier aufgrund Ihrer Entscheidungen seine Aufnahmezusage und muss nun vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Das muss man sich mal geben, wie zermürbend das für die Menschen ist.
Und ich will es noch mal sagen, auch mit Blick auf Ihre Rede: Ihre Politik sorgt dafür, dass Vertreter der Taliban in Deutschland Strukturen in den Konsulaten aufbauen können. Aber die Opfer der Taliban, die lassen Sie nicht rein.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken
Es ist verantwortungslos, was Sie den Familien antun, die an der Seite unserer Soldatinnen und Soldaten standen. Ohne ihren Einsatz wären demokratischer Aufbau und Menschenrechtsschutz in Afghanistan überhaupt nicht möglich gewesen.
Ich bin Ihnen aber auch dankbar, dass Sie anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen in dieser Woche auf dieses Thema eingegangen sind; das ist nämlich ein großes Sicherheitsthema. Aber das, was Sie hier vorgestellt haben, ist ungenügend. Es braucht eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie. Machen Sie das zur Chefsache! Dabei unterstützen wir Sie. Es ist überfällig, und es kann wirklich Leben retten.
Kommen wir nun in die Nachspielzeit. Weil Sicherheit auch Freiheit bedeutet, müssen wir genau hinschauen, wo staatliche Eingriffe unseren Alltag betreffen, etwa in den Fußballstadien. Und deswegen will ich Ihnen etwas mitgeben für die Innenministerkonferenz: Setzen Sie sich gegen personalisierte Tickets und übermäßige Überwachung ein und für eine lebendige Fankultur! Das, was da betrieben wird, wird alles hochgejazzt. Und deswegen frei nach Lukas Podolski: Köpfe hochkrempeln und die Ärmel auch! – Abpfiff.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dobrindt, Sie stellen hier einen Haushalt vor und versprechen mehr Sicherheit und mehr Stärke. Doch wenn wir genauer hinsehen, dann erkennen wir etwas ganz anderes: Dieser Haushalt schützt niemanden. In Wahrheit ist es Abschreckung, Abschottung und nicht viel mehr als Symbolpolitik.
Und dann feiern Sie sich noch dafür, dass Sie Aufnahmeprogramme beenden, selbst für Menschen aus Afghanistan mit Aufnahmezusage. Gleichzeitig kassieren Sie aber eine Niederlage nach der anderen vor Gericht mit Entscheidungen, die Sie zur Aufnahme dieser Menschen zwingen, und Sie ignorieren diese Entscheidungen. Das ist keine Migrationswende, das ist Rechtsbruch am Fließband.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Zuruf von der Linken: Das ist verfassungswidrig!
Und wieso? Wegen 2 000 Menschen? Gerade einmal 2 000 Afghanen sitzen in Pakistan fest. Das sind keine Zahlen, das sind 2 000 Menschen, denen Deutschland Schutz versprochen hat:
Journalistinnen und Journalisten, Frauenrechtsaktivistinnen, Familien mit kleinen Kindern. Für viele bedeutet Ihre Politik tatsächliche Lebensgefahr. Und wenn Sie sich hier so kaltschnäuzig hinstellen und sagen, diese Menschen haben keine Perspektive, dann muss ich sagen: Ihnen sind die christlichen Werte vollkommen abhandengekommen.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Siegfried Walch [CDU/CSU]
Und Sie treiben es ja noch weiter. Statt des versprochenen Schutzes bekommen die Betroffenen nun von Ihnen Geld angeboten, um freiwillig in das Terrorregime der Taliban zurückzukehren. Daraufhin haben diese Ihnen aber einen Brief geschrieben, dass sie nicht das Geld, sondern Schutz wollen.
Haben Sie diesen Brief überhaupt zur Kenntnis genommen, Herr Dobrindt? Was passiert eigentlich mit den Menschen, die das Geld ablehnen? Und was machen Sie mit diesen Menschen, die nach Afghanistan geschickt werden und dann von den Taliban tatsächlich getötet werden? Diese Gefahr droht. Und Sie sind dann verantwortlich, wenn diese Menschen von den Taliban getötet werden. Das ist für mich die Politik der Banalität des Bösen.
Dr. Götz Frömming [AfD]: Oh, oh, oh! Ganz dünnes Eis, Frau Kollegin!
Aber, Herr Dobrindt, Sie können sich aus Ihrer Verantwortung nicht freikaufen. Schicken Sie endlich Charterflüge, und holen Sie die Menschen raus, und zwar so schnell wie möglich!
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Aber, meine Damen und Herren, die Prioritäten des Innenministers liegen woanders. Während es beim Schutz von Leben und bei Prävention den Bach runtergeht, rüsten Sie die Bundespolizei weiter auf: über 5 Milliarden Euro Budget, 1 000 neue Stellen, neue Waffen, Taser. Und wo sollen die Polizisten zum Einsatz kommen? An den Grenzen für rechtswidrige Zurückweisungen, an den Bahnhöfen für Racial Profiling.
Und während die staatliche Repression hierzulande ausgebaut wird, alle Menschen, die Schutz suchen, an den Grenzen zurückgewiesen werden, fehlen legale Zugangswege vollständig. Diese Bundesregierung hat sie faktisch eingestellt. Aufnahmezusagen für Menschen aus Kenia, Ägypten, der Türkei und Pakistan liegen auf Eis,
und das, obwohl selbst unionsgeführte Länder wie Schleswig-Holstein bereit wären, Menschen aufzunehmen, Herr Spahn. Ja, trotz der rechten Hetze sind immer noch Städte und Kommunen bereit, Menschen aufzunehmen.
Das schwächt internationale Schutzstrukturen. Länder wie Ägypten nehmen Millionen Menschen aus dem Sudan auf – und Deutschland? Blockiert selbst die wenigen legalen Wege.
Die Botschaft Ihres Haushaltes ist klar: kein Platz für Humanität, kein Platz für Verantwortung, kein Platz für Rechtsstaatlichkeit.
PFrau Abgeordnete, Sie haben gerade einer Fraktion die „Banalität des Bösen“ vorgeworfen. Der Begriff ist von Hannah Arendt geprägt worden mit Blick auf den Eichmann-Prozess, und Sie wissen, in welchem Kontext das Ganze gestanden hat. Eine solche Gleichsetzung rüge ich hier.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Dieser Bundeshaushalt des Bundesministeriums des Innern ist ein echter Sicherheitshaushalt, mit einem Mittelaufwuchs in allen Sicherheitsbereichen. Herzlichen Glückwunsch dafür, Herr Minister Dobrindt!
Ich will mich besonders der Bundespolizei widmen. Ja, Frau Bünger, erstmals werden da Mittel in Höhe von über 5 Milliarden Euro ausgegeben. 1 000 weitere Stellen können geschaffen, 10 000 Taser sowie Schutzausrüstung angeschafft und 80 Millionen Euro für die Drohnenabwehr investiert werden. Aber Geld ist nicht alles – wichtig, aber nicht alles. Wir werden in den ersten Monaten des nächsten Jahres auch ein neues, zeitgemäßes Bundespolizeigesetz schaffen, weil es große Herausforderungen für unsere Bundespolizei gibt: Ja, auch durch die verstärkten Grenzkontrollen; das wissen wir. Deswegen möchte ich die Gelegenheit nutzen, den Bundespolizistinnen und Bundespolizisten für ihren Einsatz und ihr Engagement für unser Land herzlich zu danken, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Die Zahlen geben uns recht – und das ist ein Verdienst dieser Polizistinnen und Polizisten –: Die Asylerstanträge gehen über 50 Prozent zurück. Es gibt einen Beifang: 1 800 Schleuser sind gefasst, 10 000 offene Haftbefehle vollstreckt und, ja, auch 800 Extremisten sind festgestellt worden. Im Koalitionsvertrag haben wir festgelegt, wie lange diese Grenzkontrollen und Zurückweisungen sein müssen: so lange, bis Dublin und Nachfolgeregelungen auf europäischer Ebene funktionieren.
Wir setzen mit diesem Haushalt auch die Migrationswende fort, gerade um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wieder zu stärken und um eine Befriedung in unserer Gesellschaft herbeizuführen. Dazu haben wir – ich sage das bewusst – leider alle freiwilligen Aufnahmeprogramme beenden müssen. Das ist nichts, was irgendjemand gerne tut.
weil von der Ampel die Einreisemöglichkeiten wie auch Bleiberechte dann auch noch ausgeweitet wurden und so der gesellschaftliche Zusammenhalt in unserem Land stark gelitten hat. Deswegen müssen wir jetzt derartige Maßnahmen ergreifen; und dies ist auch erfolgt.
Wir wickeln die Programme noch ab: seriös, rechtlich wie geboten, auch bei den Fällen von Afghanen in Pakistan, die uns insbesondere die grüne Außenministerin Frau Baerbock hinterlassen hat. Und ich will einmal darauf hinweisen, Herr Kollege Eckert und Herr Kollege Emmerich: Weniger als 10 Prozent derer, die heute noch in Pakistan sind, sind ehemalige Ortskräfte von uns.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank, Herr Throm, dass Sie die Zwischenfrage zulassen.
Zunächst will ich noch einmal sagen, was diese Menschen mit Deutschland zu tun haben, weil Sie danach gefragt haben. Wenn ein Richter in Afghanistan dafür gesorgt hat, dass Taliban ins Gefängnis kommen, dann hat er natürlich an dieser Stelle auch mit Soldatinnen und Soldaten zusammengearbeitet gegen die Taliban und für Demokratie und eine offene Gesellschaft sowie sich für Freiheit in Afghanistan eingesetzt, gearbeitet und gekämpft. Da besteht ein Zusammenhang, und da besteht eine Verantwortung.
Ich will aber zu meiner Frage kommen. Der UN-Sonderberichterstatter für Afghanistan ist diese Woche in Berlin. Und er hat eindringlich gewarnt, dass eine Rückkehr nach Afghanistan für diese Menschen eine große Gefahr wäre, da die meisten zu fürchten haben, dass ihnen dort Verfolgung droht, weil sie Deutschland die Hand gereicht hatten. Deswegen will ich an Sie appellieren: Es geht um eine relativ kleine Gruppe von Afghanen, deren Leben in Gefahr ist und gegenüber denen Deutschland ein Versprechen gemacht hat. Ihnen wurden Versprechen gegeben, und diese drohen jetzt in einer größeren Zahl gebrochen zu werden. Deutschland muss doch gerade hier seine Verpflichtungen einlösen, und Weihnachten steht vor der Tür. Deswegen meine Frage:
Herr Kollege Emmerich, Sie haben gerade selbst bestätigt, dass die Personen, die keine Ortskräfte waren, in keinem Zusammenhang zu Deutschland stehen und nicht für Deutschland oder deutsche Behörden bzw. Organisationen gearbeitet haben. Wir stehen zu unserer Zusage für echte ehemalige Ortskräfte. Diese werden auch entsprechend Aufnahme finden.
Ansonsten haben Sie gefragt, ob wir zu unseren Verpflichtungen stehen. Ja, selbstverständlich steht Deutschland zu seinen Verpflichtungen,
eben dort, wo eine Verpflichtung, das heißt eine rechtlich verbindliche Aufnahmezusage, besteht. Das hat ja der Minister gerade auch entsprechend erläutert. In den Fällen aber, in denen diese Aufnahmezusagen, die alle noch aus der Zeit der Ampelregierung stammen – das trifft auf alle zu, die heute noch in Pakistan sind –
Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ja, weil es so war!
und nicht von irgendwelchen Vorgängerregierungen, nicht rechtlich verbindlich sind, gilt das, was im Koalitionsvertrag steht: Wir werden freiwillige Aufnahmeprogramme beenden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Letzte Bemerkung, Herr Kollege Emmerich, weil Sie hier und auch diese Woche im Innenausschuss so viel von Verantwortung gesprochen haben: Manchmal muss man sich auch mal an die eigene Nase fassen und die eigene Verantwortung sehen.
Ich habe gerade gesagt: Die Menschen, die jetzt noch in Pakistan sind, sind alle von Ihnen, insbesondere Ihrer Außenministerin, nach Pakistan gebeten, gelockt, verbracht worden – wie auch immer – und dort im Stich gelassen worden.
die, nachdem Sie die Probleme nicht in den Griff bekommen haben, nachdem Sie keine hinreichenden Sicherheitskontrollen durchgeführt haben, die Flüge von Pakistan nach Deutschland eingestellt haben – über Monate und auch über die Zeit der letzten Bundestagswahl –,
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber müssen wir das nicht trotzdem lösen?
weil Sie selbst diese Bilder nicht im Rahmen Ihres Bundestagswahlkampfs haben wollten, Herr Kollege Emmerich. Erst danach haben Sie sie wieder aufgenommen.
Sie und ganz konkret die grüne Außenministerin sind mitverantwortlich dafür,
Ich will darauf hinweisen – das sage ich hier ganz bewusst und aus gegebenem Anlass –, dass wir die Migrationswende auch dadurch fortsetzen, dass wir nach Afghanistan und, ja, auch nach Syrien abschieben wollen, beginnend mit Straftätern, aber nicht nur mit diesen. Insbesondere in Syrien ist der ursprüngliche Fluchtgrund – Bürgerkrieg und Assad-Regime – weggefallen. Deswegen müssen wir genau hinsehen, welche Personen zukünftig in Deutschland bleiben können, welche gut integriert sind, welche arbeiten. Da gibt es selbstverständlich ganz viele Syrerinnen und Syrer, die das tun, die ihren Aufenthaltsstatus wechseln können.
Aber wir haben etwa 480 000 syrische Staatsbürger im Bürgergeldbezug – teilweise seit zehn Jahren.
Diese sind nicht gut integriert. Deswegen müssen wir auch hier nachschauen, ob das Aufenthaltsrecht bestehen bleiben kann; erste Urteile der Verwaltungsgerichte gibt es ja. Insofern: Auch hier werden wir die Migrationswende in den nächsten Jahren umsetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Letzter Punkt. Geld allein schafft keine Sicherheit; auch das habe ich schon gesagt. Deswegen müssen wir unsere Sicherheitsbehörden weiter mit zeitgemäßen Befugnissen im digitalen Bereich ausstatten. Dazu gehören die automatisierte Datenanalyse, der biometrische Internetabgleich und vor allem die IP-Adressen-Speicherung zur Terrorabwehr und zum Schutz vor sexuellem Missbrauch im Netz. Seit Jahren wissen wir, dass Zehntausenden von Hinweisen nicht nachgegangen werden kann, weil dieses Mittel fehlt. Deswegen werden wir das umsetzen. Ich darf an die Regierung appellieren: Es ist hier Eile geboten. Es gibt bei der Unionsfraktion eine gewisse Ungeduld, dass wir diese Gesetze hier vorgelegt bekommen.
Und wenn es eine weitere Motivation bräuchte, sehr geehrte Frau Justizministerin, sehr geehrter Herr Innenminister, liebe Kolleginnen und Kollegen, dann wäre es doch gerade die, dass die ganz Rechten und die ganz Linken diese IP-Adressen-Speicherung ablehnen,
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn wir heute über den Haushalt des Innenministeriums sprechen, dann sollten wir einen Schritt zurücktreten und uns eine grundsätzliche Frage stellen: Was ist die Aufgabe dieses Ministeriums? Was ist die Aufgabe des Bundesinnenministeriums in einer freien Gesellschaft?
Sebastian Fiedler [SPD]: Ja, wenn du das nicht weißt!
Aufrechterhaltung von Sicherheit, Freiheit und Ordnung, das ist die Kernaufgabe. Dafür ist dieses Ministerium zuständig.
Doch heute präsentiert uns die Regierung ein Zahlenwerk, das zeigt: Dieser Staat verliert sich immer mehr in ideologischen Nebenschauplätzen. Millionen fließen in Projekte zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, in die Finanzierung von Kirchentagen,
in politische Stiftungen, in Migrationsberatungen und teure Integrationsprogramme. Das alles hat eines gemeinsam: Es gehört nicht zu den Kernaufgaben eines Innenministeriums.
Beispiel: Über 1 Milliarde Euro für Integrationskurse. Mein Kollege Marcus Bühl hat sie gerade schon angesprochen. Während der Bundesinnenminister beim Schutz der Grenzen, seiner originären Zuständigkeit, komplett versagt, sollen die Folgen dieses Versagens mit Integrationskursen bewältigt werden. Dass Integrationskurse Parallelgesellschaften, die Überforderung des Sozialstaates und die Eskalation der Gewalt verhindern, ist natürlich eine Illusion. Der ganze Ansatz ist falsch. Wer illegal ins Land kommt, muss nicht integriert, sondern wieder zurückgeführt werden.
Und wer legal auf Dauer ins Land kommt und bleiben darf, der muss für seine Integration in erster Linie selbst sorgen. In klassischen Einwanderungsländern wie den USA oder Kanada war das immer selbstverständlich.
Wir als AfD-Fraktion wollen im Etat des Innenministeriums 1 Milliarde Euro einsparen. Und trotzdem stärken wir Polizei, Grenzschutz und Katastrophenschutz. Wie geht das?
Ganz einfach: Wir streichen ideologische Ausgaben, die niemand braucht. Wir beenden Fehlanreize in der Migrations- und Integrationspolitik. Wir stellen die Sicherheit unserer Bürger über gesellschaftspolitische Experimente.
Meine Damen und Herren, dieser Haushalt ist auch ein Spiegelbild des Zustands unseres Landes. Es herrscht mittlerweile ein Verständnis des Staates, das diesen zum ideologisierten Volldienstleister macht. Dies hat mit einem freiheitlichen Staatswesen nichts gemein. Das Prinzip der Volkssouveränität garantiert die Willensbildung von unten nach oben. Der Staat hat strikte Neutralität zu wahren und auf den demokratischen Diskurs nicht einzuwirken. Heute wird das Gegenteil praktiziert: Wir haben es mit einem meinungsbildenden und einem meinungsunterdrückenden Staat zu tun.
und erfindet hierfür sogar eine eigene Beobachtungskategorie: Delegitimierung des Staates. Hier herrscht offensichtlich ein großes Missverständnis. Deshalb sei einmal ausdrücklich klargestellt: Der Verfassungsschutz ist nicht der Schiedsrichter der Demokratie.
Und noch eines sei gesagt: Es ist in einer Demokratie unerträglich, wenn kritische Bemerkungen zu Hausdurchsuchungen führen. Zuletzt hat es im Oktober den berühmten Medienexperten Professor Norbert Bolz getroffen, weil er einen Tweet der „taz“ ironisch beantwortet hatte – ein erneuter Schlag gegen die Meinungsfreiheit, mitten in Deutschland. Für die Demokratie ist das fatal. Sie braucht kritische Bürger mit Zivilcourage, keine eingeschüchterten Untertanen.
Meine Damen und Herren, vor über 200 Jahren hat Theodor Körner gefordert: „Der Freiheit eine Gasse!“ Das ist auch heute wieder nötig. Wir brauchen einen Staat, der seine Bürger schützt, aber nicht bevormundet. Dafür steht die AfD.
Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Bei der AfD sehe ich nur Herren: Sie meinen wohl, Sicherheit ist Männersache. Das passt zu Ihnen.
Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Zurufe von der AfD: Oh!
📢
Martin Hess [AfD]: Das Niveau sinkt bei Ihnen ja immer weiter, Herr Kollege!
Wir sprechen heute über den Haushalt des Bundesinnenministeriums. Ich kann Ihnen sagen: Diese Koalition investiert in Zusammenhalt. Aber eigentlich sprechen wir über etwas viel Größeres, nämlich über die Abwehr eines autoritären Angriffs auf unsere Demokratie. Deutschland steht im Fadenkreuz hybrider Operationen aus Russland: Cyberangriffe, Desinformation, Spionage, Einflussversuche jeden Tag und jede Stunde. Und – ich habe es jetzt zum ersten Mal ausgerechnet – damit wir diesen permanenten Angriffen standhalten können, investieren wir, sehr konservativ gerechnet, etwa 1,8 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr allein aus dem Verantwortungsbereich des Bundesinnenministeriums nur hierfür, wenn man die anderen Teile rausrechnet. Das ist Geld, das wir ausgeben müssen, damit der Kreml mit seinen Aktivitäten nicht erfolgreich ist.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Und jetzt kommt der Teil, über den wir hier reden müssen, auch wenn das manchen, nämlich diesen Herren hier rechts, unangenehm ist. Der größte Resonanzboden für russische Einflussnahme sitzt nicht in Moskau. Er sitzt hier im Deutschen Bundestag.
Die AfD ist die einzige Fraktion, die trotz aller nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, trotz aller bekannten Operationen aus Russland, trotz aller Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur behauptet, Russland sei keine Bedrohung für Deutschland.
Nun ist Ihr AfD-Fraktionsvorsitzender rausgelaufen, wahrscheinlich weil er wusste, dass ich das erwähne. Dies zu behaupten, ist keine Ahnungslosigkeit, das ist Absicht, meine Damen und Herren. Denn dieselbe AfD, die Russland verharmlost, verbreitet systematisch die Desinformationen und Propagandamuster, die in Putins Trollfabriken entstehen. Sie trägt sie hier ins Hohe Haus, jeden Tag: in Reden, in sozialen Netzwerken und in Pressemitteilungen.
Und als wäre das nicht genug, bestätigt die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in dieser Woche hier im Deutschen Bundestag, dass es „offene Kanäle […] nach Russland“ gibt; so das Zitat. Eine Fraktion, die direkte Kommunikationswege in ein autoritäres Regime unterhält, das Europa angreift
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Zurufe von der AfD
Wir reden hier nicht über politische Unterschiede, wir reden über ein Sicherheitsrisiko: Die AfD stellt Tausende Kleine Anfragen, die nach Routen von Militärtransporten, nach sicherheitsrelevanten Strukturen, nach Schutzmaßnahmen und Einsatzfähigkeiten fragen.
Das hat nichts, aber auch gar nichts mit parlamentarischer Kontrolle zu tun. Das ist ein Muster. Ein Muster, das Interessen fremder Mächte bedient und das von unseren Sicherheitsbehörden seit Jahren kritisch beobachtet wird. Und es hört nicht auf.
sind zahlreich dokumentiert und folgen einer klaren Linie. Die AfD ist nicht zufällig der parlamentarische Arm der Einflussnahme; sie ist es aus Überzeugung.
Markus Matzerath [AfD]: Können wir mal über den Haushalt reden?
📢
Martin Hess [AfD]: Die Rede hat keinerlei Substanz! Das Landgericht Berlin hat das verworfen! Der SPD-Innenminister ist vom Landgericht Berlin nicht als seriöse Quelle bezeichnet worden! Und Sie stellen sich hierhin!
Ich frage mich in diesem Zusammenhang: Feiern Sie sich eigentlich untereinander dafür, dass Sie bei Ihrer Antimigrationskampagne niemals darauf zu sprechen kommen, dass etwa 1,3 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer nur deswegen zu uns fliehen mussten, weil Ihr Freund Wladimir einen verbrecherischen und barbarischen Angriffskrieg gegen das Heimatland dieser Menschen führt, oder schämen Sie sich auch manchmal?
Dr. Götz Frömming [AfD]: Die SPD hat in Russland investiert! Sie können sich mal mit Frau Schwesig unterhalten über ihre Connections!
1,8 bis 2 Milliarden Euro, vielleicht sogar mehr, in Cyberabwehr, Spionageabwehr, Polizeikräfte, Verfassungsschutz und Krisenresilienz, weil Deutschland angegriffen wird, von außen wie von innen. Innere Sicherheit bedeutet also im Jahr 2026: Wir schützen unser Land vor den Feinden der Demokratie – Feinden aus Russland und Feinden hier im Parlament.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Über diesen Bundeshaushalt und diesen Einzelplan kann man nicht sprechen, ohne die Haltung des Kanzlers und seines Innenministers zu benennen – ihr Geist durchzieht jeden Posten. Wenn sie von gesellschaftlichem Zusammenhalt sprechen, dann haben sie ein anderes Bild von der Gesellschaft als viele in unserem Land. Menschen wie ich gehören nicht dazu. Sie sind ein Makel im „Stadtbild“ des Kanzlers.
Diese Politik der Spaltung spiegelt sich auch im Haushalt des Innenministeriums wider. Trotz Rekordhaushalt des BMIs schaffen Sie keine politischen Rahmenbedingungen, Herr Dobrindt. Stattdessen sparen Sie genau dort, wo Zusammenhalt entsteht. Das schwächt unsere Demokratie, und das wollen die Menschen da draußen nicht.
Mit Ihrer Law-and-Order-Politik machen Sie den Menschen etwas vor, Herr Dobrindt. Sie erzeugen so selbst das Problem, das Sie als Innenminister eigentlich lösen sollten: die weitere Spaltung unserer Gesellschaft. Vor drei Wochen ist die neue Mitte-Studie erschienen, und sie zeigt deutlich: Wenn sich Menschen abgehängt fühlen, dann entfremden sie sich von unserem politischen System. Ihr Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen nimmt zu. Und genau diese Unzufriedenheit ist der Nährboden für Rechtspopulismus.
und ein Innenminister, der sich an rechtlich bindende Aufnahmezusagen hält, der seiner Verantwortung gerecht wird und unseren Rechtsstaat respektiert, statt ihn frontal anzugreifen.
Aber dafür ist Herr Dobrindt anscheinend der falsche Innenminister.
Wenn Sie schon nichts für die Stärkung unserer Demokratie und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft tun, dann schaffen Sie doch wenigstens die Rahmenbedingungen, damit die Profis ihre Arbeit machen können.
Aus vielen Gesprächen weiß ich, wie entscheidend die Arbeit der Zivilgesellschaft ist, von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und Migrationsberatungen.
Steffen Bilger [CDU/CSU]: Wir haben jetzt die Mittel erhöht!
Besuchen Sie doch mal eine Migrationsberatungsstelle! Sie werden genügend Beispiele dafür finden, wie Integration mithilfe der Beratungsstellen gelingt und unsere Gesellschaft bereichert.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie das auf den Beitrag von Herrn Willsch bezogen?
📢
Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Menschen in unserem Land erwarten zu Recht, dass wir uns den sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit stellen. Sie fragen sich, ob der Staat vorbereitet ist, ob er sie schützen kann, wenn es darauf ankommt.
Unser Auftrag ist klar, und dieser Haushalt gibt eine eindeutige Antwort: Ja, wir sind vorbereitet. Ja, wir handeln. Und ja, wir stärken den Schutz für alle, die in unserem Land leben.
Der ambitionierte Haushaltsentwurf, den Bundesinnenminister Alexander Dobrindt vorgelegt hat, ist ein weiterer Schritt hin zu mehr Krisenfestigkeit. Aber, meine Damen und Herren, er ist noch mehr: Er eröffnet die Chance, den Zivil- und Bevölkerungsschutz und die innere Sicherheit auf eine neue Grundlage zu stellen und sie damit dauerhaft zu stärken.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Mit zusätzlichen 1,1 Milliarden Euro rückt der Schutz der Bevölkerung in den Mittelpunkt staatlichen Handelns. Allein das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erhält eine Verdopplung seiner Mittel. Wie kein anderer Posten macht dieser Aufwuchs deutlich: Wir stellen uns entschlossen der neuen sicherheitspolitischen Realität. Investitionen fließen in Fahrzeuge, in moderne Technik, insbesondere zur Erkennung und Bekämpfung chemischer, biologischer und nuklearer Gefahren. Neue Brand- und Sicherheitstechnik erweitert die Krisenkompetenz des BBK. Auch die Warninfrastruktur wird modernisiert: leistungsfähige Apps, moderne Lagezentren und ein flächendeckendes Sirenennetz.
Doch Sicherheit, meine Damen und Herren, entsteht nicht allein durch Technik, sie entsteht durch Menschen, die vorbereitet sind und wissen, wie sie handeln können. Deshalb fördern wir Informationskampagnen und Programme zum Selbstschutz der Bevölkerung.
Auch das THW profitiert: Mit dem stärksten Mittelzuwachs seit Jahrzehnten wird es krisenfester, moderner und durch neue Fahrzeuge, digitale Lösungen und robuste Kommunikationssysteme noch besser ausgestattet.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Vor diesem Hintergrund ist es ausdrücklich zu loben, dass der Bundesregierung die Anerkennung, die Förderung des Ehrenamtes so sehr am Herzen liegt. Denn letztlich, meine Damen und Herren, sind es die Ehrenamtlichen, die Bevölkerungs- und Katastrophenschutz überhaupt erst möglich machen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
In der inneren Sicherheit setzt dieser Haushalt neue Maßstäbe. Nach deutlichen Steigerungen im Vorjahr setzt sich dieser Investitionstrend fort und würdigt die unverzichtbare Arbeit der Bundespolizei. Sie schützt unsere Bahnhöfe, unsere Flughäfen, die Landgrenze und fast 900 Kilometer Seegrenze. Für die gewissenhafte Erfüllung dieser Aufgaben gilt den Beamtinnen und Beamten unser aufrichtiger Dank und unser Respekt.
Der vorliegende Haushalt verleiht dieser Wertschätzung auch Ausdruck: Der Betrieb der Hubschrauberflotte wird abgesichert. Kontroll- und Streifenboote werden modernisiert. Die GSG 9 erhält neue Mehrzweckboote für den strategisch so wichtigen Ostseeraum. Und für die Drohnenabwehr wird endlich neue Technik beschafft.
Doch neue Aufgaben und einsatztaktische Möglichkeiten erfordern auch das richtige Training. Deshalb ist es richtig, dass wir miteinander an den gestiegenen Mitteln für Aus- und Fortbildung aus dem letzten Haushalt festhalten. Es braucht gute Ausbilder, moderne Trainings und praxisgerechte Übungen. Nur so sichern wir Fähigkeiten und erweitern Kompetenzen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Und längst schaffen wir auch die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen, sei es bei der Modernisierung des Bundespolizeigesetzes oder den angekündigten Änderungen am Luftsicherheitsgesetz. Dieser Haushalt zeigt: Wir setzen die innenpolitische Zeitenwende konsequent und ganzheitlich um.
Meine Damen und Herren, dieser Einzelplan steht für einen handlungsfähigen Staat. Er gibt den Einsatzkräften Planungssicherheit, Verlässlichkeit und stärkt das Vertrauen in der Bevölkerung. In einer Zeit wachsender hybrider Bedrohungen senden wir eine klare Botschaft: Wir handeln entschlossen, wir setzen konkret um, und wir schützen unser Land. Schutz statt Stärke, Entschlossenheit statt Zaudern und Vertrauen statt Verunsicherung: Das ist unser Leitmotiv für ein Deutschland, das durch uns krisenfest, sicher und zukunftsfähig gemacht wird.
Sehr geehrte Präsidentin! Die Debatte über den Haushalt ist angesichts der aktuellen inneren Sicherheit an Realitätsverweigerung des Bundesministers nicht mehr zu übertreffen. Eigentlich müsste es in Anbetracht der immer höheren Anzahl von Gewaltverbrechen, Messerattacken und sexuellen Übergriffen „innere Unsicherheit“ heißen.
Ja, Herr Bundesminister Dobrindt, ich gehöre seit Februar dieses Jahres dem Hohen Hause an und höre immer und immer wieder von Ihnen, dass die Grenzen sicher sind, dass die Grenzen kontrolliert werden, dass alles töfte ist. Aber, Herr Dobrindt, ich als ehemaliger Grenzschützer sage Ihnen, dass Sie dem deutschen Bürger die Unwahrheit erzählen, damit die Wähler denken, dass sich dieser desaströse Zustand der inneren Unsicherheit bald wieder ändern würde, dass man ohne Betonbarrikaden und Taschenkontrollen wieder auf eine Kirmes und einen Weihnachtsmarkt gehen kann, dass sich Frauen wieder ohne Angst vor sexueller Belästigung in Schwimmbäder und im Dunkeln wieder aus dem Haus trauen können und dass man wieder friedlich Silvester feiern kann. Aber leider ist das nicht so.
Ich habe mir in den letzten Monaten schon oft die Frage gestellt, Herr Dobrindt, ob Sie selbst an das glauben, was Sie hier immer wieder erzählen. Eine Kontrolle ist laut Definition die Überwachung, die Aufsicht, die Überprüfung einer Person, die dieser Kontrolle unterzogen wird. Wenn der Türsteher an der Türe die Gäste, wenn ein Sicherheitsdienst die Fußballfans am Stadion oder Besucher am Eingang des Weihnachtsmarktes lückenlos prüft, dann ist das eine Kontrolle.
Als ehemaliger langjähriger Grenzschützer sage ich Ihnen mal, wie an der deutsch-belgischen Grenze Ihre Kontrollversprechen durchgeführt werden: Die Grenzkontrollen auf der Autobahn finden nicht etwa an der Grenze statt, wie man es sich eigentlich wünscht und wie es der Bürger glaubt, wenn er das Wort „Grenzkontrolle“ hört. Nein, auf der Autobahn findet die Kontrolle erst circa 6 bis 7 Kilometer weiter im Landesinneren statt. Wenn man also einreist, kann man erst an zwei Ausfahrten vorbeifahren, bevor man dann am Rastplatz eventuell von einem Fahrzeug der Bundespolizei aus dem fließenden Verkehr herausgezogen wird, um dann kontrolliert zu werden, dies aber nicht rund um die Uhr, also 24 Stunden lang, sondern nur von morgens bis abends. Vielleicht denkt unsere Regierung, dass die Schleuser nachts nicht arbeiten und deswegen nur tagsüber Menschen illegal nach Deutschland einschleusen.
Wenn wir in den geplanten Haushalt für die Bundespolizei schauen, dann fällt neben dem redaktionellen Fehler in der Vorbemerkung vor allem der sehr geringe Aufwuchs in den Ausgaben der Bundespolizei von 1,6 Prozent auf. Sparsamkeit ist gut, aber wer eine Migrationswende verspricht, der müsste dafür neben den dringend notwendigen Gesetzesänderungen auch genügend Personal zur Verfügung stellen und finanzieren.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gar keine Ahnung!
Beim sogenannten Bundesamt für Verfassungsschutz will die Bundesregierung demgegenüber über 19 Prozent mehr ausgeben. Im Vergleich zu 2024 ist das eine Steigerung um 36 Prozent für die Behörde, die harmlose kritische Zitate sammelt. Wer aber den Oppositionsführer in Thüringen mit Pilzen vergiften will, für den interessiert sich die Behörde mit Sicherheit nicht. Die Regierung importiert und schürt also weiterhin gesellschaftliche Konflikte und will als Symptombekämpfung dann mit 680 Millionen Euro für den Geheimdienst die Konflikte in Schach halten. Das wird nicht funktionieren.
Ein Appell an die CDU/CSU: Lösen Sie sich endlich von der SPD! Trennen Sie sich endlich, damit die Grenzkontrollen auch wieder ohne Hemmschuh der SPD das werden, was sie sein sollen. Mehr Sicherheit geht nur mit der Alternative für Deutschland.
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Moin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es wird Sie nicht wundern, dass ich einen etwas anderen Fokus für die Debatte und für den Einzelplan 06 wähle. Der Etat des Innern ist – gerade mit Blick auf unsere nationalen Minderheiten – deutlich verbessert worden. In einem Jahr, in dem zusätzliche Zuständigkeiten auch für die Minderheitenpolitik und Kulturförderung im BMI gebündelt werden, ist es gelungen, dies auch im Haushalt mit Substanz zu hinterlegen. Dafür danke ich den Kolleginnen und Kollegen im Haushaltsausschuss ausdrücklich und hier ganz besonders Herrn Willsch und Herrn Gerster. Wir senden starke Signale aus Berlin an die dänische Minderheit, an die friesische Volksgruppe, aber auch an unsere Plattschnacker und an die deutsche Minderheit in Nordschleswig.
Aber alles kurz der Reihe nach: Besonders wichtig ist mir, dass die Mittel zur Förderung der dänischen Minderheit wiedergefunden wurden. Und bei unseren Friesen ist ein wirklicher Durchbruch gelungen. Hier steigt die Finanzierung im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent. Es ist eine historische Aufstockung, um die politische Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit sowohl in Nord- als auch in Ostfriesland nachhaltiger aufzustellen. Trotzdem muss klar sein: Wenn wir die Kultur- und Spracharbeit unserer Friesen langfristig stärken wollen, dann müssen wir auch in den kommenden Haushalten nachlegen.
Auch das Minderheiten-Kompetenz-Netzwerk wird im kommenden Jahr gestärkt, um die Sichtbarkeit von Minderheitenkulturen in meiner Heimat zu erhöhen. Un dat gifft ok noch en beten wat för uns Plattschnackers: Dat Plattdüütsch-Sekretariaat kriegt achtigdusend Euro. Damit werden Erhebungen zum Stand des Niederdeutschen finanziert. Aus den Ergebnissen müssen wir hier im Hause dann auch die richtigen Schlüsse ziehen.
Ein großer und längst überfälliger Schritt gelingt zudem für die deutsche Minderheit in Nordschleswig. Über die Jahre ist die deutsche Staatsförderung für die Minderheit im deutsch-dänischen Grenzland hinter der Entwicklung der dänischen Finanzierung zurückgeblieben. Darum ist es ein starkes Signal, wenn wir in den Jahren bis 2030 insgesamt 14 Millionen Euro für den dringend notwendigen Bau eines Bildungszentrums in Nordschleswig bereitstellen. Aber klar muss auch sein: Damit ist die strukturelle Schieflage in der Finanzierung noch nicht beseitigt. Hier muss der Bund auch langfristig sowohl in Nord- als auch in Südschleswig seiner Verantwortung gerecht werden.
Wo wir jetzt schon an der deutsch-dänischen Grenze sind, erlauben Sie mir hier noch eine abschließende Bemerkung: Derzeit werden auch die nördlichsten Grenzkontrollstellen nach Dänemark wetterfest gemacht. Und das, was Sie eben sagten, dass das 6 Kilometer hinter der Grenze geschehe, ist vollkommener Quatsch.
Aber Quatsch ist auch: Zelte, Container und Stromanschlüsse kosten an einem wirklich unspektakulären Grenzübergang rund 100 000 Euro. Es mag die richtige Absicht sein, dass Beamtinnen und Beamte angemessene Arbeitsbedingungen geboten bekommen; das möchte ich hier gar nicht kritisieren. Aber wir tragen hier Kosten für eine Kontrollinfrastruktur an einer Grenze, wo es – mal abgesehen von meiner grundlegenden Ablehnung von Grenzkontrollen – auch durch Zahlen, Daten und Fakten grundsätzlich nicht zu rechtfertigen ist.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Innenhaushalt und die Innenpolitik stehen in einer historischen Verantwortung. Unlängst meinte AfD-Spitzenkandidat Siegmund in Sachsen-Anhalt, er wolle sich nicht darauf festlegen, dass der Holocaust das schwerste Menschheitsverbrechen sei. Er maße sich nicht an, das zu bewerten, weil er ja nicht die gesamte Menschheit aufarbeiten könne und weil man nicht aus einzelnen Aspekten der Geschichte lerne, sondern nur aus der gesamten Geschichte.
Bei selbigem Herrn Siegmund ist es übliche Praxis, dass der Anheizer laut „Sieg!“ skandiert, während aus dem Publikum dann mit „Mund!“ geantwortet wird,
Martin Hess [AfD]: Deswegen sind wir auch so gut mit den Amerikanern! Was reden Sie hier denn ständig?
und manchmal auch Patrioten des amerikanischen Trumpismus und manchmal auch beides. Aber was Sie gewiss nicht tun: Sie dienen nicht der deutschen Sicherheit. Sie dienen nicht deutschen Interessen. Sie dienen nicht der deutschen Bürgerschaft, und Sie dienen gewiss nicht dem deutschen Grundgesetz.
einbürgern lassen oder eine doppelte Staatsangehörigkeit haben. Sie fragen dann, welchen Herren diese denn dienen würden. Ich frage mal: Welchen Herren dienen Sie denn? Das sind mehrere, aber deutsche Herren sind es gewiss nicht.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Martin Hess [AfD]: Wir dienen unseren eigenen Leuten! Dem deutschen Volk dienen wir, Herr Kollege!
Unsere Antwort ist dieser Haushalt, der ein Demokratiehaushalt ist und auch ein Wertehaushalt, im Inneren wie nach außen.
Vor Kurzem erinnerten wir an den ersten NSU-Mord, den Mord an Enver Şimşek. Es ist eine Schande, dass bis zum heutigen Tage nicht umfassend aufgearbeitet ist, was damals geschah. Umso wichtiger ist, dass wir im nächsten Jahr ein NSU-Dokumentationszentrum auf den Weg bringen. Und die Entscheidung, als Überbrückung das Dokumentationszentrum Offener Prozess als dezentralen Erinnerungsort mit Mitteln aus diesem Haushalt zu finanzieren, ist genau richtig. Das ist unsere verdammte Pflicht, auch angesichts dessen, was wir von der AfD hören, und aufgrund unseres eigenen Staatsversagens.
bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Tijen Ataoğlu [CDU/CSU]
Wir erleben aber auch in diesem Land – und auch das ist eine Schande –, dass Menschen jüdischen Glaubens in Unsicherheit leben wie seit Jahrzehnten nicht mehr, dass Antisemitismus für sie alltagsprägend ist, dass sie nicht frei und sicher leben können. Eine, nur eine von vielen wichtigen Antworten, um dagegen vorzugehen, sind Projekte wie etwa ToleranzRäume und viele andere. Sie ersetzen nicht das Gesetz; aber sie sind ein wichtiges Instrument.
Wir setzen uns auch gegen Islamismus ein, gerade weil wir die Selbstverständlichkeit muslimischen Lebens wollen und nicht wollen, dass sich Menschen muslimischen Glaubens, ob sie sich nun religiös identifizieren oder nicht, rechtfertigen und erklären müssen.
Angesichts all dessen und auch angesichts dessen, was ich über Herrn Siegmund gesagt habe, kann ich nicht verstehen, wenn einzelne Unternehmen oder Verbände heutzutage, in dieser Situation, meinen, Kuschelpädagogik mit der AfD wäre eine Antwort.
Martin Hess [AfD]: Die SPD fährt doch gerade alles an die Wand! Und das nehmen die Unternehmen nicht mehr hin, Herr Kollege!
Wir brauchen keinen herrschaftsfreien Dialog und Diskurs mit Rechtsextremen, um sie zu entzaubern. Denn unsere Entzauberung ist das Grundgesetz. Unsere Entzauberung sind demokratische Sicherheitsbehörden. Unsere Entzauberung sind demokratische Nachrichtendienste.
Martin Hess [AfD]: Da können Sie noch so laut schreien, Herr Kollege! Die SPD ist auf dem absteigenden Ast!
Und gerade weil das so ist, weil wir diesen inneren und äußeren Wertehaushalt als Kompass haben, arbeiten wir – wissend um unsere Geschichte – anders als Herr Siegmund daran, –
PDanke schön, Ihre Zeit ist abgelaufen. Vielen Dank, die Zeit ist überschritten. Ich bitte, die Präsidentin ernst zu nehmen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
📢
Martin Hess [AfD]: Unerträglich! Das überschreitet die Grenze zur Widerwärtigkeit, Herr Kollege!
PIch will noch mal sagen, dass es keinen Empfehlungscharakter hat, wenn die Lampe aufleuchtet und ich sage: „Die Zeit ist überschritten“; denn dann ist sie wirklich überschritten.
PJetzt hat als abschließender Redner in dieser Debatte der AfD-Abgeordnete Herr Christopher Drößler das Wort.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Lindh, danke für Ihre Show, die können Sie ja dann Ihrer linken Blase per Social Media zuspielen; die wird sich darüber freuen.
Aber zurück zum Haushalt: Der Bundeskanzler kündigte für den Haushalt bereits im September an, dass es bei den Entscheidungen, die vor uns liegen, um sehr Grundsätzliches ginge. Das muss insbesondere für das Innenministerium gelten. Doch wo stehen wir heute, zum Ende des Jahres? Die Union kündigte für die Ära nach dem linksliberalen Ampelexperiment eine „Migrationswende“ an, und auch im Allgemeinen sollte es einen Politikwechsel geben, eine sogenannte Nulltoleranzpolitik, wobei die Sicherheitsbehörden gestärkt und Straftäter und Gefährder mit ausländischem Pass konsequent abgeschoben werden.
Nun, in der Realität ist davon bislang nichts geschehen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, und auch dieser Haushaltsplan unterstreicht den Weiter-so-Charakter dieser schwarz-roten Verwaltungskoalition. Dabei müsste genau hier deutlich gemacht werden, dass die innere Sicherheit Priorität hat, eben „grundsätzlich“, wie der Kanzler es nannte, und das heißt: Stärkung der Sicherheitskräfte, mehr Befugnisse im Bereich des Grenzschutzes, Ausweisung ausreisepflichtiger Ausländer und weniger Geld für linke NGOs und den sonstigen Migrationskomplex.
All das hat die AfD mit ihren Anträgen gefordert. Wir zeigen: Eine Politikwende ist möglich. Und, meine Damen und Herren, diese Wende ist dringend notwendig. Wir wissen heute, dass vieles, was für Gesellschaftsmanagement ausgegeben wird, letztendlich bei linksliberalen Netzwerken landet, womit die staatliche Neutralität untergraben wird.
Das, was unter Formulierungen wie „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ oder der sogenannten Zivilgesellschaft staatlich abgesichert wird, ist größtenteils nichts anderes als ein linker Sumpf, der gerade im Bereich der Migrations- und Sicherheitspolitik gegen die notwendigen Reformen agiert.
Es bedarf aber mehr als solcher Phrasen. Wer es ernst mit einem Ende der linken Hegemonie meint, der muss den Rotstift ansetzen und praktische Politik betreiben. Aber natürlich geht das nicht, wenn die Christdemokraten der SPD gesellschaftspolitisch all das liefern, was sie bestellt. Am Ende wird Deutschland nur eine einzige Alternative zum Niedergang bleiben: Es ist die Alternative für Deutschland. Unsere Stunde wird kommen.
Sehr geehrte Präsidentin! Werte Abgeordnete! Werter Souverän! Jetzt betrachten wir den Einzelplan 07 – Justiz und Verbraucherschutz –, ein Etat von rund 1,163 Milliarden Euro. Als AfD sehen wir darin nicht wie ein kühler Buchhalter seelenlose Zahlen auf dem Papier, sondern gelebte Verantwortung für einen starken Rechtsstaat, für eine starke Demokratie, auf die sich die Bürger auch im Ernst- und persönlichen Ausnahmefall verlassen können wollen und vor allem müssen.
Im besten Fall ist der Etat zum Einzelplan 07 effizient, sparsam und bürgernah. Deswegen finden wir es nicht nur gut und richtig, dass der Verbraucherschutz nun wieder im Justizministerium untergebracht ist, sondern auch wichtig, dass Sie diesen hoffentlich bürgerfreundlich, also im Interesse des Bürgers, gestalten. Zum Beispiel müssen Betrügereien zum Nachteil des Verbrauchers stärker geahndet werden. Die Bürger dürfen sich bei Identitätsdiebstahl oder anderen widerwärtigen Angriffen auf die Persönlichkeitsrechte in einem Rechtsstaat nicht alleine fühlen.
Ein paar notwendige Reformen haben Sie auf den Weg gebracht. Die Faxgeräte werden weniger, die E-Akte kommt vermehrt, die Digitalisierung scheint Fahrt aufzunehmen – immerhin schon 30 Jahre nachdem das Internet nach Deutschland gekommen ist.
Doch wie so oft warnen wir Haushälter vor Geldverschwendung und drängen im Interesse des Steuerzahlers – also in unser aller Interesse – auf weniger Bürokratie und mehr Effizienz.
Auch brauchen wir ein klares Bekenntnis zu den Opfern und zur Rechtssicherheit, damit die Menschen ihr verlorengegangenes Vertrauen in Staat und Institutionen wiederfinden. Viel zu häufig kreisen die umfangreichen Justizbemühungen um teure Tätergutachten, die Opfer kommen viel zu oft viel zu kurz. Menschen, die Opfer schlimmster Gewalttaten geworden sind, fühlen sich oft vor Gericht unverstanden, vorgeführt und erneut als Opfer, während sich die Aufmerksamkeit der Justiz unverhältnismäßig stark um die Täter und deren jahrelange persönliche Schwierigkeiten und Resozialisierungschancen zu drehen scheint. Gegen so eine Art von Schwerpunktsetzung, gegen so eine Art von Rechtsprechung, die als ungerecht und unempathisch, als nicht angemessen oder als zu wenig strafend empfunden wird, können Sie noch so viele Stiftungen in Stellung bringen. Verlorengegangenes Vertrauen kommt auf diese Art nicht zurück.
Sie wissen sicher, welche Stiftung gemeint ist – eine, die ihre wahre Berufung immer noch zu suchen scheint, eine, die wir gerne abgeschafft oder zumindest auf ein realistisches Maß gekürzt hätten, die Sie natürlich aber weiter aufblähen. Was machen eigentlich Ihre geplanten zwei Neubauten für – Stand jetzt – rund 140 Millionen Euro für – Stand jetzt – rund 30 Mitarbeiter für die Stiftung Forum Recht, finanziert mit 4,45 Millionen Euro, was eine Steigerung um fast eine weitere Million Euro zum Entwurf ist?
Im Bereich Verwaltungsrecht konkretisiere ich Ihnen ein paar Reformmöglichkeiten, über die man sich zumindest im politischen Raum auseinandersetzen sollte. Beginnen wir mit den Verwaltungsgerichten, die unter der Last von Asyl- und Aufenthaltssachen fast zusammenbrechen. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 76 600 neue Klagen eingereicht – ein Rekordanstieg, der die Gerichte lahmlegt. In Nordrhein-Westfalen dauerten Bearbeitungen im vergangenen Jahr durchschnittlich 14,4 Monate, in anderen Bundesländern 16 Monate. Die Folge? Frustration, Frustration für alle rechtschaffenen Bürger, die auf schnelle Urteile bei Baugenehmigungen oder Sozialstreitigkeiten warten.
Die Kosten? Allein die asylbedingten Gerichtsverfahren verschlingen jährlich zwischen 500 Millionen Euro und 1 000 Millionen Euro, Geld, das aus unseren Haushalten fließt, weil fehlerhafte BAMF-Bescheide bei jeder dritten Klage kassiert werden. Das ist pure Verschwendung. Statt mehr Milliarden in Personal zu pumpen, was haushaltspolitisch ohnehin kaum noch abzubilden ist, müssen wir die Fallzahlen senken. Durch präzise Begründungen bei ablehnenden Bescheiden können Klagen um bis zu 20 Prozent reduziert werden, wie Studien zeigen. Höhere Hürden bei Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe – etwa strengere Prüfungen – würden den Klägern ihr eigenes Risiko bewusst machen, die Klagefreudigkeit bremsen und Millionen sparen.
Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Aber nur den Ländern und nicht dem Bund!
Wir fordern die sofortige Streichung und Umleitung ideologisch bedingter Summen in die Entlastung der Verwaltungsgerichte. Durch smarte Reformen im Verwaltungs- und Strafrecht entlasten wir die Gerichte. Das ist verantwortungsvolle und das ist vorausschauende Haushaltspolitik, verantwortungsvoll für einen Rechtsstaat, der dienen und funktionieren will und die Menschen nicht in wachsender Ablehnung und Verbitterung zurücklässt.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten hier heute einen Haushalt, mit dem wir wirklich Verantwortung übernehmen, und zwar Verantwortung für Frauen, die in unserer Gesellschaft Gewalt erleben, und Verantwortung für Menschen, die finanziell immer stärker unter Druck geraten. Beides passiert leider oft im Stillen, und beides verlangt wirklich entschlossenes Handeln und einen handlungsfähigen Rechtsstaat.
Sie alle wissen: Häusliche Gewalt passiert jeden Tag – viel zu oft. Alle zwei Minuten wird in Deutschland ein Mensch Opfer, und meistens sind es Frauen. Viele davon holen sich keine Hilfe, weil sie Angst haben oder sich schämen. Und sie brauchen unheimlich viel Mut, um Täter anzuzeigen und um vor Gericht auszusagen. Wir als SPD wollen, dass die Frauen Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter an ihrer Seite haben, wenn die Täter vor Gericht kommen. Deshalb haben wir uns sehr erfolgreich dafür eingesetzt, dass jetzt 3 Millionen Euro für Hilfsangebote zur Verfügung stehen.
Aber wir müssen auch schon vorher ansetzen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die Initiative „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ jetzt unterstützt wird. Zu viele Menschen schauen bei Partnerschaftsgewalt weg, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen, oder weil sie denken: Das geht mich nichts an. – Aber häusliche Gewalt ist niemals Privatsache, häusliche Gewalt ist eine Straftat. „StoP“ zeigt in Nachbarschaften, in Schulen und Vereinen, wie wir alle helfen können, wenn es darauf ankommt.
Bundesbauministerin Verena Hubertz kann jetzt endlich Geld in die Hand nehmen, damit Frauen in Deutschland einen sicheren Ort finden. 150 Millionen Euro für die Sanierung von Frauenhäusern sind ein ganz wichtiges Signal, das von diesem Haushalt ausgeht. Ich bin stolz, dass wir als SPD in den Haushaltsverhandlungen so viel erreichen konnten, um Frauen besser vor häuslicher Gewalt zu schützen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Aber, Kolleginnen und Kollegen, nicht nur Gewalt ist ein großes Problem, sondern immer mehr Menschen geraten auch finanziell unter Druck. Besonders junge Menschen verlieren bei Ratenkäufen schnell den Überblick. Fast jeder hat schon mal online etwas auf Raten gekauft – „Buy now, pay later“ klingt praktisch –, aber es ist ein Kleinkredit. Und wer den Überblick verliert, der rutscht sehr schnell in die Schuldenfalle. Genau deshalb haben wir als SPD darauf bestanden, dass es künftig eine digitale Schuldnerberatung gibt. Und die kommt jetzt auch. Dafür gibt es rund 4 Millionen Euro zusätzlich. Man kann da schnell checken, wie man die eigenen Finanzen wieder sortiert und Schritt für Schritt aus den Schulden herauskommt. Das Angebot ist kostenlos; denn wer überschuldet ist, kann keine Gebühren für eine Beratung bezahlen. Und: Sie ist anonym und von überall aus erreichbar, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wir unterstützen genau da, wo viele die ersten finanziellen Fehler machen, nämlich online.
Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesem Haushalt stärken wir Frauen, die Gewalt erleben. Wir stärken die Menschen, die finanziell unter Druck geraten. Und wir stärken alle, die täglich helfen – in Beratungsstellen, in der Nachbarschaft, in Schuldnerberatungen. Das ist eine gute Investition in den sozialen Zusammenhalt. Deswegen werbe ich dafür, diesem Haushalt zuzustimmen.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Jahr 2025 war kein einfaches Jahr für den Rechtsstaat. Wir hoffen, dass das kommende ein besseres wird. Das ist natürlich nicht allein die Verantwortung der Justizministerin, aber es war in großen Teilen die Verantwortung dieser Koalition, dieser Bundesregierung.
Da waren zum einen die verschärften Grenzkontrollen, die – das haben schon im Vorfeld alle Expertinnen und Experten gesagt – eindeutig gegen europäisches und nationales Recht verstoßen haben.
Als Ihnen das auch Gerichte bescheinigt haben, gab es sehr, sehr laute Beschimpfungen der Richterinnen und Richter, sehr laute Erklärungen, warum sich diese Regierung nicht an die Rechtsprechung gebunden fühlt, und eine zu leise Verteidigung der unabhängigen Gerichte.
Da waren die verweigerten Visa für Afghaninnen und Afghanen, die in Pakistan festsitzen. Und als Gerichte entschieden haben, dass die Bundesregierung sich natürlich an ihre Zusagen halten müsse, sind die Menschen gezwungen worden – meine Kollegin Schahina Gambir hat es gerade angesprochen –, den mühsamen Weg der Einzelklage zu gehen, anstatt dass die Bundesregierung endlich die Rechtslage anerkennt. Auch das ist schäbig für einen Rechtsstaat.
Und da war die markige Ankündigung des Herrn Bundeskanzlers, den wegen möglicher Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu nach Deutschland einzuladen und Mittel und Wege zu finden, diesen Haftbefehl nicht vollstrecken zu müssen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in einem Rechtsstaat gibt es auch für eine Regierung keine Mittel und Wege, einen Haftbefehl nicht zu vollstrecken; auch die Mächtigen unterliegen dem Gesetz. Das hätten Sie von Anfang an klarmachen müssen.
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Dr. Carolin Wagner [SPD]
Und da war die gescheiterte Bundesverfassungsrichterwahl – ein einmaliger Vorgang, mit dem insbesondere CDU und CSU das höchste deutsche Gericht in fahrlässiger Weise beschädigt haben.
Tobias Matthias Peterka [AfD]: Sie vernichten den Staat!
📢
Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Das Gegenteil beweisen Sie gerade!
Aber in dieser Frage – und ich hoffe, das empfinden Sie von den Linken nicht als Beleidigung – war auch die Linksfraktion zweifellos staatstragender, als es die Konservativen in diesem Hause waren.
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jan Köstering [DIE LINKE]
Meine Damen und Herren, der Rechtsstaat steht nicht nur unter Druck, wenn Gerichte oder Staatsanwälte polemisch attackiert werden; er gerät auch unter Druck,
Stephan Brandner [AfD]: …, wenn die Grünen darüber reden! Dann ist ganz besonders der Tiefpunkt erreicht!
wenn – und das erleben wir leider nicht nur in den USA – Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte angegriffen werden. Wenn wir erleben müssen, dass Rechtsanwälte für die Übernahme strafrechtlicher Mandate oder auch ausländerrechtlicher Mandate öffentlich aufs Übelste beleidigt und verunglimpft werden, dann ist das eine Bedrohung für den Rechtsstaat, und dann ist es unsere Aufgabe als Politik, sich klar und eindeutig hinter unsere Anwältinnen und Anwälte zu stellen, zum Beispiel über die angestoßene Diskussion, den Schutz von Anwälten ins Grundgesetz aufzunehmen. Jedenfalls müssen wir klarmachen: Auch Rechtsanwälte gehören unverzichtbar zum Rechtsstaat dazu.
Aber was macht diese Koalition? Sie macht genau das Gegenteil: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird anwaltlicher Beistand in Haftsachen wieder abgeschafft, nämlich der anwaltliche Beistand in Abschiebehaftsachen,
Sebastian Steineke [CDU/CSU]: Die Frage ist, warum es überhaupt eingeführt wurde! Ihr habt das völlig überflüssigerweise eingeführt!
📢
Steffen Bilger [CDU/CSU]: Warum habt ihr das denn eingeführt? War ein großer Fehler!
und das, obwohl Sie auf mehrfache Nachfrage keinen einzigen Fall benennen konnten, in dem ein Anwalt eine rechtmäßige Abschiebung auch nur verzögert hätte.
Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Wir machen unsere Augen nicht zu, so wie Sie!
oder Sie setzen sich dem schlimmen Verdacht aus, dass Sie selbst bereit sind, Rechtsbrüche in Kauf zu nehmen, um Ihre Abschottungspolitik durchzusetzen. Beides wäre schlimm; beides darf in einem Rechtsstaat nicht sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Sebastian Steineke [CDU/CSU]: Nein! Der ist hervorragend!
IP-Vorratsdatenspeicherung, Ausweitung der Telefonüberwachung, biometrische Erfassung im öffentlichen Raum, automatisiertes Ablesen von Autokennzeichen, Ausweitung der Videoüberwachung, dazu die von CDU-Landesinnenministern geplante Einführung der gefährlichen Palantir-Überwachungssoftware. Sie wollen mit einem Bulldozer über die Freiheitsrechte in diesem Land fahren. Wir werden uns dem mit allen zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln entgegenstellen. Verlassen Sie sich darauf!
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jan Köstering [DIE LINKE]
📢
Tijen Ataoğlu [CDU/CSU]: So geht Law and Order!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kollegin Svenja Schulze hat es angesprochen: In dieser Woche war der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Es ist gut, dass wir hier bald einen Gesetzentwurf aus Ihrem Haus, Frau Ministerin, diskutieren werden, der einen Teil des spanischen Modells, die elektronische Fußfessel für Gewalttäter, ins deutsche Recht übertragen soll.
Klar muss aber sein: Das spanische Modell umfasst zu Recht einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Wir alle – auch und gerade wir Männer, die die größte Tätergruppe stellen – müssen doch mehr tun, um Gewalt gegen Frauen gesamtgesellschaftlich zu ächten. Das fängt in der Erziehung an und hört im Sportverein nicht auf. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in dieser Frage sind wir alle gefordert.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Meine Damen und Herren, es ist angekündigt: Es soll – und ich hoffe, das geht dann sehr schnell vonstatten, Frau Ministerin –, einen Gesetzentwurf zur Berücksichtigung von Gewalt in Sorge- und Umgangssachen gehen. Auch das ist überfällig. Partnerschaftsgewalt kann doch nicht getrennt werden von Gewalt gegen Kinder. Kinder leiden auch unter Partnerschaftsgewalt, in bestehenden oder auch in getrennten Partnerschaften, und darum muss das zwingend von Gerichten bei Sorge- und Umgangsentscheidungen berücksichtigt werden.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Frau Ministerin! Heute beraten wir den Einzelplan 07, den Haushalt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Wir beraten damit den Haushalt für unseren Rechtsstaat.
Ein funktionierender Rechtsstaat ist keine Selbstverständlichkeit. Er entsteht nicht von allein. Er braucht Menschen, die täglich Verantwortung übernehmen; er braucht klare Regeln und verlässliche Strukturen, und er braucht das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Und – das gehört zur Ehrlichkeit dazu – er braucht eine solide finanzielle Grundlage.
Klar ist aber auch: Die Haushaltslage ist angespannt; das gilt auch für diesen Einzelplan. Gerade deshalb freut es mich, dass wir den Haushaltsentwurf im parlamentarischen Verfahren noch einmal verbessern und wichtige Schwerpunkte setzen konnten.
Wir stärken damit unseren Rechtsstaat, unsere Justiz und den Verbraucherschutz.
Ein besonders erfreuliches Ergebnis ist für mich die deutliche Stärkung der Stiftung Forum Recht. Wir haben ihre Mittel um über 900 000 Euro erhöht. Das ist weit mehr als eine haushalterische Anpassung; das ist ein deutliches Zeichen, meine Damen und Herren, auch wenn das auf der ganz rechten Seite nicht so gern gesehen wird.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Diese Stiftung wurde aus der Mitte dieses Hauses heraus gegründet, und deshalb ist es auch unsere gemeinsame Verantwortung, sie so auszustatten, dass sie ihre wichtige Arbeit leisten kann. Die Stiftung setzt sich für die Stärkung unseres Rechtsstaats ein. Die Aufklärungsarbeit ist wichtig; das sieht man bereits hier im Deutschen Bundestag.
Die Stiftung bringt rechtliche Grundlagen, demokratische Prozesse und unsere freiheitliche Ordnung in die Lebenswelt der Menschen, durch Ausstellungen und Bildungsangebote. Gerade junge Menschen erreicht sie damit auf Augenhöhe. Wir unterstützen mit dieser Entscheidung diejenigen, die Demokratie und Rechtsstaat vermitteln und damit stärken. Ich halte das für ein sehr gutes und sehr wichtiges Signal aus dem Parlament.
Meine Damen und Herren, am Dienstag dieser Woche war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen – ein Tag, der uns jedes Jahr ermahnt. Die Zahlen sind erschreckend: Im vergangenen Jahr wurden im Bereich häuslicher Gewalt 187 128 weibliche Opfer erfasst, und das ist nur das Hellfeld. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Viele Fälle werden gar nicht aufgeklärt; sie passieren hinter verschlossenen Türen. Deshalb ist dieser Tag nicht nur eine Mahnung, sondern auch eine Verpflichtung für uns alle. Wir müssen Antworten geben; der Rechtsstaat muss Antworten geben.
Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann setzen Sie doch mal die Istanbul-Konvention um!
Im Haushalt stellen wir daher unter anderem Mittel für die bundesweite Koordinierungsstelle „Stadtteile ohne Partnergewalt“ bereit. Wir führen so das Projekt zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt fort.
Gerade im ländlichen Raum sind die Wege länger und Hilfen schwerer erreichbar. Eine verlässliche Infrastruktur ist daher unverzichtbar. Es ist gut, dass wir diese Strukturen weiter stärken. Klar ist aber auch: Diese Maßnahmen sind nur ein kleiner Baustein. Hier sind wir alle gefragt; weitere Maßnahmen müssen folgen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Meine Damen und Herren, mit dem Haushalt 2026 kehrt der Verbraucherschutz vollständig in den Einzelplan 07 zurück. Doch wir haben nicht nur Zuständigkeiten bzw. nicht nur Geld von links nach rechts verschoben; wir haben im parlamentarischen Verfahren echte Schwerpunkte gesetzt.
Besonders hervorheben möchte ich das neue Modellprojekt zur Online-Schuldnerberatung, das wir nun ermöglichen. Dieses Thema ist aktueller denn je. Digitale Kauf- und Finanzierungsmodelle, allen voran „Buy now, pay later“, wirken auf den ersten Blick harmlos: Ein Klick, und die Ware ist bestellt. Die Rechnung kommt später. Doch ohne Erfahrung im Umgang mit Geld und Verträgen können diese Angebote junge Menschen schnell in ernste Schwierigkeiten bringen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland gelten derzeit 5,6 Millionen Erwachsene als überschuldet – ein Anstieg um über 2 Prozent. Besonders alarmierend: Fast 7 Prozent der unter 30-Jährigen sind überschuldet. Diese Entwicklung dürfen wir nicht ignorieren. Wir müssen hier dringend handeln.
Mit der Online-Schuldnerberatung schaffen wir ein Angebot, das insbesondere junge Menschen dort erreicht, wo sie unterwegs sind: im digitalen Raum. Wir müssen über die Gefahren der Überschuldung aufklären; wir müssen frühzeitig helfen, und wir müssen Unterstützungsangebote schaffen, die leicht zugänglich und zielgruppenorientiert sind. Das ist moderner Verbraucherschutz; das ist ein Baustein moderner, präventiver Verbraucherschutzpolitik und ein wichtiger Schritt für die finanzielle Selbstbestimmung junger Menschen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, all das, was wir in diesem Einzelplan stärken – die Stiftung Forum Recht, den Gewaltschutz, die Online-Schuldnerberatung –, dient einem gemeinsamen Ziel: einem starken, verlässlichen und modernen Rechtsstaat. Ich bin froh, dass dieser aus haushalterischer Sicht für das kommende Jahr gut aufgestellt ist, und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über einen Haushalt, der an vielen Stellen vorgibt, Menschen zu schützen – Frauen, Kinder, Mieterinnen und Mieter, Verbraucherinnen und Verbraucher –, es aber in der Realität zu wenig tut. Bei genauer Betrachtung zeigt sich ein Muster: Die Bundesregierung spart dort, wo Menschen Schutz brauchen, aber sie investiert dort, wo Konzerne oder die Rüstungsindustrie profitieren.
Meine Damen und Herren, 859 Frauen und Mädchen wurden im vergangenen Jahr Opfer versuchter oder vollendeter Tötungsdelikte. 648 Frauen und Mädchen wurden allein 2023 und 2024 getötet. In jeder Stunde werden 15 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet. Aber wir wissen auch: Rund 95 Prozent der Fälle werden gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Hochgerechnet sprechen wir über rund 300 Gewalttaten pro Stunde. Das heißt, in der Zeit, in der ich hier rede, werden mehrere Frauen geschlagen, bedroht oder misshandelt. Es passiert jeden Tag, in jedem Bundesland, quer durch alle sozialen Schichten. Deshalb müssen wir uns als Gesamtgesellschaft fragen: Was stimmt in diesem Land nicht? Gewalt löst keine Probleme; ganz im Gegenteil. Deshalb muss sie endlich mit aller Konsequenz bekämpft werden.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD
Die Bundesregierung hat zwar Verschärfungen im Strafrecht angekündigt, etwa bei Vergewaltigungen nach Einsatz von K.-o.-Tropfen – das ist auch längst überfällig –, aber es reicht eben nicht aus. 14 000 Plätze fehlen in Frauenhäusern, und dennoch wurden vielerorts Mittel gekürzt oder Kostensteigerungen nicht ausgeglichen. Und was machen Sie, liebe Bundesregierung? Sie kündigen Investitionen innerhalb der nächsten elf Jahre an. Elf Jahre! Das heißt für viele Gewaltbetroffene: Heute bleibt die Tür geschlossen. Heute finden sie keinen Platz. Heute bleiben sie in Gefahr. Das darf nicht sein, meine Damen und Herren, nicht in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren.
Wir reden hier auch nicht nur über irgendeine Infrastrukturmaßnahme, wir reden hier über Leben, über Sicherheit, über echte Zuflucht. Deshalb fordern wir einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Schutzplatz, einen Rechtsanspruch, der seinen Namen auch verdient – ohne Hürden, ohne Kosten, ohne bürokratische Schleifen, die niemand in einer Notsituation bewältigen kann.
Gleichzeitig propagiert die Regierung das spanische Modell. Doch Spanien investiert nicht nur in Fußfesseln, sondern auch in spezialisierte Gerichte, in verpflichtende Fortbildungen für Richterinnen und Richter sowie in ein durchdachtes Risikobewertungssystem. Prävention, Struktur, Konsequenz – all das brauchen auch wir. Und wir brauchen es jetzt! Statt politischer Ankündigungen, die in Haushaltslöchern verschwinden, brauchen wir endlich einen Masterplan gegen Gewalt – einen Masterplan, der Zuständigkeiten klärt, der Standards setzt und der ausreichend finanziert ist. Das ist längst überfällig, und das sind wir den Gewaltopfern in diesem Land schuldig.
Kommen wir zum Verbraucherschutz: Herr Kollege Feiler, ja, der Verbraucherschutz ist im Einzelplan 07 angekommen. – Versprechen gehalten: Das honorieren wir. Aber was nützt ein Titel, wenn das Geld fehlt? Preise steigen, Verträge werden undurchsichtiger, digitale Abofallen sind alltäglich, KI-Betrugsmodelle explodieren, und immer mehr Menschen rutschen in Schulden. Nicht weil sie falsch gewirtschaftet hätten, sondern weil der Markt auf Unsicherheit, Stress und Armut ausgelegt ist. Das ist Raubtierkapitalismus, und genau deshalb braucht es einen starken und solidarischen Verbraucherschutz.
Doch statt ihn zu stärken, schwächt dieser Haushalt den Verbraucherschutz. Die Zuschüsse an die Verbraucherverbände sinken, die Mittel für Verbraucherinformation werden gekürzt. Selbst grenzüberschreitender Schutz im globalen digitalen Markt wird reduziert. Personalstellen des vzbv werden nicht ausreichend finanziert.
Und auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung bleibt unterfinanziert, obwohl die Zahl der überschuldeten Menschen stetig steigt. Schuldnerberatungen sind aber kein Luxus. Sie sind eine Säule sozialer Stabilität, oft das letzte Auffangnetz, bevor Familien komplett abstürzen. Wenn der Staat hier spart, spart er am sozialen Frieden, und das wird uns später sehr viel teurer zu stehen kommen.
Und im digitalen Raum? Dort verdienen wenige Plattformen Milliarden, während Millionen Menschen betrogen, getäuscht und abgezockt werden. Deshalb brauchen wir Warn- und Meldesysteme, echte digitale Aufklärung und eine dynamische Förderung des Verbraucherschutzes.
Die Gefahren wachsen exponentiell. Dagegen bleiben die Haushaltsmittel gleich, und das ist fahrlässig, meine Damen und Herren. Wir brauchen endlich eine Politik aus dem Blickwinkel der Bürgerinnen und Bürger, Frauen, Mieter, Verbraucher. Aber diese Bundesregierung setzt eindeutig auf andere Prioritäten.
Am Wohnungsbau wird dies besonders deutlich: Das 21-Fache dessen, was Sie für den Wohnungsbau ausgeben wollen, pumpen Sie mit diesem Haushalt in die Rüstung. Machen Sie in diesem Tempo weiter, dauert es 30 Jahre, um 1 Million neuer Wohnungen zu schaffen, die bisher fehlen. Gleichzeitig wird die Diskussion über Mietwucher in eine Kommission ausgelagert, statt sofort zu handeln. Dabei gehören Indexmieten abgeschafft und Mietwucher endlich hart sanktioniert. Dafür braucht es keinen runden Tisch, sondern allein den politischen Willen!
Und am Ende stellt sich die Frage: Wessen Interessen schützt dieser Haushalt eigentlich? Er schützt nicht die von Gewalt betroffenen Menschen, er schützt nicht die Mieterinnen und Mieter, er schützt nicht die Verbraucherinnen und Verbraucher. Aber der Haushalt, so wie er nun beschlossen werden soll, schützt die Profite, den übergriffigen Markt und die Rüstungsindustrie.
Meine Damen und Herren, die Prioritäten in diesem Land müssen wieder geradegerückt werden. Die Bundesregierung muss endlich ihr Blickfeld weiten, den Alltag der Menschen ernst nehmen und entsprechend handeln. Dazu gehört auch, mehr Mittel für unsere Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung zu stellen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
U
Unbekannt
8 Kommentarblöcke~744 Wörter
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Verglichen mit dem Haushalt des BMI, der vorher besprochen worden ist, ist der Haushalt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz klein. Aber unsere Aufgaben sind nicht kleiner als die des BMI, sie sind mindestens genauso groß. Und ich würde behaupten: An mancher Stelle sind sie sogar noch ein bisschen größer; denn es geht um unseren Rechtsstaat.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
📢
Tijen Ataoğlu [CDU/CSU]: Gleich groß!
„Gleich groß.“ Wir können uns auch auf „gleich groß“ einigen.
Das Interesse der Menschen an diesem Haushalt sollte deshalb groß sein; denn er betrifft sie unmittelbar. Ein starker Rechtsstaat muss für jeden und jede von uns spürbar funktionieren. Deshalb setzen wir 2026 zusammen mit den Ländern den Pakt für den Rechtsstaat um. Das ist ein klares Zeichen für unsere Demokratie, für die Freiheit in diesem Land und für den Rechtsstaat.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Nicht minder wichtig – und ich freue mich sehr, dass dies wirklich von allen Seiten angesprochen worden ist – ist der Schutz vor Gewalt. Vorgestern war der Orange Day; das ist ein Tag von 365. Aber um es ganz klar zu sagen: Wir müssen auch an allen anderen 364 Tagen im Jahr – und in Schaltjahren auch an einem Tag mehr – etwas gegen Gewalt gegen Frauen und gegen Kinder tun.
Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Und ich kann Ihnen sagen: Wir arbeiten jeden Tag daran. Mein Ministerium, ich persönlich, die Bundesregierung – wir wollen uns das Thema „häusliche Gewalt“ vorknöpfen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, und ich bin dankbar, dass wir in diesem Haushalt vieles erreichen konnten, um das Thema weiter anzugehen. Ich freue mich auch sehr, dass der Innenminister Alexander Dobrindt sich in seiner Rede auch klar zu diesem Thema bekannt hat und sich, ich sage mal: mit an die Spitze der Bewegung gesetzt hat. Vielen Dank dafür!
Wir haben bei den letzten Haushaltsberatungen viel über den Teil Justiz gesprochen. Deshalb möchte ich noch mal über den Verbraucherschutz sprechen, der jetzt glücklicherweise bei uns im Haushalt verankert ist. Sie haben in den Beratungen deutlich mehr – und nicht weniger, wie gerade eben behauptet worden ist – Mittel für den Verbraucherschutz vorgesehen. Dafür bin ich Ihnen dankbar; denn es geht wirklich darum, den Menschen das Leben in diesem Land einfacher und bezahlbarer zu machen. Und vor allen Dingen: Es geht um Gerechtigkeit, es geht um den Schutz der Schwächeren. Es geht also genau um das, was das Recht leisten soll: fairen Ausgleich, Verlässlichkeit und Sicherheit.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir können hier oft im Kleinen Großes verändern. Im Moment, glaube ich, reden alle trotz vieler politischer Themen über den Black Friday, die Rabattschlacht in der Vorweihnachtszeit. Der Black Friday ist ein Import aus den USA. Er gehört mittlerweile zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr, und das ist auch gut so. Große und kleine Läden locken in die Innenstadt, locken online mit Schnäppchen. Aber bei allem Spaß und aller Freude: Aufgepasst! Wir wollen nicht, dass sich die Menschen am Ende verschulden. Wenn es denn passiert, dann können sie in eine Schuldnerberatung gehen, auch online.
Aber wir müssen vorher ansetzen. Deshalb wollen wir mit dem Widerrufsbutton schaffen, dass Menschen das, was sie sich vielleicht unnötig oder falsch in den digitalen Warenkorb gepackt haben, da auch schnell wieder herausbekommen. Der Widerrufsbutton kommt.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Das bedeutet: kein langes Suchen mehr durch versteckte Formulare, sondern Widerruf per Click, und das war es. Mit dem Widerrufsbutton wird der Rücktritt vom Kauf so einfach wie die Bestellung selbst; denn wenn das Bestellen im Internet kinderleicht ist, muss eben auch das Rückgängigmachen, der Widerruf, genauso leicht sein. Das schützt vor ungewollten Verträgen. Das spart Zeit und Nerven.
Ich könnte jetzt noch vieles aus dem Bereich Verbraucherschutz erwähnen. Aber die Redezeit ist um. Deshalb an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an alle Berichterstatter für die guten und konstruktiven Verhandlungen. Jetzt haben wir ja ein bisschen Ruhe bis zu den nächsten. Aber bis dahin können wir gemeinsam viel umsetzen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der freiheitliche Rechtsstaat gehört zu den größten Errungenschaften der abendländischen Welt. Ihn zu bewahren, auszubauen und zu verteidigen, muss unser aller Aufgabe sein. Meine jedenfalls ist es täglich,
Es waren gerade auch deutsche Juristen, die unseren Ruf in der Welt begründeten, die sogar Exportschlager wie das BGB, also unser Zivilrecht, entwickelten, um die uns die Welt beneidete.
Daniel Rinkert [SPD]: Dass Sie vor dem Verfassungsschutz bibbern, ist klar!
In den letzten Jahren und Dekaden wurde allerdings zu häufig nur noch von diesem guten Ruf gelebt, anstatt ihn ständig zu erneuern. Es ist wie mit unserem guten Ruf für perfekte Infrastruktur bei den Straßen, Brücken und der Bahn: Es wurde von der Substanz gelebt. Bei der Justiz ist es unter anderem die Verfahrensdauer: Erstinstanzlich am Landgericht 12 Monate, Berufung beim Oberlandesgericht noch einmal 16 Monate, knapp zweieinhalb Jahre also, und dann beginnt erst die Vollstreckung. Bei den Verwaltungsgerichten wird es noch schlimmer. Hier hat die Politik von CDU, SPD und Grünen dafür gesorgt, dass die Hälfte aller Verfahren nun durch Asylklagen blockiert wird, und das hat logischerweise Folgen für die Verfahrensdauer. Der normale Bürger hat das Nachsehen. So, meine Damen und Herren, schafft man doch nicht mehr Vertrauen in unseren Rechtsstaat und seine Institutionen, sondern weniger.
Wir haben das gerade erlebt, als es zur Wahl der Richter am Bundesverfassungsgericht kam. Da meint die SPD, wir hätten 1977 und sie stellte die Mehrheit samt Kanzler.
Herr Kollege, es gibt den Wunsch aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, eine Zwischenfrage zu stellen. Wollen Sie diese zulassen?
solche Kandidaten in Quantität und Qualität aufzustellen. Das ist doch völlig aus der Zeit gefallen. Und es stärkt den Rechtsstaat genauso wenig wie CDU-Bundestagsabgeordnete, die mal eben ins Verfassungsgericht wechseln und zur Coronazeit mit der Kanzlerin essen gehen.
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Sagen Sie mal was zum Haushalt!
um eine angebliche Zivilgesellschaft von regierungsfinanzierten NGOs aufzubauen. Gleiches gilt für die Stiftung Forum Recht: 3,5 Millionen Euro Steuergeld.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, wir kochen das alles jetzt mal ein bisschen runter und kommen wieder zurück zu unserem Thema, nämlich zum Haushalt.
Stephan Brandner [AfD]: Haben Sie grad nicht zugehört, Frau Hierl? Kollege von Zons hat da ausschließlich drüber gesprochen!
Die absolute Summe des Haushalts für Justiz und Verbraucherschutz ist mit circa 1 Milliarde Euro überschaubar. Doch die Bedeutung des Haushalts für den Rechtsstaat könnte kaum größer sein. Der Haushalt finanziert sich zu rund 65 Prozent aus eigenen Einnahmen. Auch das ist etwas Besonderes.
Tobias Matthias Peterka [AfD]: Immer diese Worthülsen!
Rund zwei Drittel der Mittel des Etats werden für das Personal verwendet. Das zeigt, worauf es im Justizhaushalt ankommt: auf die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass unser Rechtsstaat funktioniert.
Eine starke Justiz ist die Voraussetzung dafür, dass Freiheit und Sicherheit in unserem Land gewährleistet bleiben. Doch die Justiz arbeitet seit Jahren unter erheblichem Druck. Die Verfahren werden komplexer, die Akten umfangreicher. Die Anzahl der Massenverfahren nimmt zu. Und die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Justiz sind hoch. Sie wollen, dass Straftaten schnell verfolgt werden und dass Rechtsstreitigkeiten nicht zu einem Geduldsspiel werden. Es darf nicht sein, dass Menschen Jahre warten, bis sie ihre zivilrechtlichen Ansprüche endlich durchsetzen können. Und: Es darf vor allem nicht vom Zufall abhängen, ob Täter verurteilt werden oder ob Verfahren eingestellt werden müssen.
Doch wir wissen: Sofern die Abläufe in den Verfahren unverändert bleiben, wird sich die Lage auch durch mehr Geld im System nicht verbessern. Deshalb haben wir uns vorgenommen, die Prozessordnungen zu modernisieren. Ein erstes Beispiel ist das Onlineverfahren im Zivilprozess, das der Bundestag in der letzten Sitzungswoche beschlossen hat. Das ist ein Schritt nach vorn und sollte Ansporn für uns sein, weiter mutig voranzugehen und zu reformieren.
Ein zweiter großer Schwerpunkt unserer Rechtspolitik ist der Schutz von Frauen und Kindern. Der Orange Day ist heute schon mehrfach genannt worden. Die aktuellen Zahlen zur häuslichen Gewalt sind nicht zu ertragen. 2024 gab es annähernd 270 000 Opfer von häuslicher Gewalt. Über 70 Prozent davon sind Frauen. Viele Fälle bleiben dabei im Dunkeln. Wir nehmen das sehr ernst. Wir wollen die Frauen und die Kinder besser schützen. Deshalb nehmen wir die elektronische Fußfessel ins Gewaltschutzgesetz mit auf.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Kathrin Gebel [DIE LINKE]
Die Familiengerichte sollen in Hochrisikofällen anordnen können, dass die Täter Abstand halten müssen. Das kann auch überwacht werden. Der Kabinettsbeschluss zur Einführung der elektronischen Fußfessel war überfällig.
Auch die Zahlen zum sexuellen Missbrauch von Kindern sind alarmierend: über 16 000 Fälle im vergangenen Jahr. Und hinter jedem Fall steckt eine zerstörte Kindheit. Viele dieser Taten spielen sich im digitalen Raum ab. Die Täter wähnen sich in der Anonymität in Sicherheit. Deshalb braucht es endlich die Speicherung von IP-Adressen; auch Minister Dobrindt hat in der letzten Debatte zum Innenhaushalt darauf hingewiesen. Ohne diese Möglichkeit verlieren die Ermittler entscheidende Spuren, und Täter bleiben im Dunkeln. Für uns ist eines klar: Der Schutz von Kindern hat Vorrang. Es darf nicht sein, dass der Datenschutz dazu führt, dass Täter unentdeckt bleiben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Darum freut es mich sehr, Frau Ministerin Hubig, dass der Gesetzentwurf zur IP-Adressen-Speicherung noch in diesem Jahr kommen soll. Wir begrüßen das ausdrücklich. Wir dürfen hier nämlich keine Zeit mehr verlieren.
Auch die steigende Kinder- und Jugendkriminalität müssen wir ernst nehmen. 7 Prozent aller Verdächtigen bei Gewaltdelikten sind Kinder. Im Koalitionsvertrag haben wir deshalb vereinbart, eine umfassende Studie zu Ursachen und möglichen gesetzlichen Konsequenzen in Auftrag zu geben. Wir wollen Antworten finden und handeln, wo es nötig ist.
Es ist schon vermehrt angesprochen worden: Der Verbraucherschutz ist in den Justizhaushalt zurückgekehrt. Das ist gut so; denn kluge, verbraucherfreundliche Politik stärkt die Selbstbestimmung und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen.
Besonders hervorheben möchte ich, dass wir uns im Rahmen des Haushalts ein Projekt zur Verbraucherforschung vornehmen. Für die Jahre 2026 und 2027 wird es ein Forschungsprojekt an der Universität Bayreuth geben. Inhalt ist eine Untersuchung zu Plattformen, dazu, wie sie genutzt werden und wie nutzerfreundlich sie sind, zu den Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher und zu internationalen Regelungsmodellen. Mit einer soliden wissenschaftlichen Grundlage können wir die Verbraucherpolitik noch besser an die Bedürfnisse der Verbraucher anpassen.
Auch die Stiftung Forum Recht erhält zusätzliche Mittel, insbesondere für das mobile Forum Recht, das zu den Bürgern kommt. Ich würde Ihnen, Herr Hanker und Herr von Zons, empfehlen: Schauen Sie doch mal vorbei! Machen Sie sich schlau, damit Sie hier bessere Reden über unser Rechtssystem halten können!
Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
📢
Stephan Brandner [AfD]: Wir brauchen kein Rechtsstaatsmuseum! Wir brauchen einen funktionierenden Rechtsstaat!
Meine sehr verehrten Damen und Herren, dieser Haushalt ist der kleinste Haushalt aller Ministerien; aber er wirkt an zentralen Stellen unseres Gemeinwesens. Er stärkt die Justiz, macht sie bürgerfreundlicher, schützt Frauen und Kinder, unterstützt modernen Verbraucherschutz und fördert das Vertrauen in unseren Rechtsstaat. Das sind Prioritäten, die wir unterstützen.
Frau Kollegin, Ihre Redezeit ist abgelaufen. Sie müssten bitte zum Schluss kommen.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir haben es schon gehört: Morgen ist Black Friday. Für diejenigen, die des Englischen nicht so ganz mächtig sind: Übersetzt bedeutet das „Schwarzer Freitag“.
Stephan Brandner [AfD]: Für Ihr Klientel in einfacher Sprache!
Und das ist es für viele Verbraucherinnen und Verbraucher auch. Es ist ein verlockendes Angebot, das einem da oft gemacht wird. Aber am Ende ist es ganz oft Schrott, und die Verbraucherrechte laufen ins Leere.
Wir werden buchstäblich überschwemmt von Schrott. Die EU-Kommission berichtet uns:
Stephan Brandner [AfD]: Mit Schrott kennt die EU sich aus! Da sitzen die Schrottexperten!
2024 kamen rund 4,6 Milliarden Pakete mit geringem Warenwert von außerhalb der EU; etwa 12 Millionen pro Tag waren das. Das waren doppelt so viele wie noch im Jahre 2023 und dreimal so viele wie 2022. Ich war letztens in einem Paketshop. Es ist der absolute Wahnsinn, was da los ist. Die Stiftung Warentest hat sich zusammen mit Verbraucherorganisationen aus Dänemark und Belgien angeschaut, was da so kommt. Sie haben 162 Produkte getestet, die auf den Plattformen Temu und Shein angeboten werden. Mehr als zwei Drittel davon erfüllen nicht die EU-Sicherheitsanforderungen. Ein Viertel davon ist sogar potenziell gefährlich.
Ich will nur ein Beispiel nennen. Da wurde eine Kette mit einem kleinen Kirschanhänger verkauft, die das 8 500-Fache des Grenzwertes für Kadmium enthielt. Kadmium ist krebserzeugend. Es kann Knochen- und Nierenschäden hervorrufen. Man muss sagen: Dieser Anhänger wurde nur noch von Schadstoffen zusammengehalten. Sie müssen sich vorstellen: Wenn Sie diese Kette für Ihr Kind kaufen und das Kind diese Kette, wie Kinder das eben machen, gelegentlich in den Mund nimmt, dann kann das zu erheblichen Gefahren für dieses Kind führen. Das ist natürlich sehr besorgniserregend.
Der Staat ist an der Stelle überfordert. Er reagiert zu langsam. Er reagiert zu schwach. Das ist wirklich ein Armutszeugnis. Das Schlimme ist: Temu und Shein wissen das ganz genau. Sie kalkulieren diese Rechtsverstöße ein und lachen sich ins Fäustchen. Das wird durch diese Untersuchung von Stiftung Warentest besonders deutlich. Als die Tester nämlich die Mängel festgestellt haben, sich meldeten und sagten: „Hallo, hier ist Stiftung Warentest!“, da haben die Plattformen reagiert, die Produkte aus dem Angebot genommen, die Käufer gewarnt usw. Alles richtig! Wenn aber die Tester als Privatpersonen aufgetreten sind, dann ist nichts passiert; dann ist alles ins Leere gelaufen. So geht es normalen Kundinnen und Kunden bei diesen Plattformen, und deswegen muss man da etwas tun.
Die Frage ist: Wo ist da die Verbraucherschutzministerin? Wo sind Initiativen, um dem Einhalt zu gebieten? Frau Hubig, jede Minute, die Sie hier sitzen und untätig sind,
Während wir gelegentlich über notwendige Reformen reden, handeln andere längst. In Frankreich wurde Anfang des Monats eine riesige Kontrollaktion durchgeführt. 200 000 Pakete von Shein wurden am Pariser Flughafen kontrolliert, und es wurden illegale Produkte entfernt, wie es eben sein soll. Wir müssen also dringend etwas tun.
Wir müssen auch das Recht weiterentwickeln. Und da passiert ja etwas auf der europäischen Ebene. Gerade wird der Digital Fairness Act diskutiert. Ich habe in den letzten Tagen zwei Experten gefragt: Was ist denn die Position der Bundesregierung dazu? Rückmeldung: Von Impulsen der Bundesregierung ist nichts bekannt. – Hier stehen wir massiv unter Druck. Hier muss etwas passieren. Deswegen reicht es nicht, nur die paar Möglichkeiten aus dem eigenen Ressort im Auge zu behalten. Wenn Sie wirklich eine Verbraucherschutzministerin sein wollen, dann müssen Sie sich um diese Anliegen kümmern und dafür sorgen, dass die Bundesregierung hier insgesamt handelt, um die Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen.
Aktuell sind die Verbraucherinnen und Verbraucher die Dummen. Das gilt auch für die ehrlichen Unternehmen, die sich an die Regeln halten. Wir wollen faire Wettbewerbsbedingungen.
Herr Kollege, die Redezeit ist abgelaufen. Bitte zum Schluss kommen!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesjustizministerin Hubig! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Alle zwei Minuten wird eine Frau in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. Wir haben es heute mehrfach gehört: Am 25.11., am Dienstag dieser Woche, war der Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Zahlen sind mal wieder gestiegen; sie sind mal wieder erschreckend. Das muss ein Handlungsauftrag sein für uns in der Politik, und das ist es auch für unsere Koalition.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Ich bin der Bundesjustizministerin sehr dankbar, dass sie vergangene Woche den Entwurf für das Gewaltschutzgesetz ins Kabinett eingebracht hat, den wir bald im Parlament werden beraten können. Durch das Gesetz soll ermöglicht werden, dass in Deutschland Täter in Zukunft Fußfesseln tragen müssen und Frauen so gewarnt werden können. Es werden auch zusätzliche Antigewalttrainings und höhere Strafen bei Vergehen gegen das Gewaltschutzgesetz ermöglicht.
Das ist aber nur der Anfang entsprechender Maßnahmen dieser Bundesregierung und dieser Koalition. Es wird auch die Einstufung von K.-o.-Tropfen als Waffe bei Sexualdelikten erfolgen. Wir werden im Sorge- und Umgangsrecht das Recht so verändern, dass Gewalt in der Partnerschaft auch immer Gewalt gegen das Kind bedeutet und dies bei sorge- und umgangsrechtlichen Verfahren zwingend zu berücksichtigen ist. Wir werden auch ein Gesetz gegen digitale Gewalt schaffen. Ich könnte diese Liste weiterführen. Es ist wichtig, dass wir Frauen in Deutschland besser schützen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Man sieht das auch an diesem Haushalt. Man sieht das daran, dass wir weitere Mittel in Höhe von 3 Millionen Euro für die psychosoziale Prozessbegleitung zur Verfügung stellen, um Frauen in diesen Verfahren nicht alleinzulassen, sondern ihnen zu helfen. Wir sehen das daran, dass wir zusätzliche Mittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro in das Projekt „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ geben und dass wir weitere 150 Millionen Euro für Frauenhäuser eingestellt haben. 11 Millionen zusätzliche Euro fließen in die TarnApp beim Bundesinnenministerium, um Frauen besser vor Gewalt zu schützen. Frauen müssen in unserem Land frei leben können, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wichtig ist dabei immer, dass Recht gut durchgesetzt werden kann. Deswegen brauchen wir einen gut ausgestatteten, einen effektiven Rechtsstaat. Deswegen haben wir uns in dieser Koalition auf einen neuen Pakt für den Rechtsstaat mit drei Säulen geeinigt: mit Verfahrensbeschleunigungen, mit mehr Digitalisierung und mit mehr Mitteln für Personal in Höhe von 500 Millionen Euro. Dieser wird gerade mit den Ländern verhandelt. Es ist ausgesprochen wichtig, dass wir der Justiz hier den Rücken stärken; denn Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, Amtsanwältinnen und -anwälte, Rechtspfleger/-innen und die Serviceangestellten in den Geschäftsstellen und Serviceeinheiten leisten eine unglaublich wichtige Arbeit, nicht nur für das Vertrauen in den Rechtsstaat, sondern auch dafür, dass Recht in unserem Land gut und effektiv durchgesetzt wird, liebe Kolleginnen und Kollegen.
bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Durch den Pakt für den Rechtsstaat werden wir die Justiz besser ausstatten. Wir werden unseren Rechtsstaat weiter handlungsfähig machen. Wir werden erreichen, dass Verfahren in Deutschland schneller und effektiver entschieden werden können; gerade in Strafsachen ist das unglaublich wichtig. Der Rechtsstaat ist das Rückgrat unseres Staates, unserer Demokratie, und den stärken wir mit diesem Haushalt.
Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich erinnere an die offenen Kanäle nach Russland!
und den 12-Punkte-Plan der AfD zur Lösung der Misere gegenübergestellt. Statt sich mit diesem Plan, der für wesentliche Fragen sehr konkrete und klare Lösungen anbietet, sachlich auseinanderzusetzen,
Daniel Rinkert [SPD]: Alle Menschen mit Einwanderungsgeschichte abschieben! Das ist Ihr Plan!
wurden wieder nur die üblichen Anti-AfD-Phrasen gedroschen, um davon abzulenken, dass meine Fraktion immerzu den Finger in die Wunden Ihrer katastrophalen politischen Entscheidungen legt.
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Aber ihr sicher nicht!
und wer die Probleme und Fehler nur benennt.
Schauen wir noch einmal kurz auf wichtige Kennziffern der aktuellen Haushaltsplanungen. Nach der mittelfristigen Finanzplanung der Koalition werden bis 2029 neue Rekordschulden in Höhe von rund 860 Milliarden Euro aufgebaut. Die explizite Verschuldung des Bundes steigt danach auf gigantische 2,7 Billionen Euro. Der Bundesrechnungshof stellt zu Recht fest: Die Koalition verfolgt eine grob fahrlässige oder gar vorsätzliche Hochrisikostrategie in Sachen Haushaltspolitik, meine Damen und Herren.
Was braucht unser Land stattdessen? Mutige und kraftvolle Entscheidungen,
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jetzt mal was zum Justizhaushalt!
Entlastung der Leistungsbereiten und auch vereinfachte und schnellere Abläufe der öffentlichen Verwaltung. Letzterem dient die Digitalisierung von Justiz und Rechtspflege. In der gestrigen Generaldebatte sprach Bundeskanzler Merz von einer europäischen Digitalisierungsoffensive. Mein Vorschlag: Erledigen wir doch zunächst einmal die Digitalisierungsaufgaben in unserem eigenen Land! Damit haben wir wahrlich genug zu tun.
Frau Ministerin Dr. Hubig, Sie haben die Digitalisierung der Justiz zu einem Ihrer Aufgabenschwerpunkte gemacht. Wir werden bei aller grundsätzlichen Bereitschaft, diese Bemühungen zu unterstützen, bei sämtlichen Digitalisierungsvorhaben genau hinsehen, ob sie wirklich bürger- und unternehmerfreundlich sind und ob bei ihrer Umsetzung nicht wesentliche rechtsstaatliche Errungenschaften gefährdet werden.
Angesichts der begrenzten Mittel für die umfangreichen Digitalisierungsvorhaben möchte ich Ihnen, Frau Ministerin, einen konkreten und sinnvollen Digitalisierungsvorschlag unterbreiten. Sorgen Sie kurzfristig durch eine Ergänzung in Ihrer Vorlage zum Steueränderungsgesetz 2025, konkret durch die Aufhebung von § 87a Absatz 1 Satz 2 AO – Entschuldigung, dass ich das so genau zitiere –, dafür, dass Rechtsanwälte wieder über das besondere elektronische Anwaltspostfach, beA, außergerichtlich mit den Finanzverwaltungen kommunizieren können. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 hat dieses Haus im vergangenen Jahr aufgrund kurzfristiger Länderinterventionen Rechtsanwälten genau diese Möglichkeit genommen, während Finanzämter bemerkenswerterweise weiterhin über das beA mit Rechtsanwälten kommunizieren dürfen und das auch tun. Machen Sie diesen sehr kurzsichtigen Fehler in Absprache mit den Kollegen rückgängig, und ändern Sie diese Vorlage!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über den Haushalt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz beraten, dann sprechen wir über mehr als Zahlen, Titel oder Stellen. Wir sprechen vor allem auch über Sicherheit. Uns beschäftigt – das zeigt die heutige Debatte sehr intensiv – die viel zu hohe Zahl an Fällen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Mit dem Haushalt 2026 investieren wir ein weiteres Mal in ihren besseren Schutz. Und wir flankieren diesen Schutz zugleich durch wichtige Gesetzesinitiativen: von der elektronischen Fußfessel bis zur Bekämpfung von K.-o.-Tropfen. Das sind wichtige Schritte für mehr Sicherheit.
Am Dienstag hat uns aber auch eine andere Gewalttat erschüttert. Im saarländischen Bexbach wurde ein 58-jähriger Gerichtsvollzieher erstochen – mitten im Dienst für unseren Rechtsstaat. Zwei Tage später blicken wir hier im Deutschen Bundestag immer noch betroffen, entsetzt und fassungslos auf diese schreckliche Tat. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten der Familie, den Angehörigen sowie den Kolleginnen und Kollegen des Opfers. Ich denke, ich darf das in unser aller Namen hier sagen.
👏
Beifall im ganzen Hause
Bei Betroffenheit können und dürfen wir jetzt aber nicht stehen bleiben. Die Tat ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Entwicklung, die uns alarmieren muss. Die Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt haben sich laut Polizeilicher Kriminalstatistik in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt: von rund 22 000 auf fast 45 000 Fälle. Die Zahl der tätlichen Angriffe hat im letzten Jahr erstmals die Marke von 20 000 überschritten. Seit ihrer gesonderten Erfassung 2018 sind diese Fälle um rund 75 Prozent gestiegen.
Hinter jeder dieser Taten steht nicht nur ein Angriff auf einzelne Beamte oder Beschäftigte; sie sind zugleich ein Angriff auf Recht und Ordnung in unserem Land, auf die Durchsetzung von Gesetzen und Gerichtsentscheidungen und auf unseren gesamten Rechtsstaat. Letztlich richten sie sich damit gegen uns alle. Deshalb ist für mich völlig klar: Wer unseren Rechtsstaat schützen will, muss allen voran diejenigen schützen, die ihn täglich tragen. Wer dem Recht dient, der verdient selbst den vollen Schutz des Rechts.
bei der CDU/CSU sowie des Abg. Daniel Rinkert [SPD]
Wer unseren Rechtsstaat verteidigt, der muss selbst mit allen Mitteln des Rechtsstaats verteidigt werden. Wer andere und damit uns alle schützt, der muss selbst von uns allen geschützt werden, so gut es eben geht, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir müssen deshalb konkret werden. Wir brauchen eine Sicherheitsoffensive für Polizei, Justiz und Vollstreckung. Fünf Punkte müssen wir dafür insbesondere in den Blick nehmen.
Erstens. Der strafrechtliche Schutz von Vollstreckungsbeamten muss weiter gestärkt werden. Der Strafrahmen gehört in Fällen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angehoben auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahre, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren. Verwendet der Täter eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug, begeht er die Tat mittels eines hinterlistigen Überfalls oder bringt er sein Opfer in Lebensgefahr, dann müssen diese Taten künftig als das bestraft werden können, was sie sind: ein Verbrechen.
Zweitens. Beschäftigte im Dienst unseres Rechtsstaats brauchen die beste Schutzausrüstung. Es war deshalb richtig, Vollzugsbeamten des Bundes den Einsatz von Tasern zu ermöglichen. Bodycams, Pfefferspray, stich- und schusssichere Schutzwesten, Taser – all das muss verfügbar sein, wenn die Gefahrenlage es verlangt, und zwar in allen Teilen unseres Landes. Die Aktentasche und eine Warnweste dürfen im Ernstfall nicht der einzige Schutz sein.
Drittens. Wir müssen das Gerichtsvollzieherschutzgesetz von 2021 evaluieren. Wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung bestehen, dann müssen Gerichtsvollzieher bei jeder Vollstreckungshandlung die Unterstützung der Polizei anfordern und Hilfskräfte oder Zeugen hinzuziehen können. Umgekehrt müssen Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte frühzeitig warnen, sobald Hinweise auf Gefahrenlagen bestehen.
Viertens. Sicherheit muss verpflichtender Teil jeder Aus-, Fort- und Weiterbildung sein. Wer im Dienst unseres Rechtsstaats Risiken für Leib und Leben eingeht, muss in Selbstverteidigung, Deeskalation, Gewaltprävention und Gesprächsführung professionell geschult sein.
Fünftens. Wir brauchen eine neue Kultur des Respekts: Respekt vor dem Recht, Respekt vor dem Rechtsstaat und Respekt vor seinen Repräsentanten. Wer in Deutschland lebt, muss sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen. Wer Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte leistet oder sie tätlich angreift, muss auch deshalb die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Dazu gehört auch, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, dass ausländische Täter, die wegen solcher Taten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden, in der Regel aus Deutschland ausgewiesen werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, für uns als Koalition ist klar: Wenn es um die Gefährdung unseres Rechtsstaats oder gar um Gewalt gegen unseren Rechtsstaat geht, dann gilt für uns Nulltoleranz. Darauf können sich auch und gerade all diejenigen verlassen, die jeden Tag ihren Dienst für unser Land leisten; denn sie sorgen – oft leise und manchmal auch recht unbemerkt, aber doch unverzichtbar – für unser aller Sicherheit, Recht und Freiheit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Demokratinnen und Demokraten! Man muss die Feste ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Und neben der zugegebenermaßen sehr feierlichen Haushaltsdebatte fällt auf den heutigen Tag ein ganz besonderes Fest, der sogenannte Freedom Day, ein Tag, an dem die Initiative Freiheitsfonds Hunderte Menschen aus den Gefängnissen freikauft, Menschen, die hinter Gittern sitzen, weil sie sich ein Ticket für den Bus nicht leisten konnten und deswegen zu einer Ersatzfreiheitsstrafe verurteilt wurden.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
114 Millionen Euro kostet uns die Verfolgung dieser Bagatelle jedes Jahr – für Polizei, für Staatsanwaltschaften, für Haftanstalten. Der Freiheitsfonds hat dem deutschen Staat durch dieses Freikaufen bereits 21 Millionen Euro gespart, gesammelt mit Spendenaufrufen und mit der Hilfe von Tausenden von Menschen. Für diese 21 Millionen Euro würden wir keine mühsame Spendenkampagne brauchen, wenn die CDU/CSU sich einmal dazu durchringen könnte, pragmatische Rechtspolitik zu machen und das Fahren ohne Fahrschein aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
📢
Stephan Brandner [AfD]: Sie haben doch drei Jahre regiert! Wieso haben Sie es denn nicht gemacht? Drei Jahre haben Sie regiert! Hätten Sie alles machen können!
Wenn wir also heute über den Haushalt sprechen, dann sagen uns die Zahlen, welchem Verständnis von Gerechtigkeit die Bundesregierung eigentlich folgt; denn so ein Haushalt ist ja immer ein politisches Bekenntnis. Trotz eines gigantischen Budgets für die Koalition ist das, was hier beschlossen werden soll, kein Bekenntnis zu mehr Gerechtigkeit. So wird der Jobturbo mal eben abgeschafft, bei der Ganztagsbetreuung und in der frühkindlichen Bildung nicht aufgestockt, und die explodierenden Mieten werden links liegen gelassen. Das schafft keine dauerhafte Sicherheit und spart auch kein Geld; im Gegenteil – Repressionen ohne soziale Antwort –: Das wird brutal teuer.
Alle Expertinnen und Experten sind sich doch längst einig: Die wirksamste Kriminalitätspolitik ist eine gute Sozialpolitik. Und es gibt doch so viele Bereiche, in denen Investitionen tatsächlich sinnvoll wären:
Stephan Brandner [AfD]: Hier! Bei den Grünen zum Beispiel!
Erstens. Die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter braucht dringend mehr Mittel, um Missstände in Gefängnissen wirksam aufzudecken. Dazu hat sich Deutschland sogar völkerrechtlich verpflichtet.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Zweitens. Der Fonds für Betroffene von sexuellem Missbrauch muss weiter finanziert werden. Es ist doch eine Schande, dass Betroffene von sexualisierter Gewalt vom Staat im Stich gelassen werden, aber gleichzeitig Geld für teure Wahlgeschenke da ist.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
📢
Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Dafür hat die Ampel doch nicht gesorgt!
📢
Stephan Brandner [AfD]: Das ist aber sehr populistisch jetzt!
Drittens. Die European Lawyers in Lesvos Association muss dringend wieder in die Programmförderung aufgenommen werden. Die Arbeit dieser ehrenamtlichen Anwältinnen und Anwälte wird so wichtig wie noch nie. Mit der Umsetzung der GEAS-Reform wird der Bedarf an qualifizierter Rechtsberatung explodieren, und wir reden dabei über gerade einmal 75 000 Euro zusätzlich.
Am Ende ist es doch eine einfache Entscheidung: Wir können viel Geld ausgeben, um Armut zu kriminalisieren, oder wir investieren in einen Sozialstaat, der Türen öffnet. Das Zweite ist günstiger und schafft eine gerechtere Gesellschaft.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Haushalt 2026 hat ganz klare Schwerpunkte für die Bürgerinnen und Bürger. Mit wichtigen Investitionen stärken wir die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, und wir verbessern den Verbraucherschutz. Beides, Sicherheit und Verbraucherschutz, sind ganz wichtige Ziele, die wir hier für unsere Bürgerinnen und Bürger erreichen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die besten, die schärfsten Gesetze bringen nichts, wenn wir in der Justiz und bei der Polizei zu wenig Personal haben, um diese anzuwenden. Die Ministerpräsidentenkonferenz sollte deshalb unser Angebot – 240 Millionen Euro für mehr Personal in einem zweiten Pakt für den Rechtsstaat – bald annehmen. Dafür werben wir. Denn – schauen wir uns an, wie die Lage ist – 60 Schwerverbrecher mussten im letzten Jahr aus der Untersuchungshaft freigelassen werden, weil zu wenig Personal für eine fristgerechte Behandlung der Verfahren da war. Es gibt in der Justiz 1 Million offene Verfahren. Das können wir nicht hinnehmen; denn das gefährdet die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Deshalb: Lassen Sie uns den Pakt für den Rechtsstaat schnell abschließen, sodass vom Bund 240 Millionen Euro in Personal in der Justiz investiert werden können, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das ist eine wichtige Maßnahme.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Vorgestern war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Die Gewalt gegen Frauen nimmt leider auch in Deutschland dramatisch zu. Deshalb sollten wir wie in Spanien schnell die elektronische Fußfessel für Gewalttäter einführen; dann ist das Opfer gewarnt. In Spanien sehen wir, dass die Frauen vor den gewalttätigen Tätern so besser geschützt waren. Es gab keinen einzigen Femizid an Frauen, die geschützt waren und aufgrund der elektronischen Fußfessel gewarnt werden konnten. Das brauchen wir auch in Deutschland. Wir müssen in Deutschland schärfer gegen Gewalt an Frauen vorgehen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Dazu gehört, dass wir das Strafmaß bei Vergewaltigungen deutlich erhöhen, wenn der Täter die perfide Masche einsetzt, das Opfer zuvor mit K.-o.-Tropfen zu betäuben. Und dazu gehört, dass wir den Frauenhäusern 150 Millionen Euro für die Sanierung und weitere Verbesserungen zur Verfügung stellen. Wenn Frauen mit ihren Kindern vor prügelnden Ehemännern, vor prügelnden Partnern flüchten müssen, dann müssen diese Frauen und diese Kinder gut und sicher untergebracht werden. Deshalb sind diese 150 Millionen Euro eine so wichtige Investition.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir müssen auch das Ehrenamt wertschätzen, und zwar nicht nur in Sonntagsreden. Wir erhöhen die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiterpauschale. Wir setzen die Summe, ab der Vereinseinnahmen mehrwertsteuerpflichtig werden, ein Stück weit hoch. Aber ich finde, wir müssen auch den strafrechtlichen Schutz von Ehrenamtlichen verbessern. Wenn zum Beispiel ehrenamtliche Sanitäter in einen Hinterhalt gelockt werden – so etwas gibt es tatsächlich –, muss ein erhöhtes Strafmaß gelten. Alle, die sich als Gerichtsvollzieher, als Sanitäter oder als Polizist für unseren Rechtsstaat und für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen, müssen wir strafrechtlich besser schützen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das haben sie verdient.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Und wir müssen unseren Rechtsstaat wehrhaft gestalten. Wir haben das Bundesverfassungsgericht schon in der letzten Wahlperiode in einer großen Übereinkunft besser gegen Verfassungsfeinde abgesichert. Dementsprechend erhöhen wir jetzt den Etat des Einzelplans 19, des Haushalts für das Bundesverfassungsgericht.
Es war auch wichtig, dass wir durch viele Maßnahmen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Rechtsstaat weiter gestärkt haben. Es war zum Beispiel wichtig, dass Bundesfinanzminister Klingbeil die Verjährungsfristen für die Cum-Ex-Betrügereien erweitert hat. Es muss einfach klar sein, dass wir gegen diese schwere Wirtschaftskriminalität vorgehen, damit bei den Bürgern nicht der Eindruck entsteht: Die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen. – Auch das ist eine ganz wichtige Maßnahme.
Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da haben wir gern geholfen!
Dem Vertrauen in den Rechtsstaat und dem Werben für den Rechtsstaat dient auch die schon angesprochene Stiftung Forum Recht. Die stärken wir hier. Wir sind auch guter Dinge, dass wir bald Bagger in Leipzig und in Karlsruhe sehen werden. Es ist so wichtig, mit diesen Einrichtungen in beiden Städten für den Rechtsstaat zu werben. Das sollten wir auf jeden Fall für die nächste Wahlperiode in Angriff nehmen.
Lassen Sie uns auch dafür sorgen, dass Verfassungsfeinde nicht mehr in Parlamenten sind! Wer mehrfach wegen Volksverhetzung bestraft ist, der sollte zukünftig kein Amt mehr begleiten können.
Herr Kollege, Sie müssen bitte zum Schluss kommen. Die Redezeit ist abgelaufen.
Frau Präsidentin! Liebe Mitbürger! Die Merz-Regierung schleppt sich in die nächste Runde. Jeder weiß, dass dies lediglich auf Kredit geschieht, und zwar nicht nur im wortwörtlichen Sinne, sondern auch, was das Vertrauen der Bürger angeht. Vertreter der Bundesregierung werden für ihre Durchhalteparolen auf offener Bühne ausgelacht, und auch sonst sickert von allen Seiten unaufhaltsam Realität in Ihre Scheinwelt ein.
Der Haushalt für Justiz und Bundesverfassungsgericht stellt freilich nicht den Stolperstein dar, zumindest nicht auf Bundesebene. Symptomatisch ist jedoch, wie unser Rechtsstaat, auf den bisher große Stücke zu halten waren, an seine Grenzen gelangt. Dass Sie fast alle hier ein politisches Parteiverbot gegen Ihre Konkurrenz an diesen herantragen und dabei selber genau wissen, dass das im Prinzip verfassungswidrig ist – geschenkt. Das Verfahren wird nämlich nie beginnen. Und wenn doch, dann werden sich die 51 Prozent der Nation, die sich nach Umfragen bereits jetzt vorstellen können, die AfD zu wählen, einfach in 51 Prozent als Wahlergebnis verwandeln. Da können Sie sich sicher sein.
Es geht hier um die langsame Aushöhlung des Rechtsstaats, wie das der Bürger im Alltag eben wahrnimmt. Bereits die Hälfte der Verwaltungsrichter sind in Asylverfahren gebunden, fallen für wichtige Dinge einfach weg. Amtsgerichte und Landgerichte melden auf der Arbeitsebene eine völlige Überlastung. Verfahren aller Stufen weisen zunehmend groteske Dauer auf.
Ein grandioses Sinnbild für den ganzen Zustand Deutschlands konnte man gestern übrigens in Dresden verfolgen. Beim Prozess gegen die Linksterroristen der Hammerbande fiel nicht nur im Hochsicherheitstrakt, sondern in der halben Stadt der Strom aus. Panisch harrte man aus, ob vielleicht der linke Fantross dahintersteckte. Aber noch mal Glück gehabt: Es war nur der allgemeine Niedergang unseres Landes.
Als weiteres Beispiel – es wurde schon gesagt –: Im letzten Jahr wurden 61 dringend Tatverdächtige einfach freigelassen, weil ihr Prozess zu lange dauerte. Kleine Fische erhalten gezielt gar keine Haftstrafen mehr, weil die Gefängnisse überfüllt sind, das Personal fehlt und vielerorts filmreif Migrantenclans mehr zu sagen haben als die Justizvollzugsbeamten. Der qualifizierte Nachwuchs fehlt eben – dort und auch in den besser bezahlten Gefilden der Richter. Es ist zunehmend einfach objektiv unmöglich geworden, für die politischen Verfehlungen den Ausputzer zu spielen.
Entlasten wir unsere Gerichte durch die Abschaffung des individuellen Asylrechts! Stärken wir ihnen endlich vor allem politisch den Rücken! Denn außer in Bamberg wird vielerorts durchaus noch der echte freiheitliche Rechtsstaat hochgehalten. Wobei es ja traurig ist, dass das Bundesverfassungsgericht kürzlich klarstellen musste, dass gezielte Verhinderung von politischen Veranstaltungen nicht mehr vom Versammlungsrecht gedeckt ist.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über den Justizhaushalt und damit natürlich über unseren Rechtsstaat. Dann müssen wir doch sagen: Wir können froh sein über die Stellung des Rechtsstaats in unserer Gesellschaft. Wir können froh sein, dass unsere Gerichte und Staatsanwaltschaften weiterhin ein so großes Vertrauen in unserer Gesellschaft genießen – Vertrauen darauf, dass Richter frei Recht sprechen, dass jedermann in diesem Staate sich einem solchen Urteil dann auch beugen muss und dass Recht nicht nur auf dem Papier steht, sondern tatsächlich auch angewendet wird. Das kann man in seiner Bedeutung gar nicht überschätzen.
Aber unsere Justiz lebt natürlich auch nicht allein von warmen Worten, von Sonntags- und Bundestagsreden. Auch unsere Justiz benötigt ausreichend finanzielle Mittel, um effektiv Recht sprechen zu können. Auch unsere Justiz darf erwarten, dass die Zeit nicht stehen bleibt. In zu vielen Fluren und in zu vielen Gerichten weht noch immer der Muff von vergangenen Tagen. Papierstapel, Aktentransporte, Warteschlangen vor Kopierern – das alles passt nicht mehr in die Zeit, und es passt auf keinen Fall zu einem modernen Rechtsstaat im Jahr 2025/26.
Unser Ehrgeiz muss deswegen sein, tief in diese Strukturen hineinzureformieren, dabei vor allen Dingen eben auch zu digitalisieren und natürlich auch im Bereich der Justiz die neuen Möglichkeiten der KI mit Verstand zu nutzen. Da schlummert doch ein Riesenhebel für bessere, schnellere, effizientere Gerichte. „Nur Mut!“, kann ich uns da nur zurufen.
Der Anspruch dieser Koalition muss es jedenfalls sein – das betrifft den Justizbereich, ehrlicherweise aber eigentlich die gesamte Struktur unseres Staates –, nicht nur ein bisschen an der Fassade herumzustreichen, sondern auch wirklich umfassende Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Ein zentrales Instrument hierfür ist der Pakt für den Rechtsstaat. Eine halbe Milliarde Euro werden wir in den nächsten vier Jahren in das Personal und die Digitalisierung der Justiz investieren.
Natürlich kann man jetzt als Bundespolitiker die Frage stellen, warum wir uns eigentlich im Bereich „Personal der Justiz“ engagieren, eine ziemlich klassische Länderaufgabe. Das kann aber nur dann ein überzeugendes Argument sein, wenn man einen möglichst großen Abstand zur Realität vor Ort hält. Wir können nicht von einer Stärkung des Rechtsstaats sprechen und gleichzeitig zulassen, dass sich die Strafjustiz zum – Zitat Deutscher Richterbund – „Flaschenhals bei der Kriminalitätsbekämpfung“ entwickelt. Bundesweit stauen sich bei den Staatsanwaltschaften heute rund 1 Million offene Verfahren. Auch bei vielen Strafgerichten steigt die Verfahrensdauer seit Jahren. Deswegen ist es enorm wichtig, dass wir konkret für die personelle Stärkung der Justiz in dieser Wahlperiode Bundesmittel in Höhe von 240 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das ist richtig.
Der Pakt für den Rechtsstaat ist aber gleichzeitig nicht nur eine Unterstützung der Länder mit Bundesmitteln. Der Pakt ist auch ein ehrgeiziges Arbeitsprogramm. Nur mal einige Beispiele: Modernisierung der Zivilprozessordnung, Reform der Verwaltungsgerichtsordnung, Digitalisierung der Zwangsvollstreckung, Überarbeitung der Strafprozessordnung. Das war jetzt nicht mein persönlicher Wunschzettel, das ist unser gemeinsamer anspruchsvoller Arbeitsauftrag.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Apropos „Arbeitsauftrag“: Es wird in diesen Tagen sehr viel über Kommissionen gesprochen. Für den Rechtsstaat lohnt der Blick auf eine, die längst gearbeitet hat, und zwar die von Bund und Ländern eingesetzte Reformkommission zum Zivilprozessrecht. Sie hat uns einen klaren Fahrplan vorgelegt. Da können wir zeigen, dass Reformkommissionen nicht nur Papier produzieren, sondern dass wir bereit sind, ihre Ergebnisse auch umzusetzen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Tatsächlich sehe ich an dieser Stelle große Einigkeit in der Koalition. Deshalb möchte ich Ihnen, Frau Ministerin Hubig, ausdrücklich dafür danken, mit welcher Beharrlichkeit Sie sich für das gemeinsame Anliegen der Stärkung und Modernisierung der Justiz einsetzen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen alle: Wer das Fundament anfasst, wirbelt Staub auf. Genauso sieht es gerade aus. Viele Menschen erleben die Modernisierung unseres Staates als Großbaustelle. Jede Baustelle hat Schmutz, Lärm und Phasen, in denen es schlimmer aussieht, bevor es besser wird. Dieser Eindruck ist real, und man kann ihn auch nicht wegdiskutieren. Aber immer häufiger entsteht dieser Eindruck nicht, weil nichts geschieht, sondern weil endlich etwas geschieht.
Stillstand ist bequem, Fortschritt macht Arbeit. Und diese Arbeitskoalition hat sich für Reform und Fortschritt entschieden.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir haben es gehört: Es ist ein unter finanziellen Gesichtspunkten eher unspektakulärer Justizhaushalt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, einige grundsätzliche Anmerkungen zur prekären Situation des Rechtsstaats in Deutschland zu machen. Und da sieht es – wir haben es von der AfD schon gehört – in weiten Teilen sehr düster und für einen Rechtsstaat sehr unwürdig aus, was daran liegt, dass die – fast hätte ich gesagt: „Kartellparteien“, ich sage jetzt mal nicht „Kartellparteien“, ich sage mal „Clanparteien“; ich gucke auch niemanden an und zeige auf niemanden – gerade Angesprochenen sich nicht nur den Staat zur Beute gemacht haben,
Svenja Schulze [SPD]: Unverschämtheit! Das nennt man Demokratie und Wahlen!
sondern sie haben sich auch eine ehemals selbstbewusste, sehr gute und politischen Einflussnahmen entzogene Justiz unterwürfig und sie zum Sanierungsfall gemacht.
Das beginnt ganz oben – wir haben es gehört – beim Bundesverfassungsgericht, dessen Richter natürlich formell gesehen irgendwie gewählt werden. Tatsächlich aber werden alle 16 Richter nach einem willkürlich von Ihnen und ohne Rechtsgrundlage vereinbarten Verteilungsschlüssel unter den seit Jahrzehnten immer irgendwo Regierenden aufgeteilt und ausgeklüngelt, und dann werden sie quasi ernannt. Also von einer Wahl im Sinne von „Auswahl“ kann man nicht sprechen. Und darunter leidet das Bundesverfassungsgericht seit vielen, vielen Jahren.
Weiter geht es mit den weisungsgebundenen Staatsanwaltschaften, die in Deutschland alleine das Recht haben, strafrechtliche Ermittlungen durchzuführen und anzuklagen. Machen die nichts, passiert auch nichts. Wie praktisch also aus Sicht der immer irgendwo Regierenden, dass irgendwo von ihnen auch immer Justizminister gestellt werden, die faktisch die obersten Staatsanwälte eines Landes sind und dafür sorgen können, dass die Gewaltenteilung in Deutschland mehr zur hohlen Phrase wird – geworden ist -und die Bürger im Gegensatz zu den Regierenden nicht geschützt werden, sondern die Regierenden geschützt werden und Bürger und Opposition von Staatsanwälten, die weisungsgebunden sind, drangsaliert werden.
Der vorausschauende Bürger legt, um zumindest optisch einen guten Eindruck zu machen bei morgendlichen Hausdurchsuchungen, bevor er seine Meinung äußert, den Bademantel neben die Haus- oder Zimmertür, meine Damen und Herren, der sorgt vor, wenn er seine Meinung äußern will, wie das Grundgesetz das vorsieht. Im Gegensatz dazu kommen die immer irgendwo regierenden Qualitätsdemokraten meistens ungeschoren davon. Es kommen die davon, die wirklich Dreck am Stecken haben und Korruptionsgeld eingesackt haben.
Jan Köstering [DIE LINKE]: Sie sitzen ja immer noch hier!
Wo sind die Ermittlungsverfahren und Anklagen, Verurteilungen gegen Merkel, die millionenfachen Rechtsbruch in Deutschland zu verantworten hat? Hunderttausende Straftaten hat sie durch ihre Politik möglich gemacht: Morde, Totschlagsdelikte, Vergewaltigungen, Raub, Diebstähle, Körperverletzungen. Auch ihre Spießgesellen in CDU, CSU, SPD, FDP, bei Grünen und Linken – alle laufen noch frei herum. Nicht ein einziges Ermittlungsverfahren ist eingeleitet worden
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jetzt mal konkret: Wofür?
📢
Daniel Rinkert [SPD]: Was ist die Grundlage? Erzählen Sie mal, welche Rechtsgrundlage dafür einschlägig ist!
wegen toten, wegen lebenslänglich leidenden Impfopfern, wegen veruntreutem Steuergeld und Korruption? Nichts passiert, alles Fehlanzeige dank der Ihren Weisungen unterliegenden Staatsanwaltschaften.
Ich sage Ihnen eines: In einem funktionierenden Rechtsstaat – in einem funktionierenden Rechtsstaat! – würden fast alle, die ich gerade genannt habe, in Untersuchungshaft sitzen, mindestens, und das schon sehr lange.
Jeder Beamte wird zur Rechenschaft gezogen, wenn er Fehlentscheidungen trifft. Das gilt für Minister nicht: Milliarden in den Sand gesetzt durch Spahn, Hunderte Millionen in den Sand gesetzt durch Scheuer. Das wird überhaupt nicht verfolgt.
Wir haben hier einen Antrag in der nächsten Woche, zumindest die Verjährungsunterbrechung gegen Scheuer einzuleiten. Wir hoffen, Sie stimmen dem zu. Wir hoffen, dass Sie –
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als wir in erster Lesung zum Haushalt 2026 debattiert haben, habe ich gesagt: Die Haushaltsdebatte ist der Lackmustest für Politik.
Wenn wir heute auf den Einzelplan 07 blicken, dann sehen wir Zahlen, die eine handlungsfähige Rechtspolitik widerspiegeln. Wir haben als Koalition dafür gesorgt, dass die Mittel für die Digitalisierung der Justiz bereitgestellt werden. Das ist überfällig und richtig.
Und es ist ein echter gemeinsamer Erfolg unserer Rechtspolitik, dass beispielsweise nunmehr der Gesetzentwurf für die elektronische Fußfessel nach dem spanischen Modell vorliegt. Damit können wir Frauen effektiv vor Gewalttätern schützen – ein Punkt, der uns als Union besonders wichtig war.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, Technik und Sicherheit sind nur die eine Seite der Medaille. Ein funktionierender Rechtsstaat braucht auch eine Hardware. Böckenförde hat in seinem berühmt gewordenen Diktum darauf hingewiesen, dass wir als Gesellschaft von Voraussetzungen leben, die wir als Staat selbst nicht schaffen können.
Dazu gehört, dass es das tiefe und berechtigte, das heißt das hart und täglich verdiente Vertrauen der Bürger gibt, dass der Staat seine Macht weise, genauer gesagt: verhältnismäßig, einsetzen werde. Und hier genau sehe ich Risse, die wir nicht ignorieren dürfen.
Während wir Kriminelle mit der Fußfessel zu Recht enger an die Leine nehmen, müssen wir in der Rechtspolitik aufpassen, dass wir nicht an anderer Stelle dem Bürger die Luft zum Atmen nehmen. Der Fall Norbert Bolz war hier zuletzt ein weiteres mahnendes Beispiel.
Mir geht es um die Meinungsfreiheit in unserem Land. Das Bundesverfassungsgericht nennt die Meinungsfreiheit – ich zitiere -“schlechthin konstituierend“ für unsere Ordnung. Sie ist – Zitat – „eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt“. Sie ist – Zitat – „Lebenselement des politischen Kampfes“. Aber dieses Element ringt nach Luft.
Wir müssen uns ehrlich machen über ein Phänomen, das Wissenschaftler inzwischen als Silencing-Effekt bezeichnen. Immer mehr Menschen ziehen sich aus öffentlichen Diskussionen zurück. Untersuchungen belegen diesen Befund. Noch nie haben so viele Menschen das Gefühl gehabt, ihre politische Meinung nicht einfach sagen zu können. Ihre Zahl liegt mittlerweile sogar oberhalb derer, die noch das Gegenteil annehmen. Und warum tun sie das? Nicht weil sie keine Meinung hätten, sondern aus Angst. Die Bürger haben das Gefühl, dass die Maßstäbe verrutschen. Wenn Menschen sich nicht mehr trauen, Kritik zu üben, weil sie fürchten, dass ein falsches Wort, ein unbedachter Post sofort eine Strafanzeige nach sich zieht, dann verarmt unsere Debattenkultur.
Früher war es vielleicht die Angst vor dem sozialen Druck; heute ist es zunehmend auch die Angst vor juristischen Konsequenzen. Berechnungen der Universität Mannheim zeigen auf der Grundlage des German Social Cohesion Panel eine alarmierende Entwicklung: Die Angst der Bürger, wegen einer Meinungsäußerung rechtliche Probleme zu bekommen, hat sich binnen kürzester Zeit von 5 auf 10 Prozent verdoppelt. Ganze 21 Prozent fürchten, dass Meinungsäußerungen ihnen beruflich schaden.
Wir hier im Bundestag – und darum geht es – müssen uns fragen, ob wir mit unserer Gesetzgebung der letzten Jahre nicht einen Anteil haben.
Ich warne deshalb ausdrücklich davor und deswegen auch aktuell, wie von manchen angedacht, den Straftatbestand des § 188 StGB noch weiter auszuweiten, etwa auf Journalisten.
Ich bin überzeugt: Wir müssen kritisch auf die Praxis schauen, die sich rund um den § 188 StGB entwickelt hat. Wir laufen Gefahr, die Logik unserer Verfassung und unseres Rechtsstaats umzukehren. Eigentlich gilt der eherne Grundsatz: Wer Macht hat, wer am Mikrofon steht, also wir alle hier im Saal, der muss sich mehr Kritik gefallen lassen als der normale Bürger, der kein Sprachrohr hat, und nicht weniger Kritik. Das ist der Preis der Macht. § 188 StGB wirft dieses Verhältnis um.
Stephan Brandner [AfD]: Unser Abschaffungsantrag liegt vor! Das ist eine Sache von wenigen Minuten!
Auf Machtkritik reagierte der Staat mit Strafrecht, also Ausübung von Macht. Es steht außer Frage: Politiker müssen weder menschenverachtende noch diskriminierende Beschimpfungen hinnehmen.
Aber wir müssen uns grundsätzlich stärkere Angriffe gefallen lassen.
Durch die Gesetzeslage und die Praxis ist aber der Eindruck entstanden, dass Politiker besonders empfindlich geschützt werden. Diese Folge sehen wir in der Polizeilichen Kriminalstatistik: Die Zahl der Anzeigen wegen Ehrverletzungen gegen Politiker ist von 2022 auf 2024 massiv um 216 Prozent gestiegen. Und die Anmerkung sei auch erlaubt, weil ich hier die Zwischenrufe höre von den Kollegen der AfD: Auch Ihre Fraktionsvorsitzende hat einen ganz beträchtlichen Teil dazu beigetragen.
Stephan Brandner [AfD]: Wir wollen die Abschaffung des 188, genau wie Sie! Das ist leider noch geltendes Recht!
Das liegt nicht daran, dass die Menschen plötzlich böser, gemeiner oder auffälliger geworden wären, sondern wir erleben und kultivieren eine Industrie der Empfindlichkeit. Anwaltskanzleien und Techunternehmen sind daran nicht unbeteiligt.
Das führt dazu, dass unsere Justiz, die wir alle hier eigentlich entlasten wollen, mit Bagatellen geflutet wird. Staatsanwälte müssen Memes jagen, während echte Kriminalität liegen bleibt. Das ist aus meiner Sicht eine Ressourcenverschwendung, die wir uns auch in diesem Land nicht leisten können!
Ja, es ist angesichts der offenen Tatbestände im Äußerungsrecht in erster Linie eine Frage der Justiz, eine Korrektur herbeizuführen. Aber es ist eine gesellschaftliche Pflicht, Meinungsfreiheit auch für Meinungen zuzulassen, die wir als unangemessen und als falsch erachten. Und es ist unsere Aufgabe als Gesetzgeber, zu sehen: Je stärker das Netz strafrechtlicher Äußerungsdelikte ist, desto schwieriger wird es für die Bürger, darin zu agieren.
Es ist verfassungsrechtlich höchst problematisch, wenn der Staat auf Kritik an seinen Repräsentanten mit derartiger Härte reagiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass, wie es in der Wissenschaft heißt – Zitat –, „die Sensibilität für Ehrschutz zu einer Aversion gegen kommunikative Risiken“ – Zitatende – führt. Ein souveräner Rechtsstaat, gerade seine Vertreter, müssen auch polemische Kritik aushalten können.
Ich komme zum Schluss. Lassen Sie uns einen Fokus auf das Wesentliche legen. Schauen wir darauf, was wir mit diesem Haushalt eigentlich erreichen wollen: echte Sicherheit. Deshalb ist der Ansatz richtig, den wir beispielsweise jetzt mit der elektronischen Fußfessel verfolgen. Das ist Rechtsstaat im Sinne unserer Sicherheit.
Artikel 46 Absatz 1 des Grundgesetzes stellt klar: Ein Abgeordneter darf wegen einer Äußerung im Bundestag oder in seinen Ausschüssen nicht gerichtlich oder dienstlich verfolgt werden. – Dabei handelt es sich quasi um den allgemeinen Teil des Parlamentsrechts. Die Indemnität des Abgeordneten ist ein Kernstück unserer parlamentarischen Demokratie, ein Grundrecht also, das uns die Freiheit gibt, hier im Plenum ohne Angst vor staatlicher Verfolgung zu reden, zu fragen und zu kritisieren. Diese Freiheit ist kein Luxus, sondern ein Fundament unserer Demokratie.
Gleichwohl drängt sich der Eindruck auf, dass dieses im Grundgesetz verankerte Recht zurückgedrängt wird. Wir erleben hier, dass diese Freiheit durch Sanktionen innerhalb dieses Hohen Hauses eingeschränkt wird: Ordnungsrufe,
Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum wohl?
und nicht jedermann verständlich. Denn die Abwehr gegen Ordnungsrufe findet im Ältestenrat statt, die Abstimmung gegen Einsprüche hier ohne Aussprache, also ohne öffentliche Wahrnehmung des Kerninhaltes des Ordnungsrufs.
Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau so, wie es in der Geschäftsordnung steht!
– Seien Sie doch mal ruhig. Das ist ja furchtbar.
Das von dem Kollegen Gottschalk gezeichnete „Bildnis des Dorian Gray“, welches er mit einem „Pfui!“ zu der erscheinenden Fratze verknüpft hat, betrifft ebendiesen Kernbereich; ebenso der Kampfaufruf „Alerta, alerta, idiotica!“, der übrigens ungesühnt blieb.
Das aber widerspricht dem Geist der Indemnität; denn was nützt es, wenn Abgeordnete vor Gerichten geschützt sind, aber im eigenen Parlament mundtot gemacht werden können?
Weiterer Zuruf von der CDU/CSU: Er traut sich nicht!
Die Indemnität ist kein Privileg, sondern eine staatliche Absicherung. Sie soll sicherstellen, dass jede Stimme – ob unbequem, laut oder kritisch – gehört werden kann. Sanktionen aber verwandeln diese Freiheit in eine Gnadenfrist, die jederzeit beendet werden kann. Das ist nicht Demokratie, das ist Disziplinierung.
Wir alle wissen: Debatten sind leidenschaftlich, Zwischenrufe sind scharf, Fragen sind manchmal unbequem. Aber genau das ist der Sinn eines Parlaments. Wer will das Parlament zu einem Ort steriler Höflichkeit machen? Wer das will, verkennt seine Aufgabe. Demokratie lebt von Reibung, auch wenn diese unbequem ist, nicht von Zensur.
Wollen wir wirklich ein Parlament, in dem die Opposition nur reden darf, solange sie nicht stört? Wollen wir wirklich ein Parlament, in dem kritische Sanktionen als Einschüchterungsmittel genutzt werden?
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir von der AfD haben als einzige Fraktion einen verfassungskonformen Haushalt vorgelegt, der die Schuldenbremse einhält.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist mir neu!
Obwohl wir über 125 Milliarden Euro gegenüber der Regierung einsparen, sieht unser Haushaltsentwurf knapp 8 Milliarden Euro mehr für die Gesundheitsversorgung vor.
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Ohne Gegenfinanzierung!
Während wir das Gesundheitssystem mit dringend benötigtem Geld unterstützen wollen, nehmen CDU und SPD Geld weg und machen die Versorgung noch schlechter.
Erst Anfang dieses Monats haben Sie ein Gesetz verabschiedet, das den Krankenhäusern dringend benötigte 2 Milliarden Euro raubt. Das Gesetz hat der Bundesrat zum Glück vorerst gestoppt. Aber wenn es kommt, schließen Dutzende weiterer Krankenhäuser. Dadurch werden Tausende Menschen in den betroffenen Regionen sterben.
Wir haben jetzt schon eine katastrophale Versorgung im ländlichen Raum mit ewigen Wartezeiten bei Ärzten und langen Transportwegen. Die Regierung treibt Krankenhäuser reihenweise in die Insolvenz.
Ihre Krankenhausvernichtungspolitik führt dazu, dass Krankenhäuser aus wirtschaftlichen Gründen internistische Intensivbetten abmelden, weil sie mit chirurgischen Intensivbetten mehr verdienen. Dadurch werden selbst Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten teilweise über eine Stunde bis ins Krankenhaus gefahren. Für viele Patienten ist das ein Todesurteil.
Wie es den Bürgern geht, interessiert Sie leider immer nur alle vier Jahre, kurz vor einer Wahl. Aber vielleicht verdeutlichen Ihnen ja folgende zwei Nachrichten, was Sie gerade bewirken; vielleicht verstehen Sie es dann:
Die letzte INSA-Umfrage in Sachsen-Anhalt zeigt, dass das wichtigste Thema für die Wahlentscheidung Gesundheit ist. Vor zwei Wochen titelte „Die Welt“ – Zitat –: „Zukunft von Kliniken in Sachsen-Anhalt auf der Kippe“. Ihre Politik lässt nur einen Schluss zu: Sie sind offensichtlich – wie wir – der Auffassung, dass der beste Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund heißt.
Stephan Brandner [AfD]: Da klatschen wir jetzt aber, aus voller Überzeugung!
📢
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Ganz sicher nicht!
Diese Wahlkampfunterstützung von Ihnen wollen wir aber gar nicht; denn sie kostet viele Menschenleben. Sie zerstören ganze Regionen und berauben die Menschen dort ihrer Zukunft.
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das ist doch Unsinn! Wir investieren Milliarden!
Ich verspreche Ihnen: Wir werden versuchen, die Gesundheit der Menschen, so gut wir können, zu schützen. Sie werden uns vor jedem Krankenhaus, das geschlossen werden soll, an der Seite der Beschäftigten und der Bürger finden.
Ich bin kommenden Montagabend mitten in Sachsen-Anhalt, in Bitterfeld, und ich bin gespannt, wie viele Tausend Bürger gemeinsam mit uns auf die Straße gehen gegen Ihre lebensgefährliche Politik.
Sie überweisen jede Woche eine knappe Milliarde Euro deutsches Steuergeld an die Europäische Union. Wenn Sie nur zwei Wochen auf diese Überweisungen verzichten würden und das Geld stattdessen den Krankenhäusern gäben, wäre damit ein wichtiger erster Schritt für die Versorgung auf dem Land getan.
Die CDU will alten Leuten lebenswichtige Medikamente verweigern. Die CDU will, dass gesetzlich Versicherte künftig Zahnarzt und Kieferorthopäde komplett selbst bezahlen müssen. Die CDU will alle Zuzahlungen um 50 Prozent anheben und 200 Euro pauschal für den direkten Besuch beim Facharzt. Wer arbeitet und fleißig ist, der ist bei Ihnen der Dumme.
Die Menschen sollen nach dem Willen der CDU länger arbeiten – Sie nennen das „Aktivrente“ –, und wenn sie dann nicht mehr können, wollen Sie ihnen auch noch lebenswichtige Medikamente vorenthalten. Ihr Umgang mit den Bürgern ist absolut menschenverachtend, und wir werden uns dem mit aller Kraft entgegenstellen.
Sie treiben mit Ihrer Gesellschaftspolitik übrigens die Kosten im Gesundheitssystem unnötig in die Höhe und zerstören dabei Menschenleben.
Gefährlich ist besonders die Politik, bei der Sie versuchen, schon kleine Kinder in ihrer Identität zu verunsichern. Wenn Dragqueens schon Kindergartenkindern vorlesen, dann läuft etwas grundsätzlich schief im Land. Statt Kinder in ihrer angeborenen Identität als Mädchen oder Jungen zu bestärken, werden sie systematisch verunsichert. Man tut so, als wäre es kein großes Ding, mit Hormonblockern oder Geschlechtsumwandlungen in die natürliche Entwicklung einzugreifen. Hormonblocker bezahlt die Krankenkasse ebenso wie die extrem teure Geschlechtsumwandlung. Die Menschen sind dann lebenslang abhängig von Hormonen, die massive Auswirkungen auf ihre Psyche und ihren Körper haben.
Die Pharmaindustrie freut sich über solch eine Politik, die massive gesundheitliche Schäden zur Folge hat. Die Aufklärung, die ich hier mache, müsste eigentlich die Regierung betreiben – wenn ihr nicht die Pharmalobby wichtiger wäre als die eigenen Kinder.
Harte Fakten aus nicht irgendeiner Zeitung, sondern dem „Deutschen Ärzteblatt“, das eine Studie mit Daten von 4 500 Transfrauen und Transmännern über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten ausgewertet hat – Zitat –:
„Im Vergleich zu Cisfrauen war das Sterberisiko von Transgenderfrauen 3-fach höher für Herzinfarkt und Lungenkrebs, 50 Mal höher für HIV-assoziierte Erkrankungen und 7-fach höher für Suizid.“
Und weiter – Zitat –: „Transgender- haben im Vergleich zu Cisgenderpersonen [eine] doppelt so hohe Mortalität.“
Das heißt auf Deutsch: Die Sterbewahrscheinlichkeit ist bei Transsexuellen doppelt so hoch wie bei anderen. Doppelt so hoch! Wer also Kinder in ihrem Geschlecht verunsichert – egal ob Schule, Politik oder Eltern –, der sorgt nicht nur für enorme Kosten im Gesundheitswesen, sondern auch dafür, dass sie früher sterben.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reden Sie nicht von Sachen, von denen Sie nichts verstehen! Sie haben offensichtlich nicht Medizin studiert! Es ist Ihnen doch sonst so wichtig, dass man über Sachen redet, die man versteht!
Ja, es gibt ganz wenige Menschen, bei denen die Entwicklung im Mutterleib schiefgelaufen ist und die sich dann im falschen Geschlecht wiederfinden. Und ja, diesen Menschen sollte man helfen. Aber man sollte zugleich alle davor warnen, wie gefährlich Hormonblocker, Hormontherapien und Geschlechtsumwandlungen sind.
Das sind nicht einfach kleine Pillen, die man schluckt. Das sind hochgefährliche Medikamente, die viele Menschen das Leben kosten.
Ich zitiere Professor Johannes Huber, einen Endokrinologen und Gynäkologen, der 25 Jahre Transsexuelle begleitet hat. Er sagt – Zitat –:
„[…] gerade junge Mädchen, die in der Pubertät eine Menge Probleme haben, glauben, wenn sie das Geschlecht ändern, dann seien diese Probleme alle weg.“
Für diese Mädchen sind die Probleme nicht weg, sondern sie fangen dann erst richtig an, und das Leben ist verpfuscht. Es ist unsere Aufgabe, ihre psychischen Probleme zu heilen und sie nicht auf einem falschen Weg zu bestärken.
Herr Sichert, vielleicht können Sie einmal kurz darstellen, was die letzten drei Minuten Ihrer Rede mit dem Bundeshaushalt zu tun haben. – Vielen Dank.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie viel? Zahlen, Herr Sichert, Zahlen! Haushalt!
📢
Maximilian Kneller [AfD]
Durch diese Hormonblocker, durch die Geschlechtsumwandlungen fallen eine Menge Kosten an. Die Hormonbehandlungen werden komplett von der Krankenkasse bezahlt. Die Geschlechtsumwandlungen werden komplett bezahlt. Und indem Sie versuchen, die Kinder zu verunsichern – insbesondere Sie von den Grünen –
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nee, ich versuche nur, Sie zu verunsichern!
📢
Stefan Henze [AfD]: Lassen Sie ihn bitte ausreden!
und die Kinder in diese Therapien mit den Hormonblockern hineinzutreiben, verursachen Sie natürlich auch Kosten. Und Sie verursachen auch massive Folgekosten; denn diese Menschen sind lebenslang auf Hormone angewiesen.
Ihre Sterblichkeit ist deutlich erhöht. Sie erleiden viele Folgeerkrankungen, wie Herz- und Kreislauferkrankungen, haben eine höhere Anfälligkeit für psychische Erkrankungen usw. usf. Das sind alles Kosten, die wir vermeiden können, indem wir die Kinder in ihrer Identität stärken.
Stefan Schwartze [SPD]: Das ist einfach gequirlter Blödsinn!
Es ist Aufgabe der Eltern, der Politik, der Gesellschaft, die Kinder in einem Stolz auf ihre angeborene Identität zu erziehen. Sagen Sie Ihrer Tochter, dass sie stolz sein kann, ein Mädchen zu sein! Sagen Sie Ihrem Sohn, dass er stolz sein kann, ein Junge zu sein! Und sagen Sie Ihrem Kind, dass es stolz sein kann, deutsch zu sein!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Einzelplan 15 im Bundeshaushalt steht auch in diesem Jahr wieder unter besonderen Vorzeichen. Wir als Koalition stellen diesen in einer Phase auf, in der unser Gesundheitssystem an vielen Stellen unter Druck steht. Gleichzeitig haben wir aber auch enorme Chancen für eine moderne, wirtschaftliche und verlässliche Versorgung, und diese Chance sollten wir nutzen. Umso wichtiger ist es heute, dass wir nicht nur über Zahlen sprechen, sondern auch darüber, was wir mit den Mitteln erreichen wollen. Vor allem müssen wir endlich etwas tun, um die finanziellen und personellen Ressourcen dieses Systems vernünftig zu heben.
Wir haben jetzt im Haushalt unsere Pflegeversicherung mit 1,7 Milliarden Euro stabilisiert. Wir haben diese als Darlehen erhalten, und hier kann ich nur sagen: Wir müssen uns hier ehrlich machen.
Wir brauchen eine klare und transparente Finanzierung. Denn zur Wahrheit gehört, dass der Pflegeversicherung knapp 5 Milliarden Euro während der Coronazeit entnommen wurden, die auch zurückgezahlt werden müssen. Das müssen wir definitiv im Blick behalten.
Und genauso appelliere ich an die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“, hier bitte endlich in Reformdimensionen zu denken. Denn was wir jetzt brauchen, sind richtige Reformen und nicht einfach mal so ein paar Stellschrauben. Wir brauchen mutige Entscheidungen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, um den Beitragssatz über den Jahreswechsel zu stabilisieren. Das ist ein Versprechen, welches wir den Menschen in diesem Land gegeben haben.
Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben die Länder anders gesehen!
Es ist wichtig, dass hier das gemeinsame große Ziel im Blick behalten wird und dass wir uns nicht im Klein-Klein, in einem Wust von Einzelinteressen verlieren. Ich kann uns allen nur wünschen, endlich Mut zu haben, große Reformen gemeinsam anzugehen.
Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Länder standen aber nicht dahinter!
Denn wenn wir es jetzt nicht hinbekommen, dann brauchen wir gar nicht mehr anzufangen. Und da sehe ich uns alle in der Verantwortung – aber vor allem auch die Bundesländer.
Wir haben das zweitteuerste Gesundheitssystem der Welt und haben die zweitschlechteste Lebenserwartung in Europa. Jetzt müsste auch dem Letzten einleuchten, dass hier irgendwas nicht stimmt.
Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
In Bezug auf die Krankenhausreform kann ich nur sagen: Hier müssen wir handeln, wenn wir uns in Zukunft Hightechmedizin leisten wollen, um allen Menschen die bestmöglichen medizinischen Erkenntnisse zugutekommen zu lassen.
Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nicht unnötig verwässern!
Wir brauchen neue Strukturen in allen Versorgungsbereichen, auch in den Bereichen der Selbstverwaltung. Wir brauchen eine Willenserklärung für riesengroße Reformen in unserem Land, damit wir unter anderem auch das deutsche Gesundheitssystem auf neue Füße stellen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Das Wachstum der Ausgaben lässt sich nur dann verantworten, wenn wir Strukturen modernisieren und Fehlanreize endlich beseitigen. Wir dürfen nicht länger akzeptieren, dass immer mehr Geld ausgegeben wird, ohne dass der gesundheitliche Nutzen entsprechend steigt.
Ein Bereich, der sinnbildlich ist für die Notwendigkeit struktureller Reformen, ist der Bereich Digitalisierung. Seit zwei Jahrzehnten investieren wir erhebliche Summen in die Digitalisierung, und trotzdem berichten uns Hausärzte, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, dass digitale Anwendungen oft komplizierter sind als das, was sie ersetzen sollen. Auch dies ist eine Form der Fehlsteuerung. Digitalisierung darf nicht zum Selbstzweck werden; sie muss spürbar entlasten und Prozesse vereinfachen.
Ja, wir haben eine ePA; aber wir haben keine strukturierten Patientendaten. Es ist richtig, dass wir Mittel dafür im Haushalt bereitstellen; aber sie müssen konsequenter eingesetzt werden, um echte, klar definierte Fortschritte zu erzielen.
Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Genau hier liegt auch ein Teil des großen Potenzials unseres Systems. Wir haben uns den Spaß gemacht und haben mal nachgerechnet: Durch eine bessere Steuerung, durch konsequente Ambulantisierung, durch klare Finanzstrukturen, durch den Abbau von Doppelstrukturen, durch gezielte Prävention und durch einen gezielten Personaleinsatz könnten wir bis zu 35 Milliarden Euro einsparen, ohne eine einzige Leistung zu kürzen, auch wenn das hier manchmal so gerne suggeriert wird. Und das ist kein Sparprogramm auf dem Rücken der Versicherten, sondern eine Aufforderung an uns selbst, das System endlich effizienter zu machen.
bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wer Versorgung klug steuert, schafft nicht nur finanzielle Spielräume, sondern erhöht auch die Qualität, und zwar die Versorgungsqualität. Dieses Umdenken braucht eine klare Abstimmung zwischen Bund und Ländern. Die Krankenhausinvestitionen zeigen seit Jahren, wie groß die Differenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit sind. Wenn wir mit diesem Haushalt Planungssicherheit schaffen, dann müssen die Länder diese Grundlage auch nutzen. Versorgungsplanung, Digitalisierung der Gesundheitsämter, Investitionsstrategien, all das gelingt nur gemeinsam.
Gleichzeitig zeigt dieser Haushalt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir schaffen Übergänge, wo Übergänge nötig sind, und wir bereiten strukturelle Veränderungen vor, die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Dieser Haushalt ist kein Abschluss; er ist ein Anfang, er ist ein Neuanfang, und er ist ein klares Bekenntnis zu einem modernen, zu einem verlässlichen und gut ausfinanzierten Gesundheitswesen.
Meine Damen und Herren, wir haben als Koalition die Verantwortung übernommen, dieses System generationengerecht aufzustellen, was bedeutet, Ausgaben nicht nur ständig zu erhöhen, sondern sie zielgerichtet und wirksam einzusetzen. Die Menschen warten auf Reformen in diesem Land. Lassen Sie es uns endlich angehen!
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürger/-innen! Ich hatte mal einen Patienten, privat versichert, vor mir. Er war schwerst krebskrank, hatte ganz viele Metastasen im Körper; es war der Punkt erreicht, dass die Metastasen auch das Rückenmark befallen haben. Ihm drohte, dass er in seinen letzten Lebenswochen nicht mehr laufen kann, weil eine Querschnittslähmung drohte. Deswegen stand ich vor ihm, habe mit ihm besprochen, dass wir das bestrahlen könnten, damit er auf jeden Fall wenigstens weiter laufen könnte. Er saß aschfahl auf dem Bett vor mir und sagte: Nein. Mich hat schon meine letzte Bestrahlung in die Privatinsolvenz getrieben. Ich mache nicht noch eine Bestrahlung.
Meine Damen und Herren, das erinnert uns nicht nur daran, dass selbst in Deutschland, in diesem aktuellen System immer noch viele Menschen auf medizinisch notwendige Behandlungen verzichten, weil sie sich die Behandlung finanziell nicht leisten können, sondern auf der anderen Seite auch, was für ein grandioses gesellschaftliches Versprechen und eine große gesellschaftliche Errungenschaft es ist, dass die gesetzliche Krankenversicherung verspricht, dass ich mir, wenn ich schwer krank bin, wenn ich Sorgen habe, wie lange ich noch auf dieser Erde bin, was mit meiner Familie passiert, ob ich Schmerzen haben werde, die durch Medikamente nicht zu kontrollieren sind, wenigstens um eine Sache keine Sorgen machen muss, nämlich darum, ob ich es mir finanziell leisten kann, diese Erkrankung behandeln zu lassen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Ich erwarte aber, wenn es um so basale, um so grundlegende Absicherungen geht, dass mit dem Geld, mit dem abgesichert wird, so solide und seriös und vertrauenswürdig umgegangen wird wie nur irgendwie möglich. Ich würde meine Lebensversicherung ja auch nicht bei einem Unternehmen abschließen, was alle drei Tage in Insolvenz ist. Aber die Art und Weise, wie seit sechs Monaten mit den Kassenfinanzen im Bereich Pflege- und Krankenversicherung umgegangen wird, hat mit Seriosität nichts zu tun,
hat mit Solidität nichts zu tun; das ist aus Sicht der Bevölkerung alles andere als vertrauenerweckend.
Die Menschen in diesem Land haben gerade genug Sorgen; die machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, um ihre Nebenkostenabrechnung und um viele andere Sachen. Die müssen sich nicht auch noch Sorgen darum machen, ob sie in fünf Jahren noch eine Krankenversicherung haben, die alle Medikamente – auch dem über 80-Jährigen, Herr Streeck – bezahlt.
Dr. Hendrik Streeck [CDU/CSU]: Man kann die Dinge auch absichtlich falsch verstehen, Frau Kollegin! Unverschämtheit!
Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen kurzen Rückblick auf die letzten sechs Monate. Die Ministerin ist gestartet und hat erst mal 16 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt versprochen, weil, ja, der Bundeshaushalt einen wichtigen Beitrag zu den Kassenfinanzen leistet. Sie musste dieses Versprechen nach kurzer Zeit einkassieren, weil sie einfach nicht die politische Kraft für 16 Milliarden Euro zusätzlich hatte. Dann mussten im Sommer vorzeitig Gelder aus dem Gesundheitsfonds ausgezahlt werden, damit Kassen nicht dieses Jahr schon in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Dann hat sie nach dem Sommer stabile Beiträge zum 01.01.2026 versprochen. Alle wussten, dafür braucht man ungefähr 2 Milliarden Euro zusätzlich in der Krankenversicherung und 2 Milliarden Euro zusätzlich in der Pflegeversicherung. Dann hat sie, weil sie das Geld nicht aus dem Haushalt eins zu eins rausbekommen hat, in einer Hauruckaktion Schulden aus dem Sondervermögen Verkehrsinfrastruktur zweckentfremdet – zusätzlich 4 Milliarden Euro – und den Kliniken gegeben, um drei Wochen später zu sagen: So, davon nehme ich euch jetzt 1,8 Milliarden Euro wieder weg.
Das war so hanebüchen, das war so schwer zu erklären, dass ihr ihre eigenen Leute, selbst die CDU Baden-Württemberg im Bundesrat letzte Woche, die Gefolgschaft verweigert haben.
Die CDU Baden-Württemberg verweigert der Bundesgesundheitsministerin aus Baden-Württemberg die Gefolgschaft, und, meine Damen und Herren, man muss sagen, zu Recht. Denn man kann niemandem mehr erklären, dass man den Kliniken erst 4 Milliarden Euro gibt und ihnen innerhalb von vier Wochen 1,8 Milliarden Euro davon wieder nimmt.
Und jetzt haben wir noch nicht mal davon gesprochen, dass die abschließende Sitzung des Haushaltsausschusses erst drei Stunden später starten konnte – und, meine Damen und Herren, ich kann Ihnen sagen, die geht lang genug; es wäre gut gewesen, wenn die nicht später gestartet wäre –, weil sich diese Bundesregierung nicht vier Tage vor der Deadline auf ein Darlehen von 1,7 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung einigen konnte, nicht drei Tage vorher, nicht zwei Tage vorher, sondern erst noch später. Nicht mal um 11 Uhr am Donnerstag der Bereinigungssitzung hatte diese Bundesregierung eine Einigung über ein Darlehen von 1,7 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung; wir mussten noch drei Stunden warten, damit wir tatsächlich beschließen konnten.
Meine Damen und Herren, ich habe ja ein bisschen Erfahrung mit Regierungen, die auseinanderbrechen. Ich kann Ihnen sagen: Wenn man nicht drei Tage vor der Bereinigungssitzung – ungefähr – alle Sachen im Milliardenbereich beschlossen hat, dann ist das ein verdammt schlechtes Zeichen für den Zustand der Koalition. Es tut mir sehr leid, dass Sie jetzt schon in diesem Zustand sind; aber ich sehe ja in Ihren Gesichtern: Sie leiden darunter mindestens genauso wie wir.
Meine Damen und Herren, Frau Borchardt hat es ganz richtig gesagt: Jedes Jahr, das wir warten und keine grundlegenden Reformen machen, wird das Defizit in der Kranken- und Pflegeversicherung größer, werden die finanziellen Möglichkeiten im Bundeshaushalt, unterstützend zur Seite zu stehen, kleiner und wird das Problem, das zu lösen ist – auch aufgrund der Demografie –, insgesamt deutlich größer. Jeder hier in diesem Haus tut sich einen Gefallen, nicht noch eine Kommission und noch eine Kommission einzusetzen, die immer wieder für ein Jahr den Prozess nach hinten rausschiebt. Wir alle haben ein Interesse daran, dass das Problem nicht noch größer wird, weil das, was wir absichern wollen, ist die gesetzliche Krankenversicherung und das Versprechen, das sie an die Menschen gibt.
Albert Stegemann [CDU/CSU]: Wer hat denn die Rücklagen geplündert?
Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland gibt es seit 1883. Sie hat zwei Weltkriege überlebt, sie hat die deutsche Teilung überlebt, und sie wird auch Nina Warken und diesen Bundeshaushalt überleben. Aber ich glaube, wir müssen jetzt alle gemeinsam dafür sorgen, dass das Versprechen gilt, dass man sich in Deutschland, wenn man krank wird, keine Sorgen darum machen muss, ob man den Arzt oder das Krankenhaus bezahlen kann. Die Menschen in diesem Land haben das Recht darauf, sich zumindest diese Sorgen nicht machen zu müssen. Das sind wir ihnen schuldig.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der Sozialen Pflegeversicherung verlangt uns in diesen Tagen viel ab. Ich hätte mir gewünscht, dass die beschlossenen Maßnahmen jetzt schnell Wirkung zeigen können. Nun muss der Vermittlungsausschuss ran; er findet hoffentlich sehr rasch eine Lösung, damit die Versicherungsbeiträge im nächsten Jahr stabil gehalten werden.
Das alles wird aber nicht dafür sorgen, dass wir nicht weiter entschiedene strukturelle Reformen benötigen, um eine gute und flächendeckende gesundheitliche Versorgung sicherzustellen. Kollegin Borchardt hat das schon erwähnt. Das wird sicherlich die gesundheitspolitischen Diskussionen der nächsten Wochen und Monate dominieren.
Heute aber beraten und verabschieden wir den Einzelplan des Bundesgesundheitsministeriums. Hier ist es gelungen – trotz knapper Kassen –, die finanziellen Spielräume effizient zu nutzen. Wir stärken Prävention, gerade auch im Bereich der psychischen Gesundheit. Mit einem Portal, das bestehende Informations- und Beratungsangebote für Pflegebedürftige und deren Angehörige bündelt und einen schnellen, zielgerichteten Zugang zu notwendigen Leistungen ermöglicht, schaffen wir Orientierung und mehr Transparenz im Pflegesystem.
Mein Dank gilt den Berichterstatterinnen und Berichterstattern des Einzelplans im Haushaltsausschuss, allen voran unserer Haushälterin Svenja Stadler, die in dieser Woche krankheitsbedingt leider nicht hier sein kann. Ihr schicke ich meine herzlichsten Genesungswünsche.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich. Es ist ein echter Skandal, dass Frauen nach wie vor im Gesundheitssystem auf vielfältige Weise übersehen werden.
bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Ihre Beschwerden werden nicht ernst genommen. Sie werden bei Therapiestunden nicht miteinbezogen. Diagnostische Algorithmen basieren häufig auf männlichen Normwerten, was bei Frauen zu Fehlinterpretationen führen kann. Das Ergebnis sind verspätete Diagnosen, das Übersehen von Erkrankungen und letztendlich eine schlechtere Behandlung – und das für 50 Prozent der Bevölkerung.
Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Und es ist skandalös!
Es ist deshalb ein echter Meilenstein, was den Haushälterinnen und Haushältern in diesem Einzelplan gelungen ist: ein Forschungsprogramm für Frauengesundheit. 11,5 Millionen Euro, um endlich an die Wurzel dessen zu gehen, was viele Frauen im Gesundheitssystem erleben!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Frauen sind auch häufiger von postinfektiösen Erkrankungen betroffen. Dazu gehört zum Beispiel ME/CFS. Seit Jahren warten an ME/CFS Erkrankte auf eines: auf Heilung. Schätzungsweise 650 000 Menschen in Deutschland sind betroffen. Die Zahl ist seit dem Beginn der Coronapandemie stark gestiegen, weil Long Covid häufig auch mit ME/CFS einhergeht.
Wer mit den Betroffenen spricht, merkt schnell, wie schwerwiegend und einschränkend diese neuroimmunologische Erkrankung ist. Alltägliche Dinge wie Duschen oder Zähneputzen werden zu Hindernissen. Arbeiten, zur Schule zu gehen, am Familienleben teilzunehmen, Freunde zu treffen, das ist für viele kaum möglich. In besonders schweren Fällen kann jede Berührung, sogar jeder Lichtstrahl zu viel sein.
Bereits 1969 wurde ME/CFS von der WHO als neurologische Erkrankung klassifiziert. Es gibt trotzdem bis jetzt kein Medikament, keine Behandlung, die heilt. Was es aber gibt und was in den letzten Jahren auch dank der Forschungsförderung des Bundes deutlich zugenommen hat, ist die Erforschung dieser Erkrankung; da gibt es wirklich Fortschritte. Aber diese Forschungsförderung muss jetzt verstetigt werden. Deshalb bin ich persönlich so erleichtert und freue mich wirklich sehr, dass wir die Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen jetzt starten und über zehn Jahre insgesamt eine halbe Milliarde Euro für Forschung zu Krankheitsmechanismen, zu Biomarkern, zur Diagnostik, zu Arzneimittelstudien und zur Prävention bereitstellen. Diese parlamentarische Initiative – und mein Dank gilt ausdrücklich allen, die daran mitgewirkt haben, insbesondere den Kollegen Karl Lauterbach und Stephan Albani – gibt den Betroffenen Hoffnung – Hoffnung auf Heilung.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Aber – und das ist wichtig –: Forschung zu Long Covid und ME/CFS allein reicht nicht. Denn die Betroffenen brauchen jetzt Hilfe: flächendeckende und niederschwellige Hilfsangebote, spezialisierte Versorgung, mehr Ärztinnen und Ärzte, die sich tatsächlich auch mit diesen Erkrankungen auskennen. Deswegen ist diese Dekade, diese Forschungsförderung, ein wichtiger Schritt, aber eben nicht das Ende aller Maßnahmen. Wir müssen daran arbeiten, dass Erkrankte nicht alleingelassen werden, dass sie in unserem Sozial- und Gesundheitssystem nicht verloren gehen. Alle gemeinsam – Bund, Länder, Kommunen, Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer, die Krankenkassen, –
Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss. Die Redezeit ist abgelaufen.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Lasst uns doch mal gemeinsam über die Probleme in unserem Gesundheitssystem sprechen. Um das besser zu veranschaulichen, teile ich die Menschen auf der Tribüne mal in zwei Gruppen ein:
Hier rechts, die erste Reihe der Tribüne, das sind etwa 10 Prozent der Zuschauer/-innen. Ihr seid jetzt privat gesundheitsversichert. Das heißt, ihr bekommt deutlich schneller einen Termin, habt freie Arztwahl, und wenn ihr noch ein bisschen mehr draufzahlt, bekommt ihr in Krankenhäusern eine Chefarztbehandlung. Bei stationären Aufenthalten habt ihr Anspruch auf Ein- oder Zweibettzimmer. Und in manchen Fällen habt ihr früher Zugang zu neuen Medikamenten, die noch sehr teuer sind.
Adam Balten [AfD], in Richtung der Tribüne: Aber nur, wenn ihr mehr arbeitet!
Kommen wir nun zu den restlichen 90 Prozent auf der Tribüne. Euch geht es leider nicht so gut; denn ihr seid gesetzlich versichert.
Frau Kollegin, wir sprechen hier zum Plenum und nicht zur Zuschauertribüne, und wir siezen die Personen, die hier im Raum sind, und duzen sie nicht. Ich finde, das hier entspricht gerade weniger unseren parlamentarischen Gepflogenheiten. Insofern würde ich Sie bitten, zum Plenum zu sprechen.
Gut, dann spreche ich das ganze Plenum an und nehme die Aufteilung trotzdem weiter vor. – Also, die 90 Prozent sind gesetzlich versichert. Auf einen Facharzttermin müssen sie dann im Schnitt Wochen, wenn nicht Monate warten. Auch bei akuten Beschwerden kriegen sie oft nicht schnell genug einen Termin. Auf einige Leistungen, wie Vorsorgeuntersuchungen bei Darmkrebs, haben sie erst sehr spät einen Anspruch.
Beispiel: Eine Person der 90 Prozent klagt schon länger über Brustbeschwerden. Ultraschall, Röntgen, Mammographie werden von der GKV übernommen, es wird aber nichts gefunden. Die Frauenärztin rät sicherheitshalber zu einem Brust-MRT. Das ist aber deutlich teurer als die anderen Methoden. Es dauert drei Jahre, bis die GKV das MRT übernimmt.
Ergebnis: ein bösartiger Tumor, Brustkrebs. Bei einer privatversicherten Patientin wie da drüben wäre dies vermutlich schon drei Jahre früher festgestellt worden. Eine Privatpatientin hätte deshalb deutlich größere Überlebenschancen.
Die stellvertretende GKV-Chefin Stoff-Ahnis spricht deshalb auch von „Diskriminierung von gesetzlich Versicherten“.
Und: Die 90 Prozent werden nicht nur ungleich behandelt, ziemlich sicher dürfen sie jetzt auch noch mehr Geld zahlen, weil die Beiträge im nächsten Jahr wahrscheinlich steigen werden. Wie kann das sein? Weil die gesetzlichen Krankenkassen nicht genug Geld einnehmen, um alle Ausgaben zu decken. Das liegt unter anderem daran, dass Privatversicherte, also Beamte, Selbstständige und auch viele Abgeordnete und Spitzenverdiener, dort nicht einzahlen.
Claudia Moll [SPD], an Die Linke gewandt: Ihr seid die besseren Menschen, ich weiß!
Das erlaubt, dass reiche Menschen sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung stehlen. Da kann man nicht von einem solidarischen Gesundheitssystem sprechen. Das ist ein System der Zweiklassenmedizin.
Wenn im Haushalt über Gesundheit geredet wird, dann kommt von der Regierung immer eins ganz schnell: Wo können wir sparen? Wo können wir Menschen Leistungen kürzen, wie bei der Diskussion zum Pflegegrad 1? Wo finden wir noch einen armen Sündenbock, dem wir unser Versagen in die Schuhe schieben können, wie zum Beispiel: „Migranten gehen auch zum Zahnarzt“?
Viel schöner fände ich es, wenn sich die Regierung mal fragen würde: Wieso zahlen Reiche so wenig Beiträge? Wieso sind die meisten Spitzenverdiener eigentlich privat versichert? Wieso darf ein Klinikkonzern Profite mit unserer Gesundheit machen?
Simone Borchardt [CDU/CSU]: Erzählen Sie was Neues!
Hier zahlen alle nach ihren finanziellen Möglichkeiten ein, also auch die Spitzenverdiener. So stabilisieren wir die Beiträge und müssten nicht jedes Jahr wieder Angst vor Beitragserhöhungen haben.
Und, Frau Warken, in den Haushaltsberatungen habe ich Wörter von Ihnen gehört, die auch die anderen Minister/-innen immer wieder in den Mund nehmen: sparen, konsolidieren, kürzen. Mich macht das wütend.
Denn eine Sache muss hier mal festgestellt werden: Sie müssen nicht sparen, Sie wollen sparen.
Dieselben Parteien, die jetzt regieren, haben uns doch selbst in diese Lage gebracht. Sie haben 2009 die Schuldenbremse eingeführt. Wir Linken haben schon damals gesagt, dass die Schuldenbremse nicht funktionieren wird. Und was sehen wir heute? Sie funktioniert nicht. Die Regierung braucht Haushaltstricks und ein Hin-und-her-Geschiebe, um sie gerade so einzuhalten. Ihre verfehlte Austeritätspolitik trifft zwar nicht Sie selbst mit Ihren hohen Ministergehältern, aber für Millionen Menschen bedeutet das Spardiktat: schlechte Infrastruktur und ein Leben am Limit.
Nehmen wir Ihr neuestes Sparpaket als Beispiel. Das geht größtenteils zu Lasten der Kliniken. Dabei wissen Sie sehr wohl, dass viele Kliniken in der Krise stecken. Der Bund muss sich daran beteiligen, den Investitionsstau zu beseitigen, besonders bei öffentlichen und gemeinwohlorientierten Kliniken. Dafür müssen endlich Gelder bereitgestellt werden.
Und das ist nur ein Bereich, wo die Schuldenbremse einer nachhaltigen und sozialen Politik im Weg steht.
Und wenn ich jetzt wieder zu den Versicherten hier im Plenum komme: Am Ende ist es egal, ob ihr privat oder gesetzlich versichert seid. – „Sie“, sorry!
Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wenn das Krankenhaus marode ist, der Rettungswagen auf dem Weg zu euch liegen bleibt oder die Technik alt und kaputt ist: Kein Sparpaket und kein zu kurz gegriffenes Sondervermögen kann dann gesund halten. Das kann nur ein sicher finanziertes und gerechtes Gesundheitssystem. Eine Bürgerversicherung für alle wäre ein erster Schritt in diese Richtung.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute beschließen wir den Gesundheitsetat für das kommende Jahr. Ich möchte mich zunächst für die Änderungen bedanken, die wir im parlamentarischen Verfahren noch gemeinsam erreichen konnten. Ich glaube, wir haben noch einige Verbesserungen erzielen können.
Erstens. Es ist gut und richtig, dass wir bei der Prävention noch einmal draufsatteln konnten; denn gerade in der Prävention liegt ja in Deutschland ein großes Potenzial brach, das wir heben wollen und heben müssen, sei es bei der Förderung von Gesundheitskompetenz, von Kindergesundheit oder beim Thema „Gesund älter werden“ sowie bei der Suizidprävention. Und ja, das betrifft auch die Drogen- und Suchtprävention. Hier senden wir ein wichtiges Signal; denn auch bei diesem Titel legen wir nach, und zwar um 4 Millionen Euro.
bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Durch die frühzeitige Vermeidung von Suchterkrankungen kann viel individuelles und familiäres Leid vermieden werden, und wir sparen natürlich auch Geld für das System.
Zweitens. Mit Blick auf künftige Bedrohungslagen stocken wir unseren Haushalt in diesem Bereich um 10 Prozent auf. Angesichts der zunehmend angespannten Sicherheitslage ist es, glaube ich, ein Gebot der Stunde, die Resilienz unseres Gesundheitswesens zu erhöhen. Und das machen wir durch Maßnahmen zur Stärkung der Laborkapazitäten, aber auch der medizinischen Gegenmaßnahmen im Falle biologischer Gefahrenlagen und terroristischer Angriffe.
Nur ein resilientes Gesundheitswesen ist ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen; es wird also auch hier ein richtiges Zeichen gesetzt. Passend dazu laufen in meinem Haus die Vorbereitungen für ein Gesundheitssicherstellungsgesetz.
Frau Ministerin, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen?
Herzlichen Dank, Frau Ministerin, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie hatten im Mai angekündigt, die WHO, die sich ja wegen des Austritts von Trump in einer wirklich dramatischen Lage befindet, wodurch auch die Global Health, die Gesundheit weltweit, in einer schwierigen Situation ist, mit mehr Geld zu fördern.
Nun gab es mit dem aktuellen Haushalt aber ein bitteres Erwachen; denn Sie senken den Titel zur Stärkung der internationalen Gesundheit um etwa 3,5 Millionen Euro. Ich möchte Sie fragen: Wie erklären Sie diese Kürzungen bei der internationalen Gemeinschaft, dem Global Health Hub Germany, den Sie ja auch als Sparbüchse benutzen? Und wie verantworten Sie die daraus entstehenden Folgen für die Gesundheit in der Welt, beispielsweise für Impfkampagnen, aber auch hier für uns in Deutschland?
Frau Kollegin, ich war kürzlich bei der G20-Gesundheitsministerkonferenz in Südafrika. Dort ist man sehr froh über den Beitrag, den wir leisten. Andere Länder leisten in diesem Zusammenhang wesentlich weniger. Wir gehen hier mit gutem Beispiel voran, im Übrigen nicht nur mit Geldmitteln, sondern auch mit der Zurverfügungstellung von Expertisen, auch mit der Zurverfügungstellung des WHO-Hubs hier in Deutschland.
Wir bringen uns entscheidend ein. Deswegen war es mir auch wichtig, persönlich vor Ort zu sein. Bei der Haushaltsaufstellung ist es natürlich immer eine Abwägungsfrage, wie man die Mittel einsetzt. Ich glaube, mit dem Paket, das wir gemeinsam geschnürt haben, kommen wir unseren internationalen Verpflichtungen nach.
Im Übrigen konnte die Kollegin Alabali Radovan für GAVI weitere Mittel zur Verfügung stellen. Das ist ein Gesamtpaket, das wir in der Bundesregierung geschnürt haben. Mit unserem Haushalt haben wir, glaube ich, ein ausgewogenes Verhältnis geschaffen zwischen unseren internationalen Zusagen, Verpflichtungen und auch Überzeugungen, dort helfen zu wollen,
und den Hausaufgaben, die wir hier im Land zu erledigen haben. Glauben Sie mir, es stößt international auf große Anerkennung, wie wir uns in die Prozesse auf internationaler Ebene einbringen. Das werden wir weiterhin tun, und dazu stehen wir auch.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben Aufstockungen angekündigt!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der dritte Punkt ist – die Kollegin Seitzl hat es dankenswerterweise erwähnt – unser Förderschwerpunkt Frauengesundheit; Frau Kollegin, das gehen wir gemeinsam an. Auch wenn es ein Teil des Plenums nur mit Lachen quittieren konnte:
Frauengesundheit ist ein wichtiges Thema. Denjenigen, die sagen: „Habt ihr keine anderen Themen?“, antworte ich – so wie Sie es auch gesagt haben –: Das ist kein Nischenthema, es betrifft die Hälfte der Bevölkerung. Wir müssen hier einen Schwerpunkt setzen, und das wollen wir auch tun.
Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Die Förderrichtlinien sollen jetzt zügig kommen. Sie werden Anfang 2026 veröffentlicht. Es stehen dann bis zu 12 Millionen Euro über mehrere Jahre bereit. Wir werden die Mittel auch und vor allem dafür nutzen, die Datenbasis über Frauengesundheit am Robert-Koch-Institut auszubauen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesen Maßnahmen werden wir die Gesundheitsversorgung der Menschen konkret verbessern. Von ganz entscheidender Bedeutung ist natürlich – das war jetzt auch schon Thema – die Finanzierungsgrundlage unseres Gesundheitssystems. Noch in den letzten Jahren – deswegen ist es auch wohlfeil, wenn aus der Opposition jetzt Anwürfe kommen –, als die Wirtschaft schon schwächelte, wurden der GKV immer neue Lasten auferlegt, die jetzt voll durchschlagen. Die Folgen haben auch Sie zu verantworten;
denn Sie haben dem nichts entgegengesetzt, als Sie in Verantwortung waren.
Vor dieser Herausforderung stehen wir jetzt. Gleichzeitig müssen wir die sich immer weiter drehende Spirale der immer höher werdenden Beitragssätze durchbrechen, sonst kommt unser Land an dieser Stelle nicht voran. Deswegen haben wir uns in der Koalition darauf verständigt, dass die Beiträge zur GKV und zur SPV zum Jahreswechsel stabilisiert werden müssen.
In der sozialen Pflegeversicherung lösen wir das Versprechen ein, indem wir das Darlehen für 2026 um 1,7 Milliarden Euro erhöhen. Es ist ein Darlehen, ja. Aber es ist ein wichtiges Darlehen, weil es die Beitragssätze zunächst stabilisiert und eine Brücke baut hin zu den notwendigen Reformen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen ein herzliches Dankeschön für die guten Beratungen.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, Frau Ministerin, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Da Ihnen das offensichtlich nicht bekannt ist, will ich gerne aushelfen: In der vergangenen Legislatur haben wir mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz alle Partner der Selbstverwaltung mit in die Verantwortung genommen,
sich an den Lasten zu beteiligen, um die Bezahlbarkeit der Krankenversicherung sicherzustellen.
Wir stehen jetzt vor weiteren neuen Herausforderungen. Ihre Bundesregierung hat es fertiggebracht, innerhalb von sechs Monaten die Sozialversicherungen in diesem Land über Darlehen mit 12 Milliarden Euro zu verschulden. Deshalb will ich Sie erstens fragen: Können Sie ausschließen, dass die Menschen in diesem Land noch in dieser Legislatur die Zeche für diese Verschuldungspolitik bei der Sozialversicherung zahlen müssen? Und zweitens: Wann werden Sie endlich das Problem der aus dem Ruder gelaufenen Ausgaben für Arzneimittel,
die allein dieses Jahr 3,5 Milliarden Euro zusätzliche Last für die GKV bedeuten, angehen und die Medikamentenpreise wirkungsvoll unter Kontrolle bringen?
Herr Kollege, die Bürgerinnen und Bürger zahlen nicht zuletzt auch die Zeche der Schulden, die Sie durch die Politik während Ihrer Regierungsbeteiligung mitzuverantworten haben.
bei der CDU/CSU sowie des Abg. Martin Sichert [AfD]
In den Jahren, in denen Sie als Grüne in der Regierung Mitverantwortung getragen haben, gab es allein in der GKV eine Mehrbelastung für Unternehmen und Beitragszahler von über 30 Milliarden Euro. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt sind Sie ja dran!
Es wurden sogar noch Leistungen ausgeweitet, es wurde draufgelegt, es wurden höhere Vergütungen beschlossen. Erst vor einem Jahr haben Sie die Meistbegünstigungsklausel so ausgestaltet, wie sie jetzt ist.
Es wurde von Ihnen überall draufgelegt: beim Thema Pflege, beim Thema Entbudgetierung. Das sind sicherlich alles Maßnahmen, die unterstützenswert sind, die aber nicht gegenfinanziert waren. Das haben allein Sie zu verantworten. Und da ist es wohlfeil, wenn man hier jetzt kluge Ratschläge erteilt und uns den Schwarzen Peter zuschiebt.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Faktenverdrehung, was Sie machen!
Gerne, liebe Kolleginnen und Kollegen, hätte ich auch verkündet, dass wir die Lücke in der GKV schließen konnten. Wir haben uns bewusst auf die Maßnahmen geeinigt, die vorgeschlagen wurden. Wir haben sie gemeinsam im Deutschen Bundestag beschlossen mit dem Ziel, den Kostenanstieg bei den Krankenhäusern im nächsten Jahr einmalig auf das Niveau der durchschnittlichen Kostenentwicklung zu begrenzen.
An dieser Stelle möchte ich auch die Leistungen des Bundes und der GKV für die Krankenhäuser in Erinnerung rufen. Der Bund finanziert mit bis zu 29 Milliarden Euro den Transformationsfonds für den Umbau der Krankenhauslandschaft. Der Bund finanziert mit 4 Milliarden Euro die Sofort-Transformationskosten, die nachträglich einen Inflationsausgleich darstellen.
Trotz der geplanten Einsparungen werden sich die Ausgaben im Krankenhausbereich zulasten der GKV auf 120 Milliarden Euro hochschrauben. Das ist eine Steigerung um 8 Milliarden Euro im Vergleich zum letzten Jahr. Also, es ist nicht so, dass der Bund die Krankenhäuser im Stich lässt.
Der Bundesrat hat das entsprechende Gesetz in der letzten Woche leider nicht passieren lassen. Durch die Anrufung des Vermittlungsausschusses geht nun entscheidende Zeit verloren, die den Krankenkassen zur Aufstellung der Haushalte fehlt.
An dieser Stelle muss ich noch mal deutlich sagen: Das ist natürlich ein fatales Signal, wenn schon ein kleines Sparpaket auf derartige Widerstände stößt.
Simone Borchardt [CDU/CSU]: Richtig! Genauso ist es!
Es ist im Übrigen das erste Spargesetz, das diese Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Es gefällt natürlich nicht allen, und es gefällt auch mir nicht, dass wir das tun müssen. Aber es ist einfach alternativlos, und deswegen müssen wir es tun.
Wir stehen auch erst am Anfang der Diskussionen, die wir im nächsten Jahr zu führen haben, wenn es darum gehen wird, eine Lücke im zweistelligen Milliardenbereich zu schließen. Da braucht es dann auch den Willen, entschlossen und ohne Denkverbote zu handeln. Es muss das gemeinsame Ziel sein, die gesetzliche Krankenversicherung wie auch die soziale Pflegeversicherung auf ein stabiles Fundament zu stellen.
Sehr geehrte Frau Warken, vielen Dank für Ihre Ausführungen. – Die Kosten in der Gesundheit scheinen Ihnen sehr wichtig zu sein. Ich war vor Kurzem noch im Görlitzer Park, und da sind täglich ungefähr 100 bis 300 Dealer unterwegs.
Das Problem ist aber auch, dass gleichzeitig die Kosten für die Gesundheit wesentlich steigen werden. Es gibt auch immer mehr psychische Probleme. Letzten Endes gerät diese Drogenproblematik völlig außer Kontrolle, wie zum Beispiel auch in Frankfurt.
Nun ist meine Frage: Welche drei konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um dem entgegenzuwirken und um dieses Problem in den Griff zu bekommen, damit hier nicht amerikanische Zustände herrschen?
Wenn Sie mir zugehört hätten, hätten Sie gemerkt, dass ich am Anfang der Rede dargestellt habe, dass wir den Haushaltstitel noch mal angepasst haben und jetzt auch den Anteil für die Prävention erhöht haben. So investieren wir auch mehr in Sucht- und Drogenprävention und gehen das Thema an der Stelle entschieden an. Aber wir haben uns auch darauf verständigt, zum Beispiel im Bereich der Cannabislegalisierung genau hinzuschauen, wo wir nachjustieren müssen. Wenn es um Sucht- und Drogenprävention geht, haben wir jetzt dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung ein Budget an die Hand gegeben, mit dem er gut arbeiten kann.
bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Bevor Sie in Ihrer Rede fortfahren, gibt es noch einen weiteren Wunsch nach einer Zwischenfrage, die ich zulassen würde – danach würde ich keine weiteren Zwischenfragen erlauben –, vorausgesetzt Sie sind jetzt auch einverstanden, dass der Herr Gürpinar eine Frage stellt.
Vielen Dank Ihnen beiden, dass ich noch eine Zwischenfrage stellen darf. – Ich weiß ja nicht, ob der Görlitzer Park mit der AfD nicht doch noch gefährlicher wird als ohne.
Heiterkeit und Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Das vorweg.
Meine Fragen an Sie, Frau Warken, beziehen sich darauf, dass Sie jetzt noch mal gesagt hatten, es gebe für die Kommission keine Denkverbote. Wir hatten ja den Auftrag der Kommission vorliegen. Dort gab es leider genau ein Denkverbot, und zwar das duale Konzept der Zwei-Klassen-Versicherung – private und gesetzliche Krankenkasse – nicht anzugehen.
Haben Sie im Nachhinein – Sie haben es ja wiederholt – auch dieses Denkverbot aufgegeben? Geht die Kommission auch Ideen an, inwiefern vielleicht eine Gesundheitsversicherung, in die alle einzahlen – meine Kollegin Mazzi hat es gerade noch mal verdeutlicht –, eine Möglichkeit wäre?
Und dann ist weiterhin auch noch folgende gestellte Frage offen, auf die Sie immer noch keine Antwort gegeben haben: Unterliegt die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze tatsächlich keinem Denkverbot? Denn ich glaube, das wäre eine Möglichkeit, die wirklich großen Kosten im Gesundheitssystem anzugehen, indem endlich alle einzahlen – auch die Menschen, die hier sitzen, und auch diejenigen, die sehr viel Geld haben.
Herr Kollege, die Kommission hat natürlich unseren Koalitionsvertrag als Grundlage, in dem bestimmte Dinge festgehalten worden sind, zum Beispiel keine Beitragserhöhungen für die Bürgerinnen und Bürger,
kein Wechsel im bisherigen System der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung.
Im Übrigen: Man kann ja der Meinung sein, dass man das ändern sollte. Man sollte aber den Bürgerinnen und Bürgern nicht vorgaukeln, dass dann, wenn wir nur da eine Änderung herbeiführen, alle Probleme im System gelöst werden. Ich glaube, das wäre mitnichten der Fall.
Simone Borchardt [CDU/CSU], an die AfD gewandt: Mehr Geld nützt auch nichts!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist ein gemeinsames Ziel, die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung auf ein stabiles Fundament zu stellen. Das Ziel kann aber auch nur gemeinsam erreicht werden. Alle profitieren davon, und alle müssen dazu einen Beitrag leisten. Denn darauf können wir uns gemeinsam einstellen: Es wird Einschnitte geben müssen, sonst wird es nicht funktionieren, und es ist unsere gemeinsame Verantwortung, wenn wir unser System grundsätzlich erhalten wollen. Es wurde ja vorhin auch schon gesagt: Es ist eine Errungenschaft, dass wir so ein solidarisches System haben. Wenn wir das erhalten wollen, dann müssen wir es eben auch grundlegend verändern.
Mit diesen Worten möchte ich Sie auf das nächste Jahr einstimmen; denn auch da brauchen wir Ihre Unterstützung. Das gilt auch für die tiefgreifenden und komplexen Strukturreformen, die vor uns liegen, zum Beispiel die Reform der Notfallversorgung und die Einführung des Primärversorgungssystems. In diesen beiden Vorhaben liegen große Chancen. Lassen Sie uns gemeinsam das Ziel verfolgen, eine hochwertige und bezahlbare Gesundheitsversorgung für die Zukunft zu sichern.
Ein ganz herzlicher Dank für die guten Beratungen geht an dieser Stelle noch mal an die Berichterstatterinnen und Berichterstatter. Lassen Sie uns die Herausforderungen gemeinsam angehen!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Meine Damen und Herren! Dieser Gesundheitshaushalt ist ein Symptom für eine völlig aus dem Ruder gelaufene Finanzpolitik. Er ist das Protokoll eines Kontrollverlustes. Der Bundesrechnungshof warnt seit Monaten
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Seit Jahren!
vor einer strukturellen Finanzierungskrise der gesetzlichen Krankenversicherung: Milliardendefizite, höchste Ausgabensteigerung seit Jahrzehnten, zu geringe Rücklagen, drohende Zusatzbeiträge von weit über 4 Prozent. Und Sie legen hier einen Etat vor, der genau diese Probleme eben nicht löst, sondern sie hinter Sondervermögen, Schulden und Darlehen zu verstecken versucht. Ihre Initiative zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge – von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände liebevoll „Mini-Sparpaket“ genannt – ist im Bundesrat krachend gescheitert.
Die Länder haben die geplanten Kürzungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zulasten der Krankenhäuser gestoppt, und zwar quer durch alle Parteifarben. Das ist ein Misstrauensvotum gegen die Regierung im Allgemeinen und gegen Sie, Frau Ministerin Warken, im Speziellen.
Zurück bleiben verunsicherte Kliniken, verunsicherte Kassen und Versicherte, die weiter mit steigenden Beiträgen werden rechnen müssen. Die AfD macht hier konkrete und vor allem konstruktive Gegenvorschläge für eine ehrliche Finanzierung
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die habe ich noch nicht gesehen! Ich habe nur Anträge gesehen, die nicht gegenfinanziert waren!
ohne politische Beruhigungspillen und buchhalterische Tricks, Frau Piechotta.
Zunächst würden wir den Bundeszuschuss nämlich um 4 Milliarden Euro erhöhen, von 14,5 Milliarden Euro auf 18,5 Milliarden Euro. Rechnet man dann Ihr überjähriges Darlehen von 2,3 Milliarden Euro hinzu, kommt man auf 20,8 Milliarden Euro, die der Bund der GKV zur Verfügung stellt. Das ist kein Luxus. Das ist ein Mindestmaß an Beitragssatzstabilität und Entlastung der Lohnnebenkosten.
Diese 4 Milliarden Euro finanzieren wir übrigens durch Einsparungen bei Klimafonds, NGOs und weltweiten Prestigeprojekten.
Zweitens. Die Krankenhausfinanzierung muss endlich raus aus den Schattenhaushalten. Sie verstecken nämlich Milliarden für Kliniken in schuldenfinanzierten Sondervermögen und verteilen diese dann ohne klare Zweckbindung und ohne jede ernsthafte Kontrolle nach dem Gießkannenprinzip.
Genau diese Konstruktion kritisiert der Bundesrechnungshof – er sieht auch Verfassungsrisiken – mit dem Hinweis, dass so mitunter eher Haushaltslöcher der Länder gestopft werden.
Unser Gegenentwurf akzeptiert die 6 Milliarden Euro, die der Bund für Krankenhäuser bereitstellt, aber mit Bauchschmerzen und ausdrücklich als Notmaßnahme und eben nicht als Einstieg in eine verdeckte, ewige Bundesfinanzierung. Bei uns passiert dies im Einzelplan 15 nämlich offen aus laufenden Einnahmen und mit klarer Zweckbindung.
Drittens erhöhen wir den Gesundheitsetat um 35,8 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro, indem wir umschichten: mehr Geld für die GKV, mehr Geld für die Krankenhäuser und weniger Geld für Projekte, die der Versorgung hierzulande nicht nutzen.
Konkret würden wir nämlich die 336 Millionen Euro für die Pandemiebereitschaftsverträge streichen, ebenso wie die Zuschüsse zur zentralen Beschaffung von Coronaimpfstoffen und die Mittel zur Stärkung der internationalen öffentlichen Gesundheit sowie zusätzliche WHO- und Hub-Beiträge. Genau dieses Geld gehört nämlich in funktionierende Notaufnahmen, in verlässliche Pflege und in die Haushaltspraxen vor Ort.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie fordern den Aufbau von Fehlanreizen? Spannend!
und ein Basismodell nach dänischem Vorbild für Zuwanderer, die dauerhaft nicht einzahlen. Wer sich der Solidargemeinschaft entzieht, der kann sich der Solidargemeinschaft nicht bedienen.
Meine Damen und Herren, Sie scheitern mit Sparpaketen, die schon vor dem Start zerfallen. Sie verstecken Ausgaben in Sondervermögen, Sie finanzieren internationale Schaufensterprojekte, und dafür lassen Sie Kliniken, Beitragszahler und Patienten in Unsicherheit zurück.
Der Gesundheitsetat zeigt symbolisch, was in ganz Deutschland fehlt, und Wirtschaftsverbände, Familienunternehmen, Landwirte und Handwerker haben längst erkannt, dass die aktuelle Regierung weder willens noch in der Lage ist, das zu leisten.
Es ist Zeit für finanzielle Ehrlichkeit. Es ist Zeit für eine Fokussierung auf die Kernaufgaben. Es ist Zeit für verlässliche Zusagen. Es ist Zeit für die AfD. Ihren Regierungsentwurf lehnen wir ab.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute geht es um den Haushalt, also, kurz gesagt, ums Geld. Im Haushalt des Bundesministeriums für Gesundheit geht es insgesamt um ein Haushaltsvolumen von knapp 22 Milliarden Euro, dazu um ungefähr 450 Milliarden Euro für Krankenkassen und Pflegeversicherung. Das ist verdammt viel Geld. Es ist gut und richtig, dass uns Gesundheit und Pflege etwas wert ist, dass wir Gesundheit und Pflege solidarisch finanzieren und niemanden alleinlassen.
Dass bei uns alle krankenversichert sind und Unterstützung bei der Pflege erhalten, ist gut. Und trotzdem: Wir geben sehr viel Geld aus, und viele Menschen haben dennoch das Gefühl, dass es für sie nicht gut funktioniert; dass sie keinen Arzttermin erhalten, wenn sie einen brauchen; dass sie quer durchs Gesundheitssystem geschickt werden, ohne das Gefühl, dass sich wirklich jemand kümmert; dass sie überfordert sind, wenn ein Pflegefall eintritt, obwohl wir viel Geld in die Pflege stecken; oder dass sie als Pflegekraft Tag und Nacht arbeiten und trotzdem das Gefühl haben, dass es nicht reicht, weil Kolleginnen und Kollegen fehlen.
Wir haben ein gutes Gesundheitssystem. Aber wer profitiert am meisten davon und wer nicht? Einer Studie der OECD zufolge liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei gut 81 Jahren; damit liegen wir erstmals unter dem EU-Durchschnitt. Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den ärmsten und reichsten Gruppen liegt durchschnittlich bei Männern bei 15 Jahren und bei Frauen bei 10 Jahren.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir haben ein gutes System, aber es ist für die einen besser als für die anderen. Der Zugang zu Versorgung hängt immer noch stark von Faktoren wie Einkommen, Bildungsstand, Wohnort oder Versicherungsart ab. Deshalb haben wir in der letzten Legislatur gezielt wichtige Strukturreformen auf den Weg gebracht:
Erstens: die Krankenhausreform, mit der wir die Qualität verbessern und für eine verlässliche Versorgung in Stadt und Land sorgen. Kein Krankenhaus soll mehr aus finanziellen Erwägungen komplizierte Behandlungen machen müssen, die es nicht gut kann.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir müssen hier unserer Verantwortung für die Reform gerecht werden.
Zweitens: die Digitalisierung im Gesundheitswesen. E-Rezept, elektronische Patientenakte, Telemedizin ersparen den Patientinnen und Patienten unnötige Untersuchungen, Kosten und Wege. Auch hier müssen wir weitergehen.
bei der SPD sowie des Abg. Albert Rupprecht [CDU/CSU]
Drittens: eine bessere ambulante Versorgung. Wir haben die Hausärztinnen und Hausärzte gestärkt, die Bewilligung von Hilfsmitteln vereinfacht, aber wir hätten gerne auch noch mehr umgesetzt. Deswegen: Es gibt noch viel zu tun. Wir können nicht mehr warten. Das gilt für die Notfallreform genauso wie für die Primärversorgung. Denn wir brauchen mehr Orientierung und Begleitung durch das System, damit nicht die Halsschmerzen in der Notaufnahme landen, aber die gebrochene Hüfte keinen Termin bekommt.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Das ist gut für die Patientinnen und Patienten und spart darüber hinaus viel Geld.
Diese Reformen sind dringend geboten. Die Ausgabendynamik übersteigt deutlich die Einnahmeentwicklung. Die Leistungsausgaben der GKV sind im ersten Halbjahr 2025 insgesamt um 8 Prozent gestiegen, die Krankenhausausgaben sogar um 9,6 Prozent.
Unsere Antwort darauf können aber keine Leistungskürzungen oder Privatisierungen sein. Denn dann gäbe es für viele Menschen nur zwei Möglichkeiten: Es wird teuer, weil sie ihre Versorgung in Teilen ohne Arbeitgeberanteil und nicht mehr in einem solidarischen System finanzieren – das heißt weniger Netto vom Brutto –, oder sie können es sich gar nicht mehr leisten, und unser Sozialstaatsversprechen einer guten Gesundheitsversorgung für alle steht infrage. Umso wichtiger ist es, dass wir die Reform weiter beherzt angehen.
Ates Gürpinar [DIE LINKE]: Kann ich auch was ankündigen, Frau Schmidt?
📢
Nicole Gohlke [DIE LINKE]: Super angekündigt!
Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die Krankenhausreform gemeinsam gut voranbringen und zu einer guten Lösung kommen werden. Ich bin auch optimistisch, dass wir dieses Jahr noch gemeinsam mit den Ländern für stabile Beiträge in der Krankenversicherung sorgen können. Denn Gesundheit und Pflege betreffen uns alle; sie betreffen jeden und jede in ihrer persönlichen Lebensqualität, und das muss uns auch in Zukunft viel wert sein.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben es in den letzten Reden gehört: Die Ausgaben im Gesundheitswesen steigen rasant; schon wieder droht den Menschen eine saftige Beitragserhöhung. Und trotzdem stehen Krankenhäuser vor der Insolvenz, Apotheken schließen, und Arztpraxen finden keine Nachfolge.
In einer solch wirklich ernsten Situation könnte man meinen, dass diese Bundesregierung sich mit Begeisterung, mit Elan, mit mutigen Schritten an Maßnahmen ausrichtet, die wenig oder gar nichts kosten, aber ganz viel Geld und menschliches Leid sparen. Ich sage hier ganz platt, was ich meine: Es geht ums Rauchen, und es geht ums Saufen.
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Christos Pantazis [SPD]
Ich hatte gestern eine Veranstaltung mit der Deutschen Krebshilfe, einer Präventionsforscherin und einem Kardiologen. Dort wurde noch mal klargestellt: Der volkswirtschaftliche Schaden alleine durch Tabakrauchen beträgt 100 Milliarden Euro jedes Jahr. Jedes Jahr gehen der deutschen Volkswirtschaft durch das Rauchen 100 Milliarden Euro verloren, ganz zu schweigen von über 100 000 Todesfällen! Bei Alkohol sind es 60 Milliarden Euro und knapp 50 000 Todesfälle jedes Jahr.
Frau Ministerin, Sie ringen um jeden Cent. Sie vergeben Darlehen. Es gibt Ideen in Ihrer Fraktion, den Pflegegrad 1 oder älteren Menschen sogar die Medikamente zu streichen. Das sind nicht nur eher empathielose Vorschläge; sie sparen auch wirklich nicht viel Geld. Aber die großen Dinge gehen Sie nicht an. Sie lassen mehrere Bälle auf dem Elfmeterpunkt liegen.
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Ates Gürpinar [DIE LINKE]
Warum eigentlich? Das könnte man sich ja wirklich ernsthaft fragen. Zigaretten oder die Flasche Bier 10 Cent teurer zu machen, könne man manchen Menschen nicht zumuten, höre ich manchmal. Komisch; denn bei anderen Gruppen sind Sie da nicht so zögerlich.
Gestern in der Generaldebatte meinte der Bundeskanzler noch: Wir alle müssen jetzt länger arbeiten. – Junge Menschen sollen verpflichtend gemustert und eventuell verpflichtend eingezogen werden, und das Bürgergeld soll gestrichen werden.
Da gibt es also Gruppen, denen Sie sehr viel zutrauen und zumuten. Aber in Bezug auf Tabak und Alkohol geht das gar nicht? Um es mit den Worten von Friedrich Merz am Deutschlandtag zu sagen: „Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein!“
Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass diese Koalition an den großen Schrauben dreht und sich nicht im Klein-Klein verliert, nicht im Streit verliert! Denn bei der Prävention ließe sich so viel Geld und menschliches Leid sparen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Schauen wir uns doch die Gesundheitsversorgung im Land einmal an. Die durchschnittliche Wartezeit für einen Platz in der Kinder- und Jugendtherapie beträgt mittlerweile 30 Wochen. Die Eigenanteile in der Pflege liegen monatlich bei über 3 000 Euro. Im Schnitt gibt es in jeder Schulklasse ein Kind, das nebenher Angehörige pflegt. Und derweil geht das Kliniksterben munter weiter, und auch das Apothekensterben geht ungehindert weiter. Wir hatten am Ende des Jahres 2024 500 Apotheken weniger als am Anfang. Da verstehe ich nicht, Frau Warken, wie Sie überhaupt auf den Begriff „Resilienz“ kommen und darauf, dass die Gesundheitsversorgung in diesem Land gesichert sei. Was ist denn los mit Ihnen? Reißen Sie doch mal die Augen auf, und sehen Sie, was in dem Land gerade passiert!
Die Gesundheit geht vor die Hunde, und das Problem ist, Frau Warken: Es wird noch schlimmer. Für eine immer schlechtere Versorgung werden die Menschen im nächsten Jahr noch mehr zahlen müssen. Mehr Geld für weniger Leistung – was für ein Hohn, Frau Warken. Was für ein Hohn!
bei der Linken sowie der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Kommen wir zum Haushalt 2026. Es wird immer abenteuerlicher, wie Sie durch billige Tricks von Ihrer Unfähigkeit ablenken, die Kranken- und Pflegeversicherung nachhaltig zu finanzieren. Aus Steuergeldern kommen insgesamt 3 Milliarden Euro in die Pflegeversicherung und 2 Milliarden Euro in die Krankenversicherung, als Darlehen. Zurückzuzahlen sind diese übrigens zufällig 2029. Ich kann Ihnen sagen: So lange kann die Koalition gar nicht mehr halten.
Damit wachsen die Schulden auf 10 Milliarden Euro, die die Kassen niemals zurückzahlen können. Das wissen Sie, und Sie tun es trotzdem.
Jetzt mal ein Wort an die nicht mehr so ganz Jungen in der Jungen Union: Sich schön aufmackern bei der Rente und Generationen gegeneinander aufhetzen, wenn man in der Schule beim Thema Ökonomie gerade Ballspielen war, und damit drohen, noch mehr junge und alte Menschen in die sichere Altersarmut zu treiben, dann aber bei solchen Tricksereien wie hier schön dabei zu sein und nebenbei die gesundheitliche Versorgung im Land zu zerstören –
Und es kommt noch besser: Die Koalition deckt gemeinsam Spahns milliardenschwere Maskenvertuschung, steckt Hunderte von Milliarden Euro in Rüstung, in Krieg und Tod. Aber für Gesundheit, für Pflege und dafür, dass Menschen leben können, bleibt nur noch ein Darlehen übrig. Das alles hat nur einen Grund: Sie sind zu feige. Sie trauen sich nicht an die ran, die das Geld horten, und das sind die oberen 10 Prozent. Es wäre so einfach: Wenn alle in die gesetzliche Kasse einzahlten, dann müssten alle, die monatlich unter 6 200 Euro verdienen, weniger zahlen, und trotzdem wäre genug Geld da für eine stabile gesundheitliche Versorgung.
Frau Warken, am Ende des ersten Kalenderjahres haben Sie faktisch nichts geliefert. Ihre Beitragsstabilisierung wurde von den Ländern gekippt, Ihre Darlehen lösen kein Problem. Sie hinterlassen ein Gesundheitssystem im freien Fall. Aber wissen Sie, was wirklich bemerkenswert ist und fast schon Humor hat? Es gibt einen Fortschritt im eigentlichen Bereich der Gesundheit, aber der steht nicht in Ihrem Haushalt: Die Hunderttausende Menschen, die an den Folgen der Coronapandemie zu leiden haben, haben trotz ihrer Erkrankungen mit ihren Angehörigen gemeinsam so viel Druck aufgebaut, dass es nun zumindest eine Aufstockung im ME/CFS- und Post-Covid-Bereich gibt, und zwar im Forschungsbereich. Eine halbe Milliarde Euro, gestreckt über zehn Jahre: viel zu wenig, aber ein erster Schritt. Es bleibt die Erkenntnis: Die Regierung bewegt sich nur in die richtige Richtung, wenn der Druck groß genug wird, Druck von unten, Druck von links.
Deswegen, liebe Patientinnen und Patienten, liebe Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsberufen, lassen Sie uns weiter Druck machen, damit das Geld dort landet, wo es gebraucht wird: bei den Menschen.
Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst darf ich an dieser Stelle meinem geschätzten Kollegen Peter Aumer, der diesen Etat mit großem Engagement begleitet, der aber heute leider krankheitsbedingt nicht unter uns sein kann, eine gute und schnelle Genesung wünschen.
Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Damit sind wir schon mitten im Thema. Gesundheit ist eben keine Selbstverständlichkeit. Sie ist die zentrale Grundlage dafür, sein Leben aktiv zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, für andere da zu sein und unsere Gesellschaft mitzugestalten. Wenn wir heute in zweiter Lesung über den Bundeshaushalt 2026 debattieren, dann sprechen wir im Kern über Vorsorge statt Operation, über Vorbeugung statt Verdrängung und über Zukunft statt kurzfristiger Symbolpolitik.
Union und SPD setzen mit dem vorliegenden Haushalt 2026 auch klare Prioritäten; die Herausforderung im Gesundheitsbereich ist hier schon hinlänglich angesprochen worden. Damit ist noch nicht das Ende erreicht; wir haben auch noch eine ganze Wegstrecke vor uns. Aber wir ducken uns bei den zentralen Themen nicht weg, sondern wir gehen die Herausforderungen im Gesundheitswesen unseres Landes beherzt an. Dies tun wir gemeinsam und senden damit auch als Regierungskoalition ein starkes Signal ins Land.
Mein besonderer Dank gilt insbesondere den Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitikern im Fachausschuss, aber auch den Berichterstattern im Haushaltsausschuss sowie unserer Gesundheitsministerin Nina Warken und ihrem gesamten Haus für die konstruktiven Beratungen.
bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die heutige Haushaltsdebatte ist aber auch ein passender Anlass, um von dieser Stelle aus einmal den Millionen Beschäftigten im Gesundheitsbereich und in der Pflege herzlich zu danken.
bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Sie leisten jeden Tag engagiert und hochprofessionell und nicht immer unter einfachen Voraussetzungen einen unersetzlichen Dienst für unsere Gesellschaft. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank und unsere höchste Anerkennung.
bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Dem Haushaltsentwurf zugewandt, erlauben Sie mir, dass ich mich bei der Fülle an Vorhaben, die hier auch schon dargestellt worden sind, noch einmal auf drei zentrale Bereiche konzentriere.
So nehmen wir beispielsweise – das ist auch von der Kollegin Dr. Seitzl bereits angesprochen worden – das Thema „gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung“ stärker in den Fokus, indem wir die Mittel in diesem Bereich deutlich erhöhen. Dies ist richtig, aber auch wichtig; denn wer früh informiert, der schützt Leben, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wer Risiken klar benennt, verhindert Leid. Und wer jungen Menschen Perspektiven bietet, der entlastet damit langfristig unser gesamtes Gesundheitssystem. Prävention ist aber keine Nebensache. Prävention ist eine Investition in die Lebensqualität, in gesündere Jahre und am Ende auch in die Zukunft unseres gesamten Landes.
Ein zweiter zentraler Schwerpunkt ist die Frauengesundheit. Auch dieses Thema ist bereits von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern adressiert worden. Zu lange wurden die spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen im Hinblick auf Frauen in Forschung und Versorgung nicht ausreichend berücksichtigt. Das ändern wir jetzt als Koalition. Dabei geht es nicht um abstrakte Programme, sondern um konkrete Verbesserungen im Alltag von Patientinnen. Forschung wird hierbei direkt mit Versorgung verknüpft, und genau das macht den Unterschied für die Menschen in unserem Land aus.
Ein funktionsfähiges Gesundheitssystem braucht aber nicht nur Forschung, es braucht vor allem eins: Stabilität. Und genau darüber sprechen wir und diskutieren wir. Wir ringen hier gemeinsam, um diese in der Zukunft sicherzustellen. Dies gilt insbesondere im Bereich der Pflege. Mit einem überjährigen Darlehen von 1,7 Milliarden Euro an den Ausgleichsfonds der sozialen Pflegeversicherung sichern wir nicht nur deren Liquidität, sondern wir stabilisieren damit den Beitragssatz für das kommende Jahr 2026. Gleichzeitig stärken wir die Strukturen vor Ort; denn Pflege findet nicht nur in Einrichtungen statt. Sie findet zu über 80 Prozent zu Hause statt. Und hier haben wir noch eine Menge Herausforderungen vor der Brust. Hier werden wir künftig nicht um Reformen umhinkommen. Hier muss gemeinsam an einem Strang gezogen werden, um die sozialen Sicherungssysteme zukünftig stabil aufzustellen.
bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Mit dem Aufbau eines digitalen Serviceportals schaffen wir zudem einen zentralen Zugang zu qualitätsgesicherten Beratungs- und Unterstützungsangeboten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir diskutieren also heute abschließend einen Haushalt, der in Prävention investiert und somit Nachhaltigkeit stärkt, der Frauengesundheit fördert und somit für mehr Gerechtigkeit sorgt und der die Pflege absichert und damit Verantwortung fördert. Diesen Weg gehen wir konsequent und vorausschauend und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Denn auch mit diesem Haushalt, liebe Kolleginnen und Kollegen, bringen wir Deutschland gemeinsam wieder ein kleines Stück voran.
Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Krankenkassen kollabieren. Den Versicherten drohen erneut Beitragserhöhungen. Und die Regierung legt einen Haushalt vor, der beides gerade nicht abwendet. Seit Merkel erfahren wir in allen Bereichen eine Reformverschleppung. Nur die Alternative für Deutschland wird das Sparprinzip der sogenannten schwäbischen Hausfrau endlich umsetzen.
Hierzu schlagen wir ein Entlastungspaket in Höhe von 55 Milliarden Euro vor, das gezielt auf die Stärkung von Wachstum, Beschäftigung und Kaufkraft abzielt. Weiter sind 5 Milliarden Euro für ein kommunales Nothilfeprogramm eingespeist. Wer den Sozialstaat erhalten will, muss die Wirtschaft stärken.
Wer die gesetzliche Krankenversicherung stabilisieren will, muss die Löhne entlasten.
Wie ist das zu machen? Reduzierung der Lkw-Maut für innerdeutsche Transporte: 2,3 Milliarden Euro. Reduzierung des Emissionshandels: 4,3 Milliarden Euro. Abschaffung der CO2-Bepreisung: 17 Milliarden Euro.
Ates Gürpinar [DIE LINKE]: Falsche Rede mit nach vorn gebracht!
Senkung der Belastungen beim Agrardiesel: 500 Millionen Euro. Senkung der Stromsteuer für Industrie und Privathaushalte: 6,5 Milliarden Euro. Senkung der Lohnsteuer: 10 Milliarden Euro. Senkung der Körperschaftsteuer: 3 Milliarden Euro. Und Senkung der Einkommensteuer: 3 Milliarden Euro.
Die Gegenfinanzierung erfolgt unter anderem durch: Reduzierung der EU-Zahlungen – Deutschland bezahlt jede Woche 1 Milliarde Euro nach Brüssel und bekommt nur jede vierte Woche 1 Milliarde Euro zurück,
Streichung ideologisch geprägter Programme mit zweifelhaftem Nutzen, Reform des Bürgergeldes, Kürzung bei überhöhten Verteidigungsausgaben, Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine.
Deutschland hat bis heute 76 Milliarden an die Ukraine gezahlt, England 25 Milliarden, Frankreich 8,5 Milliarden, Spanien 3 Milliarden und Italien 2,5 Milliarden Euro. Steuergelder sind primär da einzusetzen, wo diese erarbeitet werden.
Nur die Alternative für Deutschland wird das Verschwendungsprogramm der Altparteien „Geld für die Welt“ auf ein vernünftiges Maß zurückführen und vorerst gar aussetzen. Deutschland hat tausend Probleme, und keines wird gelöst. Erst wenn alle Schulen saniert sind, alle Krankenhäuser wieder normal funktionieren, die Deutsche Bahn mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks fährt, jede Brücke in Deutschland saniert ist, Polizei und Justiz zeitgemäß arbeiten,
Kindergartenplätze nichts mehr kosten, Schwimmbäder nicht mehr geschlossen werden, Bus und Bahn auch wieder auf dem Lande verkehren, unsere Schüler wieder Spitzenplätze in den PISA-Studien belegen,
in jeder Gemeinde wieder ein Hausarzt praktiziert und die Leistungskataloge der Krankenkassen nicht mehr beschnitten werden, können wir über Auslandszahlungen diskutieren.
bei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wenn wir in der Debatte zum Gesundheitsetat über das Thema Prävention sprechen – es ist heute schon mehrfach angesprochen worden –, wo wir in der Tat etwas obendrauf gelegt haben, dann reden wir über nichts Geringeres als unseren Gesundheitszustand in der Zukunft. Ich will das mal an einem Bild verdeutlichen: Prävention ist quasi der Dünger, der der Pflanze zu gesundem Wachstum verhilft. Dazu gehören für mich mehrere Dinge.
Wir müssen das Gesundheitswissen in unserer Gesellschaft stärken. Jeder Mensch in diesem Land sollte wissen, was ihm oder ihr guttut, und auch die Möglichkeit haben, danach zu handeln – ohne Bevormundung, sondern vor allem durch Motivation. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und ja, dafür müsste man eigentlich noch mehr Geld in Hand nehmen;
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
denn wir müssen irgendwann vor die Welle kommen. Aber wir alle wissen: Das Geld wächst eben nicht auf den Bäumen, sondern wird hart erarbeitet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es bringt niemanden weiter, wenn der eine Koalitionspartner dem anderen Koalitionspartner vorwirft, er halte das Geld zurück, nur weil der Finanzminister gerade von dem anderen gestellt wird.
Wer glaubt, man könne sich dauerhaft auf Kosten des Zusammenhalts profilieren, der irrt. Statt mit erhobenem Zeigefinger aufeinander zu zeigen, sollten wir uns gemeinsam fragen: Wie können wir die Gesundheitsfinanzierung intelligenter gestalten? Ein Ansatz, lieber Kollege Wagner, liegt buchstäblich auf der Hand oder – besser gesagt – in der Flasche, der Zigarette oder der Zuckerpackung.
Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Eine maßvolle Erhöhung der Konsumsteuer auf eindeutig ungesunde Produkte könnte erhebliche zusätzliche Einnahmen bringen. Wenn ein Teil dieser Mittel wieder in Aufklärung, Prävention und Gesundheitsförderung fließen würde, hätten wir einen doppelten Effekt: Wir verhindern Krankheiten, bevor sie entstehen, und entlasten gleichzeitig den Gesundheitsetat.
Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Um auch hier im Bild zu bleiben: Wenn Prävention der Dünger ist, dann ist Impfen unsere Schädlingsbekämpfung. Wir halten die Schädlinge fern, bevor sie die Pflanze überhaupt erreichen. Gerade bei der HPV-Impfung sehen wir: Wo hohe Impfquoten erreicht werden, gehen Krebsvorstufen und damit spätere Krebserkrankungen messbar zurück. Trotzdem sind die Impfquoten in unserem Land noch weit entfernt von dem, was möglich und nötig wäre. Darum werbe ich hier an dieser Stelle noch mal sehr intensiv
Noch ein Satz. – Prävention ist kein Nice-to-have. Es ist eine Investition in Lebensjahre, in Lebensqualität, in gesellschaftliche Stabilität. Wenn wir heute in gesunde Wurzeln investieren, müssen wir morgen weniger teure Sturmschäden beseitigen.
Felix Schreiner [CDU/CSU]: Wir diskutieren! Das ist der Unterschied zu früher!
Die jungen Abgeordneten der Union schwingen sich auf als Stimme der jungen Generation. Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten sich vor diesem Hintergrund tatsächlich auch mal den Gesundheitshaushalt genauer angeguckt und ihn auf Generationengerechtigkeit geprüft. Denn auch hier werden Lasten in die Zukunft verschoben.
Spätestens seit Anrufung des Vermittlungsausschusses letzte Woche ist klar: Die Beiträge in der GKV werden steigen, und sie werden – so prognostiziere ich – auch in den kommenden Jahren weiter steigen, weil Sie hier keine Vorkehrungen treffen, sondern Lasten in die Zukunft verschieben. Das wäre wirklich vermeidbar, zum Beispiel, wenn man den Steuerzuschuss dynamisieren würde, anstatt Darlehen zu vergeben.
Ich möchte das einmal genauer erläutern. Seit 2007, seit der Gesundheitsfonds eingeführt wurde, beträgt dieser Steuerzuschuss 14,6 Milliarden Euro. Er war damals als Ausgleich für die beitragsfrei mitversicherten Kinder vorgesehen. Aber seit 2007 ist auch die Versorgung dieser Kinder langsam teurer geworden. Statt dem Rechnung zu tragen und den Steuerzuschuss anzupassen und entsprechend hochzusetzen, vergeben Sie Darlehen an die GKV mit einer Rückzahlungsverpflichtung ab 2029. Sie schieben Verbindlichkeiten in die Zukunft. Auch das ist keine Generationengerechtigkeit.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Wir alle, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, werden schon im kommenden Jahr merken, dass die Zusatzbeiträge steigen. Ab 2029, wenn dann die Verbindlichkeiten greifen, wird der Schätzerkreis auch diese in seine Prognosen einbeziehen müssen.
Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig! Dann wird es richtig teuer!
Dann wird die Rückzahlung der Darlehen anstehen, und dann wird man das bei der Kalkulation der Beiträge berücksichtigen müssen. Diese werden damit noch weiter in die Höhe gehen.
Frau Warken, Sie sind dieses Jahr sehenden Auges in die steigenden Zusatzbeiträge ab 2026 reingelaufen mit Ihren halbherzigen Maßnahmen, für die Sie nicht mal die Rückendeckung der Länder haben. Die Länder haben richtigerweise kritisiert, dass Ihre Maßnahmen unvollständig und unausgewogen sind. Deshalb möchte ich noch einmal appellieren: Warten Sie hier nicht auf irgendwelche Kommissionen! Dynamisieren Sie den Steuerzuschuss! Folgen Sie den Empfehlungen des Sachverständigenrates, und zwar auch – das wurde vorhin schon angesprochen – zur Begrenzung der Arzneimittelkosten!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Haushalt des Bundesministeriums für Gesundheit – einen Haushalt, der in einer Zeit großer Herausforderungen vorgelegt wird. Unser Gesundheitssystem steht unter Druck: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Finanzierungslasten in der Pflege und in der Krankenversicherung, steigende Kosten für moderne Therapien. Die Lage ist ernst. Sie bietet aber gleichzeitig auch große Chancen. Denn gerade in der Krise zeigt sich, wie groß der Reformbedarf ist, und vor allem auch, wie stark die Innovationskraft in unserem System sein wird.
Die Gesundheitsreformen, die wir in dieser Legislaturperiode anstoßen, werden die komplette Legislaturperiode prägen. Wir müssen hinkommen zu einem Gesundheitssystem, das effizienter, digitaler und krisensicher ist und das vor allem die Patienten in den Mittelpunkt stellt. Der Fokus muss also klar sein: die bestmögliche Versorgung für Patientinnen und Patienten.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir arbeiten an tiefgehenden Veränderungen und müssen gleichzeitig ein leistungsfähiges, ein verlässliches und ein gut zugängliches Gesundheitssystem gewährleisten. Das schaffen wir mit dem Gesamtetat von 21 Milliarden Euro auch. Es ist ein klarer Ausdruck der Handlungsbereitschaft dieser Regierung, und es ist ein klares Bekenntnis zu unserem Gesundheitssektor.
Wir stärken die Pflegeversicherung mit einem erweiterten finanziellen Puffer spürbar. Das führt einerseits dazu, dass die finanziellen Beiträge stabil bleiben können. Es führt andererseits dazu, dass wir den Millionen pflegebedürftigen Personen und ihren Familienmitgliedern, die ja oft in einer persönlich schwierigen Situation sind, eine Perspektive geben, und das ist richtig so.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Trotz der angespannten Haushaltslage konnten wir im parlamentarischen Verfahren weitere Verbesserungen im Haushalt erreichen. Das Programm zur Frauengesundheit ist richtigerweise angesprochen worden. Wir investieren weiter in die gesundheitliche Aufklärung. Es fließen Mittel in die Suizidprävention und Mittel in die Suchtmittelbekämpfung. Auch das ist ein richtiger und wichtiger Schritt, den wir mit diesem Haushalt beschließen können.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich noch auf einen Bereich eingehen, der für unser Land extrem wichtig ist: die Gesundheitswirtschaft. Sie gehört zu einem der größten wirtschaftlichen Bereiche in unserem Land, sie gehört zu den größten Innovationstreibern in unserem Land, und sie bietet für unser Land auch eine große Perspektive, wenn wir diesen Bereich der Gesundheitswirtschaft in den kommenden Jahren richtig angehen. Deshalb ist es auch richtig, dass wir mit dem Pharma- und Medizintechnikdialog ein wichtiges Signal an die Branche senden. Wie sichern wir Forschung, Versorgung und Produktion in Deutschland? Wie können wir sicherstellen, dass neue Medikamente, Technologien und andere Versorgungssituationen auch rasch in die Versorgung kommen? Wie behaupten wir uns im internationalen Wettbewerb? Die Antwort lautet: durch eine engere Zusammenarbeit, durch stabile Rahmenbedingungen und durch eine Politik, die auch Innovationen wieder attraktiver macht.
Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage von Herrn Wagner von Bündnis 90/Die Grünen?
Vielen Dank, Frau Präsidentin, und vielen Dank an Sie, Dr. Hiller, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben ja gerade das parlamentarische Verfahren gelobt und gesagt, dass Sie zum Beispiel bei der Drogen- und Suchtberatung im Vergleich zum Regierungsentwurf Gelder draufgeschlagen haben. Das stimmt auch. Vergleicht man aber den 2025er-Haushalt, der erst wenige Wochen alt ist, mit dem 2024er-Haushalt, zeigt sich: Bei der Drogen- und Suchtaufklärung gibt es noch immer ein Delta von 1 Million Euro im Minus. Ich frage Sie: Wie passt es zusammen, dass der Gesundheitsetat des 2024er-Haushalts immer noch unter dem des 2025er-Haushalts liegt, während Sie gleichzeitig die Prävention und die Drogen- und Suchtpolitik so nach vorne stellen? Wie passt das mit den Kürzungen zusammen?
Sehr geehrter Herr Kollege, ich glaube, es ist nicht nur in meinen Ausführungen, sondern auch in den Ausführungen der Redner der Regierungsfraktionen klar zum Ausdruck gekommen, wie die Rahmenbedingungen sind, und die Rahmenbedingungen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren natürlich deutlich verändert.
Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 180 Milliarden Euro Schulden!
Ich halte es für ein richtiges Signal, dass wir die gerade angesprochenen Bereiche Frauengesundheit und Prävention zur Suchtmittelbekämpfung im Vergleich zum Vorhaushalt deutlich stärken.
Es geht vor allem um die betroffenen Personen. Aber es ist auch ein gesellschaftliches Thema. Deswegen halte ich es für richtig, diese Bereiche im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Rahmendaten, die wir vorgefunden haben, zu stärken.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass wir ein leistungsfähiges, verlässliches und gut zugängliches Gesundheitssystem vorhalten. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Apothekerinnen und Apotheker erwarten zu Recht, dass sie ihre Energie in ihre Arbeit stecken können und nicht in weitere Bürokratie stecken müssen. Auch deshalb wird es darum gehen, dass wir die klugen Köpfe in unserem Land von Bürokratie entbinden, damit sie nahe am Patienten und in der Forschung arbeiten können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns gemeinsam dafür arbeiten, dass Deutschland ein verlässlicher Ort der Gesundheitsversorgung bleibt, dass wir Spitzeninnovationen, die wir hier in unserem Land erforschen, auch auf den Markt bringen und dass wir die Forschungslandschaft im Gesundheitsbereich in Deutschland deutlich stärken. Dieser Haushalt bietet dafür die Rahmenbedingungen. Und natürlich entbindet das uns nicht von der Aufgabe, in den kommenden Jahren auch Strukturreformen anzugehen. Dazu ist die Regierung bereit. Wir werden diesen Haushalt für das BMG so beschließen.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Haushalt ist und bleibt ein Schuldenrausch. Die Bundesregierung plant 2026 mit Ausgaben von nun insgesamt 525 Milliarden Euro; das sind noch einmal 4 Milliarden Euro mehr als in der ersten Lesung. Wir sehen Kredite von fast 98 Milliarden Euro im Kernhaushalt; das sind 8 Milliarden Euro mehr als im ersten Entwurf geplant. Dazu kommen noch Milliardenkredite aus Sonderschulden für die Bundeswehr und die Infrastruktur; das sind 82 Milliarden Euro. Dies führt zu einer Gesamtneuverschuldung von 180 Milliarden Euro im Jahr 2026. Zusammengerechnet sind das über 34 Prozent der Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes. Das ist eine fiskalische Bankrotterklärung.
Eine Regierung, die Zukunft kauft, indem sie die Zukunft unserer Kinder verpfändet, hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit.
Wissen Sie, was ich glaube? Niemand. Diese Schulden sollen weginflationiert werden – zulasten der fleißigen Sparer.
Die Koalition rechnet trotz dieser Schuldenorgie nur mit reichlich 1 Prozent Wirtschaftswachstum. 34 Prozent Schuldenquote für 1 Prozent Wirtschaftswachstum: Wer so wirtschaftet, handelt gegen die Interessen der Bürger.
Das ist kein Zukunftsprojekt; das ist der Ausverkauf unseres Landes. Die jährliche Zinslast explodiert bis 2029 auf 62 Milliarden Euro jährlich. 2019, vor sechs Jahren, waren es noch 12 Milliarden Euro. Das ist eine Verfünffachung, eine Verfünffachung in nur zehn Jahren! Rechnen Sie das mal in die Zukunft! Das ist nicht nur Inkompetenz; das ist ein Angriff auf den Wohlstand unseres Landes.
Bei den aktuellen Haushaltsdefiziten steht Deutschland damit problemlos in einer Reihe mit nahezu bankrotten EU-Staaten wie Frankreich, Italien und Rumänien. Herzlichen Glückwunsch!
Kommen wir nun zu den Details.
Zum Bundeszuschuss zur GKV. Hier müssen wir uns endlich ehrlich machen. Die AfD beantragt eine Erhöhung des Bundeszuschusses um 4 Milliarden Euro – unter anderem für versicherungsfremde Leistungen – auf insgesamt 18,5 Milliarden Euro bzw. 20,8 Milliarden Euro unter Einbeziehung des Darlehens in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Das ist längst überfällig!
Zu Forschung und Entwicklung. Im Einzelplan 15 werden wir in 2026 rund 163 Millionen für Forschungsvorhaben und Forschungseinrichtungen ausgeben. Das sind etwa 41,5 Millionen Euro direkt für Forschung, Untersuchungen und ähnliche Ausgaben. Für die Long-Covid-Forschung und -Nachsorge sollen nun für die nächsten zehn Jahre 500 Millionen Euro ausgegeben werden. Frau Ministerin, ich möchte Ihnen einen Vorschlag für das Ministerium machen. Nehmen Sie diese Mittel auch, und setzen Sie sie dafür ein, um die Forschung zur Unterscheidung von Long Covid und Post-Vac voranzubringen!
und auch Frau Professor Dr. Scheibenbogen musste in der Enquete-Kommission „Corona“ einräumen, dass es in diesem Bereich keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt.
Ebenso fehlt es bei der Evaluierung der Wirkung der Covid-19-Impfstoffe nach Auskunft der Bundesregierung in Deutschland in zahlreichen Bereichen an Daten. Entweder können die Schnittstellen zur Datenübertragung nicht hergestellt werden, oder es werden manche Daten angeblich gar nicht erst erhoben. Statt Transparenz regiert in unserem Land die Angst vor der Wahrheit.
Für ein Land, in dem jedes Huhn beim Veterinäramt gemeldet werden muss – bei Androhung eines Zwangsgeldes von bis zu 50 000 Euro, wenn der Hühnerzüchter dies versäumen sollte –, sind diese Zustände einfach untragbar. Wenn der Staat beim Bürger jedes Detail kontrolliert, aber bei Impfstoffen plötzlich nichts mehr weiß, dann ist das kein Zufall, dann hat das System. Und Behörden, die ihre eigenen Daten zurückhalten, fürchten vor allem eins: Aufklärung.
Wenn die Coronamaßnahmen und die Impfungen wirklich so erfolgreich gewesen wären, würden wir heute mit validen Daten nur so bombardiert. Aber das ist leider nicht der Fall. Wer nichts verbergen will, der wird auch nichts schwärzen oder löschen. Deswegen rege ich an, die vollständigen Daten jetzt zu sichern und ergebnisoffen auszuwerten. Für diese Forschung fordern wir als AfD ausreichende Mittel. Es ist extrem wichtig, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen,
Gehen wir voran für eine Zukunft, in der ein offener Diskurs in der medizinischen Wissenschaft wieder zur Selbstverständlichkeit wird! Es liegt an Ihnen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Bundeshaushalt in zweiter Lesung und damit weit mehr als bloße Zahlen. Wir beraten über die Handlungsfähigkeit unseres Sozialstaates, über die Stabilität der Gesundheitsversorgung und über das Vertrauen der Menschen in politische Führung. Dieser Haushalt ist ein klares Bekenntnis: Wir investieren in Verlässlichkeit, in Zusammenhalt und in eine Gesundheitsversorgung, die allen offensteht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Doch zugleich erleben wir, wie herausfordernd diese Aufgabe sein kann. Der Bundesrat hat am 21. November beschlossen, den Vermittlungsausschuss zu den flankierenden Sparmaßnahmen des BEEP anzurufen. Auslöser war vor allem die geplante Aussetzung der Meistbegünstigungsklausel für Krankenhäuser.
Dieser Schritt wurde parteiübergreifend getragen: von unionsgeführten Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen oder Thüringen, vom grün geführten Baden-Württemberg und von sozialdemokratischen Ländern wie Hamburg oder mein Niedersachsen. Dieses breite Signal zeigt: Den Ländern ist die finanzielle Lage der Kliniken alles andere als egal. Und es zeigt ebenso: Das BEEP selbst steht nicht zur Debatte. Wir sind uns einig, dass Pflegekräfte mehr Kompetenzen brauchen, Verantwortung übernehmen sollen und Bürokratie abgebaut werden muss.
bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Nora Seitz [CDU/CSU]
Die Auseinandersetzung betrifft allein das sogenannte kleine Sparpaket, insbesondere die 1,8 Milliarden Euro Einsparungen bei den Krankenhäusern. Diese Maßnahmen sollten helfen, ein absehbares Defizit von rund 2 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahre 2026 zu schließen. Und lassen Sie mich das in aller Klarheit sagen: Diese Debatte ist beitragsrelevant, und sie ist zeitkritisch.
Wir brauchen bis zum 19. Dezember eine tragfähige Lösung. Die Kassen, aber auch die Beitragszahlerinnen und -zahler haben Anspruch auf Planbarkeit und Verlässlichkeit. Als SPD stehen wir zu unserer Verantwortung. Der Faktor Arbeit darf nicht weiter belastet werden. Wir wollen die Beitragszahlerinnen und -zahler in dieser schwierigen Zeit nicht zusätzlich belasten. Darum haben wir bereits Vorschläge vorgelegt, um das Sparpaket breiter und fairer aufzustellen, zielgenau und verursachergerecht.
Diese Instrumente entlasten Beitragszahlende und stabilisieren dennoch die GKV-Finanzen. Es gibt also Optionen. Man muss sie nur nutzen wollen.
Der Vermittlungsausschuss hat jetzt die Aufgabe, eine Brücke zwischen Bundestag und Ländern, zwischen finanzieller Realität und Versorgungssicherheit zu bauen. Und dafür braucht es Spielräume ohne Denkverbote. Wir müssen alle Möglichkeiten prüfen, um die Defizitlücke von 2 Milliarden Euro – ich wiederhole: 2 Milliarden Euro! – zu schließen, ohne die Kliniken einseitig zu belasten, aber ebenso ohne die Beitragszahlerinnen und -zahler zu überfordern. Doch eines bleibt ebenso klar: Kurzfristige Stabilisierung ersetzt keine strukturellen Reformen.
Die Krankenhausreform war ein erster großer und notwendiger Schritt. Sie schafft Transparenz, rückt Qualität ins Zentrum und löst uns endlich vom rein ökonomischen Mengendenken.
Jetzt müssen wir die Effizienzreserven heben, ohne die Versorgungsqualität aus dem Blick zu verlieren. Die längst überfällige Notfallreform muss folgen.
Und ich begrüße ausdrücklich, dass wir hier wieder in Bewegung kommen. Wir brauchen ein System, das Notaufnahmen entlastet, Zuständigkeiten klar sortiert und Menschen dorthin führt, wo sie die richtige Hilfe erhalten, ergänzt durch ein Primärarztsystem mit Termingarantie, das echten Nutzen stiftet und Versorgung steuert, ohne die Menschen zu bevormunden.
bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Hendrik Streeck [CDU/CSU]
Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Die kommenden Wochen werden zweifellos anspruchsvoll, aber sie bieten die Chance, die finanzielle Basis unseres Gesundheitssystems gerechter, stabiler und breiter aufzustellen.
Lassen Sie uns dieser Verantwortung gemeinsam gerecht werden – konstruktiv, lösungsorientiert und mit dem klaren Ziel, die solidarische Gesundheitsversorgung für alle Menschen dauerhaft zu sichern.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Aufstellung des Bundeshaushalts 2026 war eine Herausforderung. Und trotzdem möchte ich jetzt mit einem positiven Beispiel schließen.
Vor einigen Wochen war ich bei Lisa zu Hause. Lisa ist Anfang 20. Sie hat es geliebt, mit ihren Freundinnen auszugehen, Klavier zu spielen, im Chor zu singen, auf Reisen zu gehen, neue Länder und Kulturen zu entdecken oder sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren.
Sie merken: Ich habe das alles in der Vergangenheit aufgezählt. Lisa kann all diese Dinge seit Anfang 2021 nicht mehr tun. Lisa liegt mit 23 Jahren in ihrem abgedunkelten Kinderzimmer bei ihren Eltern zu Hause, während andere Mädels in ihrem Alter in einer WG mit Freundinnen Abend für Abend gemeinsam Pläne für die Zukunft nach der Ausbildung oder dem Studium schmieden.
Lisa leidet an ME/CFS oder auch dem sogenannten Postviralen Fatigue-Syndrom. Ihr Leben hat kaum noch etwas mit dem zu tun, was junge Menschen in ihrem Alter eigentlich erwarten dürfen: Ausbildung, Freunde, Zukunftspläne. Aber Lisa ist nicht allein. In Deutschland sind rund 650 000 Menschen davon betroffen. Diesen Menschen haben insbesondere wir von der Union auch in den letzten Jahren immer wieder versprochen, dass wir sie sehen und sie nicht vergessen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Umso mehr freut es mich, dass wir im Haushalt 2026 die Forschungsdekade gegen postinfektiöse Erkrankungen einläuten. Das ist nicht nur ein Signal, sondern auch ein Beweis, dass wir hier unser Versprechen einhalten und ins Handeln kommen. In den kommenden zehn Jahren werden Kräfte aus Wissenschaft, Forschung und Praxis gebündelt, mit dem Ziel, aus schweren, oft rätselhaften Erkrankungen wie ME/CFS, Long Covid oder auch dem Post-Vac-Syndrom möglichst bald gut behandelbare Krankheitsbilder zu machen. Eine halbe Milliarde Euro wird dafür in den kommenden Jahren investiert – ein starkes Bekenntnis zur Forschung an diesen Krankheiten, die oft im Verborgenen bleiben.
Ich möchte an dieser Stelle auch eine Lanze für die seltenen Erkrankungen brechen, die eben auch oft im Verborgenen bleiben. Rund 4 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer von rund 8 000 seltenen Erkrankungen. Das ist alles andere als selten. Diese Patienten und Patientinnen dürfen nicht am Rande unseres Gesundheitssystems verwaltet werden.
Hinter jeder Diagnose stehen ein Schicksal, eine Familie, ein Kampf um Anerkennung und Versorgung. Auch diese Menschen müssen wir weiterhin fest im Blick behalten.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Denn oft sind es bei seltenen und komplizierten Krankheiten nicht nur die Patientinnen und Patienten, deren Leben von Unsicherheit, ständigen Arztbesuchen und langen Wartezeiten für Diagnosen geprägt ist, sondern auch die Angehörigen, die tagtäglich pflegen, Trost und Unterstützung spenden und dafür oft ihre eigenen Bedürfnisse hintanstellen.
Zugleich ist die Forschung an seltenen Erkrankungen ein wichtiger Innovationsmotor für die gesamte forschende Industrie. Jede Erkenntnis, jedes neue Medikament kann Türen öffnen – vor allem die zu anderen Krankheitsbildern. Forschung lohnt sich immer, menschlich wie auch wirtschaftlich.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Doch sosehr Forschung und individuelle Versorgung unverzichtbar sind: Wir müssen in Zukunft ganzheitlicher denken, und das vor allem bei der Reform unserer Gesundheitsversorgung. Wir dürfen nicht erst ab dem Punkt denken, wo der Mensch bereits krank ist, sondern wir müssen schon weit vorher alles Notwendige tun, um eine grundsätzlich gesündere Gesellschaft zu haben. Prävention wird also auch angesichts steigender Ausgaben und immer komplexerer Versorgungsrealitäten gerade in einer älter werdenden Bevölkerung immer wichtiger. Menschen müssen so lange wie möglich mobil bleiben und sich selbst versorgen können; denn unser System beginnt schon jetzt langsam zu kippen. Hier müssen wir uns ehrlich machen und in Zukunft ein größeres Augenmerk darauf legen.
Deutschland gibt pro Kopf mehr Geld für Gesundheit aus als der EU-Schnitt, und trotzdem haben wir in unserem besonders teuren Gesundheitssystem keine besonders gesunde Gesellschaft. Prävention, Lebensstil und Eigenverantwortung sind entscheidend für eine gesunde Gesellschaft. Hier müssen wir mehr tun. Deshalb appelliere ich gleichzeitig an die Eigenständigkeit und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger; denn ein gesünderes Leben entsteht nicht durch Verbote, Abgaben und Verordnungen allein. Entscheidend sind Bildung, Aufklärung und gute Rahmenbedingungen, die einen gesunden Lebensstil fördern.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Zuschauer! Im Wesentlichen ist der Haushaltsentwurf des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen für das Jahr 2026 eine Fortschreibung aus dem Vorjahr.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle lobend anerkennen, dass mit den Änderungsanträgen der Regierungskoalition im Haushaltsausschuss Vorschläge und Anregungen der Opposition, auch von der AfD, zumindest teilweise aufgenommen wurden und nun in diesen Haushaltsplan eingeflossen sind. So wurden beispielsweise die Mittel für das Förderprogramm zum Genossenschaftswohnen bedarfsgerecht aufgestockt, und auch die von meiner Fraktion permanent angemahnte Stellenreduktion im Ministerium und in der Bundesverwaltung findet sich nun in diesem Haushaltsentwurf wieder. Dafür möchte ich mich auch im Namen der Menschen in unserem Land bedanken.
Nicht nachvollziehbar ist hingegen, warum auch in diesem Jahr wieder unser größter Kritikpunkt nicht angegangen wurde. Die Regierungskoalition möchte nach wie vor das Förderprogramm für den altersgerechten Umbau von Wohnraum auslaufen lassen und diesen nicht weiter fördern – und das, obwohl der Bedarf für dieses Programm mehr als gegeben ist; da waren sich alle Fraktionen und sogar das Ministerium in den Beratungen einig.
Als AfD-Fraktion haben wir Vorschläge unterbreitet, woher das Geld dafür genommen werden kann, um das Förderprogramm zum altersgerechten Wohnen durch die Nutzung von Einsparpotenzialen gegenzufinanzieren. Beispielsweise haben wir vorgeschlagen, an teuren und praxisfernen Modell- und Pilotprojekten des Ministeriums zu sparen. Statt mit Steuergeldern zu experimentieren, hätte dieses eingesparte Geld ganz praxisnah und bewährt dafür eingesetzt werden können, um Menschen in unserer Gesellschaft dabei zu helfen, ihren Wohnraum so an ihre Bedürfnisse anzupassen, dass sie auch im Alter in Würde in den eigenen vier Wänden leben können.
Die Bundesregierung hingegen lässt auch mit diesem Haushalt diese Menschen in Deutschland im Stich. Das ist unsozial.
Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]: So ein Schwachsinn! Lesen bildet!
📢
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]
Auch die Schaffung von selbstgenutztem Wohneigentum genießt bei der Regierungskoalition leider noch immer nicht den Stellenwert, der erforderlich wäre, um auch wohnungspolitisch den sozialen Problemen in unserem Land wie Altersarmut, aber auch Kinderarmut etwas entgegenzusetzen. Diese Regierung macht viel zu wenig, um bessere Rahmenbedingungen für eine spürbare Erhöhung der Wohneigentumsquote zu schaffen.
Die vergleichsweise gering dimensionierten Programme WEF und „Jung kauft Alt“ werden ambitionslos am Leben erhalten, mehr aber auch nicht. „Nur das Nötigste“ lautet hier die Devise der Regierungskoalition.
Gleiches gilt für die Wohnungsbauprämie. Die letzte Anpassung erfolgte im Jahr 2021. Seitdem fand keine Inflationsbereinigung dieser Prämie mehr statt. Die Baupreise sind in der Zwischenzeit um 40 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise um rund 16 Prozent. Da wirkt eine Haushaltseinkommenshöchstgrenze von 35 000 Euro im Jahr, um in den Genuss dieser Prämie zu kommen, etwas aus der Zeit gefallen.
Wir haben deshalb vorgeschlagen, die Wohnungsbauprämie zumindest an den Verbraucherpreisindex zu koppeln und entsprechend mehr Mittel im Haushalt zur Verfügung zu stellen. Das Ministerium hingegen möchte hier die entgegengesetzte Richtung einschlagen und die Wohnungsbauprämie im Jahr 2027 ganz abschaffen – ein fatales Signal an die jungen Menschen in unserem Land, die sich hier etwas aufbauen möchten.
Für uns als AfD ist deshalb klar: Für die Unterstützung der Menschen, die zu selbstgenutztem Wohneigentum gelangen wollen, muss mehr getan werden.
Kommen wir nun zur Städtebauförderung und zum sozialen Wohnungsbau. Die vom Ministerium und von der Regierungskoalition getragene Euphorie bei der Erhöhung der Mittel für die Städtebauförderung und im sozialen Wohnungsbau teilen wir nicht; denn was bei diesem Aufwuchs der Mittel durch den Bund gerne vergessen wird: All diese Förderprogramme setzen eine Kofinanzierung durch die Länder und Kommunen voraus. Schaut man sich allerdings die finanzielle Situation der Länder und Kommunen in Deutschland an, stellt sich die Frage, wie diese Kofinanzierung überhaupt gestemmt werden soll.
Der Freistaat Sachsen beispielsweise würde im Jahr 2026 9 Millionen Euro zusätzlich zu seinem bereits beschlossenen Haushalt benötigen, um seinen Anteil für die zusätzlichen Mittel im sozialen Wohnungsbau abrufen zu können. Die sächsische Landesregierung hat schon jetzt erklärt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, diese Mittel in dem aktuellen Sparhaushalt noch irgendwo zu finden. Und so geht es derzeit einigen Bundesländern. Die zusätzlichen Mittel werden also nur in den Bundesländern ankommen, die noch Geld übrig haben, und das sind leider die wenigsten.
Das Gleiche bei der Städtebauförderung. Es ist zwar schön, dass mit der neuen Programmscheibe Kommunen bei der Stadtentwicklung unterstützt werden sollen,
das sind aber dieselben Kommunen, die im letzten Jahrzehnt im Bereich Asyl, beim Wohngeld und bei vielen anderen Bundesgesetzgebungen von CDU- und SPD-geführten Bundesregierungen immer mehr Aufgaben aufgebürdet bekommen haben, bei der Ausfinanzierung aber im Regen stehen gelassen wurden.
Die Folge ist, dass laut dem Deutschen Institut für Urbanistik inzwischen rund zwei Drittel der Kommunen in Deutschland ihre finanzielle Situation als schlecht bewerten. Mit Blick auf die Zukunft gehen sogar 84 Prozent von einer weiteren Verschlechterung der Situation in den nächsten Jahren aus. Viele Kommunen schaffen es noch nicht einmal mehr, ihre kommunalen Pflichtleistungen auszufinanzieren. Woher sollen dann die Mittel zur Kofinanzierung der neuen Städtebauförderung kommen?
Was die Kommunen anstelle der zweckgebundenen Förderprogramme in den nächsten Jahren brauchen, sind mehr pauschale Zuschüsse. Nur so wird es den Kommunen ermöglicht, neben den Pflichtaufgaben überhaupt noch ein Minimum an kommunaler Selbstverwaltung zu verwirklichen.
Als AfD haben wir dazu einen sauber ausfinanzierten Vorschlag in die Haushaltsberatungen eingebracht. Solange diese pauschale, bessere Unterstützung der Kommunen nicht kommt, führt die derzeitige Förderpraxis dazu, dass die Teile Deutschlands, die ohnehin schon finanziell gut dastehen, in den Genuss weiterer Fördermittel vom Bund kommen, während die Länder und Kommunen, die jetzt diese Unterstützung am dringendsten bräuchten, mit ihren Problemen weiterhin alleingelassen werden.
Hier braucht es einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Förderpraxis – auch in diesem Ministerium – und nicht das Weiter-so, wie es sich in diesem Haushalt wiederfindet.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Dieser Haushaltsplan ist ein klares Bekenntnis: Der Bund investiert. In diesem Einzelplan sind es übrigens fast zwei Drittel der Mittel, die investiert werden, und dann kommt das Sondervermögen noch dazu. Unser zentrales Ziel ist, bezahlbaren Wohnraum in einem lebenswerten Umfeld für alle zu schaffen. Deshalb investieren wir in bezahlbares Wohnen, in den sozialen Zusammenhalt und in innovatives Bauen. Das ist der Kern dieses Haushalts.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Mit 4 Milliarden Euro investieren wir 2024 so viel in den sozialen Wohnungsbau wie noch nie zuvor – 500 Millionen Euro mehr als 2025! Insbesondere für Studierende und Auszubildende schaffen wir mit dem Programm „Junges Wohnen“ bezahlbaren Wohnraum. Wir setzen Anreize dafür, dass bereits fertig geplante Neubauprojekte endlich umgesetzt werden können, und stellen dafür 800 Millionen Euro zur Verfügung. Das haben wir im parlamentarischen Verfahren noch mal verändert.
Die UN hat 2025 zum Jahr der Genossenschaften erklärt, unter dem Titel „Genossenschaften bauen eine bessere Welt“. Ich muss sagen, da spricht mir die UN aus dem Herzen.
Genossenschaftliches Wohnen ist ein entscheidender Faktor für bezahlbares Wohnen; die Mittel haben wir deutlich erhöht. Und genossenschaftliches Wohnen ist eine Alternative zum Mieten und zum Wohneigentum. Es ist ein Modell für mehr Gemeinschaft, Solidarität und Nachhaltigkeit und deswegen ein wichtiger Schwerpunkt in diesem Haushalt.
Wir investieren mit diesem Haushalt in den Zusammenhalt. Die Städtebauförderung haben wir auf 1 Milliarde Euro erhöht. Denn lebenswerte Quartiere, funktionierende Nachbarschaften, Integration – all das ist möglich, wenn sozialer Wohnungsbau und Städtebauförderung Hand in Hand gehen.
Die Sportmilliarde geht weiter. Damit Sporthallen saniert werden können, stehen im nächsten Jahr 333 Millionen Euro zur Verfügung.
Jörn König [AfD]: Die Sportmilliarde ist ein Schwindel!
Und wir haben noch einen Teil für Schwimmbäder draufgepackt – 250 Millionen Euro –; denn ob man schwimmen kann, darf nicht vom Wohnort oder Geldbeutel abhängen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Es macht vor einer Rede durchaus Sinn, zu lesen, was im Haushaltsplan eigentlich steht. Denn damit Menschen im Alter zu Hause bleiben können, haben wir das Förderprogramm für altersgerechtes Wohnen wieder in diesem Haushalt verankert – ein echter Erfolg unserer parlamentarischen Beratungen. Dafür noch mal vielen Dank!
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Aber ich möchte noch mal auf ein anderes Thema eingehen. Die eigenen vier Wände müssen immer auch ein Ort der Sicherheit sein. 187 128 Frauen wurden im letzten Jahr in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. Jedes Jahr suchen Tausende Frauen Zuflucht in einem Frauenhaus. 150 Millionen Euro stellen wir in diesem Haushalt für die Sanierung von Frauenhäusern bereit, damit diejenigen, denen das eigene Zuhause keine Sicherheit bietet, eine verlässliche Zuflucht finden.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir investieren in diesem Haushalt in bezahlbares Wohnen, in den sozialen Zusammenhalt und in innovatives Bauen. Wir schaffen die Voraussetzungen, damit in Zukunft schneller, effizienter und klimafreundlich gebaut wird. Für das neue Bauforschungszentrum in Bautzen und Weimar, von dem wichtige Impulse ausgehen werden, stellen wir zum Beispiel 15 Millionen Euro bereit.
Sie sehen: Diesem Haushalt kann man guten Gewissens zustimmen. Das liegt übrigens auch an der guten Zusammenarbeit, die wir unter den Berichterstatterinnen und Berichterstattern hatten. Insbesondere möchte ich der Kollegin Mechthilde Wittmann von der CDU/CSU-Fraktion danken. Ich finde, wir haben da einiges hingekriegt.
Heiterkeit und Beifall bei der SPD und der CDU/CSU
Tatsächlich bin ich die Einzige, die hier über die Redezeiten bestimmt, Herr Kollege. Aber wir können ja noch mal darüber reden, wenn die Ministerin dran ist.
Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! „Große Worte, kleine Wirkung“ – so lautet das Fazit nicht von mir, sondern von der Journalistin Helene Bubrowski zur Arbeit des Bauministeriums. Ich finde, sie trifft damit genau den Nerv.
Jörn König [AfD]: Wie viele Häuser hat denn die Helene schon gebaut?
Von der Bau- und Wohnungswirtschaft über Mieterverbände bis hin zu Wissenschaftler/-innen und Bürger/-innen: Das ist momentan der Eindruck.
Zugegeben: Die Lage ist nicht einfach. Auf der einen Seite gibt es immer mehr Menschen, die verzweifelt eine bezahlbare Wohnung suchen: Alte, Studierende, Auszubildende, Familien, Alleinerziehende. Ein Kind willkommen heißen, das ist in den großen Städten derzeit der Garantieschein für Verdrängung. Goodbye, gewohntes Umfeld, nahe Freunde, Familie! In Berlin beispielsweise sind die Angebotsmieten in nur zweieinhalb Jahren um 42 Prozent gestiegen. Diejenigen, die fast die Hälfte ihres Einkommens für die Wohnung aufbringen, sind jetzt 25 Prozent mehr. 6 Millionen Mieter bundesweit stehen vor dem Finanzkoller. Wir haben jetzt immer mehr Überbelegungen von Wohnungen. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren Hunderttausende bezahlbare Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung herausgeflogen – soziale Krise mit Ansage!
Auf der anderen Seite gibt es trotz dieser dramatischen Wohnungskrise eine schockierende Bilanz im Neubau. Seit 2020 wurde sogar 25 Prozent weniger gebaut.
Frau Hubertz, Sie wollen den Bauturbo zünden. Aber große Worte werden eben schnell zu leeren Worten, wenn sie nicht zu den Taten passen. Ja, Sie haben die Mittel für den sozialen Wohnungsbau aufgestockt. Aber die 4 Milliarden Euro, die Sie stolz verkünden, decken eben nicht mal die steigenden Material- und Finanzierungskosten. Und ja, es bräuchte 100 000 Sozialwohnungen pro Jahr. Aber so reicht das Geld eben maximal für 50 000, also für die Hälfte, und auch nur dann, wenn es gut läuft. Es braucht ein Umdenken im System: mehr Mittel und mehr Nachhaltigkeit. Die neue Wohngemeinnützigkeit, die verhindern würde, dass jedes Jahr Zehntausende Wohnungen aus der Bindung heraus- und in die Spekulation hineinfallen. Damit eben endlich gilt: Einmal öffentlich gefördert, immer gemeinnützig und bezahlbar.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, kein Bauboom weit und breit! Die Sparkassen und Banken erwarten bis 2030 bestenfalls eine Seitwärtsbewegung bei den Immobilieninvestitionen: schwaches Wachstum, steigende Insolvenzrisiken. Statt für Wachstum durch zusätzliche Investitionen des Sondervermögens zu sorgen, verschieben Sie Investitionen aus dem Kernhaushalt ins Sondervermögen, hier rund 2 Milliarden Euro aus dem Kernetat. So werden Chancen aus dem Fenster geworfen.
Eine Bank aber zittert aus Sorge vor dem Antragsrun, und das ist die KfW. Sie wollen wieder das Programm zum marktgängigen Effizienzhaus-Standard 55 einführen. Das bedeutet Riesenmitnahmeeffekte und Milliardenrisiken. Mir ist völlig unverständlich, wie Sie nach dem erfolgreichen Stopp dieses Programms
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: „Erfolgreicher Stopp“?
die Förderung wieder losgehen lassen und die Fehler ein zweites Mal begehen wollen. Das rettet vielleicht manche Freunde von Ihnen aus der Immobilienlobby, die sich in der Niedrigzinsphase verspekuliert haben,
Wichtig wären stattdessen der Umbau und der Ausbau bestehender Häuser. Denn bereits gebaute Wohnungen sind immer noch die günstigsten. Aber in Ihrem Haushalt dazu: Fehlanzeige! Auch das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ steht zwar im Haushalt – und das auch schon länger –, aber bis heute gibt es kein Konzept, keinen Förderaufruf, nichts – ein verpasstes Potenzial
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Auch der groß angekündigte Bauturbo hilft nicht, schneller bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Gegenteil: Er ist ein Teuerturbo. Er verkürzt lediglich die B-Planverfahren, hilft also bei Bauten auf der grünen Wiese. Aber wir haben die Wohnraumkrise in den Städten, und genau da hilft er eben gar nicht.
Was sofort helfen würde, das ruht in Kommissionen – Mietrecht gegen Mietwucher, Mietpreisbremse, regionale Mietendeckel –, und deshalb galoppieren derweil die Mieten weiter. Und Friedrich Merz? Friedrich Merz findet die Kosten der Unterkunft zu hoch.
Immerhin, Frau Ministerin, Sie fühlen sich noch an die Klimaziele 2045 gebunden,
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Genau das ist das Problem!
und dafür auch von dieser Stelle noch mal ganz ausdrücklich herzlichen Dank! Mal schauen – heute Abend ist das Heizungsgesetz ja auch auf der Tagesordnung des Koalitionsausschusses –,
Esra Limbacher [SPD]: Kennen Sie die Tagesordnung?
wie lange das dann noch hält.
Aber wo bleiben die Pilotprojekte beispielsweise hinsichtlich grauer Energie, für Kreislaufwirtschaft statt Bauabfall? Wo kann man in Ihrem Haushalt nachlesen, wie viele Euro was zum Klimaziel beitragen? Auch da: komplette Fehlanzeige.
Ganz gestrichen haben Sie das Programm für die Anpassung an den Klimawandel. Dabei braucht es gerade jetzt in Zeiten extremer Hitzewellen und Überschwemmungen
Aber nicht nur, weil bald Weihnachten ist, möchte ich mit versöhnlichen Worten schließen. Es stimmt: Dieser Einzelplan ist in den Beratungen besser geworden. Danke, dass Sie auch Impulse von der Opposition aufgenommen haben. Es ist gut, dass es 250 Millionen Euro zusätzlich für Sportplätze und Schwimmbäder gibt; gut ist auch die Fortführung des Programms „Altersgerecht Umbauen“, auch die Aufstockung der Mittel für die Genossenschaften.
Insbesondere freue ich mich ganz ausdrücklich über die Fortführung des Programms für Frauenhäuser: 150 Millionen Euro. Das war überfällig. Ganz, ganz großes Dankeschön dafür!
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Ich darf die netten Worte quasi an den Anfang stellen und darf uns allen dafür zunächst einmal einen Glückwunsch aussprechen, dass wir, wie ich finde, einen hervorragenden Haushalt aufgestellt haben. Das dürfte einer der besseren Einzelpläne sein, der in diesem Haushaltsverfahren verabschiedet wurde. Und wir haben einen voll investiven Haushaltsplan aufgestellt. Deswegen bin ich gemeinsam mit Ihnen, Herr Stüwe, wirklich dankbar und stolz, wie gut wir das hingebracht haben, und möchte auch Ihnen, liebe Frau Ministerin, ebenfalls quasi nachträglich zum Geburtstag schenken, dass wir alle sehr stolz sind auf dieses Miteinander. Und falls es nachher mit der Zeit nicht mehr reicht: Ihnen jetzt auch alles Gute für die nächsten Wochen und Monate. Wir freuen uns, wenn Sie wieder da sind; denn mit Ihnen kann man gut arbeiten, Frau Ministerin.
Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Worüber reden wir? Wohnen ist eben nicht einfach nur ein Dach über dem Kopf. Ich sage es jedes Mal: Es ist existenziell für jeden Bürger in unserem Land, und deswegen ist es für ihn interessant, was wir heute machen mit diesem Etat, der eben auf 7,7 Milliarden Euro anwachsen konnte und zusätzlich eine knappe Milliarde Euro aus dem KTF bekommt und noch einmal 3,4 Milliarden Euro aus dem SVIK.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist reines investives Material, das wir Ihnen hier auf den Tisch legen.
Felix Schreiner [CDU/CSU]: Wir zünden den Bauturbo!
– jetzt spricht mir mein PGF schon vor – mit dem gezündeten Turbo, mein lieber Kollege, haben wir die Planungs- und Genehmigungsprozesse eben schon vorher darauf vorbereitet und daraufhin verschlankt, dass dieses Geld auch direkt gleich an den Mann kommt und man nicht warten muss, dass wir rechtlich nachsteuern. In diesem Fall ist es gelungen, die richtige Reihenfolge einzuhalten, und deswegen wird es gelingen, dass wir das auch in Ziegel umwandeln.
Und, lieber Herr Kollege Stüwe – aber das war wirklich fraktionsübergreifend –, wir mussten keine zwei Sätze verlieren, um uns einig zu sein, dass wir den altersgerechten und barrierefreien Umbau weiterführen wollen. Das ist ein wichtiges Signal an die Menschen. Es ist eben das Signal, dass sie in ihren Wohnungen bleiben können, wenn sich Lebensumstände teilweise weniger glücklich, sondern eher dramatisch ändern, dass sie, wenn es schwierig wird, ihre Heimat nicht verlieren; denn, wie ich vorhin gesagt habe, dieses Dach über dem Kopf ist so viel mehr, es ist eben auch Schutz. Darum danke ich ganz herzlich, dass das gelungen ist.
Wir konnten uns dann auf weitere Dinge konzentrieren. Ich nenne für uns gerne die Wohnungseigentumsförderung für Familien. Sie wissen, das ist von uns deswegen ein Steckenpferd, weil wir der festen Überzeugung sind, dass wir, ja, im Sozialwohnungsbereich viel machen müssen, damit Menschen überhaupt wohnen können, es sich leisten können. Aber noch lieber gehen wir dann rüber und schauen: Wie kann es gelingen, dass diese auch in ein kleines Eigentum investieren können? Es ist für sie Zukunftssicherung. Es ist auch gesellschaftlicher Zusammenhalt. So etwas macht selbstbewusst, so etwas gibt auch etwas her an die Gesellschaft. Dafür haben wir die Mittel nun wieder deutlich aufgestockt. Dafür bin ich dankbar. Auch da waren wir uns schnell einig: Jede junge Familie mit kleinem oder mittlerem Einkommen soll zumindest in Sicht haben, dass es gelingen kann, sich Wohlstand und Sicherheit zu schaffen, eine Zukunft für die Kinder zu schaffen, sodass sie gut wohnen können.
Und Sie haben ja richtigerweise hohe Baukosten, hohe Finanzierungskosten angesprochen. Auch da werden wir in anderen Haushalten darüber reden müssen, dass wir die Regulierungen ein bisschen runterbekommen, dass auch die Finanzierungen wieder besser gehen, dass diese jungen Familien eben ein Dach über dem Kopf haben, das ihr Eigen ist. Und einfach ein kleiner Nebeneffekt, den wir alle kennen: Wer ein Eigentum abzahlen muss, der kommt nicht in Versuchung, nicht zu arbeiten,
Katalin Gennburg [BÜNDNIS 90/Die Grünen]: Ach! Das ist ja wohl unfassbar!
sondern der wird Leistung bringen und wird beitragen und wird aus diesem Grund heraus seine Existenz sichern wollen.
Lassen Sie mich an dieser Stelle an unsere Kommunen denken: Jawohl, wir haben diese Sportmilliarde aufgelegt, und wir haben sie nicht nur versprochen, sondern wir haben diese Sportmilliarde noch einmal vergrößert. Wir kennen unsere Kommunen. Wir wissen, dass sie davon leben, dass Vereinsleben und Sporttreiben sie zusammenhält, zueinander führt und zu einem guten Miteinander führt. Und wir wissen, dass sie größere finanzielle Herausforderungen haben als früher. Und dem begegnen wir, indem wir zumindest das, was für jeden einzelnen Bürger gut ist, auch noch einmal versuchen zu fördern, nämlich die Sanierung der kommunalen Sportstätten und der maroden Schwimmbäder, die es teilweise gibt. Und da weise ich heute schon darauf hin: Es muss nicht jedes kleine Dorf ein Schwimmbad haben. Aber wenn wir alle ein erreichbares Schwimmbad irgendwo gut und sicher finanziert haben, dann haben wir gewonnen; das ist es, was unsere Kommunen brauchen.
Vielen Dank. – Frau Kollegin Wittmann, dass wir uns bei der Frage der Eigentumsförderung nicht einig werden, ist klar. Wir sind als Linke der Auffassung: Öffentliches Geld für öffentliches Eigentum und soziale Bindungen,
Jörn König [AfD]: So etwas gibt es gar nicht! Das gibt es gar nicht!
Sagen Sie das auch den Leuten, die gerade – nehmen wir mal die Autoindustrie oder irgendeine andere Industrie, in der gerade die Leute gekündigt werden – ihren Arbeitsplatz verloren haben?
Finden Sie das nicht unverfroren, dass Sie hier in den Raum stellen, die Leute würden nicht arbeiten wollen für ihre Miete, und deswegen bräuchte es Eigentum, damit es ein Anreiz ist? Ich muss sagen, mich empört diese Aussage zutiefst, und ich möchte von Ihnen noch einmal dargelegt haben, welchen Sinnzusammenhang Sie hier eigentlich herstellen, dass Leute für Ihr Eigentum dann anders angespornt werden, sich auf einem Arbeitsmarkt, der die Leute gerade so massiv alleinlässt, –
Sehr verehrte Frau Kollegin, erstens benutze ich anderen Kollegen gegenüber das Wort „unverfroren“ niemals. Das tut man nicht. Zweitens. Sie haben meine Worte manipulierend und falsch wiedergegeben. Auch dieses tut man nicht im parlamentarischen Betrieb.
Ich habe etwas gesagt, wozu ich zu 100 Prozent stehe, im Gegensatz zu dem, was Sie gerade wieder Falsches von sich gegeben haben. Eine hundertprozentige Mieterhöhung gibt es nicht. Völlig ausgeschlossen!
Die Kenntnis der Rechtslage würde manchmal helfen, und die findet man im Gesetzbuch. Und wenn Sie lesen, dann haben Sie eine gute Chance, dass Sie die Dinge durchdringen können. So.
Katalin Gennburg [DIE LINKE]: Aber Sie kennen sich aus!
– Davon können Sie mal ausgehen, dass ich mich auskenne. Ich habe einen Beruf erlernt, vollzogen und führe ihn auch aus. So, und ich verdiene damit auch mein Geld.
So, meine sehr verehrten Damen und Herren, und ich habe etwas gesagt, wozu ich zu 100 Prozent stehe. Zu 100 Prozent! Jemand, der sich Wohneigentum mit Finanzierung angeschafft hat, der hat tatsächlich einen erhöhten Anreiz, dieses unbedingt behalten zu wollen und dafür zu arbeiten. Diese Menschen arbeiten hart. Meistens arbeiten beide, damit sie das für die Kinder erwirtschaften können,
weil sie unbedingt selbstständig, weil sie unabhängig sein wollen.
Und öffentliche Gelder, gnädige Frau, öffentliche Gelder müssen erwirtschaftet werden, und zwar von Menschen, die dafür arbeiten. Und das ist unser Standpunkt.
Zuruf von der AfD: Das verstehen die Linken nicht!
Menschen arbeiten, und mit dem Anteil, den sie uns im Zuge hoher Steuerlast überlassen, müssen wir verantwortlich umgehen und ihnen auch was zurückgeben, damit sie auch eine Chance auf Eigentumsbildung haben. Und das ist meine feste Überzeugung.
Meine Damen und Herren, ich war bei dem schönen Thema Sportmilliarde und wollte meinen Kommunen, meinen Vereinen und allen noch zurufen: Die Bewerbungsfrist läuft schon seit 10. November 2025, und am 15. Januar 2026 machen wir die erste Runde zu. Bewerben Sie sich ganz heftig, damit wir wirklich viele schöne Angebote haben, an die wir es geben können.
Aber kommen wir noch einmal zu einem etwas nüchternerem Thema: Gewerbe-zu-Wohnen ist etwas, was wir uns auch auf die Fahnen geschrieben haben, und hierbei müssen wir rechtlich nachsteuern, damit wir es gut hinbekommen. Wir haben dafür 300 Millionen Euro ins Programm eingestellt, weil wir den Leerstand der Gewerbeimmobilien kennen und weil wir genau das wollen. Nachhaltigkeit bedeutet: Nutzen, was schon auf Grund und Boden steht, umnutzen, wenn es geht. Übrigens sollte es auch in die andere Richtung möglich sein, wenn es einmal dort notwendig ist. Wir glauben, dass das Umwandlungspotenzial mit mindestens 60 000 Wohnungen hier kein ganz Geringes ist. Ich glaube, es ist eine gute Idee, was wir hier ins Leben gerufen haben und am Leben halten.
Lassen Sie mich kurz noch auf die weiteren Bausteine eingehen. Ich bin sicher, ich habe einen Kollegen, der gern auch noch mal EH55 aufgreift. Was haben wir noch gemacht?
Wir haben – der Kollege Stüwe hat es wirklich sehr empathisch ausgedrückt – 150 Millionen Euro für die Sanierung der Frauenhäuser auf den Weg gebracht. Es war eine gute Idee, hier und da ein bisschen abzuschneiden, um diese Frauenhäuser fördern zu können. Die Frauen haben weiß Gott unsere Unterstützung und den Schutz verdient.
Wir haben 1 Milliarde Euro für die Städtebauförderung zur Verfügung gestellt.
Wir haben die Programme „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ bzw. „Klimafreundlicher Neubau“ und „Jung kauft Alt“ verstetigt. Kurz und gut: Wir haben jede Menge auf den Weg gebracht. Wir sind gut unterwegs mit diesem Haushalt.
Vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben. Lassen Sie uns ihn jetzt auch in die Tat umsetzen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wohnen ist kein Luxus, Wohnen ist ein Grundrecht. Und doch erleben wir tagtäglich, wie dieses Grundrecht ausgehöhlt wird. Die Mieten explodieren – längst auch in den ländlichen Regionen –, und das zwingt die Bürgerinnen und Bürger, einen immer größeren Teil ihres Einkommens für ihr Dach über dem Kopf auszugeben. Deshalb ist es zwar zu begrüßen, dass Sie nun 500 Millionen Euro mehr in den sozialen Wohnungsbau stecken wollen. Das löst aber noch lange nicht das Problem, dass jährlich mehr Wohnungen aus der Sozialraumbindung herausfallen, als neue gebaut werden.
Kurzum: Es fehlt Ihrer, wie auch schon den Regierungen zuvor, ein wirkliches Konzept. Ein Konzept, wie Sie die steigenden Baupreise in den Griff bekommen wollen, aber auch ein Konzept, wie Sie die stetig steigenden Mieten in den Griff bekommen, was längst auch die Mittelschicht in Bedrängnis bringt. Das ist im Übrigen auch ein Problem für die deutsche Wirtschaft. Jeder Euro, der in die Taschen von Vermietern fließt, kann nicht mehr für andere lebenswichtige Dinge ausgegeben werden. Auch nicht mehr für den klassischen Konsum.
Jetzt – da müssen Sie, Frau Wittmann, ganz tapfer sein – kommen wir zur Sportmilliarde. 1 Milliarde Euro möchte der Bund für die Sanierung von Sportstätten zur Verfügung stellen. Zum Verständnis: nicht im nächsten Jahr, sondern in dieser Wahlperiode. Laut DOSB beträgt der aktuelle Sanierungsbedarf für alle deutschen Sportstätten jedoch mindestens 31 Milliarden Euro. Allein anhand dieser Zahl sollte das Missverhältnis zwischen Fördergeldern und tatsächlichem Bedarf deutlich werden.
Wenn wir jetzt noch berücksichtigen, dass es deutschlandweit über 230 000 Sportstätten für den Spitzen- sowie Breitensport gibt, bleiben pro Sportstätte nicht einmal 5 000 Euro übrig. Das ist nicht einmal annähernd das, was die Kommunen, die für circa zwei Drittel der Sportstätten die Verantwortung tragen, für marode Hallen, sanierungsbedürftige Sportplätze oder Schwimmbäder brauchen.
Und dann frage ich mich auch ernsthaft, wann der Bundesregierung endlich mal aufgeht, dass kommunale Eigenanteile ein absolutes Investitionshemmnis für viele Kommunen darstellen. In meinem Heimatland NRW konnten im letzten Jahr nur 16 von 427 Kommunen einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Und jetzt legen Sie ein Förderprogramm auf, welches den Eigenanteil für Kommunen in Haushaltsnotlage auf 25 Prozent festsetzt? Im Ernst? Gerade im Breitensport geht es doch auch nicht um Luxus, sondern um eine Grundversorgung für die Bürgerinnen und Bürger: sichere Hallen für den Schulsport, funktionierende Plätze für Vereine, barrierefreie Anlagen, moderne Licht- und Heiztechnik.
Die Sportmilliarde ist nicht nur unterdimensioniert, sondern unambitioniert und der Bedeutung des Sports nicht angemessen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir werden in dieser Woche einen 7,7 Milliarden Euro starken Haushalt für den Bereich Bauen und Wohnen verabschieden. Das ist eine Rekordsumme in der Geschichte des Bauministeriums. Und die braucht es auch, um unser wichtigstes Ziel zu erreichen: dass Wohnen in Deutschland wieder für alle bezahlbar wird.
Die Herausforderungen – ich glaube, da sind wir uns hier unisono einig – sind enorm: hohe Baukosten, hohe Finanzierungskosten, zu viel Bürokratie. Und die Zahl der fertiggestellten Wohnungen wird auch in diesem Jahr rückläufig sein. Aber die letzten Monate haben gezeigt: Wir haben Ideen, und wir haben einen Plan. Und was wir gemeinsam in der Koalition hinbekommen haben, stimmt mich positiv. Wir kämpfen dafür, dass Mieterinnen und Mieter wieder aufatmen können und auch der Traum vom Eigenheim wieder lebt.
Als ich vor knapp sechs Monaten das Amt der Bundesbauministerin übernommen habe, hatte ich großen Tatendrang, große Ungeduld, die Dinge voranzubringen,
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Drei Beispiele.
Wir stellen insgesamt 800 Millionen Euro für die EH55-Plus-Förderung zur Verfügung. Über dieses Programm können Häuslebauerinnen und Wohnungsbauer ein Darlehen von bis zu 100 000 Euro bekommen, und das zu richtig guten Konditionen. Damit sorgen wir jetzt sehr kurzfristig dafür, dass bereits genehmigte Projekte, für die also Baugenehmigungen erteilt wurden, endlich auch gebaut werden können. Unsere Rechnung ist: Allein mit dieser Maßnahme entsteht eine hohe fünfstellige Zahl an neuen Wohnungen, und die werden auch dringend gebraucht.
Dabei gilt: „E“ wie „einfach“. Und: Weniger ist mehr. Wir müssen nicht immer elektrische Fenster nutzen, wenn wir auch auf Kipplüftung setzen können. Es braucht vielleicht auch keine Tiefgarage, wenn es einen Stellplatz vor der Tür gibt. Und wir können auch auf Schnickschnack und extradicke Wände verzichten, damit wir schneller bauen und damit wir endlich wieder günstiger bauen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Mit dem Bauturbo geben wir den Kommunen ein neues, mutiges Instrument an die Hand, damit sie schneller genehmigen können, damit schnell und einfach aufgestockt, nachverdichtet, umgenutzt oder angebaut werden kann. Wir gehen hier mit der Brechstange an überbordende Bürokratie.
Das alles ist in kürzester Zeit verhandelt und beschlossen worden.
Jörn König [AfD]: Nach 27 Jahren SPD-Regierung wird jetzt Bürokratie abgebaut!
📢
Weiterer Zuruf von der AfD: Ja, fantastisch!
Wir zeigen damit, dass diese Koalition beim Bauen und Wohnen Mut und Kraft hat, Ideen umzusetzen und vor allen Dingen schnell auch neue Wege zu gehen. Und so machen wir auch weiter.
Nein, jetzt nicht. – Diese Koalition hat auch engagierte Parlamentarierinnen und Parlamentarier, und ich komme zu einem großen Dankeschön. Kaum jemand außerhalb des Haushaltsausschusses hat, glaube ich, eine Vorstellung davon, wie es ist, so einen Haushalt aufzustellen: unzählige Telefonate, lange Nächte und vielleicht die Einigung erst morgens um 5 Uhr. Dieses Mal, liebe Haushälterinnen und Haushälter, lieber Ruppert Stüwe, liebe Mechthilde Wittmann, mussten Sie das in kürzester Zeit gleich zweimal machen. Und ich möchte mich ausdrücklich bedanken für die konstruktive und immer gute Zusammenarbeit: Herzlichen Dank dafür!
Es ist mir auch ein Anliegen, den Mitarbeitenden meines Ministeriums an der Stelle zu danken; denn all das Ganze geht mit viel Arbeit einher. Kurzfristige Vorlagen, ob für das Finanzministerium oder den Haushaltsausschuss, das geht nur im Teamplay und mit einer Zusammenarbeit im ganzen Haus.
Die werde ich jetzt auch nicht beantworten; denn ich war gerade dabei, den Mitarbeitenden in meinem Haus zu danken, und ich denke, das kann ich auch für Sie alle hier im Namen des Plenums tun: Danke für Ihre Leistung, danke für Ihren Einsatz!
Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Dafür reicht es, um Danke zu sagen! Aber im Parlament den Diskurs zu pflegen, geht nicht!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir arbeiten doch jetzt alle mit Hochdruck daran, dass es bald besser wird, und die guten Nachrichten der letzten Tage und Wochen ermutigen uns: Die Kreditwirtschaft zieht an. Die Zahl der Baugenehmigungen ist wieder gestiegen, um 60 Prozent im September im Vergleich zum Vorjahr. Auch das Bauhauptgewerbe meldet in dieser Woche ein kräftiges Auftragsplus.
Jetzt gilt es, nachzulegen. Nach dem Bauturbo, nach EH55 Plus, nach einem starken Haushalt und dem Gebäudetyp E zerschlagen wir jetzt den nächsten Knoten bei der BauGB-Novelle. In diesem Spirit machen wir weiter: mit Ideen, mit Kraft, mit Mut und auch langem Atem, damit wir wieder mehr bauen, günstiger bauen und auch besser zusammenleben.
Dr. Carolin Wagner [SPD]: Sie sind ein Frauenhasser!
📢
Jürgen Coße [SPD]: Deswegen melden Sie sich?
📢
Esra Limbacher [SPD]: Bei ihm ist es auf jeden Fall gesichert!
Dafür wurde mir dann vorgeworfen, ich wäre frauenfeindlich. Nein, ich sage Ihnen: Ich nenne Inkompetenz Inkompetenz; das mache ich auch bei Herrn Klingbeil. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.
Und jetzt eine zweiteilige Frage: Wann werden Sie es abschaffen? Der zweite Teil der Frage ist: Mit wie vielen neuen Wohnungen dürfen wir denn nächstes Jahr rechnen?
Herr Kollege, ich bin immer dankbar für sachliche Rückfragen. Aber ich würde mir doch am Anfang erbitten, dass Sie Ihre persönliche Bewertung von Kolleginnen oder Kollegen vielleicht ein bisschen zur Seite stellen. Wir sollten uns hier alle miteinander mit Respekt begegnen, etwas, was Ihrer Fraktion aber besonders schwerfällt.
Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Wir diskutieren ja heute nicht über das Gebäudeenergiegesetz. Aber ich kann Ihnen verraten, wie ich es schon in der Regierungsbefragung getan habe: Mit meiner Kollegin Katherina Reiche habe ich vereinbart, dass wir diese Debatte nicht nur konstruktiv miteinander führen, sondern auch mit Hochdruck an pragmatischen, technologieoffenen Lösungen arbeiten. Und dabei bleibt es auch.
Zu Ihrer Anfrage zum Wohnungsneubau. Wir sind natürlich dabei, die Dinge umzusetzen und die auch mit EH55 Plus, wie eben skizziert, jetzt schnell zu aktivieren. Da können Sie sich dann bald mit den Daten auseinandersetzen. Erst mal schließen wir dieses Jahr ab. Das wird hart. Damit es nächstes Jahr besser wird, gehen wir jetzt miteinander und mit Tatkraft den Weg nach vorne.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wie entzaubert man am schnellsten einen Sozialdemokraten? Ganz einfach: Man gibt ihm Verantwortung, zum Beispiel im Bauministerium.
Esra Limbacher [SPD]: Wenigstens haben die noch kein Strafverfahren gehabt, so wie Sie!
Wann immer die SPD die große Bauwende ankündigt, kann man sicher sein: Es wird nichts draus.
Wir erinnern uns: Bauen, bauen, bauen! – Mit diesem Versprechen ist Frau Hubertz angetreten. Nichts erfülle sie mit mehr Freude, als dafür zu sorgen, dass die Bagger endlich wieder rollen. Es brauche jetzt Tempo, um eines der größten Probleme unseres Landes zu lösen.
Das war im Mai. Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen. Sie haben es gerade gesagt: Vor sechs Monaten waren Sie noch voller Tatendrang. – Davon ist heute nichts mehr zu erkennen, der versprochene Aufbruch ist völlig ausgeblieben. Bagger und Kräne stehen still, die Auftragslage ist schlecht, die Zahl der Insolvenzen steigt. Kurzum: Die Baukrise hält an.
Dabei war ja unsere Ministerin mit allerlei Vorschusslorbeeren ins Amt gestartet. Als junge Powerfrau wurde sie gepriesen, die neue Impulse im Wohnungsbau setzen werde. Mittlerweile ist es still geworden um die Baggerbeschwörerin Hubertz.
Die Entzauberung der Ministerin erfolgte rascher als der Bauturbo. Aber so ist das nun mal, wenn substanzloses Wunschdenken auf die harte Realität trifft.
Zuruf von der SPD: Sie kennen sich nur mit russischen Bauweisen aus! Das geht doch hier aber nicht!
Für eine echte Wende in der Baupolitik braucht es eben mehr als ein nettes Lächeln und ein paar PR-Floskeln. Warme Worte bauen keine Häuser, und in Luftschlössern kann man nicht wohnen, meine Damen und Herren.
Doch von der Realität lassen sich die Sozialdemokraten – dafür sind Sie ja das beste Beispiel – sowieso nicht irritieren. Was macht der Genosse, wenn er keinen Beifall beim Volk mehr erhält? Er beklatscht sich selbst, wie man auf dem Tiktok-Kanal von Ministerin Hubertz bewundern darf.
Während immer mehr verzweifelte Bürger da draußen überhaupt nicht mehr wissen, wie sie eine bezahlbare Wohnung finden sollen, applaudiert sich die Ministerin kichernd selbst, weil sie den Glauben an sich nicht verliert. Eindrucksvoller kann man überhaupt nicht zeigen, wie abgehoben man hier durch die Berliner Blase stolpert, meine Damen und Herren.
Esra Limbacher [SPD]: Da klatschen noch nicht mal Ihre eigenen Leute!
Entsprechend vernichtend fällt auch das Urteil der Experten aus: Die Stimmung hat sich erneut verschlechtert. „Wir sind wieder auf dem Abwärtstrend“, sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.
„Neubau rechnet sich nicht mehr“ bringt es der Vorstandschef von LEG-Wohnen von Lackum noch drastischer auf den Punkt. Doch anstatt endlich mal ranzugehen, dreht Ministerin Hubertz lieber peinliche Klatschvideos im Reichstag.
das die Union im Wahlkampf ja noch großspurig abschaffen wollte. Im Koalitionsvertrag hieß es dann nur noch, man wolle es novellieren. Und nun droht unsere Ministerin, sie werde das Heizungsungetüm neu erschaffen, dem Monster also neues Leben einhauchen. Aus Habecks Heizungshammer wird Hubertz Heizungshammer werden; da ist man sich bei der SPD ja schon einig. Deswegen hat Umweltminister Schneider auch unlängst festgelegt: Das Gebäudeenergiegesetz werde im Grundsatz genau so bestehen bleiben.
Man darf also gespannt sein, wer sich in dieser Frage durchsetzt: SPD oder Union? Aber nach allen bisherigen Erfahrungen mit Ihnen, meine Damen und Herren von der Union, ist davon auszugehen, dass Sie sich wieder von der SPD am Nasenring durch die Manege führen lassen werden und dass am Ende des Tages wieder der Schwanz mit dem Hund wedelt.
Für den Machterhalt von Friedrich Merz mag es ja ein Segen sein, dass Sie sich in keinem einzigen Punkt in der Koalition durchsetzen. Für unsere Bürger da draußen ist es eine Katastrophe; denn unsere Bürger dürfen sich leider keine Hoffnung machen, dass die Nebenkosten sinken und dass Heizen endlich wieder bezahlbar wird. Doch für unsere Bürger da draußen interessieren zumindest Sie von der Sozialdemokratie sich sowieso nicht. Wo früher Wehner, Schmidt oder Schröder saßen, klatschen heute Klingbeil, Bas und Hubertz: fachfremd, weltfremd und zum Fremdschämen.
Der nicht gerade als konservativ verschriene Journalist Stephan Anpalagan hat schon Anfang des Jahres beschrieben, warum die SPD so abgestürzt ist. Der Titel seiner Analyse: „Wie die SPD über Jahrzehnte ihr eigenes Grab schaufelte“. Seitdem haben Sie von der SPD leider nichts dazugelernt, im Gegenteil: Sie, Frau Ministerin Hubertz, baggern fröhlich weiter mit.
Grüß Gott, Frau Präsidentin! Meine werten Kolleginnen und Kollegen! Bauen ist ein Booster: ein Booster für Investitionen, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze, ein Booster für bezahlbare Mieten und gesellschaftlichen Frieden und ein Booster für finanzierbares Eigentum und solide Altersvorsorge. Bauen ist von zentraler Bedeutung für unser Land. Wir wollen, dass jede und jeder gut, gerne und bezahlbar dort wohnen kann, wo er will. Das ist unser zentrales Ziel. Und wir liefern als schwarz-rote Koalition.
Der Bauetat wächst erheblich auf und ist jetzt mit rund 13 Milliarden Euro so groß wie nie zuvor. On top kommen 4,3 Milliarden Euro an zusätzlichen Programmmitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds und aus dem Sondervermögen. Wir starten eine Investitionsoffensive im privaten und öffentlichen Wohnungsbau und stärken auch die kommunale Infrastruktur. Wir setzen wichtige Impulse für mehr Bauaktivität und bezahlbaren Wohnungsbau. Unsere Koalition wirkt. Sie steht für Verlässlichkeit und Zukunftssicherheit. Und das ist der Unterschied, den diese Koalition ausmacht.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Viele Fördermittel, gerade im privaten Wohnungsbau, werden aufgestockt und verstetigt. Sie sind im Sondervermögen angelegt. Das ist gut so; denn die Programmmittel sind überjährig und flexibel einsetzbar. Das sorgt für Planungssicherheit gerade beim Bauen.
Und wir stärken den sozialen Wohnungsbau: 2026 stehen 4 Milliarden Euro bereit, bis zum Jahr 2029 23,5 Milliarden Euro – echte Rekordinvestitionen! Damit unterstützen wir Länder und Kommunen dabei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dabei ist es uns auch wichtig, Familien mit Kindern, die sich ein eigenes Heim schaffen wollen, unter die Arme zu greifen. Dies tun wir mit dem Programm zur Wohnungsförderung für Familien oder auch mit dem Programm „Jung kauft Alt“. Entsprechende Millionenbeträge stehen bereit.
Und wir führen das Programm für barrierefreien und altersgerechten Umbau wieder ein. Auch dies ist ein wichtiger Schritt für selbstbestimmtes Wohnen im Alter und bei besonderem Unterstützungsbedarf.
Emmi Zeulner [CDU/CSU] und Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]
Meine sehr verehrten Damen und Herren, 800 Millionen Euro stellen wir für den Abbau des Bauüberhangs bereit, indem wir den EH55-Standard wieder förderfähig machen. Das freut mich persönlich sehr; denn wir haben uns als Union dafür eingesetzt, dass dieser Standard wieder förderfähig wird. Der Bau von Wohnungen wird so einen erheblichen Schub erfahren. Projekte, die geplant waren, aber nicht fertiggestellt wurden, können jetzt endgültig angegangen werden.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Das ist richtig an dieser Stelle. Wir tun dies als Koalition und gewinnen dabei auch verlorengegangenes Vertrauen zurück; denn gerade Bauherren, die auf eine Förderung vertraut hatten und dann wegen des Förderstopps, der zu Ampelzeiten abrupt kam, in die Röhre guckten, unterstützen wir jetzt und setzen damit auch ein neues Signal für Verlässlichkeit und Vertrauen.
Und wir investieren in die kommunale Infrastruktur. Mit der Sportmilliarde stellen wir in den nächsten Jahren erhebliche Mittel für die Sanierung kommunaler Sportstätten zur Verfügung. Zusätzlich nehmen wir 250 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder in die Hand. Damit helfen wir unseren Kommunen dabei, ihre Sportstätten wieder auf Vordermann zu bringen. Dies ist ein wichtiger Beitrag für die Stärkung des Breitensports und vor allem auch für die Stärkung des sozialen Zusammenhalts über alle Generationen hinweg.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Für die Städtebauförderung steht 1 Milliarde Euro bereit. Unser Ziel ist es, die Städtebaumittel bis 2029 insgesamt zu verdoppeln. Das tun wir, weil wir lebendige und lebenswerte Ortskerne, Quartiere und Stadtteile wollen. Deshalb unterstützen wir unsere Kommunen und Städte in diesen Bereichen sehr aktiv. Von der Städtebauförderung profitieren auch die kleineren Kommunen und Gemeinden. Wir denken nicht nur an die Kommunen, sondern unterstützen sie tatkräftig – für mehr Lebensqualität und ein besseres Wohnumfeld.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Geld allein macht nicht glücklich. Es ist allerdings die notwendige Grundlage für mehr Bauen. Entscheidend ist jedoch, dass die Bagger rollen und sich die Baukräne auch tatsächlich drehen. Deshalb arbeiten wir bereits auf Hochtouren an den entsprechenden Stellschrauben. Es geht vor allem um Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung.
Mit dem Bauturbo ermöglichen wir mehr Tempo für Planung und Genehmigung von Bauvorhaben für Kommunen, weniger bürokratische Hürden, kürzere Verfahren, mehr Planungssicherheit. Das macht den Bauturbo aus. Entscheidend wird jetzt sein, dass dieser Bauturbo in der Praxis gelebt wird, dass die Kommunen von diesen Möglichkeiten auch fleißig Gebrauch machen. Das Bauministerium unterstützt hier ganz konkret, gibt Hilfestellung, vernetzt die Kommunen vor Ort – ein ganz pragmatischer Ansatz. Herzliches Dankeschön hier an die Bauministerin!
Wir bereiten derzeit auch eine große Novellierung des Baugesetzbuchs vor. Einfacheres, günstigeres Bauen, das ist unser Ziel. Mit dem Gebäudetyp E bekommen wir einfacheres und schnelleres Bauen und geben auch hier den Kommunen entsprechende Handlungsmöglichkeiten in die Hand.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Boosterbauen zeigt Wirkung.
Herr Präsident! Frau Ministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! In der Politik gibt es exakt zwei Hebel: Der eine sind die Gesetze, der andere ist das Geld. Bei den Gesetzen blockiert die Bundesregierung sich selbst, und beim Geld setzen Sie die falschen Prioritäten.
Statt Probleme zu lösen, lenkt der Bundeskanzler ab: mit Angriffen auf Migranten,
mit Bevormundung von Frauen und mit Lästereien über den Ort Belém in Brasilien. Auf Ihrem Halbjahreszeugnis steht eine Vier minus – und das mit sehr viel Wohlwollen.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Ein bisschen oberlehrerhaft!
📢
Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Seien Sie doch nicht so streng!
Meine Damen und Herren, der Bauetat wächst. Das klingt zunächst einmal gut. Aber bei so viel Geld, das die Bundesregierung aktuell zur Verfügung hat, ist das keine Leistung, sondern eher eine Pflicht.
Entscheidend ist, wofür kein Geld da ist: Für die neue Wohngemeinnützigkeit beispielsweise – das zentrale Element für bezahlbaren Wohnraum – ist wieder kein Euro eingeplant. Sie sparen beim Klimaschutz. Und Sie sparen bei denen, die dringend Hilfe brauchen. Ich weiß nicht, ob Sie das gerecht finden.
An anderer Stelle wiederum fehlt Ihnen der Mut. Da fühle ich mich als Sachse besonders vorgeführt: Ein großes Forschungszentrum für die Lausitz wird angekündigt. Die Mittel stehen bereit. Dann wird das Projekt monatelang totgeschwiegen. Und am Ende kommt es doch nicht. So verspielt man Vertrauen bei den Menschen im Osten, und so stärkt man weder das Handwerk noch den Mittelstand.
Meine Damen und Herren, die Innovationsoffensive für klimagerechtes Bauen, bei der der Fokus auf nachwachsende Rohstoffe gesetzt wird, begrüßen wir. Jedoch ist bis heute unklar, wofür dieses Geld konkret eingesetzt wird. Was Sie als Erfolg verkaufen – Bauturbo, Gebäudetyp E –, ist nicht Ihre Bilanz, das ist unsere Arbeit aus der letzten Legislatur gewesen.
Uns geht es am Ende um konstruktive Oppositionsarbeit. Wenn Sie also die 65-Prozent-Regel, die heute ja im Koalitionsausschuss besprochen wird, gegen den Populismus von Markus Söder verteidigen, wenn Sie die Bauwirtschaft ernst nehmen, wenn Sie für bezahlbare Mieten eintreten und beim Klimaschutz nicht rückwärtsfahren, dann sind Sie auf dem richtigen Weg und dann unterstützen wir Sie als Bundestagsfraktion.
Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]: Das bestimmen Sie, ja? Lustig!
Zum Schluss noch etwas Persönliches: Frau Ministerin, meinen herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag! Sie werden ja bald Mutter und werden uns eine Weile fehlen. Ich wünsche Ihnen auch im Namen unserer bündnisgrünen Bundestagsfraktion alles erdenklich Gute für die kommende Zeit und möchte daran erinnern, dass Politik den Einklang von Familie und Beruf ermöglichen muss. Viel Erfolg! Wir sehen uns wieder.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Ach, Frau Kollegin, immer die gleichen falschen Zahlen!
trotz Mietpreisbremse. In vielen anderen Großstädten sieht es nicht viel besser aus. Wohnungsnot und Mietpreisexplosion sind trauriger Alltag in Deutschland.
Daran wird sich mit diesem Haushalt nichts ändern. Der Regierung fehlt der Mut, die Weichen für eine soziale Wohnungswende zu stellen, und das ist einfach nur traurig.
Ja, mehr Geld für sozialen Wohnungsbau, das finden wir gut. Wir kämpfen als Linke seit über zehn Jahren dafür.
Jetzt ist immer wieder von einer Rekordsumme von 23 Milliarden Euro die Rede. Ja. Da geht es aber um die nächsten fünf Jahre. Sie wissen alle, dass zum Beispiel das Wohnungsbaubündnis eine entsprechende Investitionssumme pro Jahr fordert, und genau das fordern auch wir als Linke.
Es geht bei Ihnen im nächsten Jahr um 4 Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau. Aber allein das klimaschädliche Dienstwagenprivileg lässt sich die Regierung dreimal so viel kosten. Für die Rüstung wird mehr als 20-mal so viel ausgegeben. Das sind die falschen Prioritäten!
Die traurige Wahrheit ist, dass die Zahl der Sozialwohnungen rückläufig ist. Im letzten Jahr wurden 27 000 Sozialwohnungen neu gebaut, aber es sind 88 000 Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen, gelten also nicht mehr als Sozialwohnungen.
Eine Hoffnung, diesen wirklich schrecklichen Teufelskreis, dass Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, zu stoppen, waren die im Koalitionsvertrag versprochenen Investitionszulagen für die bisher völlig unbedeutende neue Wohngemeinnützigkeit. Die Idee ist doch wirklich gut: Bauen und Wohnen wie in Wien, wo breite Teile der Bevölkerung, viele Mieterinnen und Mieter, im Gemeindebau sehr geringe Mieten zahlen, und das dauerhaft.
Doch Fehlanzeige! Dabei wäre doch gerade jetzt in der Baukrise die Gelegenheit, die Bautätigkeit in sinnvolle Bahnen zu lenken. Aber nein, es wird das immer gleiche Dogma der Immobilienlobby wiederholt: Bauen, bauen, bauen. – Aber es kommt doch darauf an, was gebaut wird!
Bezahlbar für alle, darauf kommt es an. Gemeinnütziger Wohnungsbau wie in Wien statt Profit, Profit, Profit – dafür fordern wir als Linke 20 Milliarden Euro Investitionen pro Jahr.
Aber auch beim über Parteigrenzen hinweg eigentlich unbestritten sinnvollen Förderprogramm für den altersgerechten Umbau von Wohnungen musste zuerst verhindert werden, dass es ganz wegfällt. Jetzt gibt es 50 Millionen Euro; aber dieses Geld wird schnell vergriffen sein.
Geld ist da: für eine alte, wiederentdeckte Neubauförderung. Das ist die bereits genannte EH55-Förderung. Ein altes, bereits beendetes Programm wird wieder aufgelegt: ohne soziale Lenkungswirkung und auch klimapolitisch wirkungslos. Das wollen Sie uns als Erfolg verkaufen? Das ist alter Wein in neuen Schläuchen und sonst gar nichts.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Sie haben ja gar keine Ahnung!
Aber das Schärfste ist ja, dass dieses Geld dann noch – zumindest zum Teil – beim Umbauprogramm „Gewerbe zu Wohnraum“ genommen wurde. Dabei ist doch das die Zukunft: leerstehende Büros zu Sozialwohnungen, Parkhäuser zu Genossenschaftswohnungen. Das wären unsere Schwerpunkte.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir müssten jährlich eigentlich 2 Prozent unserer Wohnungen energetisch sanieren, um die Klimaziele zu erreichen. Wir schaffen aber gerade mal 0,7 Prozent im Jahr. Gleichzeitig werden Tag für Tag Menschen aus ihren Wohnungen verdrängt, weil Mieter/-innen die Kosten für die Sanierung alleine zahlen sollen. Hier müsste also deutlich mehr investiert werden. Wir brauchen endlich Investitionen in eine soziale Wärmewende, mehr Engagement für bezahlbare Sanierung und nicht weniger.
Für was Geld da ist: Rüstung, klimaschädliche Subventionen, Steuerprivilegien für Wohnungskonzerne. Es ist absurd. Ein trauriger Rekord: über 23 Milliarden Euro für Wohnkostenzuschüsse. Ich gönne wirklich jedem sein Wohngeld. Das Problem ist doch nur: Das Geld fließt nicht selten in die Taschen von großen Wohnungskonzernen. Und allzu oft sind die verlangten Mieten illegal zu hoch.
Und wir müssen endlich illegal zu hohe Mieten verfolgen und verbieten. Das fordern jetzt auch Sie, Frau Ministerin. Das ist gut. Aber nicht nur reden, sondern endlich auch machen!
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Zeiten, in denen Bau- und Wohnungspolitik eine Randnotiz waren, sind mit dieser Bundesregierung, mit dieser Koalition endgültig vorbei. Bauen und Wohnen sind heute die sozialen Fragen unserer Zeit. Und: Diese Koalition packt an. Wir investieren und setzen klare Prioritäten.
Unser roter Faden ist klar: schneller, einfacher und günstiger bauen. Bauturbo, Genehmigungen in drei Monaten, wenn Kommunen es anwenden, mehr Förderung für sozialen Wohnraum und Stadtentwicklung, mehr Geld für energieeffiziente Häuser, für den altersgerechten Umbau und für den neuen Gebäudetyp E. Und wir gehen die Schrottimmobilien an – konsequent. Kurz gesagt: Nicht meckern, machen! Genau das tun wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das ist gut so.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Der Haushalt zeigt es deutlich: Von über 7 Milliarden Euro im Etat des Bauministeriums werden mehr als 4 Milliarden Euro direkt investiert. Das ist ein starkes Signal, weil der Staat nicht als Verhinderer, sondern als Ermöglicher auftritt. Wir schaffen Raum für Wohnungsbau, wir bauen Bürokratie ab, wir stärken den sozialen Zusammenhalt in unserem Land. Das ist gute Politik, das ist verantwortungsvolle Politik. Genau das ist die richtige Richtung, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Ich will meinen Dank an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen aus dem Haushaltsausschuss, die diesen Haushaltsplan hier vorgelegt haben, auch mit dem Dank an eine, wie ich finde, starke Ministerin Verena Hubertz verbinden, die in den ersten sechs Monaten gezeigt hat, was in diesem Land möglich ist, wenn man mit genug Motivation voranschreitet. Mir ist klar, dass Sie ein Problem mit starken Frauen haben. Aber ich will es deutlich sagen: Wir sind stolz darauf, dass wir so eine erfolgreiche Bauministerin in unserem Land haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Dieser Haushalt zeigt: Wir investieren in sozialen Zusammenhalt, und das ist auch gut so, weil – und das fällt auf, wenn ich Ihnen von der AfD zuhöre – andere hier im Parlament wie Sie von der AfD kein Interesse an guter Baupolitik haben; denn Sie leben davon, alles schlechtzureden, was in unserem Land auch gut funktioniert.
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Nee! Wir sprechen nur das an, was Sie halt alles nicht hinkriegen!
Und dass die Töne von rechts immer schriller werden, ist für mich ein Signal, dass vieles von uns richtig gemacht wird. Das ist ein gutes Signal.
Aber ich habe, Herr Münzenmaier, während Ihrer Rede mal versucht, herauszufinden, wofür die AfD in der Baupolitik eigentlich steht, was Sie vorschlagen, damit in Deutschland wieder mehr gebaut wird, wieder mehr Wohnungsbau entsteht.
bei der SPD sowie der Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU] und Sylvia Rietenberg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
📢
Maximilian Kneller [AfD]: Da haben Sie wieder ganz tief in die Rhetorikkiste gegriffen!
📢
Sebastian Münzenmaier [AfD] und Dr. Paul Schmidt [AfD]
Das ist die Politik der AfD: nichts in der Hosentasche, nicht bereit, zu machen, aber alles schlechtreden. Das ist nicht das, was wir wollen. Von Ihnen hören wir hier in jeder Debatte eigentlich das Gleiche. Und ich bin beinahe müde, immer das Gleiche zu antworten. Aber ich glaube, für all diejenigen, die hier oben und im Fernsehen zuschauen,
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Die hören Ihnen sowieso schon lange nicht mehr zu!
ist es wichtig, dass man Ihnen bei den Dingen, die Sie vortragen, klar widerspricht. Wir wollen über den Wohnungsbau reden, stattdessen reden Sie über die SPD,
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Ich habe aber nicht über Migration geredet! Sie haben nicht mal zugehört! Junge, Junge, Junge! Wir können ja später mal gemeinsam drüberlesen!
Die Wahrheit ist: Ohne Menschen mit Einwanderungsgeschichte – Herr Münzenmaier, auch wenn es Ihnen nicht passt angesichts Ihrer gewaltsamen Vergangenheit – würde in Deutschland kaum noch eine Baustelle laufen.
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Was haben Sie denn mit Migration? Ich habe gar nicht über Migration geredet! Ich habe über Ihr Versagen gesprochen!
Allein im Gerüstbau: 48 Prozent der Menschen dort sind Menschen mit Migrationshintergrund. Der wahre Grund, warum viele Sie als wirtschaftsfeindliche Partei bezeichnen, ist genau der:
Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn Mieten explodieren und Wohnraum zur Mangelware wird, erwarten die Menschen Lösungen. Was sie jedoch bekommen, ist die Fortsetzung grüner Bau- und Wohnungspolitik: teuer, abgehoben, wirkungslos. 7,7 Milliarden Euro sind für das Bauministerium veranschlagt, ein Plus von über 50 Prozent seit 2022. Doch statt Entlastung gibt es mehr Regulierung, mehr Bürokratie, mehr Kosten. Sie hatten einen Personalabbau von 8 Prozent angekündigt. Doch was ist passiert? Gar nichts. Stattdessen steigen die Personalkosten weiter, und die Verwaltung wächst, während draußen Schwimmbäder schließen, Straßen zerbröseln und Vereine ums Überleben kämpfen.
Und dann die Kostenverneblung Ihrer milliardenschweren Bauprojekte: Bundestag, Kanzleramt, Regierungsbauten, verteilt über mehrere Einzelpläne, damit man nicht erkennt, wer wie viel Geld verpulvert. Der Rechnungshof nennt es „mangelnde Transparenz“, ich nenne es „blanke Täuschung unserer Bürger“.
Und Ihre Förderpolitik? Ein Dschungel aus Formularen, Auflagen und Fristen. Programme wie Smart Cities erzeugen kaum Wirkung, und Millionen bleiben ungenutzt liegen, nicht weil die Kommunalverwaltungen unfähig wären, sondern weil Ihre Antragsprozesse bürokratisch, aufgebläht und nicht praxistauglich sind.
Und die Kommunen? Sie stehen im Regen. Ein Beispiel ist die kleine Marktgemeinde Cadolzburg in meinem Wahlkreis. Alleine dort gibt es ein Haushaltsloch von 17 Millionen Euro. Gebühren werden erhöht, Kitabeiträge steigen, und Vereine müssen kürzen. Während Berlin also mit Sondervermögen jongliert, zahlen die Bürger vor Ort die Zeche. Wir als AfD sagen klar: Jeder Euro gehört zuerst in unsere Städte, unsere Familien, unsere Vereine und nicht in Ihre Klimaprojekte.
Ruppert Stüwe [SPD]: Dann hat Ihr Referent überhaupt nicht aufgepasst beim Schreiben der Rede! Das ist ja peinlich!
📢
Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]: Der hat bei ChatGPT „2025“ eingegeben!
Für die Modernisierung von Bädern älterer Menschen standen im alten Haushalt schon nur 50 Millionen Euro bereit. Doch selbst diese Mittel wurden in diesem neuen Haushalt gestrichen. Gleichzeitig stecken Sie 2 Milliarden Euro in „klimagerechtes Bauen“, das sich sowieso niemand leisten kann.
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Das ist doch ein Unsinn!
Der Linderung der Wohnungsnot hingegen kommen Sie nicht nach. Über 800 000 Wohnungen fehlen, und die Neubauzahlen stürzen ab. Das Leid der Wohnungssuchenden verschärft sich. Und gleichzeitig strangulieren Sie die Bauwirtschaft mit Normenflut und Klimapflichten. Dämmvorschriften, Heizungshammer, immer neuen Standards – mehr als ein Drittel der Baukosten entstehen durch staatliche Vorgaben.
Mieten steigen und steigen. Immer mehr Normalverdiener müssen die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufbringen. Gleichzeitig wandert jedes Jahr eine Großstadt von Asylmigranten nach Deutschland ein.
Meine Damen, meine Herren, dieser Haushalt ist kein Zukunftsentwurf. Er ist ein Dokument des Scheiterns. Er verschleiert alte Fehler, schafft neue Probleme und lässt die Bürger im Stich. Wir von der AfD sagen: Senken Sie endlich die Baukosten, stoppen Sie die Massenmigration,
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute in zweiter und dritter Lesung den Bauhaushalt 2026. Ich will es mal so formulieren: Es ist ein guter Haushalt geworden, Frau Ministerin, ein Investitionshaushalt, auf den wir stolz sein können. Es fließt viel Geld in Bauen und Wohnen. Ich möchte mich ausdrücklich bei Mechthilde Wittmann, Christian Haase und bei Ihnen, Ruppert Stüwe, für die Arbeit bedanken, die Sie für diesen Haushalt geleistet haben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Was macht diesen Haushalt so gut? Ich möchte einmal die Zahlen sprechen lassen: 4 Milliarden Euro fließen in den sozialen Wohnungsbau, davon 1 Milliarde in Wohnheimplätze für Studenten und Auszubildende; 1 Milliarde Euro geben wir an die Kommunen für die Städtebauförderung. Und wir erhöhen die Eigenheimförderung erheblich, und zwar auf 350 Millionen Euro. Außerdem – und das ist ganz wichtig – sind die Zinsen bei der KfW abgesenkt worden. Mittlerweile ist sogar eine Finanzierung zu einem Zinssatz von 0,01 Prozent möglich.
Die Sportmilliarde wird weitergeführt. 333 Millionen Euro sind für Sportstätten veranschlagt, dazu kommen 250 Millionen Euro für die Sanierung von kommunalen Schwimmbädern. Das stärkt Sportlerinnen und Sportler in unseren Sportvereinen. Vorhin wurde gesagt, laut DOSB bestehe ein weitaus höherer Sanierungsbedarf.
Was machen die Kommunen? Ich will Ihnen das mal an meinem Wahlkreis deutlich machen. Wir im Landkreis nehmen über unseren Kreissportbund 200 000 Euro in die Hand und hebeln diesen Betrag um das Fünffache auf 1 Million Euro. Das macht die Kreisebene. Das mal 40 im Land Niedersachsen, mal 16 im Bund: Diese Investitionen in den Sport, in die Vereine lösen viele Folgegelder aus. Und das stärkt unsere Sportvereine.
Wir haben nicht nur an bestehenden Programmen geschraubt. Wir rufen auch komplett neue Programme ins Leben, und wir haben auch eines wieder zurückgeholt.
Erstens. Mit 50 Millionen Euro fördern wir den barrierefreien Umbau.
Zweitens. Für den Schutz der Schwächsten – heute wurde zu Recht wiederholt darauf hingewiesen; ich sage es aber auch gerne, weil wir überzeugt sind, dass es gut und richtig ist – fließen 150 Millionen Euro in die Sanierung von Frauenhäusern.
Drittens. Mit 800 Millionen Euro – das ist ganz wichtig; darauf können wir alle stolz sein – fördern wir den aktuellen Neubaustandard EH55. Das ist eine hohe Summe.
All das haben wir in einem halben Jahr umgesetzt; das muss man sich ja auch mal vor Augen halten. Anfang Juni hat der Haushaltsausschuss angefangen, zu arbeiten, und mittlerweile ist so viel umgesetzt. Vor allem ist dieser Haushalt wirklich eine Investition in den Standort Deutschland. Denn jeder Fördereuro sorgt für neue Wohnungen, neue Jobs, neues Wachstum und auch für neue Steuereinnahmen.
Machen wir es mal konkret. Durch 1 Milliarde Euro für Städtebauförderung entstehen 20 000 Wohnungen. Durch 4 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau entstehen rund 80 000 geförderte Wohnungen,
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt doch gar nicht!
davon mehr als 10 000 Wohnheimplätze. Das macht der Bund, und die Länder müssen es in gleicher Höhe kofinanzieren. Jetzt können Sie in etwa abschätzen, was dabei zustande kommt. Durch die 800 Millionen Euro für EH55 – die sind ja geplant, liegen sozusagen in der Schublade und können herausgeholt werden – können Zehntausende neue Wohnungen gebaut werden.
Dabei dürfen wir einen Zusammenhang auch nicht vergessen: Viele Unternehmen würden gerne Arbeitskräfte einstellen, wenn die Menschen vor Ort Wohnraum finden. Das müssen wir zusammenführen; denn unterm Strich heißt das: Mehr Wohnungen führen auch zu mehr Einstellungen von Arbeitskräften, nicht nur in Ballungsräumen, sondern sehr wohl auch im ländlichen Raum. Deswegen sage ich vollmundig: Wer die Bauwirtschaft stärkt, der stärkt die ganze Wirtschaft in Deutschland.
Doch damit nicht genug. Mit diesem Bauhaushalt schaffen wir auch mehr Chancen für Familien und für Menschen mit Einschränkungen. Wir erhöhen die Mittel für die Eigentumsförderung. So erfüllen wir Familien den Traum vom Eigenheim und unterstützen sie beim Vermögensaufbau. Und wir sorgen dafür, dass Mietwohnungen frei werden. Ja, natürlich! Wer eine Wohnung, ein Haus baut, hinterlässt eine leere Wohnung. Das ist doch logisch, und das ist auch belegt. Und wir unterstützen Menschen mit Einschränkungen, länger in den vertrauten Wänden zu wohnen. Ich denke da an ältere Menschen, aber auch an Menschen mit Behinderungen. Deswegen ist es so wichtig, dass für das barrierefreie Wohnen 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Und wir brauchen mehr Eigenständigkeit beim Wohnen, damit der Staat nicht einspringen muss; deswegen ist es wichtig, dass hier breit gefördert wird.
Stichwort „Zukunft“. Auch beim Bauen selbst müssen wir mehr Innovation wagen, damit die Kosten langfristig sinken. Mit dem Gebäudetyp E wie „einfach“ werden wir das auch hinbekommen. Wir wollen die Baunormen aufweichen, aber nicht im Sinne von: Hier wird schlechter gebaut oder schlechter gewohnt. Nein, wir belohnen diejenigen, die beim Bauen neue Wege gehen möchten.
Es gibt viele kluge Köpfe in Forschung und Unternehmen. Wir haben sie an einen Tisch gebracht. Nächstes Jahr werden wir das Bundesforschungszentrum für das Bauen von morgen einrichten. Wir wollen nicht nur über eine gute Zukunft reden, mit dieser Förderkulisse investieren wir auch in die Zukunft
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Vor über einem Monat hat der Bundeskanzler mit einer Aussage, die Millionen von Menschen in diesem Land pauschal zu einem Problem herabgewürdigt hat, eine Debatte über das Stadtbild losgetreten.
Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Das stimmt doch gar nicht!
Seitdem wurde viel debattiert. Und weil es dem Bundeskanzler offensichtlich nicht gereicht hat, Millionen von Bundesbürgern vor den Kopf zu stoßen, hat er unterdessen mit Aussagen über das Stadtbild des brasilianischen Belém nachgelegt. Wir können also feststellen: In den letzten fast anderthalb Monaten wurde sehr viel Porzellan zerbrochen. Aber bis heute wurde nur wenig oder gar nicht darüber gesprochen, was es denn wirklich braucht, damit unsere Städte und Kommunen lebenswert bleiben.
Dabei sind die Herausforderungen groß: Aussterbende Innenstädte mit sinkender Aufenthaltsqualität treffen auf eine sich immer weiter beschleunigende Klimakrise. Gewerbeimmobilien stehen leer, während bezahlbarer Wohnraum verzweifelt gesucht wird. Der Haushalt, über den wir heute sprechen, muss sich also an der Bewältigung dieser Herausforderungen messen lassen, aber dem wird er leider nicht gerecht. Meine Fraktionskollegin und ich haben in der Vergangenheit die zu geringen Mittel für das genossenschaftliche Wohnen und den Bau von Wohnheimplätzen für Studierende und Auszubildende, die neue Wohngemeinnützigkeit und den Umbau bestehender Gebäude bereits als Themen genannt.
Wir stellen doch mittlerweile jeden Sommer fest: Extremwetterereignisse wie Starkregen oder extreme Hitze sind eben keine Jahrhundertereignisse mehr, sondern wir müssen uns darauf einstellen, dass sie deutlich häufiger und praktisch überall in Deutschland auftreten werden. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, dass wir massiv investieren müssen, um unsere Kommunen gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen.
Und genau hier setzt das Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ an. Es greift nämlich den Kommunen unter die Arme, um die Investitionen zur Schaffung von Grünflächen, Wasserrückhaltegebieten und Versickerungsflächen stemmen zu können. In der letzten Legislatur hat es sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Doch jetzt beabsichtigt die Bundesregierung, die jährliche Förderung auf 80 Millionen Euro zu begrenzen. Das ist ein deutlicher Rückschritt gegenüber bisherigen Fördersummen, die bei 100 Millionen Euro bis 200 Millionen Euro jährlich lagen. Während Sie sich hier heute also dafür loben, einen Rekordetat aufgestellt zu haben, zeigt sich doch, dass es Ihnen an der Prioritätensetzung fehlt. Für den nächsten Haushalt kann ich Ihnen daher nur raten: Fördern Sie wieder mehr Grün statt Förderung mit der Gießkanne.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich war vor zwei Wochen auf einem Podium der Initiative „Wohnungsnot stoppen!“ in Berlin. In der Skaterhalle: Mieterinnen und Mieter, Studierende, junge Familien, Sozialverbände, Menschen, die die Wohnungsnot täglich spüren. Sie erwarten keine Wunder, aber eben auch keine falschen Versprechen; sie erwarten Anstrengungen und konkrete Lösungen. Genau dafür steht der Haushalt 2026 des Bauministeriums. Er ist kein Wunschzettel, sondern ein Aufbruchshaushalt, der Probleme nicht beschönigt, sondern sie zusammen mit den Gesetzesinitiativen dieser Bundesregierung der letzten Tage und Monaten, anpackt.
Konkret dazu folgende vier Punkte. Erstens. Wir investieren weiter in den sozialen Wohnungsbau: 4 Milliarden Euro. Das heißt konkret neue Wohnungen für Menschen, die heute bei jeder Mieterhöhung zittern müssen. Eine Mutter erzählte mir nach dem Podium, dass sie seit über einem Jahr erfolglos eine Wohnung sucht. Für sie und Millionen Menschen in unserem Land schaffen wir mit den Rekordinvestitionen – und das sind es – bis 2029 bessere und neue Perspektiven.
Zu den ablehnenden Äußerungen, die ich jedes Mal zum Thema „sozialer Wohnungsbau“ von der AfD höre, kann ich nur feststellen: Sie wollen gar keinen günstigen Wohnraum für genau diejenigen, bei denen Sie immer vorgeben, sie vertreten zu wollen. Sie schauen auf sie herab und tun nichts für genau diese Menschen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zweitens. Wir stärken Genossenschaften. Über 30 Millionen Euro für Genossenschaftsanteile: eine leise, aber wirksame Antwort auf Spekulationen, eine Säule, die wir ohne Zweifel weiter ausbauen müssen, weil genossenschaftliches und gemeinnütziges Bauen ein wichtiges Korrektiv im Wohnungsmarkt sein kann. Übrigens gehört auch die notwendige finanzielle Entlastung der Kommunen dazu, damit kommunale Wohnungsunternehmen nicht mehr den Haushalt, sondern Wohnungen sanieren, bauen und zu stabil günstigen Preisen vermieten.
Drittens. Wir bauen schneller und einfacher. Mit dem Bauturbo und bald dem Gebäudetyp E beschleunigen wir spürbar Neubau und Sanierung. Wir geben also nicht nur Geld ins System, sondern sorgen auch dafür, dass es schnell vor Ort ankommt und Wirkung erzielt, beispielsweise im sozialen Wohnungsbau. Wir haben mit dem Gebäudetyp E die Preise des Bauens im Blick, so können danach beispielsweise schmalere Wände gebaut werden.
Ich höre hier immer wieder Kritik an dem Tempo, in dem unsere Bauministerin und wir arbeiten, in dem wir Projekte voranbringen. Von allen namhaften Verbänden hingegen höre ich ausschließlich Lob dafür, was wir in diesen Monaten alles auf den Weg gebracht haben.
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Ausschließlich Lob! Die Verbände jubeln!
📢
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Also, wir hören etwas anderes!
Viertens. Wir unterstützen Mieterinnen und Mieter, die im Bestand wohnen. Das Programm „Altersgerechter Umbau“ ist trotz aller Kritik der letzten Wochen wieder fest im Haushalt verankert: 50 Millionen Euro für Rampen, Aufzüge, barrierefreie Bäder, damit Menschen im Alter oder mit Behinderung dort wohnen können, wo sie zu Hause sind, auch und gerade bei angespannten Wohnmärkten.
Meine Damen und Herren, der Nachmittag bei „Wohnungsnot stoppen!“ hat mich daran erinnert, warum wir Politik machen: Wohnen ist heute zu oft Luxus, es muss aber ein Recht sein. Dazu gehört für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auch, alle Beteiligten der Mietrechtskommission an einen Tisch zu holen, das Bündnis für Wohnen in einem neuen Gewand wiederzubeleben, wie Ministerin Hubertz es gestern getan hat. Wir spalten nicht in der Wohnungsfrage, wir bringen die Verantwortlichen zusammen. Manche spotten: „Wenn du mal nicht weiterweißt, …“; den Rest kennen sie alle. Ich sage: In Zeiten von Konflikten ist es Stärke, Beteiligung zu schaffen und alle an einen Tisch zu holen, weil dort miteinander Lösungen erarbeitet werden, anstatt sich bei Social Media an der eigenen Wahrheit ständig zu erfreuen. Ich wünsche Verena Hubertz genau dafür – erst mal nachträglich zum Geburtstag und auch für die nächsten Wochen – in diesem Sinne: Alles Gute!
Ich werde auch zur Initiative „Wohnungsnot stoppen!“ zurückkehren, um über Umwandlungen und andere Herausforderungen zu sprechen – nicht weil die Lösungen einfach sind, sondern weil sie hart erarbeitet werden müssen. Dieser Haushalt und unsere Arbeit zeigen: Wir handeln, wir investieren, wir entlasten und wir zeigen Haltung –
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bollmann! Wenn man es über Jahre hinweg selbst verbockt hat, dann muss man es der AfD in die Schuhe schieben! Das ist so typisch für euch. Ihr habt es verbockt in den letzten Jahren. Sie waren doch an der Regierung das letzte Mal.
Hendrik Bollmann [SPD]: Sie haben sozialen Wohnungsbau abgelehnt!
Ich habe Frau Bundesministerin Hubertz gefragt, was man denn tun soll, wenn in diesem Winter die Heizung kaputtgeht. Ihre Antwort: Man solle sich an moderner Technik orientieren. Wirklich?
Was macht denn ein über 70-Jähriger, der keine 30 000 Euro, 40 000 Euro in der Tasche hat? Der muss zur Bank gehen und sich vielleicht einen Kredit besorgen. Aber die Bank wird ihm sagen: „In deinem Alter gibt es keinen Kredit mehr.“ Die Chance, dass er die 10 000 Euro für die neue Gasheizung noch zusammenkriegt, sieht ganz gut aus. Und wenn ihm das gelingt, sagen Sie, dass das Heizen mit Gas so teuer werden wird, dass man sich das in der Zukunft nicht mehr leisten kann. Jetzt hat der gute Mann aber Pech, weil er noch 15 Jahre lebt. Das heißt, in 5 Jahren kann er das Heizen nicht mehr bezahlen, und dann muss er die nächsten 10 Jahre frieren. Super!
Esra Limbacher [SPD]: An Sie habe ich keine Fragen!
📢
Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Eine Zwischenfrage ist ausdrücklich erlaubt! Sie gehört zur Debattenkultur dazu!
Das ist nicht Fürsorge, das ist Entmündigung, das ist respektlos. So macht man Bürger zu Spielbällen einer völlig realitätsfernen Politik. Und hören Sie endlich auf mit dieser völlig unsinnigen CO2-Abgabe! Dieses Land rast auf einen Wohnkollaps zu, und Sie schütten weiter Abgaben, Vorschriften und Ideologie darüber, als gäbe es kein Morgen.
Was Sie hier Förderung klimafreundlicher Maßnahmen nennen, hilft keinem normalen Menschen im Land. Im Gegenteil: Es macht ihr Leben unbezahlbar. Städte und Gemeinden werden jetzt verpflichtet, als Monopolisten Fernwärme anzubieten. Jeder weiß doch, dass Fernwärme die teuerste Wärme ist.
Die Kosten für CO2 und fehlende Gelder durch Löcher im Haushalt werden dann mal eben auf den Bürger umgelegt. So läuft es doch. Und das nennen Sie verantwortungsvolle Klimapolitik?
Ich will Ihnen mal ganz ehrlich sagen: Kein Einziger in der Welt macht wirklich noch bei diesem Klimawahn mit.
Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Mein Gott, wie größenwahnsinnig ist das denn? Wissen Sie, was beim letzten Mal passiert ist, als einer größenwahnsinnig war?
Kommen wir zum Büroimmobilienmarkt. Da gibt es das gleiche Bild. Die Krise ist nicht vom Himmel gefallen, und sie geht auch nicht von selbst wieder weg. Sie ist Folge struktureller Veränderungen, auf die Sie mit Symbolpolitik und Bürokratie reagieren. Wenn man Millionen ins Land holt, dann braucht man auch Millionen Wohnungen. Ist das eigentlich so schwer zu kapieren? Sie haben doch diese Wohnungsnot zugelassen, weil Sie dafür gesorgt haben, dass Deutschland die Tore geöffnet hat.
Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann müssen Sie es ja wissen!
📢
Sebastian Münzenmaier [AfD]: So ist es nämlich! So sieht’s nämlich aus, meine Freunde!
📢
Marc Bernhard [AfD]: Die, die Sie reingelassen haben, die sind ganz bestimmt nicht auf der Baustelle! Auf gar keiner Baustelle sind die! Die sind im Bürgergeld und sonst nirgends!
📢
Sebastian Münzenmaier [AfD]: Jeder zweite Bürgergeldempfänger ist Ausländer!
Förderprogramme, Modellprojekte, Gesetzesänderungen: alles schön auf dem Papier, aber praktisch vollkommen untauglich. Ich habe in der letzten Ausschusssitzung gesagt, was das bedeutet.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich sage es auch heute wieder: Der Ausschuss heißt „Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen“. Für Letztere darf ich jetzt hier an dieser Stelle sprechen. Ein funktionierender Staat zeigt sich am ehesten an der wichtigsten Ebene unseres Staatsaufbaus, bei unseren Kommunen. Dort spüren die Menschen direkt, ob es unserem Land gut geht oder nicht. Habe ich eine bürgerfreundliche und digitale Kommunalverwaltung? Kommt der Bauhof den gewünschten Arbeiten nach? Sind die Straßen intakt? Ist das Freibad geöffnet? Kommt sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn? Funktioniert die Kinderbetreuung, bzw. hat mein Kind einen Kitaplatz? Komme ich mit dem ÖPNV von A nach B? Und gibt es attraktive Treffpunkte für Seniorinnen und Senioren oder für die Jugend?
Wir wissen: Bei unseren Kommunen ist in der Tat aktuell nicht alles zum Besten bestellt, und das liegt nicht ausschließlich am fehlenden Geld. Das liegt auch und vor allem an zu hohen Ausgaben und zu vielen und komplexen Aufgaben sowie Standards, die in den vergangenen 20 bis 30 Jahren stetig angehoben wurden. Dieses Prinzip funktionierte ja in aller Regel auch, da das Geld in den meisten Fällen auskömmlich vorhanden war. Nur in den seltensten Fällen haben die Kommunen und Landkreise die hohen Defizite zu verantworten.
Die aktuelle Lage ist dramatisch: Wir prognostizieren ja aktuell ein Defizit von bis zu 30 Milliarden Euro, dazu die schwächelnde Konjunktur, langsamer steigende Steuereinnahmen und gleichzeitig steigende Ausgaben bei Personal und für Soziales. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.
Die Dramatik wird anhand meines Wahlkreises, der aus zwei Flächenlandkreisen besteht, sehr deutlich; sie stehen Pate für fast alle Landkreise in Deutschland. Der Ergebnishaushalt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg weist ein Defizit in Höhe von 45 Millionen Euro im Jahr 2026 aus, der Werra-Meißner-Kreis eines in Höhe von14,2 Millionen Euro, davon sind alleine 5,2 Millionen Euro der Zuschuss für das Klinikum. Eine Stadt wie Sontra mit weniger als 10 000 Einwohnern hat ein Defizit in Höhe von 2 Millionen Euro, Großalmerode eines in Höhe von 1 Million Euro. Die Stadt Bebra mit 13 000 Einwohnern hatte noch vor wenigen Wochen mit einem Defizit in Höhe von 1,9 Millionen Euro geplant; jetzt sind wir bei 4,2 Millionen Euro. Man sieht, wie volatil eine Haushaltsplanung mittlerweile geworden ist. Weitere Defizite: Hohenroda 535 000 Euro, Neu-Eichenberg 166 000 Euro, Berkatal 200 000 Euro. Das sind Kommunen mit unter 5 000 Einwohner.
Alles wurde bereits gestrichen, es sind kaum noch freiwillige Leistungen vorhanden, Grundsteuern wurden bereits drastisch erhöht bzw. müssen erhöht werden. Dies alles wirkt sich unweigerlich auf die Basisdemokratie aus, und die Folgen werden sich bereits bei den nächsten Kommunalwahlen zeigen.
Kommunen haben jetzt schon Probleme, ausreichend Menschen zu finden, die bereit sind, für ein Kommunalparlament zu kandidieren. Sie wollen gestalten und nicht nur die Schulden und Defizite verwalten und darüber diskutieren, ob sie sich noch eine Parkbank leisten können oder nicht.
Wir alle hier im Haus haben also eine große Verantwortung, und wir sind gefordert, an dieser Situation etwas zu verbessern – erst recht, wenn die Steuereinnahmen weder im Bund noch bei den Ländern oder bei den Kommunen wie gewünscht sprudeln. Die Koalition hat das im Koalitionsvertrag verstanden, und ich möchte mich bei der Bundesregierung, beim Bundeskanzler und natürlich auch bei der Koalition sehr herzlich bedanken, dass der Bundeshaushalt 2026 bereits eine kommunalfreundliche Handschrift trägt. Im Gespräch mit dem Bundeskanzler am heutigen Morgen bei der AG Kommunalpolitik ist auch noch mal sehr eindrücklich unter Beweis gestellt worden, dass er weiß, worauf es jetzt ankommt.
Ich möchte uns umfangreiches Zahlenmaterial zu Investitionen ersparen; denn meine Vorredner haben, da bereits sehr viel zu gesagt. Wir wissen alle, dass diese Zahlen gut klingen und die Investitionsmittel den Kommunen auch guttun werden; aber sie werden kaum etwas an den strukturellen Problemen der Kommunalfinanzen verändern.
Wir müssen jetzt auch über die großen Brocken sprechen, beispielsweise Transferaufwendungen im Sozialbereich. Um bei meinen Landkreisen zu bleiben: Die Transferaufwendungen sind innerhalb von nur fünf Jahren von 60 Millionen Euro auf 98 Millionen Euro im Landkreis Werra-Meißner und in Hersfeld-Rotenburg auf 130 Millionen Euro gestiegen. Das müssen wir hinterfragen dürfen; nur so kommen wir dazu, dass die Kreisumlagen wieder abgesenkt werden können.
Die Veranlassungskonnexität muss gelebt werden. Wer die Musik bestellt, bezahlt. Beispiel Kinderbetreuung: Den Kommunen muss die Freiheit gegeben werden, selbst zu entscheiden, wie viel Betreuung sie in den Kitas als nötig erachten und wie viel finanziell leistbar ist.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das versteht die CDU/CSU unter der Vereinbarkeit von Familie und Beruf!
Ich setze auf den Zukunftspakt von Bund, Ländern und Kommunen, auf Kommunalverträglichkeitsprüfung, Aufgaben- und Kostenkritik, Ausgabendynamikbegrenzung, Förderstrukturvereinfachung, Digitalisierung, Bürokratieabbau und, nochmals, Veranlassungskonnexität.
36 Bürgermeister in meinen beiden Landkreisen habe ich befragt, welche Vorschläge sie für die Absenkung von Standards haben, welche Aufgaben sie kritisieren und nicht mehr leisten möchten. Die Antworten werden uns weiterhelfen.
Der Haushalt 2026 ist ein wichtiger Grundstein für stärkere Kommunen und verspricht Zuversicht. Wenn jetzt auch noch die Medien wieder verstärkt über das Positive berichten und weniger über das Negative und nicht aus allem eine Katastrophe gemacht wird, werden auch die Menschen wieder Hoffnung haben. Auf eine spürbare Verbesserung in diesem Land! Dazu rufe ich uns alle auf.
ist jetzt seit knapp sechs Monaten im Amt. Man könnte meinen, in dieser Zeit hätte man vielleicht mit dem Bauen angefangen. Doch stattdessen haben wir einen Haushalt bekommen, der alles macht, nur eines nicht: Wohnraum schaffen.
Fangen wir mit dem sozialen Wohnungsbau an: gut 2 Milliarden Euro im Jahr, große Worte, große Programme, große Pressemitteilungen, und draußen auf dem Markt finden die Menschen trotzdem keine Wohnung. Was wir hier sehen, ist ein klassisches Beispiel für die aktuelle Parteienoligarchie: Man wirft Milliarden Richtung Länder, hofft, dass irgendwas passiert, und wenn am Ende kaum etwas gebaut wird, erklärt man das Ganze zur Herausforderung im Vollzug.
Übersetzt heißt das: Das Geld ist weg, die Wohnungen fehlen, aber Hauptsache, die Schlagzeile hat gestimmt.
Man täuscht seit Jahren das Handeln nur vor und wundert sich, dass Investoren abspringen, wenn gleichzeitig die Bürokratie aufgebläht, das Bauen verteuert und jede energetische Vorgabe noch einmal verschärft wird. Wer so Politik macht, betreibt Bauverhinderung.
Für das Wohngeld werden über 2,3 Milliarden Euro jedes Jahr geleistet. Anstatt endlich die Ursachen der Wohnungsnot anzugehen – also zu wenige Wohnungen, zu hohe Bau- und Energiekosten, überregulierte Märkte –, verteilt man das Steuergeld wie Pflaster auf eine offene Wunde. Diese planwirtschaftlichen Regulierungsfantasien werden auch noch als sozialer Erfolg gefeiert. In Wirklichkeit ist es eine staatlich subventionierte Preissteigerung: Die Mieten bleiben hoch, der Staat zahlt immer hinterher, und die Bürger dürfen das Ganze doppelt finanzieren, einmal als Mieter und einmal als Steuerzahler.
Eine Regierung, die ernsthaft bezahlbares Wohnen will, sorgt dafür, dass gebaut wird, dass sich Investitionen lohnen, dass Familien sich Eigentum leisten können. Stattdessen betreiben Sie eine gigantische Umverteilungsmaschinerie, die das Problem nicht löst, sondern zementiert.
Die Baukultur- und Klimaprojektchen des Ministeriums bedeuten: Forschungszentrum für klimaneutrales Bauen, Transformationscluster, Normungsprojekte – jede Menge schöne Titel, jede Menge gut dotierte Posten. Und am Ende fragt der normale Mieter: Was davon senkt meine Miete?
Wir haben ein Ministerium, das sich offenbar auf Workshops, Leitbildern, Modellprojekten wohler fühlt als auf Baustellen. Es werden Konferenzen abgehalten, Leitfäden geschrieben, Exzellenzcluster gegründet, und draußen stehen Familien vor überfüllten Wohnungsbesichtigungen und wissen nicht, wie sie die nächste Mieterhöhung bezahlen sollen.
Statt Milliarden in Symbolpolitik und akademische Spielwiesen zu stecken, brauchen wir: weniger Vorgaben, damit Wohnungen überhaupt wieder wirtschaftlich gebaut werden, Entlastung bei Steuern und Abgaben für selbstgenutzten Wohnraum
Meine Damen und Herren, dieser Haushalt ist kein Aufbruch im Wohnungsbau, er ist die Fortschreibung der gescheiterten Politik dieses ideologisch vereinten Blocks: mehr Geld, mehr Programme, mehr Regulierung und am Ende noch weniger Ergebnisse. Die Bürger brauchen keine neuen Überschriften, sie brauchen ein Eigenheim, und genau das liefert dieser Haushalt nicht.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich habe in der Tat die Möglichkeit, jetzt ganz am Ende dieser Haushaltsdebatte über den Einzelplan 25 zum Thema „Bauen und Wohnen“ zu sprechen. Ich finde, es lohnt sich, noch einmal ein bisschen den Blick darauf zurückzuwerfen, wo wir herkommen. Wir haben jetzt eine wirklich sehr, sehr schwierige Zeit für den Immobiliensektor und für den Bausektor hinter uns. Viele Unternehmen waren in Kurzarbeit. Die Baugenehmigungszahlen sind eingebrochen, und viele Projekte sind gescheitert.
Wir haben uns als Koalition vorgenommen: Wir wollen umsteuern. Wir wollen das Ganze wieder voranbringen; denn wir wissen, dass es eine gesellschaftlich wichtige Frage ist, dass die Menschen ein bezahlbares Zuhause haben; wir wissen, dass die Bauwirtschaft für unsere gesamte Volkswirtschaft ein Konjunkturmotor ist. Über die letzten Krisen hat uns die Bauwirtschaft getragen, und deswegen war es uns wichtig, hier voranzugehen. Wenn man mal schaut, wo wir jetzt stehen, dann, so finde ich, sehen wir schon, dass da langsam ein zartes Pflänzchen gewachsen ist, dass so ein kleines Licht am Horizont erscheint. Wir sehen, dass die Genehmigungszahlen langsam wieder steigen. Wir sehen, dass die Kreditnachfrage steigt, und wir sehen auch, dass die Stimmung im Bausektor sich langsam aufhellt.
Nun wäre es sicherlich vermessen, zu sagen, das sei alles schon ein Resultat der Politik der Großen Koalition; dafür sind wir noch zu kurz dabei.
Aber ich glaube, dass draußen schon bei vielen Unternehmen, aber auch bei den Menschen spürbar ist: Wir meinen es ernst damit, dass wir Dinge auf den Weg bringen, dass wir neue Perspektiven und Hoffnung geben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir haben wirklich schon viel auf den Weg gebracht und sind immer noch dabei. Wir haben den Bauturbo auf den Weg gebracht. Wir sind wieder bei EH55 dabei. Wir sind bei Gebäudetyp E auf dem richtigen Weg, und wir gehen jetzt eine Baugesetzbuchnovelle an. All das trägt dazu bei, dass die Menschen langsam wieder Hoffnung schöpfen.
Ich finde, man muss in dieser Debatte auch noch einmal deutlich machen, worum es da im Einzelnen geht. Ich will mal beim EH55-Standard anfangen. Da hat gerade die Kollegin Paus von den Grünen gesagt, der Stopp dieser Förderung sei erfolgreich gewesen. Da muss ich mich schon sehr fragen, Frau Kollegin, ob Sie eigentlich in den letzten zwei, drei Jahren hier im Deutschen Bundestag wenigstens ein bisschen nachverfolgt haben, was da draußen eigentlich passiert ist.
Was war denn das Ergebnis dieses Stopps, den Ihr Wirtschaftsminister Habeck veranlasst hat? Das Ergebnis war ein massiver Verlust von Vertrauen in der Bauwirtschaft.
Projekte sind eingestampft worden, weil ihnen über Nacht der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Deswegen ist es richtig, dass wir jetzt die EH55-Förderung wieder aufnehmen.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben einen sehr guten Plan aufgelegt, der funktioniert hat!
Dieser Standard EH55 ist nämlich ein guter Standard, der auf der einen Seite die wichtigen Dinge, die wir beim Klimaschutz und bei der Einsparung von CO2 brauchen, und auf der anderen Seite die Wirtschaftlichkeit zusammenbringt. Wir haben einen Bauüberhang in unserem Land von über 700 000 Wohnungen. Die Menschen draußen warten darauf, dass dieser Bauüberhang abgebaut wird, und zwar nicht irgendwann, sondern schnell!
Dazu dient dieses Programm. Deswegen ist es gut, dass wir jetzt 800 Millionen Euro dafür zur Verfügung stellen.
Ich will anknüpfen an das, was Frau Kollegin Lay gerade dazu gesagt hat. Sie haben gesagt, EH55 sei klimapolitisch wirkungslos, und da muss ich Ihnen ganz vehement widersprechen.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das schaffen Sie im Leben nicht!
Vielleicht haben Sie sich aber auch nicht die Mühe gemacht, sich die Förderbedingungen im Einzelfall mal genau anzuschauen. Es geht um den EH55-Standard, der nur 55 Prozent eines normalen Hauses an Energie verbraucht.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war vor 20 Jahren mal so!
Wir haben gesagt: Ja, wir fördern das, aber nur unter der Bedingung, dass dort zu 100 Prozent erneuerbare Energien verwendet werden. Zu 100 Prozent! Dann sagen Sie doch jetzt hier bitte nicht, das hätte überhaupt nichts mit Klimaschutz zu tun, das sei wirkungslos. Ganz im Gegenteil: Das ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz; aber es ist ebenso ein wichtiger Beitrag dazu, dass Wohnungen in unserem Land geschaffen werden, liebe Frau Kollegin.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo denn? Können Sie eine Zahl nennen? Null!
Deswegen ist das richtig und wichtig, was wir machen.
Wir haben als Union noch einen weiteren Punkt, auf den wir einen Schwerpunkt in diesem Haushalt gelegt haben: die Eigentumsbildung. Dieses Thema ist in unserem Land immer noch eines, wo vier von fünf Menschen sagen: Ja, ich möchte in die eigenen vier Wände; das ist mir wichtig, und das ist das Ziel, worauf ich hinarbeite. – Aber leider sehen wir auch, dass sehr viele Menschen – fast 40 Prozent – angeben, dass sie überhaupt nicht mehr daran glauben, dass sie es in ihrem Leben schaffen, in die eigenen vier Wände zu kommen. Deswegen haben wir hier einen klaren Schwerpunkt im Haushalt gesetzt: Wir stellen über 440 Millionen Euro zur Verfügung, damit mehr Menschen, insbesondere junge Familien, in die eigenen vier Wände kommen. Das ist das soziale Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft: Man ertüchtigt die Menschen, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, Eigentum zu bilden und am Ende auch eine gute Altersvorsorge zu haben. Das gewährleistet dieser Haushalt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine Schande für Deutschland, ehrlich gesagt!
Wir haben eine schwierige Haushaltslage, und deswegen war es uns sehr wichtig, dass wir uns neben den Dingen, die wir jetzt im Haushalt angehen, vor allem mit den in den letzten Jahren extrem gestiegenen Baukosten auseinandersetzen. Deswegen bin ich sehr dankbar, Frau Ministerin, dass Sie mit Ihrer Kollegin Frau Hubig jetzt die Eckpunkte zum Gebäudetyp E vorgelegt haben. Das ist der zentrale Hebel, um die Baukosten zu senken. Wir müssen in Deutschland wieder dazu kommen, nicht nur den Goldstandard bauen zu können – mit Sahnehäubchen und obendrauf noch die Kirsche –, sondern auch einen ganz vernünftigen, guten Standard. Wir müssen jedenfalls aus dieser Spirale der immer strengeren und immer kostentreibenderen Standards herauskommen. Das ermöglicht der Gebäudetyp E, und den bringen wir jetzt auf den Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen, damit bezahlbarer Wohnraum in Deutschland entstehen kann.
Es gäbe noch viel, viel mehr zu sagen. Ich will aber schließen damit, dass die Ministerin anfangs gesagt hat, ihr Ziel sei es, dass die Bagger wieder rollen. Die Bagger rollen vielleicht noch nicht so schnell, wie wir wollen, aber sie haben den Motor angeschmissen; die Schaufel ist jetzt auf dem Weg.
Ich kann nur sagen: Wir sind auf dem richtigen Weg, und ich wünsche Ihnen, liebe Frau Ministerin, dass demnächst nicht nur noch mehr Bagger rollen, sondern vor allen Dingen, –
Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es könnte so einfach sein: Die Verkehrspolitik dient den Bürgern und erleichtert ihnen die Wege von A nach B. Sicher, schnell und bezahlbar kommt man ans Ziel. – Davon ist Deutschland aber Jahrzehnte entfernt. Der Bürger muss immer mehr den Ideen der Regierung dienen. Autofahren wird erschwert und verteuert. Mit dem Zug soll man fahren, aber dafür braucht man zwei Stunden Zeitreserve, für alle Fälle. Das Angebot an Flügen wird immer kleiner. Wir müssen ja die Welt von Deutschland aus retten und verlieren dafür unsere Freiheit.
Die Folgen dieser allumfassenden Regulierung sind dramatisch: Das heraufziehende Verbot des Verbrennungsmotors zielt auf das erfolgreichste Exportprodukt der deutschen Industrie. Jedes Jahr gehen Zehntausende Arbeitsplätze verloren. Für alle, die so gerne nach Kipppunkten suchen: Hier ist einer!
Aber die Regierung handelt bestenfalls mit angezogener Handbremse. Heimlich am Steuer sitzt nämlich die SPD. Die Union hält linke Koalitionspartner ja ganz im Wortsinn für alternativlos.
Aber schauen Sie doch mal nach Brüssel! Nein, nicht zur Kommissionspräsidentin, Frau von der Leyen von der CDU, sondern auf das EU-Parlament. Da handeln jetzt Mehrheiten der Vernunft ganz ohne die linken Blockierer. So etwas ginge auch in Deutschland.
Aber Deutschland ist ja das Land mit der Mauer in den Köpfen, jedenfalls noch. Neunmalklug doziert der Sprecher der Grünen, der Kollege Banaszak, in der „Zeit“, der Zustand der Bahn sei demokratiezersetzend. Was heißt das? Weder werden Wahlurnen täglich mit dem Zug transportiert, noch hängt die Meinungsfreiheit von Bahngleisen ab. Der Zustand der Bahn hält aber allen, die von der Verkehrswende reden, den Spiegel vor. Die Zeit ist vorbei, in der alle Politiker und Medien den Bürgern alternativlos dasselbe sagen, nämlich dass sie hehren Zielen dienen und auf Züge, E-Autos und Lastenräder umsteigen sollen. Die grünen Träume zerschellen an der Wirklichkeit, und das ist gut so.
Seit Jahrzehnten spielen Politiker Eisenbahn und hinterlassen dabei einen Scherbenhaufen. In den 90er-Jahren träumten zwei unionsgeführte Bundesregierungen vom Börsengang und machten die Bahn zur Aktiengesellschaft. Der Bund ist aber als Eigentümer der Bahn für die Bahnstrecken verantwortlich. Das ist eine Frage des Gemeinwohls und in einer AG ganz bestimmt nicht gut zu Hause. Sehr wohl fühlt sich aber eine SPD-nahe Gewerkschaft, die zusammen mit einigen Regierungsvertretern den Aufsichtsrat dominieren möchte. Ob das der Sache dient, ist mehr als fraglich. Eines ist aber klar: Solange die Union und die SPD zusammen regieren, werden sie diese Probleme nicht beseitigen.
Auch heute spielt die Politik wieder Eisenbahn, und wie vor 30 Jahren tut es der Bahn nicht gut. Es führt die Bahn in Richtung Kollaps, wenn man „Verkehrswende!“ ruft und alle zum Umsteigen in ein System auffordert, das schon am Limit ist. Wer jetzt gefühlt auf allen kaputten Strecken gleichzeitig die Baustellen aufreißt und die Züge auf verstopfte Umleitungsstrecken schickt, hilft der Bahn auch nicht. Jetzt schlagen Speditionen und Behörden auf internationaler Ebene Alarm. Güterzüge haben auf den deutschen Strecken immer mehr Verspätung oder kommen gar nicht mehr durch. Die Versorgung der Industrie mit Grundstoffen gilt als gefährdet. Verkehre werden von der Schiene auf die Straße verlagert und nicht umgekehrt. Da muss die Politik handeln.
Wir müssen wieder den Bürgern und den Unternehmen dienen und die Fahrten und Transporte von A nach B erleichtern. Sicherheit, Pünktlichkeit und günstige Preise müssen das Ziel sein. Ideologien und der Ehrgeiz von Politikern müssen hintenanstehen. Wir von der AfD-Fraktion werden uns an diesen Maßstäben orientieren. Wenn wir politische Verantwortung tragen, lassen wir uns daran messen.
Wir sehen der Realität ins Auge und wissen: Die Straße wird in Deutschland nach allen Prognosen auch in der Zukunft die Hauptlast tragen. – Wir setzen mehr Geld für die Bundesfernstraßen ein, reparieren die maroden Brücken zügig und bekennen uns auch klar zum Neubau von Bundesstraßen und Autobahnen.
Wir drehen für die Bahn nicht einfach die Geldhähne auf. Das System Bahn muss langfristig entwickelt werden. Erst einmal braucht dieser Konzern klare und effiziente Strukturen. Im ersten Schritt stellen wir die Infrastruktursparte DB InfraGO klarer in den Dienst der Allgemeinheit. Dafür beenden wir auch den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen DB-Konzern und DB InfraGO. Der zweite Schritt ist die eigentliche, wirksame Bahnreform. Wir beenden das gescheiterte Experiment mit der Aktiengesellschaft und wandeln den Konzern in eine GmbH um. Dasselbe gilt für die Infrastruktursparte, aber nicht für die Verkehrsunternehmen. Dann ist die Steuerung durch den Bund endlich klar geregelt.
Bevor wir fast überall zeitgleich Baustellen aufreißen, denken wir an die Umleitungsstrecken. Was spricht eigentlich dagegen, zum Beispiel in meiner bayerischen Heimat zuerst die Strecke von München über Mühldorf nach Salzburg auszubauen, bevor wir den heutigen Korridor über Rosenheim durch eine sogenannte Generalsanierung lahmlegen?
Die richtigen Prioritäten für Straße und Bahn ergänzen wir mit einem wachen Blick auf die Bundeswasserstraßen. Wenn wir diese ordentlich in Schuss halten, bieten sie wichtige zusätzliche Kapazitäten.
Die Luftfahrt entlasten wir von der wachsenden Kostenlawine. Das heißt für uns auch: Die Luftverkehrsteuer muss nicht nur gesenkt, sondern gestrichen werden.
Die AfD setzt sich für eine freiheitliche Verkehrspolitik ein. Wir dienen den Bürgern und den Unternehmen. Wir erleichtern die Wege von A nach B, so gut es geht. Wir sorgen für bezahlbare Preise. Das ist unsere Verkehrswende. Die linken und grünen Oberlehrer und Weltenretter –
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister Patrick Schnieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, es war wirklich ein hartes Stück Arbeit. Aber heute ist die zentrale Botschaft zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur: Alles, was in Deutschland baureif ist, wird auch gebaut.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fast!
Wir haben die Investitionslinie so hochgefahren, dass wir heute mit Rückendeckung der Koalitionsspitzen ebendies verkünden können. Das ist ein Durchbruch in ein neues Zeitalter und bietet die dringend notwendige und langfristige Planungssicherheit für unsere Bauunternehmen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Wenn wir über Infrastruktur sprechen, dann geht es um nichts Geringeres als um die Zukunft unseres Landes. Im Besonderen gilt dies für die Verkehrsinfrastruktur. Deshalb investieren wir in den kommenden Jahren insgesamt über eine halbe Billion Euro, um den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder fit für die Zukunft zu machen. Denn unser Wohlstand gründet auch auf einer starken, wettbewerbsfähigen Wirtschaft, deren Lebensadern unsere Verkehrsträger sind.
Ohne gut ausgebaute und verlässliche Verkehrswege gibt es kein Wachstum und keine stabile Versorgung mit Gütern. Deshalb ist diese Prioritätensetzung der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD im Haushalt 2026 exakt richtig und zielführend.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Für das Bundesministerium für Verkehr beträgt der Anteil des Kernhaushalts für das nächste Jahr rund 28 Milliarden Euro; die Hälfte davon, knapp 14 Milliarden Euro, sind reine Investitionen.
Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu wenig Investitionen!
Es ist nach wie vor das Investitionsministerium. Bis 2029 kommen aus dem Sondervermögen Infrastruktur zusätzlich 96 Milliarden Euro hinzu, rein investiv, also mit 100 Prozent Investitionsquote – das in Richtung der ewigen Kritiker.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Investitionsquote wird von 70 auf 48 Prozent gesenkt!
Lieber Minister Patrick Schnieder, das zeigt: Wir übernehmen Verantwortung für Deutschland und setzen alle Hebel in Bewegung, um den bisher höchsten Investitionsansatz aller Zeiten zu schaffen und Impulse für Wachstum und Beschäftigung zu setzen.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen, Herr Minister, und allen Mitarbeitern Ihres Hauses ein herzliches Dankeschön für die gute Zusammenarbeit aussprechen. Die nun von uns beschlossene Investitionslinie muss am Ende auch umgesetzt werden.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir packen an. Konkret ein paar Beispiele: Wir erneuern marode Brücken mit unserem Sanierungsprogramm, unterstützen innovative Technologien in den deutschen See- und Binnenhäfen und setzen zusätzlich 3 Milliarden Euro für die Straße ein. Wir stärken den Luftverkehr in Deutschland und reduzieren unter anderem die Luftverkehrsteuer. Wir unterstützen die regionale Luftfahrt bei den Flugsicherungsgebühren; denn wir wollen den Luftverkehr in der Fläche halten. Dies ist auch ein klares Bekenntnis für gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land.
München wurde als weiterer Standort für das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft – neben Hamburg, Karlsruhe, Minden und Annaberg-Buchholz – reaktiviert.
Victoria Broßart [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da wurde überhaupt nichts reaktiviert!
📢
Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wir haben die Weiterplanung der Franken-Sachsen-Magistrale forciert und Investitionen in den kombinierten Verkehr verstärkt. Im Bahnbereich sind 100 Millionen Euro mehr für Planungen reserviert, damit auch diese vorankommen.
In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem meinem Haushaltskollegen Uwe Schmidt herzlich danken. Unsere enge Zusammenarbeit in der Koalition zeigt deutlich, dass wir Deutschland im Bereich der Verkehrsinfrastruktur erfolgreich voranbringen können, gerade weil wir gemeinsam an einem Strang ziehen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber in die falsche Richtung! Das ist doch das Problem!
Gleichzeitig möchte ich nicht vergessen, auch dem Kollegen Thorsten Rudolph, der das Sondervermögen mitverantwortet, für das konstruktive Miteinander zu danken.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir haben aber auch noch Aufgaben vor uns. Die Autobahn GmbH braucht dringend mehr Flexibilität, muss kreditfähig werden, und den Finanzierungskreislauf Straße müssen wir wieder schließen. Denn wir dürfen nicht vergessen: 70 Prozent der Verkehrsleistung im Güterverkehr und 85 Prozent der Verkehrsleistung im Personenverkehr werden am Ende durch die Straße abgefangen.
Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das liegt auch an eurer Politik! Ihr wollt es ja gar nicht anders!
Über 169 Milliarden Euro investieren wir in den kommenden Jahren in unsere Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserwege sowie in die Luftfahrt – ein absoluter Rekordwert. Damit hebeln wir auch privates Kapital. Die langfristige und verlässliche Bereitstellung dieser Investitionen ermöglicht auch der Bauwirtschaft den Aufbau hinreichender Baukapazitäten sowie Preisstabilität am Bau. Das führt – abschließend – zur nachhaltigen Stärkung der Infrastruktur und zu mehr Wachstumspotenzial in Deutschland.
Unser Ziel bleibt: Wir setzen weiterhin alles daran, –
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Berichterstatterkollegen! Liebe Parlamentarier und liebe Besucherinnen und Besucher! Es ist schon längst nicht mehr nur die gesprengte Rahmedetalbrücke. Es ist nicht mehr nur die Carolabrücke in Dresden, die jetzt endlich abgetragen ist. Und es ist auch nicht mehr nur die Ringbahnbrücke in Berlin, die marode ist. Wir haben in diesen Wochen wieder die Situation, dass ganz Nordwestdeutschland fast komplett vom Bahnfernverkehr abgekoppelt ist, weil die Brücke über die Hunte bei Oldenburg nur noch eingleisig befahrbar ist. Bei mir um die Ecke ist die Agra-Brücke auf der B2 – da ist der gleiche Stahl verbaut wie bei der Carolabrücke –, auf der keine Lkws mehr fahren können. Sie können sich vorstellen, wo die Lkws stattdessen langfahren. Und wir haben im Bereich der Berliner Stadtautobahn auf Jahre Sperrungen ohne Ende im bestehenden Bereich.
Stephan Stracke [CDU/CSU]: Dann hätten Sie das ja vor drei Jahren schon mal angehen können!
📢
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben wir gemacht!
Vor diesem Hintergrund haben wir unseren Arm für das Sondervermögen Infrastruktur gehoben. Sie kennen unsere Kritik an der Art und Weise, wie Sie dieses Sondervermögen zweckentfremden, und ich nehme nicht mal die gesamte Palette an Kritikpunkten. Sie hätten die Möglichkeit, mit diesem Sondervermögen bis zu 5 Prozent Wachstum bis 2030 zu generieren – Wirtschaftswachstum, das es in diesen Zeiten braucht. Denn das würde in dieser Situation die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung vor Ort bedeuten. Sie lassen diese Möglichkeit liegen, weil Sie jeden zweiten Euro des Sondervermögens eben nicht für zusätzliche Investitionen einsetzen.
Sie haben gesagt, der Verkehrshaushalt sei ja immer noch so ein toller Investitionshaushalt. Lieber Florian Oßner, du weißt ganz genau: Wir hatten bislang immer einen Verkehrshaushalt mit einer Investitionsquote von 70 Prozent. Mit dieser Bundesregierung sackt diese auf 48 Prozent ab – das ist eine Abbruchkante noch und nöcher –,
Aber ich sage euch eines: Je mehr Geld man ausgibt, je mehr Schulden man aufnimmt, umso mehr Kontrolle braucht es. Und diese auszuüben, schaffen wir nicht als Haushälter allein; dafür brauchen wir den Bundesrechnungshof. Ihr müsst euch sehr gut überlegen, ob ihr diese Kürzungen nicht rückgängig macht.
Dann haben wir euch vorgerechnet, was man alles an zusätzlichen Bahnstrecken in diesem Land bauen könnte, wenn man das Geld nicht zweckentfremdet. Aber keine einzige zusätzliche Bahnstrecke wird finanziert. Und dafür bräuchte es nicht mal die kompletten 500 Milliarden Euro. Auch das macht ihr nicht. Ihr macht wieder die Schleusen dafür auf, dass das Ministerium am Haushalt und am Parlament vorbei Geld vom Erhalt in den Neubau lenken kann, auch wenn es der Bundestag anders beschließt, weil ihr die sogenannten Deckungskreisläufe wieder aufmacht.
Stephan Stracke [CDU/CSU]: Nein, überhaupt nicht! Wir wollen bauen, und dafür brauchen wir die notwendige Flexibilität! Sie wollen nur nicht bauen! Das ist der Unterschied!
📢
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch! Wir wollen sanieren!
📢
Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Es muss gebaut werden! Die Bagger müssen rollen!
Sie gaukeln den Menschen im Land etwas vor, aber schaffen am Ende nur eines: Sie haben damit nicht nur das Vertrauen unsererseits aufs Spiel gesetzt. Sie werden bei uns niemanden mehr finden, der noch mal mit Ihnen stimmt und Geld freigibt; das haben Sie mit diesem Sondervermögen geschafft. Sie haben es auch geschafft, dass Ihnen in der Bevölkerung niemand mehr glaubt, wenn Sie Versprechen nicht einhalten.
Stephan Stracke [CDU/CSU]: Das sagt ja genau die Richtige! Drei Jahre Ampel!
Das Sondervermögen ist ja eines der großen gebrochenen Versprechen dieser Koalition; die Leute sehen ja, dass nichts zusätzlich gebaut und saniert wird.
500 Milliarden Euro zusätzliche Schulden, die alle mitfinanzieren müssen, aber kein bisschen mehr gesunde Infrastruktur dafür auf der Gegenseite!
Ich sage Ihnen noch etwas: Sie haben auch in Ihren eigenen Reihen Vertrauen verspielt. Die Junge Gruppe findet das Sondervermögen und wie das Geld jetzt ausgegeben wird, auch nicht gut. Auch der Rentenstreit, den Sie jetzt haben, ist Folge enttäuschten Vertrauens aus der Geschichte um das Sondervermögen. Man kann an der Stelle nur hoffen, dass Sie sehr schnell auf andere Stimmen angewiesen sind und dieses Sondervermögen neu aufgegleist werden muss,
Jetzt könnte ich zum Ausklang der Rede noch ein paar schmissige Sätze formulieren; aber ich dachte, das ist vielleicht gar nicht die Mühe wert. Ich hätte auch ChatGPT fragen können, aber dafür braucht es ja Rechenleistung. Wir haben ja in der letzten Zeit gelernt, dass das beste Reservoir für Oppositionsreden in dieser Legislatur ist, einfach auf das zurückzugreifen, was die Kollegen aus der Unionsfraktion noch vor einem Jahr erzählt haben.
Daniel Kölbl [CDU/CSU]: Zitieren Sie mal das Original!
Was wir mit diesem Haushalt erleben,
„gleicht schon fast einer Verstümmelung des […] Haushalts für […] Verkehr, […]. Um […] Milliarden […] an der Schuldenbremse vorbeizuschummeln, sollten neue Haushaltstricks angewandt werden […].“
Das kommt einem irgendwie bekannt vor.
„[…] die Frage der Mobilität […] darf nicht zum Testlabor missratener […]haushaltspolitik werden. Das ist eine Versündigung an der wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands.“
Machen Sie endlich ordentliche Haushaltspolitik! Dann braucht es auch keine Umetikettierung von Schulden, nur „um noch mehr Schulden machen zu können“.
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Typisch gut!
ich fand es ganz amüsant. Aber jetzt kommen wir mal wieder zum Einzelplan 12 zurück; denn das SVIK hat, glaube ich, einen eigenen Wirtschaftsplan. Das können wir dann besprechen, wenn es so weit ist.
Wir alle wissen, wie wichtig eine gute Infrastruktur, die funktioniert, für unser Land ist. Es ist an uns, das zu ermöglichen, und genau das machen wir – Florian Oßner hat es gerade eben beschrieben –: für unsere Straßen, Schienen und Wasserstraßen – sie sind die Lebensadern unserer Gesellschaft – und allem voran für unsere Wirtschaft. Das ist, glaube ich, das Entscheidende daran.
Diese Infrastruktur muss nicht nur vorhanden sein, sie muss auch zuverlässig funktionieren. Große Teile unserer Infrastruktur sind in die Jahre gekommen – ja, das stimmt. Wir müssen daher alle Verkehrsträger in den Blick nehmen, das heißt: Straßen sanieren, Schienennetze modernisieren und Wasserstraßen weiterentwickeln. Nur wenn diese Verkehrssysteme ineinandergreifen und zuverlässig funktionieren, können wir unseren Wohlstand sichern; das hat der Kollege Oßner gerade schon gesagt. So organisieren wir auch sozialen Zusammenhalt.
Der Verkehrshaushalt spielt dabei die zentrale Rolle und nicht nur das Sondervermögen. Aber zusammen mit dem Sondervermögen schaffen wir die Grundlage für Rekordinvestitionen in den Ausbau und die Modernisierung von Straßen und Schienen. Es gilt bereits heute – Florian hat es eben gesagt –: Alles, was baureif ist, wird gebaut – in Abstimmung mit dem Parlament. Das haben wir mit dem Minister verabredet, und das hat er uns auch zugesagt. Danke für Ihre Zusage und für Ihren Einsatz dahin gehend! Es hat nämlich etwas mit Transparenz zu tun, dass das Parlament an den Verfahren beteiligt wird. Es ist mitnichten so, dass das ausschließlich das BMV machen wird.
In der ersten Lesung zum Haushalt 2026 haben Sie zu Recht gesagt, dass wir auf allen Feldern der Verkehrsinfrastruktur liefern müssen. Genau, und das werden wir auch.
Zur Wahrheit gehört auch: Wir haben das SVIK auflegen müssen, um Versäumnisse der Vergangenheit zu beheben. Die Verfahren der letzten Jahrzehnte dürfen nicht die gleichen sein, die uns erst in diese prekäre Situation gebracht haben. Herr Minister, Sie müssen die Strukturen in der Verwaltung anpassen; darüber haben wir schon geredet. Das Parlament hat bereits geliefert: Geld ist da. Jetzt ist die Verwaltung dran. Bei Infrastrukturprojekten ergeben sich jahrelange Verzögerungen, vor allem aus dem Verfahren heraus.
Gut, dass Ihr Haus aktuell das Infrastruktur-Zukunftsgesetz erarbeitet. So kann schneller gebaut und saniert werden. Es soll vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt werden. An der Küste sagt man: Denn man tau!
Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten. Baureife Projekte werden unverzüglich umgesetzt, damit der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht abgehängt wird. Es ist an der Zeit, das vorhandene Potenzial in den Verwaltungen aktiv zu fördern, aber auch entsprechend zu fordern. Das fängt in Ihrem Ministerium an. Es braucht Mut zu Veränderungen von innen, mit frischen Ideen, einem neuen Blickwinkel, weg vom Prozess und hin zum Projekt. Pragmatische Lösungen – darin liegt der Schlüssel zum Erfolg.
Und es soll mir hier keiner mehr erzählen, es liege in Deutschland am Geld. Bis 2029 investieren wir, hoffentlich, um die 166 Milliarden Euro in unsere Infrastruktur. Wir stellen die notwendige Flexibilität finanzieller Art her. Sorgen Sie für die erforderliche Flexibilität auch in der Umsetzung!
Wir haben in den parlamentarischen Beratungen zum Haushalt bewiesen, dass Sie sich auf uns verlassen können. Das hat nicht zuletzt der gemeinsame Kraftakt bei der Trassenpreisförderung gezeigt. Florian, ich glaube, wir haben zusammen mit unseren Verkehrspolitikerinnen und Verkehrspolitikern etwas Wegweisendes hinbekommen.
In den letzten Wochen haben wir auch im Bereich „Schifffahrt und Wasserstraße“ nachgeschärft. Liebe Paula, deine berechtigte Kritik am Haushalt 2025 haben wir natürlich aufgegriffen. Wir haben reagiert, indem wir verstärkt in die nachhaltige Modernisierung der Küstenschifffahrt und in das Motorenprogramm für die Binnenschifffahrt investieren, damit auch diese Flotten moderner und effizienter werden.
Das Förderprogramm IHATEC – der Kollege Oßner hat es eben angesprochen – sichern wir mit zusätzlichen 16 Millionen Euro in den nächsten Jahren ab, damit die deutsche Hafeninfrastruktur zukunftsfähig bleibt. So wird der technologische Fortschritt gefördert und werden Arbeitsplätze in diesem Bereich gesichert.
Neben der Zukunft nehmen wir auch unser maritimes Erbe in den Blick. Mit dem Erhalt von historischen Wasserfahrzeugen garantieren wir künftigen Generationen den Zugang zu unserer wertvollen maritimen Geschichte. Dabei können diese alten Schiffe natürlich auch auf moderne Antriebstechnologien umgerüstet werden.
Schließlich war der Transport über den Seeweg jahrhundertelang klimafreundlich, Stichwort „Segelschiffe“.
Stück für Stück haben wir gemeinsam den Haushalt verbessert. Vielen Dank an meinen Kollegen Florian Oßner, aber auch an dich, Kollegin Piechotta; du hast uns auch das eine oder an andere an Anregungen gegeben. Wie immer ist aber noch Luft nach oben.
Herr Minister, Sie haben zugesagt, dass Sie sich für die Aufnahme der Bundeswasserstraßen ins SVIK starkmachen. Das ist Ihnen bisher noch nicht so richtig gelungen. Wir werden Sie weiter unterstützen.
bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Die nationale Bedeutung der Häfen anzuerkennen, ist das eine, die notwendigen Mittel auszubringen, das andere. Dass der Bund in unsere Seehäfen investieren kann, wissen wir bereits. Die deutschen See- und Binnenhäfen sind volkswirtschaftlich mehr als relevant. Häfen wie Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Rostock oder Kiel, aber auch Duisburg und andere Binnenhäfen verbinden uns mit den Märkten in Europa und dem Rest der Welt.
– Da klatscht der Duisburger. – Ohne unsere Häfen enden Schienen, Straßen und Pipelines im Nirgendwo. Ohne diese Infrastruktur steht der Wirtschaftsstandort Deutschland still. Die jährlichen Finanzhilfen des Bundes an die fünf nördlichen Bundesländer sind eindeutig zu wenig. Hier müssen wir gemeinsam dranbleiben. Sorgen wir dafür, dass das Land diesen Kraftakt gemeinsam bewältigen kann! Das gelingt mit Verantwortung und Weitsicht, mit uns als Koalition.
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Schnieder, „Erhalt vor Neubau“ – ich sage es gerne noch einmal: Erhalt vor Neubau –, diesen Grundsatz haben Sie zu Beginn der Haushaltsberatungen als Richtschnur für die künftigen Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur ausgegeben, ein Satz, der genau zu den Herausforderungen passt, vor denen wir stehen. Marode Brücken, sanierungsbedürftige Fahrbahnen, überlastete Betriebsdienste – das alles sind Gründe, die dafürsprechen, dass wir erst das Vorhandene in Schuss bringen, bevor wir neue Betonprojekte in die Landschaft setzen. Und was passiert nun tatsächlich mit diesem Vorsatz? Sie werfen ihn so schnell über den Haufen, dass man gar nicht hinterherkommt.
Konkret geht es um den Titel der Autobahn GmbH. Hier haben Sie auf den letzten Beratungsmetern mal eben den Mechanismus gestrichen, welcher die Mittel für Aus- und Neubauprojekte bei den Bundesstraßen klar definiert. Das heißt: Sie können nun – ohne Rechenschaft, ohne Transparenz – durch die Hintertür doch mal eben mehr Gelder für den Neubau als für den Erhalt einsetzen. Ups!
Auch bei den Bundesstraßen gab es kurz vor Schluss noch Verschiebungen zugunsten von Neubauprojekten. 450 Millionen Euro weniger sollen nun in den Erhalt fließen. Dabei ist der Erhalt eh schon systematisch unterfinanziert. Da frage ich mich ernsthaft, wie das alles mit den vollmundigen Ankündigungen zur Einrichtung des Sondervermögens zusammenpasst. Zur Erinnerung: Das Sondervermögen wurde eingerichtet, um unsere marode Infrastruktur im großen Stil zu sanieren, nicht um Mittel für neue Projekte freizuschaufeln. – Doch damit nicht genug. Die pauschalen Kürzungsvorhaben aus dem Finanzministerium führen im Verkehrshaushalt, einem klassischem Investitionshaushalt, nun dazu, dass beim Betriebsdienst für die Bundesstraßen gespart wird; der ist unter anderem für Kontrolle, Wartung, Instandhaltung und Reparatur der Bundesstraßen zuständig. Fällt Ihnen etwas auf, meine Damen und Herren?
Lassen Sie mich als Letztes auf die Bundeswasserstraßen zu sprechen kommen; denn auch hier wird gespart, obwohl der Bedarf riesig ist. Fast ein Drittel des gesamten deutschen Außenhandels wird über die deutschen Seehäfen abgewickelt. „Unsere maritime Wirtschaft steht für einen jährlichen Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro“, das schreiben Sie selbst auf Ihrer Webseite. Gleichzeitig lassen Sie die Infrastruktur sehenden Auges verkommen. Das ist doch niemandem mehr zu vermitteln,
schon gar nicht den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die nach Ihrer eigenen Aussage davon profitieren sollen, wenn die Wasserstraßen gut geplant, erhalten und betrieben werden.
Ich kann nur hoffen, dass Sie für den nächsten Haushalt mehr Weitsicht walten lassen. Denn eines ist klar: Wenn Sie Ihre eigenen Grundsätze nicht ernst nehmen, dann wird das mit der Modernisierung der Infrastruktur nie etwas. Und dann zahlen am Ende die Menschen den Preis: mit Staus, mit Einschränkungen, mit Risiken und mit einer Infrastruktur, die immer weiter verfällt.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! In der vergangenen Woche haben wir die Studie „Mobilität in Deutschland“ vorgestellt, eine Studie, die alle fünf bis sieben Jahre erhoben wird, eine der größten, wenn nicht die größte Studie der Welt, was die Anzahl der Befragten und die Tiefe der Erkenntnisse, die vermittelt werden, angeht. Diese Studie hat, ohne dass man schon in Details einsteigen will und kann, einige besondere Erkenntnisse zutage gebracht.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen sehr stark davon abhängen, wo sie leben, dass die Mobilitätsbedürfnisse sehr breit gefächert, sehr weit ausdifferenziert sind.
Ein zweites wichtiges Ergebnis der Studie ist: Das Auto bleibt für die meisten Bürgerinnen und Bürger das wichtigste Verkehrsmittel. 53 Prozent der Wege, 73 Prozent aller Kilometer werden als Autofahrer oder als Mitfahrer zurückgelegt. Aber die Zahlen gehen zurück.
Interessant ist auch die Nutzung von E-Autos. Die Bewegungsmuster sind nicht mehr zu unterscheiden von denen des Verbrenners,
auch nicht, was die Reichweite betrifft. Das heißt, die Menschen akzeptieren das E-Auto als vollwertigen Ersatz für das Verbrennerauto. Das ist eine Entwicklung, auf die wir reagieren müssen. Wir haben deshalb in der vergangenen Woche den Masterplan Ladeinfrastruktur im Kabinett verabschiedet und anschließend vorgestellt, um den Hochlauf der E-Mobilität weiter voranzutreiben. Unser Haus hat 41 Maßnahmen identifiziert und zusammengestellt, die wir umsetzen wollen, um die Infrastruktur im Ladebereich voranzutreiben, was Pkw angeht, was schwere Nutzfahrzeuge angeht. Wir fördern den Einsatz von E-Bussen. Das ist eine direkte Antwort auf die beschriebene Entwicklung. Alles, was dem Fortschritt bei der E-Mobilität hilft und sinnvoll ist – es gibt andere Ressorts, die noch überlegen, wie man E-Mobilität fördern kann –, findet die Unterstützung meines Hauses.
Die Studie zeigt darüber hinaus auch, dass mehr Menschen zu Fuß gehen und stärker den ÖPNV nutzen. Ich will darauf hinweisen, dass wir die Stärkung des Fußverkehrs im Koalitionsvertrag vereinbart haben, was ich richtig finde. Wir sind wieder auf dem Stand von 2008, was die Nutzung des Fußverkehrs angeht. Auch daraus muss man Schlussfolgerungen ziehen. Die stärkere Nutzung des ÖPNV liegt nicht zuletzt am Deutschlandticket, das wir jetzt verstetigt haben und dessen Bestehen wir bis 2030 gesichert haben.
Wir müssen alle Verkehrswege in den Blick nehmen. Wir müssen die Bedürfnisse der Menschen in den Blick nehmen, um ihre Mobilitätsbedürfnisse abbilden zu können. Ich sage: Mit dem, was wir im Haushalt für 2026 veranschlagt haben, gehen wir genau in diese Richtung. Die Veränderung, die Entwicklung, die wir in diesem Bereich feststellen, unterstützen wir mit der Verkehrspolitik, die wir hier betreiben.
Genau deshalb packen wir den Sanierungsstau entschlossen an und investieren. Im kommenden Jahr sind es über 34 Milliarden Euro, die wir für die klassische Verkehrsinfrastruktur bereitstellen. Mit Abstand die meisten Mittel fließen in den Bereich der Schiene. Und das ist auch gut und richtig so, weil wir dort den größten Nachholbedarf haben. Ich sage auch: Erhebliche Mittel kommen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität.
Im gesamten Verkehrshaushalt, in allen Bereichen gilt der Grundsatz: Erhalt vor Neubau. Das galt schon bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans, und das gilt auch bei den Investitionen, die wir jetzt tätigen. Dieses Prinzip können auch zusätzliche Mittel für Neubau, die einen wirklich kleinen Teil ausmachen, nicht aufheben. Und noch mal: Die Verteilung ist richtig. Wir haben viel aufzuholen, und das werden wir tun – bei allen Verkehrsträgern.
Aber „Erhalt vor Neubau“ heißt eben nicht „Erhalt und kein Neubau“. Es gibt auch Projekte, die für die Menschen vor Ort wichtig sind. Sie warten seit Jahren auf die Umsetzung von baureifen Projekten. Sie warten darauf, dass sie von Emissionen, Lärm und anderen Dingen befreit werden. Sie warten darauf, dass Lücken im Autobahnnetz geschlossen werden, was übrigens auch hinsichtlich des Klimaschutzes sinnvoll ist. Deshalb war es gut und richtig, dass der Koalitionsausschuss gesagt hat: Was baureif ist, wird auch gebaut. – Wenn der Haushalt verabschiedet ist, werden wir in der nächsten Woche baureife Projekte freigeben. Das wird ein wichtiges Signal sein – nicht nur an die Menschen, dass wir das anpacken, sondern auch an die Baubranche, dass es dort weiter- und vorangeht.
Es geht voran – Schritt für Schritt, Projekt für Projekt, überall im Land.
Natürlich wollen wir das auch schneller machen. Deshalb habe ich Eckpunkte für eine beschleunigte Planung und Genehmigung vorgelegt. Die beziehen sich auf außergesetzliche Verfahren und betreffen das nationale Recht, und sie werden auch die EU-Gesetzgebung betreffen, weil wir auch dort noch hohe Potenziale heben können. Wir haben den entsprechenden Gesetzentwurf Mitte Oktober vorgelegt, um Planung und Genehmigung zu beschleunigen, um die Dinge schneller umsetzen zu können. An uns soll es nicht scheitern, dass wir das möglichst schnell umsetzen können. Ich hoffe daher auch auf eine breite Zustimmung zu unserem Gesetzentwurf hier im Bundestag.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir sind entscheidende Schritte vorangekommen: mit dem eben erwähnten Masterplan Ladeinfrastruktur, mit der Finanzierungssicherheit für das Deutschlandticket über 2026 hinaus, mit der Bahnagenda, mit der geplanten Entlastung der Luftverkehrsbranche – wir wollen am Luftverkehrsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähig sein –, mit Vorschlägen für einen günstigeren Führerschein – nebenbei ein Bürokratieentlastungsprogramm – und mit wichtigen Digitalprojekten wie der neuen i-Kfz-App – nach wenigen Wochen mehr als 1 Million Mal abgerufen; das zeigt, wie groß das Interesse bei den Menschen daran ist.
Auch dieser Haushalt trägt dem Rechnung. Er ermöglicht Investitionen in Schiene, in ÖPNV, in Radverkehr, in eine klimafreundliche Schifffahrt, in Straßen und Brücken, den wichtigen Lebensadern für unsere Mobilität.
Deshalb ein herzliches Dankeschön an den Haushaltsausschuss und an die Berichterstatter, auch für die Hilfestellung dort, wo es aus unserer Sicht geruckelt hat. Wir haben das Ergebnis hinbekommen. Dafür bin ich sehr dankbar; das habe ich im Haushaltsausschuss gesagt, das sage ich auch hier noch mal sehr gerne. Denn im Ergebnis wichtig ist, dass wir das auf die Schiene bekommen.
Jetzt geht es darum, dass die Menschen konkreten Fortschritt spüren und sehen: Deutschland kann mehr, Deutschland kann schneller, Deutschland kann moderner. Deutschland kann das, wenn wir es gemeinsam anpacken. Und ich bin überzeugt: Dieser Haushalt macht das möglich.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Was hier heute als Haushalt für das Jahr 2026 präsentiert wird, ist kein Zukunftsplan für Deutschland. Es ist ein Flickenteppich aus Wunschträumen, Verschiebebahnhöfen und finanzpolitischer Verantwortungslosigkeit.
Der Haushaltsplan für Verkehr bedient sich mittlerweile aus sechs verschiedenen Töpfen und enthält eine ganze Reihe von Vermischungen zwischen Bundesaufgaben und Länderaufgaben. Die maroden Straßen und Brücken in unserem Land verursachen massive Schäden für unsere Wirtschaft, die in weiten Teilen wegen Ihrer ideologiegetriebenen Politik ohnehin schon desaströse Wettbewerbsnachteile erleidet.
Mit der sogenannten CO2-Bepreisung, die Sie ab dem kommenden Jahr und danach knallhart weiter nach oben drehen, kommen die nächsten Kostenexplosionen auf die deutschen Autofahrer an den Tankstellen zu. Unser Nachbar Polen zeigt: Billigerer Kraftstoff ist machbar, und zwar mit deutlich geringeren Steuern und Abgaben. Aber Ihr Wille und der Ihrer Vorgänger war und ist es, das Autofahren zu verteuern – sei es durch die CO2-Bepreisung oder durch hohe Energiesteuern. Wir fordern: Machen Sie dauerhaft Schluss mit all den hohen Abgaben und Bepreisungen! Gehen Sie runter mit den horrend hohen Steuern auf Kraftstoff!
In Ihrer mittelfristigen Finanzplanung für Straßen und Brücken klafft trotz Rekordsteuereinnahmen eine große Lücke in Milliardenhöhe. Während beim Bau und der Erhaltung unserer Bundesfernstraßen für 2026 bis 2029 fast 15 Milliarden Euro fehlen, planen Sie für 2026, die Zahlungen für Militärausgaben an die Ukraine nochmals deutlich zu erhöhen, nämlich auf 11,5 Milliarden Euro. Sie planen also in nur einem einzelnen Haushaltsjahr, deutsches Steuergeld in einer Größenordnung an die Ukraine zu verschenken, mit der sich der Bedarf bei unseren maroden Straßen und Brücken im Bundesbereich für fast vier Jahre decken lassen würde. Was für ein Irrsinn!
Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schämen Sie sich!
Und es geht weiter: Der Investitionsbedarf allein für Straßen und Brücken liegt bei circa 100 Milliarden Euro. Währenddessen leiten Sie nächstes Jahr wieder fast 20 Milliarden Euro in den Bereich Schiene und ignorieren damit die grundlegende Realität unseres Verkehrssystems. Die Bahn ist in Deutschland ohne Zweifel wichtig, aber sie kann die Hauptlast nicht übernehmen. Über 80 Prozent des gesamten Verkehrs findet auf der Straße statt. Das ist objektiv belegbar. Und genau diese Struktur muss sich konsequent im Haushalt widerspiegeln. Doch diese Regierung weigert sich, ihre Verkehrspolitik an den tatsächlichen Bedürfnissen unseres Landes auszurichten.
Die Wasserstraßen fallen bei Ihnen ganz hinten runter. Weder wurden sie in den Haushaltsberatungen mit Mitteln verstärkt, noch werden sie als verteidigungsrelevante Infrastruktur betrachtet.
Wir sehen fünf Punkte als prioritär:
Erstens. Jeder Euro aus der Lkw-Maut muss vollständig in die Straße fließen. Die Lkw-Maut muss um mindestens 2 Milliarden Euro jährlich gesenkt werden.
Zweitens: klare Priorisierung zugunsten des Verkehrsträgers Straße. Wir fordern mehr jährliche Brückensanierungen. Unseren Antrag, die Mittel für Straßen um 1,6 Milliarden Euro zu verstärken, haben übrigens alle anderen Fraktionen abgelehnt.
Drittens: beschleunigtes Genehmigungsrecht für Brückensanierungen. Brückenbauten in Österreich und Italien zeigen, wie es geht.
Viertens: weg mit dem ideologischen Ballast im Haushalt, der Autofahrer behindert.
Fünftens: klare Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. Der Mischfinanzierungsdschungel muss neu geordnet werden.
Abschließend: Solide Haushaltsführung bedeutet, endlich Schluss zu machen mit ideologischen Projekten und sich wieder auf das zu konzentrieren, was wirklich notwendig ist. Verkehrspolitik hat den Bürgern und unserer Wirtschaft zu dienen und nicht irgendeiner grünen Symbolpolitik, die an der Realität vorbeigeht.
Der Staat hat die Aufgabe, ein leistungsfähiges Verkehrsnetz bereitzustellen – finanziert aus den tatsächlichen Einnahmen und nicht über irgendwelche Schuldenkonstruktionen. Das ist seine Pflicht! Und für genau diese vernünftige, faktenorientierte Verkehrspolitik stehen wir, die Alternative für Deutschland.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister Patrick Schnieder! Heute besprechen wir den Verkehrshaushalt, der sich tatsächlich mit der Realität auseinandersetzt, nicht so wie die Reden der AfD.
Sie blenden völlig aus, dass wir eine geopolitische Bedrohungslage durch Russland haben und dass Ihr Lieblingsverkehrsträger – die Straße –, zu dem Sie ein schon fast fetischhaftes Verhältnis pflegen, schon jetzt völlig überlastet ist
bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Was ist die Realität? Wir investieren Rekordsummen in die Verkehrsinfrastruktur. Das tun wir, weil der Sanierungsstau derart groß ist, dass es real notwendig ist, bei allen Verkehrsträgern deutlich in die Sanierung zu investieren. Der Verkehrsminister hat es gesagt – das ist die Realität –: Mit diesem Haushalt und dem Sondervermögen versuchen wir, viele Aufgaben bei allen Verkehrsträgern zu lösen, aber der Schwerpunkt liegt klar auf der Sanierung. Und das ist auch gut so und notwendig.
Ich möchte den Blick auf einen weiteren Bereich werfen, der die Verkehrspolitik betrifft, aber nicht im Einzelplan abgebildet ist, nämlich den Klima- und Transformationsfonds. Alles, was wir damit tun, dient dazu, die Transformation der Automobilindustrie zu unterstützen und die Erreichung unserer Klimaziele voranzutreiben. Wir haben für die Ladeinfrastruktur 1,7 Milliarden Euro eingestellt, und zusätzlich hat die Bundesregierung erst kürzlich den Masterplan Ladeinfrastruktur noch mal erneuert. Das ist sehr wichtig, und ich möchte an der Stelle sagen: Das ist ein Bereich, wo der Ausbau wirklich voranschreitet und wir deutliche Erfolge erzielt haben. Wir haben in den letzten drei Jahren die Anzahl der Ladepunkte verdreifacht und somit die Ladeleistung verdoppelt.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Das ist sehr wichtig.
Ich will an der Stelle auch sagen, dass der Wandel zur Elektromobilität unausweichlich voranschreitet. Wir sehen ja auch anhand der neuesten Daten, dass die Menschen, die diese Technologie ausprobieren, merken, dass es keine Einschränkung bedeutet, E-Auto zu fahren. Die Bundesregierung hat einen Anteil daran, weil sie die Infrastruktur bereitstellt. Deswegen weise ich es zurück, wenn die Automobilindustrie Vorwürfe in den Raum stellt, die Ladeinfrastruktur würde nicht genug ausgebaut werden und die Elektromobilität sei deshalb noch nicht so erfolgreich, wie sie es sein könnte.
Ich will deshalb heute appellieren, dass wir diesen Grundsatz und das, worauf wir uns gemeinsam in Europa verständigt haben, nämlich den Europäischen Green Deal mit all seinen Elementen, sei es die Regulierung zu Flottengrenzwerten, sei es die Regulierung zur CO2-Bepreisung – ein Marktinstrument, mit dem wir Klimaschutz umsetzen wollen –, sei es die Regulierung der Unternehmensflotten, gemeinsam vorantreiben und beibehalten und nicht infrage stellen. Denn ich bin davon überzeugt, dass die Europäische Union die einzige demokratische Institution auf der Welt ist, die es geschafft hat, eine demokratische Antwort auf den Klimawandel zu finden, die gemeinsam mit der Industrie verabredet ist. Diesen Grundsatz sollten wir nicht schleifen; er stärkt unsere Demokratie, und er stärkt das Vertrauen, dass Demokratien mit großen Problemen konstruktiv umgehen können.
Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir werden auch – das ist im Koalitionsausschuss vereinbart und im Haushalt abgebildet worden – eine Förderung für E-Mobilität auf den Weg bringen, indem wir Haushalte, die es sich nicht aus eigener Kraft leisten können, sich ein E-Auto zu kaufen, unterstützen werden, damit sie an dieser Technologie teilhaben können und einen deutlichen Impuls für den Markt setzen. Wir haben nach wie vor vereinbart, auch klimaneutrale Busse mit 403 Millionen Euro zu fördern. So schaffen wir es, auf ganz vielen Ebenen, vor allem genau da, wo die meisten Emissionen im Verkehr entstehen, nämlich auf der Straße, den Wandel langsam, aber entschlossen voranzutreiben.
Für uns als Sozialdemokraten ist es auch wichtig, dass Mobilität soziale Teilhabe schafft. Wir haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, um das zu ermöglichen, allen voran natürlich das Deutschlandticket, das wir weiterhin jährlich mit 1,5 Milliarden Euro Bundesgeld fördern. So ermöglichen wir sehr vielen Menschen einen bezahlbaren Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Und das haben wir auch für die nächsten Jahre durch diesen Haushalt und die Verpflichtungsermächtigung abgesichert.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir haben in einer Kraftanstrengung gemeinsam dafür gesorgt, dass bei der Schiene der Trassenpreisanstieg gedämpft wird und damit die Preise im Fernverkehr nicht steigen. Das ist auch ein Beitrag zur sozialen Teilhabe durch Mobilität.
Und weil es sicherlich auch erwähnt werden wird, will ich ansprechen, dass die Luftverkehrsteuersenkung auch für mich ein wichtiger Beitrag für Teilhabe durch Mobilität ist.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Wir haben im europäischen Vergleich die mit Abstand höchsten Fluggebühren. Und das hat nicht dazu geführt, dass weniger Emissionen im Flugverkehr entstehen; sie entstehen eben nur nicht in Deutschland, sondern in den Nachbarländern.
Und es ist den Deutschen nicht geholfen, wenn weniger Flüge von Deutschland aus starten oder weniger Menschen nach Deutschland kommen können, um beispielsweise unser köstliches Brot zu genießen.
Es ist eine richtige Entscheidung, die Deutschland als Wirtschafts- und Mobilitätsstandort stärkt. Wir stärken den Zusammenhalt. Das ist unser Schwerpunkt, auch für die Zukunft.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! „Sozialer Zusammenhalt“, „Modernisierung“, „Teilhabe“, „Verantwortung“, „Zukunft“.
Doch wenn man genauer hinschaut, dann findet man stattdessen einen Haushalt vor, der klimaschädlich und ungerecht ist, und das für Generationen. Ich will das gern an drei Beispielen verdeutlichen.
Erstens. Sie investieren in Autobahnen und den Flugverkehr und streichen dafür bei den Verkehrsmitteln, die für alle da sind. Damit alle selbstständig und sicher unterwegs sein können, müssen Busse und Bahnen pünktlich und zuverlässig unterwegs sein und sichere und komfortable Radwege in Stadt und Land zum Radfahren einladen.
Aber Sie investieren eben nicht zusätzlich in den Ausbau des ÖPNV oder ins Deutschlandticket, auch nicht in Radverkehrsnetze, nicht mal in Radwege an Bundesstraßen, sondern Sie stecken noch mehr Geld in den Neubau von Autobahnen und senken obendrein die Luftverkehrsteuer. Die Folge: Vor Ort werden die Mittel für Busse und Bahnen gekürzt, das Deutschlandticket wird im neuen Jahr schon wieder teurer, und in den Kommunen scheitert der Bau von Radwegen am fehlenden Geld. Mobilität für alle? Fehlanzeige.
Zweitens. Sie investieren zu wenig und machen Schulden ohne Gegenwert. Straßen und Schienen sind in weiten Teilen in einem erbärmlichen Zustand. Bis zu 20 000 Kilometer Bundesstraßen und 4 000 Brücken allein im Autobahnkernnetz müssen saniert werden. Bei der Bahn sind die schlechten Pünktlichkeitswerte nicht zuletzt eine Folge des maroden Netzes. Sie hätten mit dem Sondervermögen ausreichend Geld, um diese Probleme anzugehen, wenn Sie zusätzlich investieren würden. Das tun Sie aber nicht.
Nachfolgende Generationen erben Schulden im doppelten Sinn: kaputte Straßen und Brücken sowie Schulden auf dem Konto.
Drittens. Statt Klimaschutz tragen Sie zur Rolle rückwärts bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs bei. Wer Klimaziele im Verkehr nicht gänzlich an den Nagel hängen will, setzt darauf, dass möglichst schnell möglichst viele Autos elektrisch fahren. Sie aber senken nicht die Stromsteuer für alle, was sich auch auf einen günstigen Ladestrom auswirken würde.
Und das Geld, mit dem Sie Menschen mit wenig Geld den Umstieg auf ein E-Auto ermöglichen wollen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Obendrein tragen speziell Sie von der Union auch noch dazu bei, die E-Mobilität schlechtzureden und das Vertrauen der Menschen in Elektroautos zu untergraben.
Zuruf von der CDU/CSU: Wer hat Ihnen das aufgeschrieben?
Wahre, positive Worte zur Elektromobilität wie heute vom Bundesverkehrsminister hört man vom Führungspersonal der Union leider nur selten. Man kann nur hoffen, dass die SPD das Verbrenner-Aus heute im Koalitionsausschuss verteidigen wird.
Maximilian Kneller [AfD]: Die werden ganz andere Fragen stellen!
„Warum habt ihr den Klimaschutz immer wieder weggeschoben?“, was werden Sie dann antworten? Dass Sie es nicht besser wussten? Dass die Lobby zu stark war? Dass es kein Geld gab, während Sie Milliarden in klimaschädliche Subventionen gesteckt haben?
Maximilian Kneller [AfD]: „Warum kann ich nicht mehr an den Bahnhof gehen?“
Ihre Politik nützt weder dem Klima noch der Gerechtigkeit, sondern einzig und allein denjenigen, die mit der Verbrennung fossiler Energieträger Geld verdienen. Das hat mit sozialem Zusammenhalt, Modernisierung, Verantwortung, Teilhabe oder Zukunft leider gar nichts zu tun.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne! Wer dieser Bundesregierung zuhört, könnte meinen, Deutschland stehe am Beginn einer glorreichen Aufbruchsphase. Da heißt es dann: Alles, was baureif ist, wird gebaut,
Ich bin ja bei Weitem kein Marketingprofi, aber das muss man auch nicht sein, um zu wissen: Normalerweise kommt erst ein funktionierendes Produkt, und dann macht man die Werbung.
Florian Oßner [CDU/CSU]: Da seid ihr Linken ja richtige Experten!
Eben wieder so ein Spruch: Das Deutschlandticket ist gesichert. – Das zeigt eindrucksvoll, wie man ein beliebtes Angebot zu einem Preislabyrinth verwandelt, das sich Jahr für Jahr weiter von den Menschen entfernt: vom 49-Euro-Versprechen zum 63-Euro-Preisschild und ab 2030 dann voraussichtlich 74 Euro oder noch mehr. Mit welcher Dreistigkeit Sie hier eine Preissteigerung um fast 50 Prozent als Erfolg feiern, ist schlichtweg beschämend.
bei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Denn statt tatsächlich Verantwortung zu übernehmen, wie Sie es in Ihrem eigenen Koalitionsvertrag schreiben, schieben Sie die Lasten auf die Länder, auf Unternehmen und letztlich auf die Bürgerinnen und Bürger da draußen ab. Dabei wäre es so einfach – es wäre so einfach! Erhöhen Sie die Mittel des Bundes für das Deutschlandticket, statt dieses weiter ausbluten zu lassen.
Und wenn man dann auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs schaut, merkt man, dass es Ihnen ziemlich egal ist. Fakt ist doch: In manchen Regionen in Deutschland haben Menschen keinen Zugang zum ÖPNV. Und was machen Sie? Sie nehmen den Ausbau- oder Modernisierungspakt, streichen „Ausbau-“, und übrig bleibt ein Modernisierungspakt. Und den kriegen wir dann einfach nie zu sehen.
Also: Die Regierung hat Milliarden für ein Sondervermögen, und trotzdem schafft sie es, den Ausbau zu vertagen, Verbindungen zu streichen. Ganz ehrlich: Wie kann man denn eigentlich mit so viel Geld so wenig hinbekommen?
bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Stefan Seidler [Fraktionslos]
Dieser Haushalt macht es schonungslos deutlich. Es ist Ihnen schlicht egal, wenn eine Schülerin oder ein Auszubildender jeden Morgen viel zu früh aus dem Haus muss, nur weil der einzige Bus nicht fährt. Handeln Sie endlich, und sorgen Sie dafür, dass Menschen auf dem Land nicht länger im Stich gelassen werden.
Wenn Herr Schnieder sich zur Deutschen Bahn äußert, gleicht das eher einem Elefanten im Porzellanladen: stümperhafte Personalplanung, Förderprogramme voller Lücken, und der Bundesrechnungshof schlägt Alarm, weil aus Berlin kaum Kontrolle kommt.
Herr Schnieder, was Sie in sechs Monaten abgeliefert haben, ist kein Sanierungsplan, es ist ein Totalausfall. Die Menschen da draußen zahlen jeden Tag den Preis: Pendlerinnen und Pendler, die zu spät zur Arbeit kommen, Beschäftigte, die täglich neu planen, ob sie überhaupt irgendwohin kommen, und Unternehmen, die keine verlässlichen Lieferketten mehr garantieren können. Das ist nicht nur ein Standortnachteil, das ist politisches Versagen.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
📢
Zuruf von der Linken: Ganz meine Meinung!
Aber klar: Was macht man, wenn man bei Bus und Bahn versagt? Na logisch, dann fliegt man eben und am liebsten im Privatjet wie unser Herr Bundeskanzler.
Florian Oßner [CDU/CSU]: Mein Gott, das ist jetzt wirklich tiefste Schublade!
Und während andere EU-Staaten Vorschläge machen, Privatjets und Businessclass stärker zu belasten nach dem ganz einfachen Prinzip „Wer mehr verschmutzt, zahlt mehr“, senkt Deutschland ab dem 1. Juli 2026 die Luftverkehrsteuer.
Falls sich hier noch irgendwer fragen sollte, für wen diese Regierung eigentlich Politik macht, noch mal zum Mitschreiben:
Statt 12 Millionen Deutschlandticketnutzer zu entlasten, hat man sich entschlossen, einen kleinen Kreis von nicht einmal 300 000 Vielfliegern zu fördern, ein 350-Millionen-Euro-Steuergeschenk für wenige Manager und Bosse, und nach der Stromsteuersenkung für Unternehmen noch ein weiteres Geschenk
Und wenn Sie sich nur halb so konsequent für den Klimaschutz einsetzen würden wie für Ihre völlig überdrehten Militarisierungspläne, dann hätten wir längst eine funktionierende Mobilitätswende. Aber stattdessen brennen bei Ihnen jetzt auch im Verkehrsbereich die Sicherungen durch. Plötzlich sollen Autobahnen Projekte der öffentlichen Sicherheit sein, weil man sie theoretisch militärisch nutzen könnte. Das ist eine gigantische Hintertür, um Planung und Naturschutz einfach auszuhebeln. Mit dieser Logik kann jede Straße plötzlich militärisch sehr notwendig werden. Und demokratische Überwachung ist kaum noch möglich. Sie können alles behaupten, wir können nichts überprüfen. Ich sage Ihnen: Das ist verkehrspolitischer Unsinn, für das Klima brandgefährlich und für unsere Demokratie schädlich.
Und das Muster ist ja klar: Sie haben einfach keine Strategie. Aber Sie haben einen ganz klaren Reflex: Je reicher die Menschen, desto großzügiger werden Sie. Verkehrsinfrastruktur, die den Menschen den Alltag wirklich erleichtert, wäre nötig. Aber stattdessen wird der öffentliche Verkehr immer teurer, unzuverlässiger und ausgedünnter. Das ist bittere Realität Ihrer Verkehrspolitik. Das ist ignorant und schlicht verantwortungslos.
Ihr Haushalt ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die auf eine funktionierende und bezahlbare Verkehrsstrategie warten.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die rollen überhaupt nicht!
Statt der Haushaltshavarie, die vor allem FDP und Grüne während der Ampelzeit angezettelt haben, setzen wir für den Verkehrshaushalt echte Haushaltshighlights.
Erstes Highlight. Wir investieren eine Rekordsumme in den nächsten vier Jahren und bauen alles, was baureif ist.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn mit Frankfurt–Mannheim?
Wir sanieren unsere Straßen, Schienen, Wasserwege. Darauf liegt klar der Schwerpunkt. Und wir sorgen auch dafür, dass Neu- und Ausbau gelingt, ganz zielgerichtet. Wir haben uns in der Koalition darauf verständigt: Alles, was baureif ist, wird auch gebaut. Und das wird man auch sehen an dem, was wir bauen.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei der Deutschen Bahn sieht man gar nichts! Das ist nicht ehrlich!
Unser Ziel ist es, Projekte schneller zur Baureife zu bringen und sie in Umsetzung zu bringen; denn wir wollen das Geld, das wir jetzt haben, schließlich auch verbauen. Um all das zu erreichen, müssen wir in den Planungen schneller, effizienter und einfacher werden. Deswegen wollen wir das Genehmigungs- und Planungsrecht entsprechend vereinfachen. Dazu braucht es auch bereichsübergreifende Lösungen. Ich glaube, da sind wir uns in der Koalition auch einig.
Zweites Highlight. Wir bauen die Deutsche Bahn um. Unser Bundesverkehrsminister hat seine Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene vorgestellt, ein ganz konkreter Fahrplan, der den Bahnkonzern wieder auf das richtige Gleis setzen wird. Diese Agenda zielt zu Recht auf zufriedenere Kunden; das ist ja auch bitter notwendig. Von der neuen Konzernspitze der Deutschen Bahn, von Frau Palla, erwarten wir, dass sie die Maßnahmen, insbesondere die Sofortprogramme, jetzt auch tatsächlich angeht, allen voran das Sofortprogramm für saubere und sichere Bahnhöfe.
Unser Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat klar deutlich gemacht, wie wichtig es ist, entschieden gegen Straftaten und Unsicherheiten an Bahnhöfen und in Zügen vorzugehen.
Zudem, liebe Kolleginnen und Kollegen, erwarten wir, dass die Sanierungsprojekte bei der Schiene vernünftig umgesetzt werden. Das werden wir als Verkehrspolitiker sicherlich auch entsprechend monitoren; denn es kann nicht sein, dass viele Baustellen entweder zu spät geplant, nicht pünktlich begonnen oder mit Verspätung beendet werden. Das muss sich grundlegend ändern. Notwendig ist hier vor allem auch ein zielführendes, funktionierendes Baumanagement, das vor allem auch die Kundinnen und Kunden im Blick hat und frühzeitig informiert, wenn es beispielsweise zu Verspätungen kommen sollte.
Meine werten Kolleginnen und Kollegen, wir investieren eine Rekordsumme. Wir bauen die Deutsche Bahn um. Echte Highlights.
Drittes Highlight. Wir sichern das Deutschlandticket bis 2030 ab und stärken damit den ÖPNV. Der Bund beteiligt sich weiterhin mit jährlich 1,5 Milliarden Euro an den Kosten. Wir sorgen damit für Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Das ist etwas, was eigentlich die Grünen hätten erledigen sollen. Sie haben allerdings lieber auf ein schnelles Foto mit Wissing vertraut. Wir machen es jetzt mit einer soliden Finanzierung.
Viertes Highlight. Wir stärken den Luftverkehr mit einem spürbaren Entlastungspaket: Wir senken die Luftsicherheits- und Flugsicherungsgebühren, wir schaffen die PtL-Quote ab, und vor allem reduzieren wir die Luftverkehrsteuer. Damit senken wir die im internationalen Vergleich sehr hohen Standortkosten, machen unseren Standort wieder wettbewerbsfähiger, sichern Arbeitsplätze.
Das gilt im gleichen Maße auch für unsere Regionalflughäfen. Auch für sie gilt, dass wir dort entsprechend entlasten. Ich bin sehr froh, dass wir hier die 50 Millionen Euro Entlastung bei den Flugsicherungsgebühren hinbekommen.
Ein Haushalt, stark für die Infrastruktur, solide, zielgerichtet. Ein Haushalt, der die Handschrift von Bundesverkehrsminister Schnieder trägt.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Bürger! Unser Land braucht eine starke, zuverlässige Infrastruktur; ich glaube, da sind wir uns hier alle einig. Unsere Straßen und Brücken sind in einem gefährlichen Zustand. Und die Regierung? Sie macht Milliardenschulden mit dem sogenannten Sondervermögen, um im Kernhaushalt Platz für sinnlose Ausgaben zu schaffen, aber nicht für das Wesentliche: unsere Infrastruktur.
Wir fordern eine Stabilisierung der Ausgaben und legen den Fokus auf das, was wirklich zählt: den Erhalt und Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen. In unserem Haushaltsentwurf bringen wir fast 40 Milliarden Euro auf den Tisch; das sind über 11 Milliarden Euro mehr, als die Regierung einplanen will. Wir verlagern zudem Investitionen zurück in den Kernhaushalt, wo sie hingehören, meine Damen und Herren.
Konkret: Wir investieren 2,5 Milliarden Euro zusätzlich in die Instandhaltung unserer Autobahnbrücken. Dazu kommt ein nationales Kompetenzzentrum für Brückensicherheit, um Expertise zu bündeln und Unfälle zu verhindern. Für den Erhalt der Bundesstraßen legen wir 1 Milliarde Euro drauf, und die Autobahn GmbH bekommt 600 Millionen Euro mehr für dringende Projekte. Die Einnahmen aus der Lkw-Maut reduzieren wir um 2,25 Milliarden Euro, um den Transportsektor zu entlasten. Ihre Einnahmen aus der Maut bleiben selbstverständlich zweckgebunden für den Straßenbau, nicht für irgendwelche ideologischen Experimente.
Meine Damen und Herren, noch etwas zu den als Sondervermögen getarnten Schulden: Obwohl im Haushalt 2025 Geld da war, konnte häufig nicht gebaut werden; denn statt Neubauten durfte nur noch Instandhaltung finanziert werden. So geht Chaospolitik. Stillstand statt Fortschritt!
Und warum ist das so? Weil die Regierung im 2025er-Haushalt den Überblick über ihre eigenen Schattenhaushalte verloren hat. Meine Damen und Herren, das darf nicht wieder passieren.
Darum haben wir mal nachgefragt. Wir haben eine Antwort auf die Frage gekriegt, warum das passiert ist. Das Sondervermögen sei eben neu und befinde sich noch in einem lernenden System, das man mit den Jahren besser verstehen und beherrschen werde. Das lässt mich, ehrlich gesagt, immer noch sprachlos zurück, meine Damen und Herren.
Ich wünsche den Bürgern des Landes mit diesem Haushalt 2026 unter dieser Regierung viel Glück. Wir werden es brauchen, meine Damen und Herren. Wir werden es ändern, wenn wir an der Regierung sind.
Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Land hält nur dann zusammen, wenn die Verbindungen funktionieren: wenn der Zug fährt, die Brücke trägt, der Flieger startet. In den letzten Jahren funktionierte das nicht mehr so, wie wir uns das alle wünschen.
Wenn wir also in dieser Woche über Haushaltstitel und Verpflichtungsermächtigungen reden, dann reden wir doch eigentlich über das Vertrauen in unser Land. Wir reden darüber, ob die Krankenschwester aus der Uckermark darauf vertrauen kann, dass ihr Zug sie morgens pünktlich in die Klinik bringt. Wir reden darüber, ob der Maschinenbauer aus dem Emsland darauf vertrauen kann, dass seine Ersatzteile schnell beim Kunden in Asien ankommen. An diesen Orten entscheidet sich, ob Politik ankommt. Dort leben oder arbeiten die Menschen, um die es heute geht. Wenn die Infrastruktur bröckelt, bröckelt dieses Vertrauen, dann bröckelt das Gefühl der Sicherheit.
Wir investieren mit dem Haushalt 2026 in die Stabilität unserer Gesellschaft. Wir haben als Koalition eine bewusste Entscheidung getroffen. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur finanzieren wir die Trendwende bei der Bahn. Damit muten wir den Menschen viel zu. Es läuft bereits nicht gut, wo nicht gebaut wird, und wo gebaut wird, läuft es noch weniger. Die Korridorsanierungen werden den Bahnkundinnen und -kunden noch viel abverlangen, und ich verstehe jeden Pendler, der genervt ist. Aber ich sage auch: Dieser Weg ist notwendig. Wir sanieren jetzt gründlich, damit die Züge danach pünktlich rollen.
Gleichzeitig werden wir bei der Bahn künftig näher hinsehen, wo Investitionen hinfließen. Mit dem Infraplan steuern wir ab dem kommenden Jahr nicht mehr nach Kassenlage, sondern nach Qualitätszielen; Vertrauen ja, Naivität nein.
Zu guter Politik gehört auch, Entscheidungen zu korrigieren, die sich als kontraproduktiv erwiesen haben. Deshalb nehmen wir die Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurück, nicht weil uns der Klimaschutz egal wäre, sondern weil wir gesehen haben, dass diese Steuer Arbeitsplätze und Wertschöpfung kostet und die Passagiere ins benachbarte Ausland treibt, ohne dem Klima auch nur ein Gramm CO2 zu ersparen.
Wir wollen, dass die Fluggesellschaften nach Deutschland zurückkehren und die Routen zurückbringen, die in den vergangenen Jahren verloren gegangen sind.
Auch die Menschen und Unternehmen, die fernab der großen Drehkreuze zu Hause sind, haben ein Anrecht auf Mobilität. Wenn wir über gleichwertige Lebensverhältnisse sprechen, dann dürfen wir diese Regionen nicht von der globalen Erreichbarkeit abschneiden. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir auch 2026 wieder 50 Millionen Euro für unsere Regionalflughäfen bereitstellen. Flughäfen wie Münster, Osnabrück, Friedrichshafen oder Emden sind keine Luxusprojekte; sie sind die Basis für viele Wirtschaftsregionen im ganzen Land. Indem wir die Finanzierung für die Flugsicherung dort unterstützen, sichern wir Arbeitsplätze und wirtschaftliche Kraft in der Fläche.
Aber die modernste Schiene und der beste Flughafen nützen nichts ohne die Menschen, die sie betreiben. Hier sehe ich unsere größte Verpflichtung. Es macht mich einfach nur wütend, wenn ich lese, dass es allein im letzten Jahr rund 3 300 körperliche Angriffe auf Bahnmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gab.
Maximilian Kneller [AfD]: Warum ist das denn so? Schon mal darüber nachgedacht, warum das so ist?
Das sind Menschen, die jeden Tag ihren Kopf hinhalten, um uns von A nach B zu bringen. Wir lassen diese Kolleginnen und Kollegen nicht allein. Unsere Investitionen in eine zuverlässige Bahn helfen auch ihnen. Und wir brauchen diese Menschen dringend. Bis 2030 fehlen uns 100 000 Fachkräfte im Verkehrssektor. Die Milliarden, die wir heute beschließen, schaffen Jobs in der Zukunft.
Unsere Investitionsoffensive ist auch ein großes Konjunkturprogramm für die Bahnindustrie, und wir rufen den jungen Leuten zu: Werdet Ingenieurin, werdet Gleisbauer, werdet Fahrdienstleiterin im digitalen Stellwerk! Das sind sichere, tarifgebundene Arbeitsplätze.
Zusammenhalt heißt: niemanden zurücklassen, ob im ländlichen Raum oder in Ballungsräumen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine funktionierende Bahn, bezahlbare Mobilität und sichere Arbeitsplätze sind eben keine abstrakten Ziele. Das ist das Fundament aus Stahl und Beton, auf dem wir uns im Alltag begegnen. Indem wir Infrastruktur sanieren, sorgen wir dafür, dass dieses Land wieder rundläuft.
Der vorliegende Haushalt ist die Voraussetzung dafür, dass Gesellschaft und Wirtschaft nicht weiter auseinanderdriften, sondern wieder zusammenwachsen können.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im März wurde das Grundgesetz geändert und damit das Sondervermögen beschlossen. Es gab so was wie eine echte Aufbruchstimmung im Land. Das Gefühl war: Endlich ist genug Geld da für die Sanierung der Infrastruktur in Deutschland.
Das ist okay, Haken dran! Bleiben noch 300 Milliarden Euro.
Alle dachten an marode und fehlende Autobahnbrücken, an Schleusen und Eisenbahngleise, die fehlen. Und was ist passiert? Herr Minister, Sie haben zugesehen, wie von den 300 Milliarden Euro die Hälfte irgendwo anders hinging.
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fast wie bei „Hans im Glück“!
📢
Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Das zweite Mal, Herr Minister, haben Sie sich bei der Frage der Zusätzlichkeit über den Tisch ziehen lassen. Unsere grüne Bedingung bei der Zustimmung zum Sondervermögen war: zusätzliche Investitionen.
Die Koalition erklärt, dass die Luftverkehrsteuer gesenkt wird. Es wird nächstes Jahr eine Lücke von 350 Millionen Euro durch weniger Steuereinnahmen erwartet. Wo soll das fehlende Geld herkommen? Aus dem Einzelplan 60 – Allgemeine Finanzverwaltung? Nein. Es steht ausdrücklich drin: aus dem Einzelplan 12, dem Verkehrsetat. Der ist aber schon entbeint worden, meine sehr verehrten Damen und Herren. Jetzt sagen Sie bitte: Wo soll dieses Geld herkommen?
Soll das aus den Mitteln kommen, die für zusätzliche Weichen und Ausweichgleise zur Verbesserung der Pünktlichkeit der Bahn vorgesehen sind? Wo soll es herkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren?
Deswegen muss ich Ihnen sagen, Herr Minister: Sie lassen sich hier ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, und die schwarz-roten Abgeordneten machen das einfach mit. Das kann nicht Ihr Ernst sein.
Deswegen, Herr Minister – letzter Satz, Herr Präsident! –: Wachen Sie endlich auf, und fangen Sie an, für Deutschlands Infrastruktur zu kämpfen! Denn wir brauchen wieder ein Land, das einfach funktioniert!
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn diese Haushaltsdebatte eines unter Beweis stellt, dann dies: Wir haben hier eine Opposition der Überheblichkeit und eine Koalition der harten Arbeit.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
📢
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Herr Kollege Wiehle, Sie verteilen hier wie immer viele Placebos. Die Deutsche Bahn hat bereits eine privatrechtliche Unternehmensform. Allein ein Wechsel zur GmbH würde keine strukturellen oder finanziellen Verbesserungen bewirken.
Entscheidend sind eben Struktur- und Steuerungsreformen, und dafür hat der Minister eine „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ vorgelegt. Dazu habe ich von Ihnen nichts gehört.
Frau Kollegin Michaelsen, der Gang in die Opposition scheint Ihnen ja recht schnell gelungen zu sein.
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie machen es aber auch leicht!
Nur haben Sie dabei offensichtlich vergessen, dass die Ampel die sektorscharfe Klimabilanz bereits selbst abgeschafft hat, durchaus auch mit guten Gründen. Und da man von Ihnen leider allzu häufig hört, die Bahn würde bei uns hinten runterfallen, sei nur mal ein Fakt klargestellt: Von den 169 Milliarden Euro, die wir in den nächsten vier Jahren in den Verkehrsbereich investieren,
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie verschieben das Geld doch nur! Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kein einziger Euro für zusätzliche Neubauprojekte! Kein Neubau!
Und schließlich, Herr Kollege Bosch: Wir machen hier Politik für die Realität, für die Menschen und für das, was für den Wirtschaftsstandort nötig ist.
Das stabilisiert den Standort und unsere Flughäfen als Brücken unserer Wirtschaft in die Welt.
Von den Flughäfen zu den See- und Binnenhäfen. Auch bei der Wasserstraße gibt es positive Entwicklungen. Der Minister hat heute einen Meilenstein am Mittelrhein vorgestellt. Das werden wir dann auch im hohen Norden, in Neuss am Rhein, merken. Aber auch im Haushalt sehen wir das: beim Hafenprogramm IHATEC, bei den Mitteln für die Aus- und Weiterbildungsbeihilfe und für die Schiffsmodernisierung in der Binnenschifffahrt. Wir sind dankbar, dass bereits im Haushalt 2025 zusätzliche 200 Millionen Euro bereitgestellt werden konnten und wir auch im Haushalt 2026 die Wasserstraße gezielt stärken können.
Gemeinsam sind wir aber der Auffassung: Bei der Wasserstraße muss noch mehr gehen. Deswegen bin ich auch dankbar, dass wir versuchen werden, im Haushaltsvollzug alles möglich zu machen, um der Wasserstraße zu helfen. Mir persönlich wären dabei weitere Investitionen in die maritime Zukunft wichtig. Lassen Sie uns daran gemeinsam arbeiten!
bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Die Haushalte 2025 und 2026 sind hier ein Anfang, aber sicher kein Ende. Nach dem Befreiungsschlag 2025 ist das jetzt ein weiterer Schritt nach vorn. Deswegen möchte ich all denen Danke sagen, die hier besonders hart gearbeitet haben: Herr Minister, das ganze Ministerium, die Staatssekretäre, die Haushaltsberichterstatter, allen voran Florian Oßner und Uwe Schmidt.
Gleichwohl reicht das, was wir mit diesem Haushalt erreichen, natürlich noch lange nicht. Es gibt keinen Grund für uns, sich zurückzulehnen. Wir werden weiter zusätzliche Investitionsmittel für den Verkehrsbereich und die Infrastruktur benötigen, und wir werden die notwendigen finanziellen Strukturen verbessern müssen – ob mit der beschränkten Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH, dem Schließen des Finanzierungskreislaufs Straße oder einem Fonds für Investitionen in Eisenbahn und Schiene.
Wir können aber nur davor warnen, die unbestrittenen Herausforderungen mit immer neuen Verschuldungsinstrumenten lösen zu wollen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, der Bundeshaushalt und der Klima- und Transformationsfonds bieten weitere Potenziale, wenn wir es richtig machen.
bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Der Haushalt ist bekanntermaßen in Zahlen gegossene Politik; aber der Haushalt ist nicht die einzige Politik, die wir für das Land machen können und müssen. Geld allein ist nicht die Lösung. Lassen Sie uns den Rückenwind aus den beiden Haushalten für die notwendigen Reformen nutzen!
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Der hier vorgestellte Bundeshaushalt wird dem Ausbau und Erhalt unserer Bundeswasserstraßen mit ihren Verwaltungen nicht gerecht. Wir reden hier über ein System, welches unsere Wirtschaft stützt, umweltfreundlich ist, Emissionen senkt, Straßen entlastet und dennoch seit Jahrzehnten von Ihnen allen kaputtgespart wird.
In den vergangenen zwei Monaten besuchte ich mit meinen Kollegen sieben Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter. Ich bedanke mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den Beschäftigten recht herzlich sowohl für die geleistete Arbeit als auch für die offenen Worte.
Der von Ihnen geplante Abbau von 8 Prozent der Stellen stieß dort auf Unverständnis und würde bei rund 12 500 Beschäftigen in den Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltungen circa 1 000 Mitarbeiter betreffen, welche sich heute im Havariefall bei Nacht, Nebel, Wind und Wetter für die Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses einsetzen. Dies ist keine tugendhafte Sparsamkeit, sondern einfach verantwortungslose Wirtschafts- und Verkehrspolitik.
Auf den Wasserstraßen gibt es noch enorme freie Kapazitäten, welche angesichts der wirtschaftlichen Lage genutzt werden müssen. Infrage gestellt wird von vielen Binnenschiffern, ob die Brückensanierungen oder -neubauten, wie bisher geplant, überhaupt umgesetzt werden können. Deshalb unsere klaren Forderungen:
Erstens: kein Personal- und Stellenabbau.
Zweitens. Brückenneubauten und -sanierungen müssen für Durchfahrten von Containerschiffen mit zwei Lagen verpflichtend geplant werden.
Drittens: eine Wasserstraßenpolitik, welche die vorhandenen 50 Prozent ungenutzter Kapazitäten erschließt, wie zum Beispiel durch die schnellere Umsetzung des Gesamtkonzeptes Elbe.
Ein Blick in unsere Nachbarländer beweist unsere Ansätze in den entsprechenden Initiativen.
Unser Haushaltsansatz ist sowohl ein klares, finanzbasiertes Bekenntnis als auch eine konsequente Entscheidung für den Erhalt und die Modernisierung der Bundeswasserstraßen mit einer leistungsfähigen Wasserstraßenverwaltung. Den 12,44 Milliarden Euro Einnahmen laut Einzelplan 12 stehen 39,79 Milliarden Euro Ausgaben gegenüber, welche mehr als überfällig sind. Daher würden wir den Betrieb und Unterhalt der Bundeswasserstraßen um 26 Millionen Euro verstärken und den Ersatz- und Neubau von Bundeswasserstraßen mit 95 Millionen Euro mehr unterstützen, als es Ihr vorgelegter Haushalt vorsieht. Somit würden die Ausgaben für die Bundeswasserstraßen um 121 Millionen Euro auf rund 1 Milliarde Euro erhöht werden, um für künftige Verkehrssanierungen Reservetransportwege sicherzustellen.
Da Ihr Haushalt die Bundeswasserstraßen und die Binnenschifffahrt schwächt statt stärkt, lehnen wir diesen ab. Denn so verstehen wir verantwortungsvolle Finanzpolitik gegenüber den Beschäftigten und dem deutschen Steuerzahler: Immer zum Wohle Deutschlands!
Vielen Dank. – Herr Präsident! Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Menschen in unserem Land haben große Erwartungen an das Geld, das sich im Haushalt des Verkehrsministeriums befindet – zu Recht. Denn überall quietscht, knirscht und bröckelt es, besonders bei uns im Norden. Alle Parteien im Bundestag haben den Leuten im Wahlkampf versprochen, dass hier zugepackt wird, und daran werden die Leute uns messen.
Für mich war es ein besonderes Zeichen des parlamentarischen Vertrauens, dass mit dem Sondervermögen die finanziellen Voraussetzungen für neue Investitionen schon vor Beginn der Wahlperiode geschaffen wurden. In den Wochen wurde politisch erreicht, was in der ganzen letzten Wahlperiode nicht geschafft wurde. Viele, auch mich, hat das motiviert, weil wir überparteilich gezeigt haben, dass wir gemeinsam politisch gestalten und im Verkehrsbereich das Ruder rumreißen können.
Seit dem Sommer haben sich aber Zweifel bei mir breitgemacht, und ich frage mich: Wie kann es sein, dass wir, nachdem wir Schulden in Milliardenhöhe für neue Infrastruktur aufgenommen haben, weiter über fehlendes Geld für Aus- und Neubauprojekte sprechen müssen? Oder ganz ehrlich: Ich scheitere daran, das den Leuten auf der Straße zu erklären.
Inzwischen wurden scheinbar Lösungen für einige Straßenprojekte, zum Beispiel für die A20 bei uns in Schleswig-Holstein, gefunden. Herr Minister, Sie sprachen hier im Parlament davon, dass auch bei der Bahn alle baureifen Projekte kommen sollen – Uwe, du auch, Herr Oßner, Sie auch. Ich frage ganz unpolemisch: Welche Projekte sind das denn? Wie wird die Finanzierung sichergestellt? Und viel wichtiger: Was passiert mit den wichtigen Projekten, die noch in Planung, also nicht baureif, sind, wie etwa die Marschbahn bei uns in Nordfriesland? Das alles zeigt: Hier gibt es weiter erhebliche Probleme, die nicht am fehlenden Geld liegen können.
Völlig unklar ist mir zudem, warum weder Häfen noch Wasserstraßen vom Sondervermögen und der Bereichsausnahme profitieren können. Hier gibt es eine echte Schieflage zwischen den Verkehrsträgern und viel Unverständnis bei uns im Norden.
Das Sondervermögen ist eingerichtet worden, weil es in allen Bereichen unserer öffentlichen Infrastruktur erhebliche Mängel gibt, und natürlich gilt das auch für unsere Wasserstraßen. Auch der Gesetzestext des SVIK gibt keinen Ausschluss der Wasserstraße her. Und deshalb frage ich mich, wer wann und wo entschieden hat, dass der Bund zusätzliches Geld nur in Straße und Schiene steckt. Ein Beschluss des Bundestages ist mir jedenfalls nicht bekannt.
Abschließend noch ein Wort zu einer nordischen Spezialität für uns Haushälter, Herr Minister. Es geht um das Wikingeck in Schleswig. Herr Minister, Sie haben es im Ausschuss gesehen, und Sie hatten vor Kurzem Besucher aus dem hohen Norden. Es gibt eine breitgetragene politische Erwartung, dass Ihr Haus endlich eine pragmatische Lösung für den Konflikt mit dem Kreis Schleswig-Flensburg findet, statt weiter unser knappes Steuergeld in Millionenhöhe in Gerichtsprozessen zu verbrennen. Bitte finden Sie in Ihrem Haus eine Lösung.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Rekordinvestitionen in die Schiene mit über 100 Milliarden Euro allein in dieser Legislaturperiode! Wir werden mit der schwarz-roten Koalition in das Autobahnnetz investieren, wir werden Autobahnen sanieren, und wir werden neue Autobahnen bauen. Wir werden auch in den Radverkehr investieren und weiter den öffentlichen Nahverkehr stärken. Kurzum: So sieht eine moderne, zukunftsgewandte Verkehrspolitik aus.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Wir werden das in den nächsten Monaten ganz konkret sehen, wenn wichtige Autobahnprojekte gebaut werden. Nehmen wir mal das Beispiel der A20. Auf den Ausbau der A20 warten die Bürgerinnen und Bürger im Norden Deutschlands seit vielen Jahren. Die Häfen und viele Unternehmen sagen seit Jahren: Wir brauchen endlich den Ausbau der A20. Bitte, liebe Politiker, sorgt dafür, dass er kommt. – Die schwarz-rote Koalition hat jetzt genau das geschafft. Im nächsten Jahr werden die Bagger rollen. Wir werden in dieser Legislaturperiode die Bagger anrollen lassen, damit die A20 weiter realisiert wird.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Es wird aber auch in dieser Legislaturperiode nicht nur darum gehen, dass wir die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Das ist, wie wir in diesen Debatten gehört haben, natürlich eine sehr wichtige Frage. Es wird aber auch darum gehen, wie wir diese Mittel möglichst schnell verbauen können. Und da bin ich unserem Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sehr dankbar, dass er direkt, wenige Wochen nachdem er das Amt übernommen hat, sehr wichtige Initiativen auf den Weg gebracht hat. Denn wenn wir das Planungsrecht in Deutschland nicht reformieren, können wir noch so häufig darüber reden, ob wir nun so viele Milliarden in die Autobahn oder so viele Milliarden in neue Schienenprojekte stecken; dann wird es häufig 25, 30 oder 40 Jahre dauern, bis diese Gelder verbaut werden können.
Erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?
Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Ploß, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Zuerst mal meinen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung zum Koordinator für Maritime Wirtschaft und Tourismus. Ich hatte ja gedacht, dass Sie mehr über die Seehäfen sprechen statt über Autobahnen; denn die Seehäfen waren – da sind wir uns wohl einig – die letzten 25 Jahre ein Stiefkind der Verkehrspolitik. Wenn Sie sich des Themas annehmen, können Sie sich der Unterstützung der AfD sicher sein.
Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Schöne“ Normalisierung!
Vor einigen Wochen hatte ich auf eine schriftliche Frage die Antwort bekommen: Die Häfen sind Ländersache, und die Bundesregierung ist nicht zuständig. – In der letzten Woche waren Sie Gastredner beim Schiffermahl der Stiftung Seefahrtsdank.
Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo ist jetzt die Frage?
Dort sagten Sie in Ihrer Rede, die Seehäfen sollen jetzt nach dem Vorbild von Belgien, den Niederlanden und Polen zu einer nationalen Angelegenheit werden. Darüber war ich einerseits erfreut, andererseits überrascht.
Meine Frage: Weiß der Verkehrsminister davon? Sind die Landesregierungen darüber informiert? Woher kommt Ihr Sinneswandel, und bis wann möchten Sie dieses Ziel erreichen?
Sehr geehrter Herr Kollege, zunächst einmal: Wenn Sie in den nächsten Monaten mal einen der Häfen besuchen, dann werden Sie als Erstes hören: Bitte baut Autobahnprojekte wie die A20!
Das heißt, wenn wir solche Autobahnprojekte realisieren – ich habe hier darüber gesprochen –, dann ist das nicht nur wichtig für die vielen Pendler und die Bürger, die diese Autobahn nutzen, sondern dann ist das vor allem auch sehr wichtig für die Hafenwirtschaft in Deutschland. Das eine hängt natürlich mit dem anderen zusammen.
Jetzt haben Sie eben in Ihrer Frage meine Rede beim Schiffermahl angesprochen. Ich hatte Sie da nicht im Publikum gesehen, und deswegen verzeihe ich Ihnen auch, dass Sie mich hier nicht ganz korrekt zitiert haben. Ich habe bei der Rede deutlich gemacht, dass wir in Deutschland einen Mentalitätswechsel im Hinblick auf die Hafenpolitik brauchen. Auch der Kollege Schmidt, den ich hier in der ersten Reihe sehe und der das eben auch sehr gut ausgeführt hat,
macht genau wie ich sehr deutlich, dass wir uns in ganz Deutschland hinter unsere Seehäfen stellen müssen und das als gesamtdeutsche Aufgabe begreifen müssen. Das war in der Vergangenheit häufig nicht so.
Die Häfen haben eine enorme Bedeutung für uns als Exportnation. Die Häfen haben eine enorme Bedeutung für unsere Energieversorgung, und die Häfen sind auch von enormer Bedeutung für die Sicherheit Deutschlands. Angesichts der geopolitischen Lage brauchen wir eine Stärkung der Seehäfen. Wir werben dafür. Und da spreche ich, glaube ich, für den Kollegen Schmidt, da spreche ich als Maritimer Koordinator, und da spreche ich insgesamt auch für die schwarz-rote Koalition; denn genau das haben wir im Koalitionsvertrag auch niedergeschrieben.
Insofern gibt es gar keinen Dissens, den Sie in Ihrer Frage künstlich herbeiführen wollten, sondern es ist die geeinte Politik der gesamten Koalition, dass die Bundespolitik sich hinter die Häfen stellt. Und sie hat hier auch schon viele Maßnahmen auf den Weg gebracht. Ich nenne nur ein Beispiel: Patrick Schnieder hat, wenige Wochen, nachdem er im Amt war, 400 Millionen Euro im Klima- und Transformationsfonds für die Seehäfen und auch für die Binnenschifffahrt bereitgestellt. Das beweist, dass diese Bundesregierung, dass die schwarz-rote Koalition die Häfen mit allen Möglichkeiten unterstützt.
Kommen wir von den Häfen zurück zu der wichtigen Frage, wie wir in Deutschland schneller planen und bauen können; da bin ich eben unterbrochen worden. Ich möchte unserem Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder die volle Unterstützung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zusagen, da wir diese Reform des Planungsrechts dringend brauchen.
Wir brauchen beispielsweise eine Stichtagsregelung, das heißt keine neuen Gesetze, keine Initiativen ab einem gewissen Zeitpunkt in einem Planverfahren. Und – das will ich auch sehr klar sagen – wir werden auch an der ein oder anderen Stelle die Macht der Umweltverbände einschränken müssen. Ich glaube, wir haben da eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung hinter uns; denn niemand möchte mehr akzeptieren, dass wir in Deutschland 25, 30 oder 35 Jahre für ein neues Autobahn- oder Schienenprojekt brauchen, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der SPD
Ich kann zum Abschluss sagen: Wir arbeiten an einer richtig guten Zukunft, indem in das Schienennetz, das Autobahnnetz, das öffentliche Nahverkehrsnetz investiert wird. Und wir stärken gleichzeitig den Luftfahrtstandort Deutschland. Auch hier wird es einen erfreulichen Paradigmenwechsel geben; denn nur mit einem starken Luftfahrtstandort Deutschland wird auch die Volkswirtschaft wieder wachsen.
Herr Präsident! Frau Cademartori und alle anderen Klimahysteriker, ich gebe Ihnen einen wohlgemeinten Rat: Gehen Sie in den nächsten Laden, wo man einen Globus kaufen kann. Dann kaufen Sie sich einen Globus und suchen Deutschland. Und wenn Sie Deutschland gefunden haben, schalten Sie einfach das Hirn ein.
Felix Schreiner [CDU/CSU]: Das Einzige, was klein ist, ist Ihre Rede!
📢
Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken
Der globale Flugverkehr ist von zentraler Bedeutung für unseren Wirtschaftsstandort. Er verbindet Menschen, Märkte, Forschung, Handel und Kultur. Er ist Grundlage für internationale Mobilität und wirtschaftliche Stabilität. Deshalb darf er nicht durch ideologisch motivierte Klimapolitik und überzogene Regulierungen aufs Spiel gesetzt werden.
Deutschlands Flughäfen sind als Wirtschaftsfaktor zu stärken, nicht zu belasten. Also die Sache mit der Flugverkehrsteuer: einmal Ja, einmal Nein, also rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, dann noch mal rein und wieder raus aus den Kartoffeln. Wissen Sie was? Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und kein politisches Kasperltheater. Ryanair, Wizz Air, Lufthansa – und wie sie alle heißen – streichen immer mehr Flüge bzw. verlassen Deutschland. Das kostet Arbeitsplätze, und zwar nicht wenige.
In diesem Zusammenhang ist die Ankündigung der Bundesregierung, die Ticketsteuer im Luftverkehr zum 1. Juli 2026 zu senken, zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Seit wir im Deutschen Bundestag vertreten sind, setzen wir uns konsequent für die Abschaffung der Luftverkehrsteuer ein.
Für uns als größte Oppositionsfraktion ist das Thema damit keineswegs abgeschlossen. Wir werden uns weiter für eine vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer einsetzen: im Interesse von Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätzen, Reisefreiheit und dem Standort Deutschland.
Aber wir haben ja überall Probleme: egal ob es die Straßen oder ob es unsere Brücken sind. In Deutschland gibt es rund 130 000 Brücken. Ein erheblicher Teil davon ist sanierungsbedürftig. Statt der geplanten 400 Bauabschnitte wurden in diesem Jahr lediglich 170 realisiert. Allein an den Bundesfernstraßen müssen bis 2032 etwa 4 000 Brücken modernisiert werden.
Der Bund spricht sogar von mehr als 8 000. Das zeigt: Wir haben nicht nur ein Infrastrukturproblem, sondern auch ein Standortproblem, ein Problem für Wirtschaft, Logistik, Pendler, Bürgerinnen und Bürger, für die Zukunft unseres Landes.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und insbesondere liebe Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sie kritisieren hier im Deutschen Bundestag immer wieder, dass wir trotz des Sondervermögens zu wenig in die Verkehrsinfrastruktur investieren würden.
Daher bitte ich Sie, die vorliegenden Haushaltszahlen noch einmal ganz genau anzugucken, insbesondere auch mit Blick auf Ihr Herzensprojekt: die Schiene.
Allein in den Jahren 2026 bis 2029 investieren wir im Gegensatz zu Ihrem Ampelplan über 35 Milliarden Euro zusätzlich in die Erhaltung unserer Schienenwege.
Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 180 Milliarden Euro Schulden!
Und natürlich können Sie immer noch mehr Geld für die Schiene fordern. Doch das alles nützt nichts, wenn wir am Ende keine ausreichenden Kapazitäten haben, um weitere Milliarden im Schienenbereich zu verbauen. Es nützt auch alles nichts, wenn wir am Ende nur in höhere Preise statt in höhere Bauleistung investieren. Und das alles nützt erst recht nichts, wenn wir am Ende so viele Baustellen in Deutschland haben, dass gar kein vernünftiger Fahrplan mehr zustande kommt.
Genau deswegen investieren wir ambitioniert, aber mit Augenmaß und schaffen das, was Sie während der Ampelzeit nicht geschafft haben; denn wir lösen den Investitionsstau in Deutschland auf.
Vielen Dank, Kollege Kölbl, dass Sie die Frage zulassen. Ich hatte das Gefühl, dass Sie sie fast ein bisschen haben wollten. – Ich stimme Ihnen zu, dass wir auch im Bereich Schiene auf gar keinen Fall Investitionsmittel allein in die Baupreisinflation fließen lassen sollten. Das war am Ende der letzten Legislatur definitiv ein großes Problem.
Würden Sie mir aber zustimmen, dass für den Bereich Schiene auch mit diesem Sondervermögen nicht das gilt, was in der Koalition wiederholt formuliert wird, nämlich dass alles, was baureif ist, auch gebaut wird? Die Strecke Frankfurt–Mannheim könnte zum Beispiel gebaut werden; das Sondervermögen ist da. Es wird aber nicht gebaut. Würden Sie mir zustimmen, dass im Sondervermögen an der Stelle tatsächlich noch Luft nach oben ist?
Abgesehen davon möchte ich Ihnen viel Standhaftigkeit wünschen. Ich habe gesehen, dass Sie kurz vor Ihrer Rede noch von Jens Spahn bearbeitet wurden. Das ist allein beim Zuschauen so unangenehm, dass da selbst bei uns solidarische Gefühle aufkommen.
Sehr geehrte Frau Kollegin, mir geht es gut. Ich hatte ein sehr angenehmes Gespräch mit unserem Fraktionsvorsitzenden. Natürlich ist unser Ziel, dass alles, was baureif ist, auch tatsächlich gebaut wird, sowohl bei der Straße als auch im Schienenbereich. Das ist unsere Ambition als Große Koalition, und daran lassen wir uns auch gerne messen.
bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]
Nun zu den Erfolgen, die wir im parlamentarischen Verfahren als Abgeordnete erzielt haben: Ich erinnere mich noch genau, wie ich hier bei der ersten Lesung des Haushalts stand und gefordert habe, dass wir einen flexibleren Mitteleinsatz im Verkehrshaushalt brauchen. Mittlerweile haben wir im Sondervermögen den Verwendungszweck im Titel für Brücken und Tunnel um die generelle Erhaltung von Straßen erweitert und es im Kernhaushalt ermöglicht, dass wir die Mittel zukünftig flexibler und je nach Bedarf einsetzen können. Das zeigt: Statt auf starre Regeln und auf Dogmatismus zu setzen, setzen wir auf pragmatische Lösungen, sodass die Mittel abfließen und tatsächlich auch verbaut werden können, meine Damen und Herren.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Und ich erinnere mich noch genau, wie ich hier bei der ersten Lesung des Haushalts stand und gefordert habe, dass wir mehr Geld für den Verkehrsetat brauchen. Mittlerweile wurden die Haushaltsansätze erhöht: 3 Milliarden Euro stellen wir im Sondervermögen zusätzlich für den Erhalt von Brücken, Tunneln und Straßen zur Verfügung. Damit stellen wir das sicher, was wir versprochen haben: Was baureif ist, kann gebaut werden und wird auch gebaut werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich erinnere mich noch genau, wie ich hier im Deutschen Bundestag bei der ersten Lesung des Haushaltes gefordert habe, dass wir wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte wie die A20 umsetzen müssen. Mittlerweile gibt es eine Einigung mit den Naturschutzverbänden, dass der nächste Planungsabschnitt bei Bad Segeberg in Schleswig-Holstein gebaut werden kann. Mit dem vorliegenden Haushalt stellen wir die finanzielle Grundlage für den Weiterbau zur Verfügung. Die Baufreigabe kann kurzfristig erfolgen. Das bedeutet – und das ist die beste Nachricht –: Die Bagger können schon im zweiten Quartal 2026 rollen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Darüber hinaus haben wir noch kleinere Änderungen erwirkt. Im Vergleich zum Regierungsentwurf stellen wir über 50 Millionen Euro für Regionalflughäfen, 5 Millionen Euro für die Traditionsschifffahrt und 4,5 Millionen Euro zusätzlich für die Modernisierung der Küstenschifffahrt zur Verfügung.
Und das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.
Natürlich ging es zwischendurch mal etwas hoch her, wir haben lebhaft diskutiert; aber genau das ist ja unsere Aufgabe als Abgeordnete. Am Ende haben wir eine gute Lösung gefunden. Deswegen kann ich heute guten Gewissens dem Haushalt zustimmen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Meine Damen und Herren! Herr Rainer, als Sie Ihr Amt angetreten haben, war der Landwirt in mir durchaus optimistisch; optimistisch, dass nach drei Jahren ökosozialistischer Politik und den vielen Jahren zuvor, in denen auch Ihre Partei den Landwirten das Leben schwer gemacht hat, endlich wieder jemand aus der Praxis Verantwortung übernimmt, jemand, der unseren Bauern wieder eine Perspektive gibt.
Aber nach sechs Monaten Regierungszeit – das muss ich ganz ehrlich sagen – ist von diesem Optimismus nicht mehr viel übrig geblieben. Wenn wir ehrlich sind: Die bisherige Bilanz ist doch ziemlich mager. Im Grunde haben Sie bislang nur das rückgängig gemacht, was Ihr Vorgänger angerichtet hat. Ja, Sie haben die Rückvergütung für den Agrardiesel wieder eingeführt – allerdings erst ab 2026. Ja, Sie haben Bürokratie abgebaut – aber nur in homöopathischen Dosen.
Und Sie haben die Einführung eines schlecht gemachten Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf März nächsten Jahres verschoben; ein Gesetz, von dem wir von Anfang an gesagt haben, dass es eigentlich nicht zu retten ist. Wenn man der Presse glauben darf, spricht Frau Breher ja mittlerweile davon, dass die Einführung vielleicht erst Mitte der Legislaturperiode, also 2027, kommen wird. Herr Rainer, dieses praxisfeindliche Gesetz gehört nicht verschoben. Es gehört einfach ersatzlos gestrichen.
Man hat das Gefühl, dass Sie Veränderungen wollen, ja, aber ganz offensichtlich von Ihrem Koalitionspartner oder vielleicht auch von den eigenen Leuten ausgebremst werden. Das spiegelt dieser ambitionslose Haushalt auch wider. Das beste Beispiel ist der Bereich Heimat, der vom Innenministerium zu Ihnen gewandert ist. Was bekommt er? Eine Handvoll Planstellen, 2 Millionen Euro und ein neues Türschild für Ihr Ministerium. Mehr ist dieser Bundesregierung der Bereich Heimat offensichtlich nicht wert.
Wenn man bedenkt, wie viele Stellen und wie viel Budget im Innenministerium früher unter dem Etikett „Heimatförderung“ geschaffen wurden, ist das schlicht lächerlich. Hier hätten Sie mit Ihren Parteikollegen härter verhandeln müssen. Unsere Heimat hätte mehr verdient.
Kommen wir zu den Änderungsanträgen der Koalition. Der Regierungsentwurf sah vor, die Zuschüsse zur Unfallversicherung um 20 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro zu kürzen. Wir als AfD-Fraktion haben eine Erhöhung auf 140 Millionen Euro gefordert, um die landwirtschaftlichen Betriebe spürbar zu entlasten. Die Koalition hat sich dann immerhin auf 120 Millionen Euro verständigt; das ist natürlich besser als nichts. Aber gleichzeitig kürzen Sie die Zuschüsse zur Krankenversicherung und belasten damit vor allem die Haupterwerbsbetriebe. Das ist letztendlich nichts anderes als Augenwischerei, meine Damen und Herren.
Das nächste Thema: Umbau der Tierhaltung. Herr Rainer, Sie wollen ja das Programm auslaufen lassen und in die GAK überführen. Erst mal vielen Dank, dass Sie unsere Kritik aufgenommen und die Antragsfrist verlängert haben. Wir haben im Berichterstattergespräch lange darüber gesprochen, dass in der GAK die Gefahr besteht, dass wir einen bundesweiten Flickenteppich bekommen, weil die konkrete Ausgestaltung letzten Endes bei den Ländern liegt. Sie waren der Meinung, dass das trotzdem die beste Lösung ist; diesen Standpunkt kann man ja vertreten. Dann aber legt die Koalition in der Bereinigungssitzung einen Antrag vor, der im Prinzip genau das Gegenteil fordert. Er fordert weiterhin ein eigenständiges Bundesprogramm mit bundeseinheitlichen Kriterien, also wieder Rolle rückwärts. Was will diese Bundesregierung eigentlich?
Und damit nicht genug. Der Antrag fordert ja auch, dass Sie schon zum 15. Dezember schriftlich konkrete Vorschläge machen sollen, wie so ein Programm ausgestaltet sein soll. Ich bin mal gespannt, wie Sie etwas, was Sie vorher in sechs Monaten nicht geschafft haben, jetzt in wenigen Wochen schaffen wollen. Also, Herr Rainer, ich muss ganz klar sagen: Stand heute hat diese Bundesregierung für die Tierhalter vor allem eines erreicht: maximale Verunsicherung.
Der einzige Lichtblick in diesem Haushalt ist die Einführung der Ombudsperson zur Wahrung des Wettbewerbs mit fairen Erzeugerpreisen im Lebensmitteleinzelhandel. Daher möchte ich mich ausdrücklich bei der Koalition bedanken, dass sie sich jetzt doch noch durchringen konnte, diese Stelle einzurichten. Wir fordern das ja schon seit Langem.
Der Bericht der Monopolkommission zeigt deutlich, wie groß die Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel mittlerweile ist und wie dringend die Stellung der Landwirte gestärkt werden muss. Unsere Landwirte dürfen nicht zum modernen Lohnsklaven der großen Konzerne Aldi, Lidl und Co werden, meine Damen und Herren.
Herr Minister, es reicht einfach nicht, nur die Scherben der Ampel zusammenzufegen; auch vor der Ampel gab es massive Probleme. Diese Bundesregierung zeigt keinerlei Ambitionen, notwendige und mutige Reformen anzugehen. Deswegen sollte sie auch besser heute als morgen ein Ende haben, damit unser Land und unsere Landwirte wieder eine Zukunft haben.
Geschätzter Herr Präsident! Verehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In dieser Sitzungswoche endet ein wahrer Sitzungsmarathon, wie ihn der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages noch nicht erlebt hat. Seit nunmehr 14 Wochen beraten wir intensiv: zunächst über den Bundeshaushalt 2025 und direkt im Anschluss über den jetzt vorliegenden Haushalt 2026.
Aus diesem Grund möchte ich zu Beginn meiner Rede einen herzlichen Dank an all diejenigen aussprechen, die diese Kraftanstrengung möglich gemacht haben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Hierzu gehören die Mitarbeiter des Sekretariats des Haushaltsausschusses, die zuständigen Beamten in den Bundesministerien und nicht zuletzt auch unsere eigenen Mitarbeiter.
Sie alle haben in den letzten drei Monaten herausragende Arbeit geleistet und waren bis ans Äußerste belastet. Dafür gebührt ihnen unsere Anerkennung und der Dank des ganzen Hauses.
bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Ferner möchte ich natürlich auch die Gelegenheit nutzen, mich hier an dieser Stelle ganz herzlich bei meinen Mitberichterstattern für die konstruktive und stets sachliche Zusammenarbeit in den vergangenen Wochen zu bedanken, insbesondere natürlich bei meiner Kollegin Esther Dilcher. Wir hatten den intensivsten Austausch, so, wie sich das natürlich in einer vernünftigen Koalition gehört. Herzlichen Dank für diese gute Zusammenarbeit!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Belastungen kennen aber auch unsere Land- und Forstwirte zu Genüge: von bürokratischen Auflagen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Arbeit immer mehr vom Acker oder aus dem Forst ins Büro verlagert haben, über regulatorische Vorgaben bei Pflanzenschutz und Düngung, die Erträge schmälern und die Wirtschaftlichkeit infrage stellen, bis hin zu klimabedingten Schadensereignissen wie Überflutungen, Dürren und Stürmen.
Diese Koalition und insbesondere Bundesminister Rainer sind angetreten, um diese Belastungen zu reduzieren und unseren Land- und Forstwirten wieder Luft zum Atmen zu verschaffen. Wir wollen unsere Land- und Forstwirte wieder mit Leidenschaft das tun lassen, weswegen sie ihr Handwerk erlernt haben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Das heißt zuvorderst, in der Natur und im Einklang mit dieser die besten und hochwertigsten Lebensmittel für unser Land zu produzieren. Hierzu bauen wir konsequent bürokratische Hürden ab. Als Erstes haben wir die Stoffstrombilanz komplett abgeschafft. Weitere Entlastungen im Agrarstatistik- und Tierarzneimittelgesetz sind auf dem Weg. Und ich kann aus erster Hand berichten: Unter unserem Bundesminister Alois Rainer gibt es kein Gold-Plating mehr bei Vorgaben aus der EU.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Diese Vorgaben werden nun ausnahmslos eins zu eins umgesetzt, um unseren Bauernfamilien und Förstern im europäischen Wettbewerb nicht weiter Nachteile aufzubürden.
Auch als Haushälter haben wir diverse Änderungen am Entwurf des Bundeshaushaltes vorgenommen, die einkommenswirksam direkt bei unseren Betrieben der grünen Branche ankommen. So nehmen wir die Einstufung von Parkinson als Berufskrankheit zum Anlass, um den Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung, wie eben schon erwähnt, erneut um 20 Millionen Euro zu erhöhen. Dies ist Geld, das auf jedem einzelnen Hof in Deutschland ankommt.
Um den Wirkungsgrad bei Förderprogrammen zu steigern, deckeln wir in einem ersten Schritt die Projektträgerkosten für Förderprogramme auf 5 Prozent, damit die bereitgestellten Mittel für den ländlichen Raum auch wirklich dort landen und nicht in den Institutionen verbleiben, die eigentlich nur das Geld verteilen sollen.
bei der CDU/CSU sowie der Abg. Esther Dilcher [SPD]
Für unseren Ackerbau und die ökologisch wirtschaftenden Betriebe nehmen wir insgesamt zusätzlich 12,5 Millionen Euro in die Hand, um Forschung und Entwicklung trotz notwendiger Einsparvorgaben auf konstant hohem Niveau halten zu können. Konsequent setzen wir auch mit diesem Haushalt unsere Anstrengungen zur Unterstützung der wertvollen Arbeit der Tafeln in Deutschland fort, indem wir die Mittel in diesem Bereich um weitere 2 Millionen Euro erhöht haben.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Und im Bereich des Waldes haben wir unter anderem weitere 5 Millionen Euro zusätzlich für klimaangepasstes Waldmanagement bereitgestellt.
Aber auch andere drängende Klimaprobleme belasten unsere Landwirte und erfordern daher dringende Lösungen. Hier ist beispielsweise die Schilf-Glasflügelzikade zu nennen, die unsere Rüben- und Kartoffelbauern zunehmend in ihrer Existenz gefährdet. Auch schwankende Witterungsbedingungen wie Dürren und Überschwemmungen stellen insbesondere den Ackerbau vor tiefgreifende Herausforderungen.
Wie die Kolleginnen und Kollegen aus dem Agrarausschuss wissen, liegen hier mit den neuen genomischen Techniken in der Pflanzenzucht bereits seit geraumer Zeit Lösungsansätze auf dem Tisch. Ich möchte daher an dieser Stelle an das Bundesumweltministerium appellieren, im Sinne des Koalitionsvertrages seine Positionierung bei diesem wichtigen Thema noch einmal zu überdenken und damit der Bundesregierung ein deutliches Bekenntnis für zukunftsgerichtete Landwirtschaft in Brüssel zu ermöglichen.
Damit würden wir ein klares Signal auch für unsere Bauernfamilien setzen, dass Innovationen Teil der Lösung für die drängenden Probleme unserer Zeit und der Branche werden. Denn ein klares Signal ist das, was unsere Land- und Forstwirte jetzt benötigen; ein Signal, das trotz vielfacher Belastungen Besserung in Aussicht ist.
So wie diese Woche das Licht am Ende des Tunnels für den Haushaltsausschuss und unsere Mitarbeiter war, so werden diese Koalition und unser geschätzter Bundesminister Alois Rainer das Licht am Ende des Tunnels für unsere von Bürokratie und Auflagen belasteten Land- und Forstwirte sein. Der Anfang ist gemacht, die ersten Entlastungen sind auf den Weg gebracht. Und mit dem Bundeshaushalt 2026 schaffen wir echte Gestaltungsmöglichkeiten, auf denen wir in Zukunft aufbauen können.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns daher gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und aus den Beschlüssen dieses Bundeshaushaltes eine echte Zukunftsperspektive für unsere Land- und Forstwirtschaft in Deutschland schaffen und damit Deutschland wieder ein Stück voranbringen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister Rainer! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Die großen Herausforderungen in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren sind für uns die eskalierende Klimakrise, das voranschreitende Artensterben und damit einhergehend immer schwieriger werdende Anbaubedingungen, steigende Ernteausfälle, Stress für unsere Wälder und das Marktversagen in der Lebensmittelwirtschaft, das für teure Preise für alle Menschen und wenig Ertrag und damit Druck bei den Bäuerinnen und Bauern sorgt.
Für diese Herausforderungen bietet dieser Haushalt nur unzureichend Antworten.
Die neue Ausrichtung der schwarz-roten Regierung, Herr Bundesminister Rainer, steht für ein Verharren, für den Versuch, krampfhaft an dem festzuhalten, was war und gerade ist. Dadurch verpassen Sie erst recht, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.
Wir Grüne wollen insgesamt als Status erreichen, dass wir mit der Natur harmonisch im Gleichklang leben, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Fokus. Wir können die Natur nicht aussperren: hier die Industrie, dort das Naturschutzgebiet. Wir alle leben in der Natur. Dass dies immer noch nicht überall der Fall ist, zeigt die Praxis in den Betrieben, wenn Landwirte nur noch in Schutzanzügen und durch Schleusen zu ihren Tieren können oder wenn Landwirte nach vielen Jahren im Beruf durch den Kontakt mit ausgebrachten Pestiziden schwer krank werden. Deswegen unterstützen wir ausdrücklich die Initiative, Parkinson als Berufskrankheit anzuerkennen und Betroffene zu unterstützen.
Doch wir sind auch gefordert, die Unternehmen, die viele Jahre mit diesen Mitteln Geld verdient haben, jetzt in die Verantwortung zu nehmen.
Wer sagt eigentlich, dass für die Beseitigung dieser Schäden immer die Allgemeinheit, die Steuerzahlerin, der Steuerzahler geradestehen müssen? Es ist doch im Interesse von allen Bürgerinnen und Bürgern, hier die Verursacher in die Pflicht zu nehmen. Doch davon sehen wir nichts. Gelder im Haushalt, die für mehr Ökologie, für einen verträglicheren Umgang mit Ressourcen stehen, wie das Bundesprogramm Ökologischer Landbau oder Programme, die für reine Klimafolgenanpassungsmaßnahmen wie Hochwasserschutz in der GAK stehen, werden reduziert oder kommen in weitere Mittelkonkurrenz.
Zur Erinnerung, Herr Stegemann: Vollmundig versprachen Sie hier vor einem Jahr, dass unter der Union eine deutliche Steigerung für den Landwirtschaftsetat drin wäre. Eine Ankündigung, die gebrochen wurde.
Der Finanzplan sieht im Haushalt bis 2029 sogar eine Senkung auf 6,7 Milliarden Euro vor. Das bedeutet: In diesem mit wenig frei verfügbaren Mitteln engen Haushalt müssen 300 Millionen Euro eingespart werden.
Das federn auch nicht die ausgeweiteten Programme für Forst und Landwirtschaft im Transformationsfonds ab. Das bisschen an Zukunftsprogramm, was im Haushalt ist, gerät damit ebenfalls in Gefahr, gestrichen zu werden.
Auch das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, die Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Agrarstruktur und Küstenschutz“ aufzustocken, erfüllen Sie – Stand heute – nicht. Mit Blick auf das eben Gesagte wird es wohl auch so bleiben.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Das ist eine gewagte Aussage!
Wenn diese Mittelkonkurrenz dann auf uneindeutiges Handeln trifft, entstehen Probleme wie beim Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Sie kritisieren, dass die Mittel nicht abfließen – dieses Problem existiert so bei vielen Förderprogrammen.
Aber statt jetzt die steigenden Abflüsse zu würdigen – die Zahlen zeigen das –, stiften Sie gemeinschaftlich Verwirrung. Erst heißt es aus der Unionsfraktion und aus der SPD-Fraktion: Alles auf den Prüfstand stellen! Dann verkündet der Minister eine Woche später, die Gelder sollen über die GAK, also über die Länder, verteilt werden. Erst heißt es: Antragsstopp im April. Dann heißt es: Antragsstopp im August. Jetzt stellen die Haushälter der Koalition einen Antrag, die Förderung weiter als Bundesprogramm fortzuführen. Sie wissen anscheinend selber nicht, wie es weitergehen soll. Wie sollen dann Landwirtinnen und Landwirte wissen, wo es langgeht?
Das ist kein gutes Zeichen für all diejenigen, die sich für mehr Tierschutz auf den Weg gemacht haben und dabei auf eine verlässliche Unterstützung der Regierung gebaut haben. Sie stiften mit Ihrem Handeln Chaos und erreichen Verunsicherung, also das Gegenteil dessen, was Sie beabsichtigen.
Auch für die zweite Herausforderung, das Scheitern des Marktes im Lebensmittelhandel, werden keine ausreichenden Antworten geliefert. Wir Grüne wollen eine Lebensmittelerzeugung, die allen Landwirtinnen und Landwirten ein auskömmliches Leben ermöglicht,
ohne über ihre Kräfte zu gehen, eine Erzeugung, die deutlich regionaler ist, sich an den Gegebenheiten vor Ort orientiert, Genossenschaften im Fokus hat, Solidarität statt knallhartem Wettbewerb als Leitmotiv. Doch das Gutachten der Monopolkommission zeigt eindrücklich, dass steigende Marktkonzentration zu weniger Einkommen bei den Landwirten bei gleichzeitig steigenden Lebensmittelpreisen führt.
Den Antrag, eine Stelle für eine Ombudsperson für faire Erzeugerpreise im Lebensmittelmarkt einzuführen, begrüßen wir ausdrücklich. Auch wir haben das vorgeschlagen und schon beantragt; jetzt kommt es. Doch wirkliche Durchschlagskraft braucht eine gesetzliche Grundlage und den klaren Auftrag, Marktmacht zu beschränken.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Planwirtschaft lässt grüßen!
werden die vier Lebensmittelketten die Umgestaltung der Lebensmittelerzeugung selber vornehmen, und dies mit der Vorstellung von Gewinnmaximierung im Kopf. Wie aber eine gute Erzeugungsstruktur auszusehen hat, sollte nicht in Konzernzentralen beschlossen werden, sondern hier im Deutschen Bundestag.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Der Haushalt enthält mit der Exportstrategie keine Antwort auf diese Systemfrage. Er verstärkt im Zweifel nur noch die Abhängigkeit von Weltmärkten und verschärft den Preisdruck. Das lehnen wir nachdrücklich ab.
Herr Bundesminister, liebe Kolleginnen und Kollegen Berichterstatter, ich danke für die Beratungen des Haushaltsplans um 3 Uhr in der Nacht. Und doch bin ich der Meinung: Beratungen um 3 Uhr in der Nacht werden einem Thema dieser Tragweite nicht gerecht. Wir alle wollen doch mit klarem Kopf und frischem Gemüt diese wichtigen Themen behandeln, und das war bei diesen Beratungen sicherlich nicht immer der Fall.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Haushalt des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und haben für diesen Etat 6,993 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Dieser Haushalt ist zentral für die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft, für stabile ländliche Räume und Wälder, für eine Fischerei im Transformationsprozess und für eine faire, nachhaltige Ernährungspolitik. Ich möchte einige Punkte dazu herausgreifen.
Zum Stallumbau in der Landwirtschaft. Der Ausschuss hat sich – entgegen mehrfach anderslautender Ankündigungen des Ministers – klar zum Bundesprogramm „Stallumbau“ bekannt. Wir stehen zu den Empfehlungen der Borchert-Kommission. Es ist richtig, Leon Eckert, dass das Ganze für Verwirrung gesorgt hat. Wenn aber die Landwirte uns sagen, dass ihnen das Bundesprogramm wichtig ist, dann bleiben wir weiter im Gespräch. Ich denke, das tut auch der Minister. Ich erinnere mich an die Bereinigungssitzung, in der für mich doch etwas spontan die Aussage kam: Wenn ihr unbedingt ein Bundesprogramm haben wollt, dann müssen wir mal darüber reden. – Ich denke, Herr Minister, wir bleiben weiter im Gespräch.
Julian Schmidt [AfD]: Sie haben es doch beschlossen!
Da Sie gerade den Zeigefinger und den Daumen aneinanderreiben: Wenn die Mittel für das Stallumbauprogramm aus der GAK kommen sollen, dann frage ich mich doch ganz ehrlich, wie dann die anderen Programme der Länder finanziert werden sollen, die sich auf die bereits vorhandenen Mittel der GAK fokussiert haben.
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine gute Frage!
📢
Stephan Protschka [AfD]: Ach, da drücken wir einfach noch 1 oder 2 Milliarden rein! Scheißegal!
Wir müssen uns gemeinsam dafür starkmachen, dass das, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben und was die Borchert-Kommission, in der so viel zivilgesellschaftliches Engagement zusammengekommen ist und so viele Interessengruppen über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert haben, vorgeschlagen hat, berücksichtigt wird und die unterschiedlichen Interessen eingebunden werden.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zu Ackerbaustrategie, dem Ökolandbau und den Proteinen der Zukunft mit dem Chancenprogramm Höfe: Verständlicherweise große Unzufriedenheit gab es bei der Zusammenlegung und Kürzung der Programme Ackerbaustrategie, Bundesprogramm Ökologischer Landbau und den Proteinen der Zukunft mit dem Chancenprogramm Höfe. Das steht eigentlich in deutlichem Gegensatz zu dem, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben, nämlich die Stärkung der ökologischen Landwirtschaft. Gerade uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten war es wichtig, dass diese Titel nicht zusammengelegt und schon gar nicht die darin enthaltenen Mittel gekürzt werden. Aber wir haben eine Lösung gefunden, und da bin ich meinem Kollegen Oliver Vogt sehr dankbar. Wir haben das zusammengelegte Programm immerhin um 12,5 Millionen Euro aufgestockt, sodass nun fast 67 Millionen Euro zur Verfügung stehen.
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihr habt also ein Loch gestopft, das ihr selber gebaut habt!
Für den Wald stellen wir wie bereits 2025 – mein Kollege Vogt hat es schon erwähnt – 5 Millionen Euro zusätzlich bereit, diesmal mit den entsprechenden Verpflichtungsermächtigungen, damit die bewilligten Maßnahmen auch langfristig Planungssicherheit geben. Denn gerade der Wald braucht Kontinuität, Verlässlichkeit und langfristige Perspektiven. Es geht hier nicht um Einmalzahlungen, sondern um langjährige Planungen, Anbau und Aussaat.
Wir werden die Stelle einer Ombudsperson bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung einrichten. Das ist wichtig für die Wahrung eines fairen Wettbewerbs im Lebensmittelmarkt. Weil wir uns vorgenommen haben, in dieser Legislatur Personal einzusparen, haben wir vorgesehen, dass diese Stelle bei der BLE durch Umschichtungen im bestehenden Personalhaushalt geschaffen werden muss. So stärken wir die Marktaufsicht, ohne dass zusätzliches Personal eingestellt werden muss.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Haushalt unterstützt zentrale Anliegen der Landwirtschaft und der ländlichen Regionen. Hier wird manchmal der Vorwurf erhoben, wir täten nichts für die Heimat. Der Etat des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat war schon immer ein Etat, der sich auch mit Heimat beschäftigt hat; denn wir haben ganz viele Programme für den ländlichen Raum, für die ländlichen Regionen.
Der Haushalt enthält Entscheidungen, die wir zum Teil sehr kritisch begleitet haben. Wir werden weiterhin gemeinsam mit dem Ministerium an wesentlichen Schwerpunkten arbeiten. Herr Minister, wenn Herr Vogt und ich etwas zusammen machen, dann können Sie sich darauf verlassen, dass er meine Emotionen immer so herunterkühlt, dass die Kritik Sie dann sehr sachgerecht erreicht.
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über die agrar- und heimatpolitischen Weichenstellungen fürs nächste Jahr sprechen, dann müssen wir festhalten: Beides bleibt hinter den Herausforderungen unserer Zeit zurück. Die derzeitigen Maßnahmen reichen weder aus, um den notwendigen Wandel in der Landwirtschaft sozial gerecht und ökologisch wirksam zu gestalten, noch, um dem Heimatbegriff, den das Ministerium ja nun offiziell im Titel trägt, realpolitische Substanz zu verleihen.
Natürlich brauchen wir eine Landwirtschaft, die klimafest, tiergerecht und wirtschaftlich stabil ist. Aber dafür fehlen weiterhin klare Impulse wie Investitionen in nachhaltige Strukturen, in Forschung, in Innovation, in regionale Wertschöpfungsketten. Stattdessen bleibt der wirtschaftliche Druck für die Betriebe weiter bestehen. Viele arbeiten längst am Limit. Sie stemmen die Dokumentationspflichten, sie kämpfen mit steigenden Betriebskosten, sie investieren in Tierwohl und Umweltschutz und stehen dennoch mit dem Rücken zur Wand.
Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Und die Linke will es noch schlimmer machen!
Deshalb braucht es natürlich Entlastungen für die Landwirtinnen und Landwirte, aber bitte nicht mit dem Rasenmäher. Pauschale Deregulierung nutzt vor allem den großen Agrarkonzernen, und das kann niemand ernsthaft wollen.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wir brauchen Entlastungen mit Augenmaß, weniger unnötige Dokumentationspflichten, einfachere Förderstrukturen, verlässliche Verfahren und klare Regeln, die Planungssicherheit schaffen. Genau das hilft den Betrieben – nicht blinder Abbau von Standards, die am Ende Umwelt, Tiere oder Verbraucher schützen.
Doch kommen wir zu dem Punkt, der in diesem Haushalt fast schon symbolisch unterbelichtet ist: dem Heimatbereich. 2 Millionen Euro für einen Begriff, der für Millionen Menschen identitätsstiftend ist – das ist nicht nur unscheinbar; das ist politisch ambitionslos. Heimat ist mehr als Imagepflege. Heimat ist soziale Infrastruktur. Heimat sind Bildungs- und Kulturangebote. Heimat sind starke Gemeinden, lebendige Vereine und Räume, in denen Menschen sich einbringen können. Wir sprechen über gleichwertige Lebensverhältnisse, darüber, dass Menschen im ländlichen Raum genauso Chancen haben müssen wie Menschen in der Großstadt: auf Mobilität, auf Kultur, auf medizinische Versorgung, auf digitale Teilhabe, auf gute Arbeit.
Das sind zentrale Aufgaben öffentlicher Daseinsvorsorge, und sie gehören endlich in eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung; denn Heimatpolitik bedeutet, regionale Identität und demokratische Strukturen zu stärken. Ehrenamtsförderungen, Bürgerzentren, lokale Initiative und Vereine tragen erheblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
Darüber hinaus gibt es so viele Möglichkeiten, den Heimatbegriff sinnvoll zu füllen: Förderung regionaler Kreislaufwirtschaft, Dorferneuerung, Brennpunktarbeit und soziale Treffpunkte, Kulturarbeit, Jugendarbeit usw. Solche Maßnahmen sind wichtig; denn sie stärken die Region, egal ob auf dem Dorf oder in der Stadt.
Doch dafür braucht es mehr als symbolische Haushaltsansätze. Es braucht den politischen Willen, etwas für unsere Bürgerinnen und Bürger zu tun. Wer Heimat im Ministeriumstitel trägt, muss heimatliche Belange auch im Haushalt sichtbar machen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Landwirtschaft ist Wirtschaft. Dieser einfache Satz bringt alles auf den Punkt. Unsere Landwirtinnen und Landwirte stehen für Unternehmen, die Verantwortung tragen: für unser Essen und Trinken, für Klima und Umwelt, für unsere Tiere, für Produkte von hoher Qualität und für Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Sie investieren, und sie kalkulieren Risiken. Sie müssen am Ende des Tages Gewinne erzielen, um ihre Betriebe zukunftsfähig zu halten. Landwirtschaft ist kein Selbstzweck, sie ist ein zentraler Teil unserer Volkswirtschaft. Sie ist die Grundlage eines erfolgreichen Agribusiness, das 2023 mit 330 Milliarden Euro 8,6 Prozent der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung in Deutschland erwirtschaftete. Dafür braucht unsere Land- und Ernährungswirtschaft Verlässlichkeit und Augenmaß. Natürlich braucht es dazu auch Regeln. Aber sie dürfen den unternehmerischen Spielraum nicht so einengen, dass Innovationen und Eigeninitiative erstickt werden. Vertrauen in die Kompetenz der Menschen ist entscheidend. Ein ehemaliger Kollege hat das neulich so beschrieben: Bürokratieabbau ist wie Laubharken im Sturm. Du kannst die Blätter gar nicht so schnell zusammenfegen, wie von oben neues Laub herunterfällt. – Damit muss jetzt Schluss sein!
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Meinem Ministerium ist es gelungen, eine starke und geschlossene Linie in der Bundesregierung, zum Beispiel zur europäischen Entwaldungsverordnung, zu erreichen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Deutschland hat den Impuls zur Entbürokratisierung der EUDR in Brüssel eingebracht, und vergangene Woche waren wir damit im Rat erfolgreich, gestern im EU-Parlament. Damit sind wir auf einem guten Weg. Damit setzen wir als Deutschland auch ein klares Signal für die Verhandlungen des Rates mit dem Europäischen Parlament. Die Unternehmen brauchen weniger Bürokratie, nicht ständig neue Hürden; denn vor dem Verteilen kommt das Erwirtschaften. Nur wer Wertschöpfung schafft, kann auch Werte teilen.
Deshalb müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Land- und Ernährungswirtschaft stärken: auf dem Acker, im Stall, in den Handwerksbetrieben, in den Produktionshallen. Dazu gehören faire Rahmenbedingungen in der ganzen Wertschöpfungskette. Dazu gehören aber auch auskömmliche Preise. Und dazu gehört, meine Damen und Herren, auch die Anerkennung derer, die tagtäglich für unsere Ernährung sorgen.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Unsere Landwirtschaft kann beides: Wochenmarkt und Weltmarkt. Sie produziert hochwertige regionale Spezialitäten, die auf den Märkten in unseren Städten, Gemeinden und Dörfern Heimat schaffen. Gleichzeitig ist unsere Landwirtschaft ein international gefragter Partner. „Made in Germany“ steht weltweit für höchste Qualität und Standards, auch in der Agrarproduktion. Ich war gerade in den Vereinigten Staaten und habe dort mit vielen politischen Vertreterinnen und Vertretern gesprochen. Alle waren froh, dass wir den abgerissenen Gesprächsfaden wieder aufnehmen. Wir waren uns einig: Wir wollen unsere Zusammenarbeit im Agrarsektor weiter vertiefen und ausbauen und den Dialog zu Export und Import deutlich intensivieren. Denn eine wettbewerbsfähige Branche braucht beides: Export und Import, regionale Nähe und Weltoffenheit, Vielfalt und Größe. Diese Doppelkompetenz macht unsere Land- und Ernährungswirtschaft stark und unverwechselbar.
Genau in diesem Sinne haben wir, haben Sie, meine Damen und Herren, den Haushalt 2026 gestaltet. Die landwirtschaftliche Sozialpolitik soll trotz der erforderlichen Einsparungen weiter stabil bleiben. Es werden weiterhin knapp 4,2 Milliarden Euro für die Absicherung unserer Landwirtinnen und Landwirte zur Verfügung gestellt. Wir fördern gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche, indem wir in die Stärkung des Exports investieren. In Kürze werden wir unsere Agrarexportstrategie vorstellen, die wir in enger Abstimmung mit allen relevanten Akteuren entwickelt haben. Dafür wird das Auslandsmesseprogramm entsprechend gestärkt.
Heute wurde es schon angesprochen: das Thema Heimat. Meine Damen und Herren, das steht nicht nur im Titel des Ministeriums. Vielmehr wird schon über viele Jahre und Jahrzehnte im Landwirtschaftsministerium Heimatpolitik gemacht, nämlich über die GAK, die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“.
Woraus wird das Programm BULEplus, das wir weiterhin unterstützen, gefördert? Aus der GAK. Woraus wird der Küstenschutz gefördert, Herr Seidler? Aus der GAK. Das ist Heimatpolitik seit vielen Jahren und Jahrzehnten, die in meinem Haus betrieben wird. Jetzt verfeinert man das Ganze noch ein Stück weit. Es ist wichtig, dass wir den Mittelansatz für die GAK in Höhe von 907 Millionen Euro fortschreiben. Mit diesem Geld investieren wir zielgerichtet in die Menschen und in viele Projekte vor Ort.
Bevor ich jetzt zum Schluss komme, möchte ich noch Danke sagen all denjenigen, die diesen Haushalt möglich gemacht haben. Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen des Haushaltsausschusses und des Agrarausschusses, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMF, meines Hauses und des Haushaltsausschusses. Ein ganz herzliches Dankeschön! Sie haben großartige Arbeit geleistet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Branche ihre wirtschaftliche Kraft weiterhin entfalten kann, im Einklang mit Natur, –
Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Der Haushalt 2026 ist ein Dokument mit großen Worten, aber leider mit kleiner Wirkung. Im Prinzip liest er sich wie eine Werbebroschüre: bunt, verheißungsvoll und voller gutklingender Überschriften. Doch wer die Zahlen kennt und mit den Menschen spricht, die die Landwirtschaft tagtäglich am Laufen halten, sieht: Es fehlt am notwendigen Unterbau.
Herr Minister, Sie haben gerade wieder viele Maßnahmen angekündigt, Programme aufgelegt und Pressemitteilungen produziert. Einige Schritte gehen sogar in die richtige Richtung.
Aber Sie betreiben das, was die Regierung inzwischen perfektioniert hat: Schaufensterpolitik, eine Politik, die auf den Glanz der äußeren Erscheinung konzentriert ist, aber leider das Fundament ignoriert. Sie räumen ein paar Regale frisch und neu ein, aber lassen das Fundament verrotten. Das lassen wir Ihnen nicht mehr durchgehen, meine Damen und Herren.
Die Realität in der Landwirtschaft sieht anders aus. Während die Regierung von Bürokratieabbau spricht, zeigt der Haushalt klar, dass die Versprechen nicht eingehalten werden.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Was? Na, gucken Sie mal genau hin!
Weder sind Einsparungen bei den Personalkosten sichtbar, noch bemerken wir Erleichterungen beim Vollzugsaufwand oder bei den Berichtspflichten. Kein einziger Euro wird eingespart. Ein Bürokratieabbau, den selbst der Haushalt nicht erkennt, ist einfach keiner.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie kennen sich ja gar nicht aus! Haben Sie den Haushalt überhaupt gelesen?
📢
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Da müssen Sie mal genau hingucken, Herr Kollege!
Sie sprechen von Digitalisierung in der Landwirtschaft, Herr Minister. Doch viele Betriebe, vor allem auch in unserer Heimat, in Niederbayern, haben nicht einmal ein stabiles Internet. Und da reden Sie von Digitalisierung! Genau bei diesem Thema setzen Sie wieder den Rotstift an. Das ist mit Sicherheit nicht hilfreich.
Sie sprachen gerade wieder von der heimischen Nutztierhaltung. Wenn es aber darum geht, Investitionsbedingungen für den Erhalt und die Modernisierung der Betriebe zu schaffen, herrscht leider wieder gähnende Leere.
Diese Aufzählung könnte ich beliebig fortführen. Sie kündigen viel an, setzen aber kaum etwas um. Reine Schaufensterpolitik reicht nicht aus, um die Herausforderungen der Landwirtschaft zu lösen.
Die ökonomische Realität auf Höfen spiegelt sich im Haushalt leider nicht wider: Produktionskosten, die nach wie vor zu hoch und nicht wettbewerbsfähig sind. Maßnahmen, um das zu ändern, fehlen leider völlig.
Maßnahmen, die wirklich helfen? Fehlanzeige. Spürbare Entlastungen fehlen. Ein reines Verwalten des Stillstands reicht leider nicht mehr aus. Die Landwirte unseres Landes, die täglich hart arbeiten und das Rückgrat unserer Nahrungsmittelproduktion bilden, verdienen mehr als leere Versprechungen.
Herr Minister, ich komme jetzt zu einem entscheidenden Punkt: Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Politik. Dass Sie trotz des Weimer-Skandals weiterhin am Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 teilnehmen wollen, mag Ihr gutes Recht sein. Aber wie sollen die deutschen Landwirte Vertrauen in Ihre Politik setzen, wenn solche Vorwürfe der Bestechlichkeit und Käuflichkeit im Raum stehen? Vertrauen verdient Taten und keine leeren Worte, meine Damen und Herren.
Die nötigen Lösungsansätze, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern, liegen doch ganz klar auf der Hand. Unser Ansatz bringt auf den Tisch, was Sie nicht anpacken wollen: spürbaren Bürokratieabbau und gezielte Deregulierung, die direkt den Landwirten zugutekommen. Wir senken die Lkw-Maut, schaffen Erleichterungen bei Steuern und Abgaben und sorgen für messbare Kostensenkungen in den Betrieben. Doch finanzielle Entlastungen allein reichen nicht. Wir müssen gleichzeitig sicherstellen, dass unsere Landwirte faire Erzeugerpreise erzielen und ihre Wettbewerbsfähigkeit gestärkt wird. Die Landwirtschaft braucht Planungssicherheit, Investitionssicherheit und ein politisches Umfeld, das sie als Partner und nicht als Problem sieht.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Na ja, da scheidet ihr schon mal aus!
Damit komme ich zum Schluss, meine Damen und Herren, zu einem Punkt, den manche hier im Haus nicht gern hören. Es ist bezeichnend, wie sich die beiden Regierungsparteien in den zentralen Fragen widersprechen. Wir sehen auf der einen Seite eine SPD, die im ländlichen Raum Nähe vortäuscht, die Sorgen der Betriebe aber nicht ernsthaft adressiert, und auf der anderen Seite eine CDU, die große Worte macht, aber strukturelle Veränderungen scheut. Beide setzen zu oft auf Symbolpolitik: schnelle Wirkung, kurzer Applaus, schnell ein Foto für Instagram.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Da reden Sie gerade von sich selber wahrscheinlich, ne? Gucken Sie mal in den Spiegel! Unfassbar!
Doch die Menschen draußen durchschauen diese billigen Inszenierungen längst. Sie merken genau, wo ihnen eine schöne Kulisse präsentiert wird, die gut aussieht, aber nichts ändert. So entsteht unter dieser Koalition eine Politik, die weder sozial noch wirtschaftlich trägt, sondern am Ende schlicht handlungsunfähig bleibt.
Viel Schaufenster, wenig Substanz – genau das kann sich die deutsche Landwirtschaft nicht mehr leisten. Unsere Landwirte verdienen mehr als diesen endlosen Koalitionsstreit, der nur zulasten der Familienbetriebe geht. Deutschland braucht eine klare Linie, eine verlässliche Strategie und eine Regierung, die endlich handelt, statt sich gegenseitig auszubremsen.
Und wissen Sie was? Es ginge auch anders; das geht gerade an die Adresse der Unionspolitiker. Viele Ihrer Worte klingen ja richtig, aber leere Worte allein reichen nicht. Wenn Sie wirklich bereit sind, die Schaufensterpolitik hinter sich zu lassen und strukturelle Verbesserungen umzusetzen, dann stehen wir selbstverständlich gerne bereit. Die Tür steht offen für Leute, die noch Arsch und Rückgrat haben, –
Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir investieren in Zusammenhalt. Das bedeutet für mich auch: Wir investieren in die Stärkung des ländlichen Raums. Denn dort lebt über die Hälfte der Bevölkerung, und wir wollen, dass es ihr gut geht. Gute Infrastruktur, attraktive Arbeitsplätze, soziale Teilhabe und gleichwertige Lebensverhältnisse fallen aber nicht vom Himmel. Sie müssen politisch erkämpft und auch durchfinanziert werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese wichtigen politischen Ziele müssen im ländlichen Raum noch engagierter verfolgt werden. Wo weniger Menschen auf viel Fläche ein Zuhause haben, wird der Nutzen öffentlicher Dienstleistungen und hoheitlicher Aufgaben immer als Erstes infrage gestellt. Das gilt für kleine Krankenhäuser genauso wie für den Bahnhaltepunkt oder den Busverkehr. Wir als SPD-Fraktion sagen klar: Solche Debatten sind schädlich und müssen aufhören. Denn allein das Gerücht über Einsparungen sorgt für ein latentes, aber dauerhaftes Gefühl des Abgehängtseins. Seitdem ich die Ehre habe, als Bundestagsabgeordnete tätig zu sein, werbe ich im Parlament für mehr Verlässlichkeit für den ländlichen Raum. Mit dem Gefühl der Unsicherheit muss Schluss sein.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Wir sagen den Menschen im ländlichen Raum: Eure Daseinsvorsorge ist zukunftssicher. – Um das zu erreichen, brauchen wir einen starken Haushalt des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Diese notwendige Verlässlichkeit wird auch im Einzelplan sichtbar. Bereits der Haushaltsentwurf hatte zentrale Ausgaben und Aufgaben verstetigt. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen aus dem Haushaltsausschuss, dass sie an vielen zentralen Stellen noch Verbesserungen durchgesetzt haben.
Zur Stärkung des ländlichen Raums kommt einem Kapitel im Einzelplan eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Wir müssen die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ weiter leidenschaftlich vorantreiben; denn die darin verankerten Mittel zur Förderung der Dorfentwicklung und der ländlichen Infrastrukturen machen an vielen Stellen den Unterschied. Ich freue mich, dass es gelungen ist, die GAK auf hohem Niveau zu verstetigen. Das ist eine wirklich gute Nachricht.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Gleichzeitig ist die Verabschiedung eines Haushaltes nicht das Ende der Geschichte. Es ist jetzt die Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums, die Mittel zu verausgaben und den ländlichen Raum weiter zu stärken.
Hier ist auch noch Verbesserungspotenzial vorhanden, insbesondere wenn man sich die vorhandenen Reste beim Hochwasserschutz anschaut. In Zeiten des Klimawandels muss der Schutz unserer Kommunen am Wasser eine hohe Priorität haben. Die Flutkatastrophen der Vergangenheit mahnen uns, hier schnell für mehr Sicherheit zu sorgen. Hier werden wir als Abgeordnete natürlich ganz genau hinschauen.
Die Stärkung des ländlichen Raums bleibt eine Querschnittsaufgabe über alle Politikressorts hinweg. Wir müssen die kommenden Jahre nutzen und mithilfe des Sondervermögens die Infrastruktur im ganzen Land stärken. Auch in den anderen Einzelplänen sollten wir als Parlament schauen, ob wir zusätzliche Vorhaben und Förderkulissen für den ländlichen Raum schaffen können, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter zu stärken.
Lieber Herr Minister, ich bin mir sicher: Entsprechende Vorschläge werden in unserer Fraktion auf viel Unterstützung treffen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als die EU-Pestizidverordnung gerade neu war, war ich Student. Damals hat mein Ackerbauprofessor eine Liste der Bezeichnungen von Wirkstoffen an die Wand geworfen, die bald keine Zulassung mehr bekommen sollten. Glufosinat war ihm besonders wichtig. Er warnte uns: Wenn das verboten wird, dann ist Landwirtschaft in Deutschland nicht mehr möglich. – Glufosinat, das beim Menschen die Embryonalsterblichkeit erhöht, ist seit Jahren verboten. Mein Prof hatte sich geirrt. Und genauso haben sich alle geirrt, die mit dem europaweiten Verbot von drei extrem giftigen Insektengiften 2018 oder mit dem kleinen Insektenschutzpaket der GroKo 2020 die Existenzgrundlage ganzer Regionen und Branchen in Gefahr sahen.
Es ist an der Zeit, mit dieser Panikmache aufzuhören.
Hermann Färber [CDU/CSU]: Schilf-Glasflügelzikade!
Pestizide sollten auf den Feldern, in den Köpfen und den Geldbeuteln der Bauern eine immer kleinere Rolle spielen. Deswegen ist es falsch, dass diese Regierung das Zukunftsprogramm Pflanzenschutz streicht, das mit Kooperation, mit Beratung und mit der Förderung von Alternativen die Landwirtschaft von der chemischen Industrie unabhängiger machen sollte.
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marcel Bauer [DIE LINKE]
📢
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Das ist doch noch gar nicht angelaufen gewesen! Das war im letzten Haushalt! Das war schon im 25er-Haushalt!
Ich frage mich: Wie wollen Sie unser Wasser und unsere Lebensmittel vor Pestizidrückständen schützen? Wie wollen Sie unsere Böden gesund halten und unsere Artenvielfalt erhalten, wenn Sie weder in Alternativen und Beratung investieren
noch Verbote oder eine Abgabe wollen, wenn es kein eigenes Programm für den Ökolandbau mehr gibt und auch immer weniger Förderungen aus der EU? Wie soll das gehen?
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marcel Bauer [DIE LINKE]
📢
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gar nicht!
Und jetzt will auch noch die EU-Kommission die Pestizidverordnung schreddern. Bisher muss alle 10 bis 15 Jahre der aktuelle Stand von Wissenschaft und Forschung einbezogen werden. Wenn das wegfällt, bedeutet das, dass immer mehr erwiesenermaßen schädliche Stoffe noch länger als bisher auf dem Markt sind. Ich frage mich: Welches Problem löst das eigentlich, und wem nützt es, wenn wir in Zukunft ungeprüfte genmanipulierte Lebensmittel essen sollen, ohne es zu wissen?
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marcel Bauer [DIE LINKE]
Welches Problem löst es, wenn aus der Kommunalabwasserrichtlinie gestrichen wird, dass die Pharmaindustrie sich an den Kosten beteiligen muss, die durch Medikamentenrückstände im Wasser entstehen?
Die rechte Mehrheit in Brüssel tut gerade das, wofür rechte Politik steht: Sie dient der großen Industrie. Wir sind der Ansicht, dass die Menschen vorgehen. Ich nenne ein Beispiel aus Frankreich. In Frankreich geht bei jedem Verkauf von Pestiziden ein kleiner Beitrag in den Fonds für die Opfer von Pestiziden.
In Deutschland schieben wir jetzt das zweite Jahr in Folge 20 Millionen Euro in die landwirtschaftliche Sozialversicherung für die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten.
Und es ist eigentlich zum Schämen, dass die Regierung gleichzeitig 4 Millionen Euro bei der Weltorganisation für Ernährung und Landwirtschaft spart. Das hält Deutschland in der Welt klein, und es lässt die Hungernden mit China allein. Vielen Dank für nichts!
Der Haushalt findet unsere Zustimmung nicht. Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die AfD verboten werden muss.
Verehrter Herr Präsident! Verehrte Zuhörer/-innen! Was haben die Renten- und die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung gemeinsam? Sie sind ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Menschen –
für die Bürgerinnen und Bürger insgesamt und auch für unsere Bäuerinnen und Bauern. Denn Ihr Pokern um das Rentenniveau missachtet die Würde von Menschen, die hart für ihre Rente gearbeitet haben.
Außerdem, Herr Rainer, ist das auch katastrophale Landwirtschaftspolitik.
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Das war aber sehr stark konstruiert jetzt!
Und weil Sie von der CDU/CSU in Ihrer Konzernhörigkeit nicht einmal wissen, warum das so ist, erkläre ich es Ihnen gerne. 3,5 Millionen Menschen im Ruhestand in diesem Land sind armutsbedroht. Auch viele Bäuerinnen und Bauern haben ihr Leben lang hart gearbeitet, und trotzdem reicht es dann hinten und vorne nicht, auch nicht für gute und gesunde Lebensmittel, die ihren Preis wert sind. Über 10 Millionen Menschen in diesem Land können sich nicht einmal jeden zweiten Tag eine ausgewogene Mahlzeit leisten.
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist beschämend!
Das ist am Ende eines der Hauptprobleme unserer Bäuerinnen und Bauern: Sie gehen im Joch der Lebensmittelkonzerne und Supermärkte; denn die diktieren die Preise. Die Monopolkommission hat es gerade erst bestätigt: Edeka, Rewe, Aldi und Lidl beherrschen zu viert den Markt, und die Gewinne aus der Preisexplosion stecken sie in die eigene Tasche. Wir alle dürfen das bezahlen. Bei den Bauern und Bäuerinnen kommt davon nichts an.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wer also etwas für die Bäuerinnen und Bauern tun möchte, der muss sich mit den räuberischen Lebensmittelkonzernen anlegen.
Wir als Linke werden die Landwirte und Landwirtinnen vor der Preisdrückerei schützen; denn sie brauchen faire Erzeugerpreise. Sie verdienen einen anständigen Lohn für ihre harte Arbeit.
Und wir werden auch dafür sorgen, dass die Menschen in diesem Land genug Geld in der Tasche haben. Denn nur dann können sie vernünftige Preise für gute Lebensmittel zahlen, von denen die Bauern auch leben können. Eine kluge Regierung weiß: Soziale Politik für die große Mehrheit der Menschen hilft auch den Landwirten. – Leider haben wir keine kluge Regierung.
Aber wir brauchen das Gegenteil: Wir müssen Betriebe fördern, die unsere Umwelt schonen und gut wirtschaften. Das sind oft die kleineren und mittleren Betriebe. Viele davon arbeiten ökologisch, andere konventionell. Vor allem aber arbeiten sie mit Verantwortung für die Naturgüter, von denen wir alle leben. Und genau denen fallen Sie in den Rücken, Herr Rainer. Sie klammern sich nach wie vor an die EU-Förderung nach Betriebsgröße. Das nutzt vor allem den Pseudobauern, deren Betriebe so groß sind, dass sie den Boden doch nur noch von den Geodaten kennen, die sie dann für die Flächenprämien einreichen.
Stattdessen müssen wir ökologische Anbaumethoden fördern, ohne Pflanzen- und Insektengifte. Wir brauchen mehr Geld für die Forschung an bodenschonendem und wassersparendem Ackerbau wie zum Beispiel der Direktsaat. Aber Sie, Herr Rainer, kürzen Millionen im Bereich „Nachhaltigkeit, Forschung und Innovation“. Was für ein Irrsinn!
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Da ist kein Euro gekürzt worden! Kein einziger Euro!
Gute Politik für die Mehrheit der Menschen sieht anders aus.
Zum letzten Bundeshaushalt haben wir es Ihnen schon vorgerechnet: Ein kostenloses Mittagessen an allen Schulen und Kitas ist problemlos finanzierbar. Der Bürgerrat Ernährung hat doch genau das empfohlen. Und die Lebensmittel, die wir dafür brauchen, kann unser Staat, kann die öffentliche Hand von unseren Bauern kaufen – zu guten Preisen und aus regionaler Erzeugung –: gutes Fleisch, gute Milch, gutes Gemüse, gutes Getreide.
Wenn Sie nur den politischen Willen aufbringen würden, dann könnten nicht nur alle Kinder, sondern alle Menschen in diesem Land gesundes Essen auf den Teller bekommen,
zu Preisen, die sich alle leisten können. Kinder sollten nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein, nicht in ihrer Bildung und nicht in ihrer Ernährung.
Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Denn wir als Linke sagen: Das Wohl der Bäuerinnen und Bauern und das Wohl der Arbeiter/-innen, Rentner/-innen, Erwerbslosen und Kinder gehen Hand in Hand.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bauer, gestatten Sie mir die Anmerkung: Sie heißen vielleicht Bauer, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass Sie in Ihrem Leben besonders viel mit Bauern zu tun hatten.
Kommen wir jetzt auf den Haushalt zu sprechen. Ich will mich an dieser Stelle erst mal ganz herzlich bei Oliver Vogt, aber auch bei Esther Dilcher bedanken. Das war eine ganze Menge Arbeit. Es waren ja auch zwei Haushalte. Das können wir uns alle gar nicht vorstellen; das ist richtig viel Arbeit. Deswegen: Ganz herzlichen Dank! Danke auch noch mal den Fraktionen, der SPD- und der Unions-AG! Wir haben alle einen Beitrag dazu geleistet, dass es hier gut vorangegangen ist. Deswegen: Ganz herzlichen Dank!
Ein Bundeshaushalt ist immer eine Grundlage für stabiles Arbeiten und Stabilität. Der Minister hat es auch gesagt: Stabilität brauchen wir jetzt. – Wir sehen, dass unsere Wirtschaft insgesamt jetzt das dritte Jahr in der Rezession ist. Ich will einfach mal dafür sensibilisieren und meine Redezeit nutzen, um noch mal dafür einzustehen und klarzumachen, welche Bedeutung Landwirtschaft für unsere Wirtschaft hat. Denn ich erlebe es im parlamentarischen Betrieb immer noch, dass Landwirtschaft manchmal ein bisschen als etwas belächelt wird, was man nicht unbedingt ganz einberechnen muss.
Ich will einfach mal mit einigen Zahlen hier aufwarten. Weil sie, wie ich finde, stereotypisch für die Landwirtschaft ist, mache ich es mal an der Forstwirtschaft fest. Wenn wir uns den Bereich Forstwirtschaft anschauen, dann reden wir erst mal über 9 Milliarden Euro. Aber was lösen diese 9 Milliarden Euro, die unsere Forstwirtschaft erwirtschaftet, aus? Wir haben eine Möbelindustrie, die es nur gibt, weil wir eine vernünftige Forstwirtschaft haben. Wir haben eine weiterverarbeitende Industrie. Wir reden über den Einsatz von Holz im Baugewerbe. Dort werden erhebliche Umsätze generiert. Das gilt auch für die Papierindustrie. Wenn wir den gesamten Cluster Holz zusammenrechen, kommen wir auf fast 200 Milliarden Euro Umsatz. Das heißt, aus 9 Milliarden Euro sind 200 Milliarden Euro geworden.
Man kann weiterrechnen – der Minister hat eben einige Zahlen genannt und gesagt: Landwirtschaft ist Wirtschaft –: In der Landwirtschaft werden 100 Milliarden Euro erwirtschaftet, aber in der Lebensmittelindustrie, in der Weiterverarbeitung, im Lebensmitteleinzelhandel sind es 250 Milliarden Euro Umsatz.
Wir waren neulich mit der AG auf der Agritechnica. Das ist die größte Landtechnikmesse der Welt. Dort werden Traktoren aus Deutschland und Erntemaschinen aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen präsentiert, die überall auf der Welt unterwegs sind. Nehmen wir zum Beispiel die Kartoffeltechnik aus Niedersachsen. Die Produkte werden zu 75 Prozent nicht in Deutschland abgesetzt.
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gestatten?
Vielen Dank, Herr Stegemann. – Ich wollte Ihnen Gelegenheit geben, erst mal auszuführen. Aber da der Punkt noch nicht gekommen ist, würde ich gerne die Frage meines Kollegen Karl Bär wiederholen.
Sie haben einige Zahlen aufgeführt. Ist es denn gesamtgesellschaftlich gesehen richtig, dass wir 20 Millionen Euro öffentliche Gelder für Parkinson-Opfer ausgeben, für Schäden, die von Konzernen verursacht worden sind, die sich aus der Verantwortung stehlen, oder sollte diese Summe anders aufgebracht werden?
Es war absehbar, dass diese Frage kommt. – Für uns ist vollkommen klar, dass immer das Eigenverantwortungsprinzip gelten sollte. Das gilt natürlich auch für diese Schäden. Allerdings muss man auf wissenschaftlicher Basis hinterfragen, inwieweit das zu 100 Prozent plausibilisiert werden kann.
Ich will an dieser Stelle gerne nachschieben, dass ich mich freue, dass wir jetzt einen Minister haben, der beim Thema Pflanzenschutz endlich eine wissenschaftsbasierte Zulassung forciert und sich bei den Strukturen, die vielleicht auch Ihrer Ideologie entsprechen, um wissenschaftliche Orientierung bemüht. Ich glaube, dass das – nur das! – ein guter Beitrag für die Agrarpolitik in Deutschland ist. – An dieser Stelle würde ich gerne mit meiner Rede fortfahren.
Pflanzenschutz ist ein Teil der Landwirtschaft und auch ein Teil unserer Volkswirtschaft. Ich habe gerade die Agritechnica angesprochen, bei der es um Landtechnik geht. Ich könnte jetzt bei der chemischen Industrie weitermachen. Ich könnte bei der ganzen Finanzwirtschaft weitermachen. Was wären unseren ländlichen Regionen, was wären unsere Volksbanken, was wären unsere Sparkassen und das ganze Versicherungswesen, aber auch die Bauindustrie, wenn wir keine Bauern hätten? Ich habe es mal grob zusammengerechnet: Wir kommen etwa auf 700 Milliarden Euro, die die Landwirtschaft durch die eigene Tätigkeit in Gang bringt; 700 Milliarden Euro, das sind knapp 20 Prozent des BIPs. Jetzt wird es spannend: Wir haben 50 Prozent Staatsquote – also keine Staatswirtschaft, aber Umsätze, die durch Staatsausgaben generiert werden, und die anderen 50 Prozent kommen aus der freien Wirtschaft, die den ganzen Laden sozusagen am Laufen halten muss. So betrachtet, macht Landwirtschaft am Ende mindestens ein Drittel, sogar fast 40 Prozent der gesamten Wirtschaft aus, und deswegen ist es gut, dass wir Landwirtschaft in Deutschland haben. Sie muss unterstützt werden, weil es unserer Industrie zurzeit leider nicht gut geht. Deswegen wollte ich hier einfach noch mal unterstreichen, dass Landwirtschaft ein Fels in der Brandung und eine gute Grundlage für den Wohlstand in unserem Land ist. Entsprechend sollten wir uns auch verhalten.
Wir sind erst sieben Monate im Amt. Ich fasse mich kurz: Wir haben die Wiedereinführung des Agrardiesels beschlossen. Wir meinen es ernst mit dem Bürokratieabbau. Wir haben die Stoffstrombilanz abgeschafft. Wir haben dafür gesorgt, dass Saisonarbeitskräfte 90 Tage statt 70 Tage sozialversicherungsfrei beschäftigt werden können. Wir haben das Zukunftsprogramm Pflanzenschutz, das ja eher ein bürokratisches Monstrum war, abgeschafft. Wir haben die Stromsteuer abgesenkt. Wir haben noch vieles auf dem Schirm.
Herr Präsident! Herr Minister! Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie in den letzten Zügen noch den Wolf erwähnt haben; denn wenn man genauer hinblickt, erkennt man, dass auch das eine vollkommene Luftnummer ist. Wir schauen mal in den Einzelplan 10: Was steht da zum Wolf? Sie wollen den Wolf in das Jagdgesetz übernehmen. – Okay, das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, aber dafür ist null Geld eingestellt, kein Geld im Haushalt für Herdenschutz, Entschädigungen, praxistaugliches Wolfsmanagement – nichts eingestellt. Ja, wo soll es denn hingehen? Das ist nicht nur nachlässig, das ist ignorant gegenüber den Menschen auf dem Land.
Dr. Franziska Kersten [SPD]: Sie haben es nicht verstanden!
Die Bundesregierung will den Wolf, wie gesagt, ins Jagdgesetz aufnehmen, aber alles andere überlässt sie den Ländern. Was soll denn dabei herauskommen?
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist die Rechtslage!
Es gibt keinerlei Zuständigkeiten. Was hilft eine Finanzierung ohne klare Zuständigkeiten? Glauben Sie ernsthaft, ein Wolfsmanagement oder die Überführung kostet kein Geld? – Mitnichten!
Hermann Färber [CDU/CSU]: Die Bejagung kostet kein Geld!
Sie wollen den Wolf überführen. Sie wollen es den Ländern überlassen. Und was kommt dabei raus? Sie geben die Verantwortung an die Länder, und dann haben wir 16 unterschiedliche Regelungen, und die Verantwortung trägt wieder keiner. Das finde ich ignorant. Sie lassen die Landwirte wieder mal im Regen stehen.
Unsere Weidetierhalter brauchen keine Paragrafen, sie brauchen klare Verfahren, Rechtssicherheit, und vor allen Dingen: Sie brauchen schnelle Entscheidungen.
Drei Punkte zeigen, wo Ihre Politik versagt. Erstens: fehlende Rechtssicherheit. Begriffe wie „günstiger Erhaltungszustand“ oder „zumutbarer Herdenschutz“ klingen zwar schön, helfen aber keinem Tierhalter oder Tierzüchter.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch schon ein Widerspruch in einem Satz!
Drittens: Bürokratie statt Lösungen. Auf dem Papier geht die Entnahme schnell; da gehe ich bei Ihnen mit. In der Praxis dauert es aber Wochen, bis die Verfahren alle abgeschlossen sind.
Während Sie weiter prüfen, haben die Jäger längst tragfähige Konzepte vorgelegt – praxisnah, wissenschaftlich begleitet, funktionierend. Geben Sie ihnen endlich den Spielraum, den sie brauchen, statt immer neue Gutachten zu fordern! Meine Damen und Herren, wir brauchen ein Wolfsmanagement, das für die Realität angelegt ist, und nicht das, was die Union uns hier vorgibt.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Haushaltsverhandlungen sind seit jeher eine komplexe Angelegenheit. Wir müssen grundsätzlich sparsam mit Steuergeldern umgehen. Wir müssen eine Balance schaffen zwischen Impulsen, die unsere Wirtschaft wieder nach vorne bringen, und den Mitteln, die soziale Teilhabe und damit den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt sichern. Außerdem können wir nicht auf Kosten kommender Generationen wirtschaften; das gilt von der Neuverschuldung bis zur Klimapolitik. Hier braucht es Mut, Entschlossenheit und Weitblick, um die richtige Balance zu finden. Daher bin ich Finanzminister Lars Klingbeil und unseren Haushaltspolitikern sehr dankbar. Sie haben es geschafft, den Haushalt für 2026 mit klarem sozialdemokratischem Kompass vorzulegen und auszuverhandeln.
Besonders relevant ist der kluge Mitteleinsatz im Bereich der Agrarpolitik; denn im Einzelplan des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat kommen die eben von mir genannten Eckpunkte in einmaliger Weise zusammen. Da ist das Soziale: Das größte Haushaltskapitel ist die eigenständige landwirtschaftliche Sozialpolitik, also Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung, die wir weiter stärken.
Wirtschaftliche Impulse für die Weiterentwicklung des Agrarsektors setzen wir durch vielfältige Innovations- und Förderprogramme um. Mit einer breiten Unterstützung der Forschung sowie den umfangreichen Programmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ werden wir auch die Folgen des Klimawandels bewältigen. Daher bin ich sehr froh, dass es gelungen ist, die Mittel im Agrarhaushalt um rund 100 Millionen Euro auf insgesamt 6,99 Milliarden Euro aufzustocken.
Ich möchte auf ein mir persönlich sehr wichtiges Thema näher eingehen. Landwirtschaftliche Betriebe sind nur rentabel, wenn sie vom Erlös ihrer Produkte auch leben können. Die Erzeuger sind zwar die Ersten in der Wertschöpfungskette, aber gegenüber den Verarbeitern und erst recht gegenüber der Marktmacht des Handels das schwächste Glied.
Das wird ganz aktuell in einem sehr interessanten Sondergutachten der Monopolkommission bestätigt. Das Thema ist der Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette. Die wissenschaftliche Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass sich die Schere zwischen den Erzeugerpreisen und den Preisen im Supermarkt immer weiter öffnet. Die Gewinnmargen verschieben sich hin zu den Verarbeitern und zum Einzelhandel. Außerdem stellt die Kommission fest, dass auf der Ebene des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise auch auf Herstellerebene eine Marktkonzentration besteht, die eine effektivere Missbrauchsaufsicht erforderlich macht.
bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]
📢
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist richtig! Was machen wir jetzt?
Um diesem Ungleichgewicht etwas entgegenzusetzen, wurde auf europäischer Ebene die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken, die UTP-Richtlinie, erlassen. Wir haben diese Richtlinie mit dem Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetz in nationales Recht umgesetzt. Allerdings, so beschreibt es das Gutachten, wird die Rechtsdurchsetzung durch den sogenannten Angstfaktor stark eingeschränkt. Unternehmen scheuen davor zurück, vor Gericht oder durch Meldung bei Behörden gegen ihre mächtigen Vertragspartner vorzugehen.
Aus diesem Grund hat die SPD-Fraktion seit 2019 die Etablierung einer unabhängigen und weisungsungebundenen Ombudsperson gefordert. Diese soll niedrigschwelliger Ansprechpartner sein. Es ist mir gelungen, dieses Thema im aktuellen Koalitionsvertrag mit aufzunehmen. Daher bin ich sehr froh, dass die Einrichtung dieser Ombudsstelle jetzt im Haushalt verankert wird.
Es gibt mit dem Fairness-Büro in Österreich ein gut funktionierendes Vorbild, das wirklich für mehr Gerechtigkeit in der Lebensmittellieferkette sorgt. Daran werden wir uns orientieren.
Mein letzter Kommentar. Angesichts der sehr unterschiedlichen Bewertungen des Sondergutachtens durch die angesprochenen Marktteilnehmer kann ich allen nur zurufen: verbal abrüsten, ehrlich miteinander umgehen und Schwierigkeiten gemeinsam überwinden – das ist das Gebot der Stunde.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das leider sehr wenig thematisiert wird, aber in Ihr Haus gehört, Herr Rainer. Zu diesem Thema haben wir auch einen Antrag gestellt. Ich möchte Sie einen Moment um Ihre Vorstellungskraft bitten; denn ich glaube, manche Themen kann man nur dann verstehen, wenn man wirklich versucht, sich in andere hineinzuversetzen.
Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem engen Käfig, in einem hermetisch abgeschirmten Raum. Jeden Tag bekommen Sie eine Magensonde durch den Hals in Ihren Magen gelegt. Durch diese Sonde läuft Flüssigkeit, von der Ihnen übel wird. Jeden Tag, wochenlang. An einem Tag – das kann passieren bei so einer Prozedur – landet die Magensonde versehentlich in Ihrer Luftröhre. Die Flüssigkeit läuft Ihnen in die Lunge, und Sie kämpfen ums Überleben. Stundenlang. Irgendwann kommt dann ein Mann in einem weißen Kittel zu Ihnen an den Käfig und erklärt Ihnen: Dieses Leid, Ihr Leid, das Sie da erleben, jeden Tag, ist notwendig – für die Wissenschaft. – Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm. Das passiert in Deutschland.
Es passiert nicht mit Menschen – das wäre ja moralisch höchst fragwürdig; wir würden dem als Gesellschaft hoffentlich sofort einen Riegel vorschieben –, aber es passiert mit Tieren in deutschen Versuchslaboren. Denn bei Tieren ist die Bereitschaft, nicht so genau hinzuschauen, häufig höher, und das ist wirklich tragisch.
Diese Szene, die ich gerade beschrieben habe, habe ich nicht erfunden. Sie wurde mir geschildert von einem Kontrolleur von Tierversuchen, der beschrieben hat, dass so was zum Beispiel bei der Chemikalienprüfung in Deutschland vorkommen kann. Natürlich gibt es keinen Mann im weißen Kittel, der irgendwas erklärt. Für die Tiere bleibt es ein Geheimnis, wieso sie jeden Tag solche Schmerzen erleben müssen. Der Kontrolleur hat mir auch erzählt, dass für ihn die Nächte das Schlimmste sind; denn die Tiere sind nachts häufig vollkommen alleine. Wenn ein Tier erstickt oder schwere Symptome zeigt, dann kommt niemand, um zu helfen. Das Tier stirbt einfach tragisch dahin.
Die Zuständigkeit für Tierversuche liegt in Deutschland im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Wir finden es sehr schade, dass bislang keinerlei Zukunftsvision zu erkennen ist, wie wir in Deutschland einen Ausstieg aus den Tierversuchen schaffen.
Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Denn die Gesellschaft ist längst so weit, auch die Industrie ist so weit. Es wird endlich gefordert, mehr auf die Alternativen zu setzen.
3,5 Millionen Tiere sind aktuell in deutschen Tierversuchslaboren im Einsatz. Manche Versuche sind brutaler, manche sind nicht so brutal. Es fließen Unmengen an Steuergeld in die Tierversuche. Wir wissen gar nicht, wie viel Geld das genau ist; denn es gibt keine offiziellen Zahlen. Eines ist aber klar: Es ist deutlich mehr als in die Alternativen.
Herr Minister Rainer, in Ihrem Ministerium liegt eine Strategie bereit. Ihr Vorgänger Cem Özdemir hat sie erarbeiten lassen, gemeinsam von Wissenschaft, Industrie und dem Tierschutz. Sie müsste jetzt veröffentlicht und umgesetzt werden. Wir bitten Sie darum.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist jetzt die vierte Haushaltswoche in diesem Jahr. Das, was unsere Kollegen, die im Haushaltsausschuss arbeiten – ich nenne jetzt mal Frau Dilcher und Herrn Vogt stellvertretend –, in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben, ist richtig gut. Deswegen als Erstes mal ein herzliches Dankeschön an alle, die im Haushaltsausschuss dafür gesorgt haben, dass wir in diesem Jahr zwei Haushalte durch dieses Parlament bekommen.
Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wenn man für den Haushalt Überschriften wählt, stellt man fest, dass wir drei Prioritäten in den Mittelpunkt stellen müssen.
Der erste Punkt ist: Wir müssen Deutschland wieder auf Wachstumskurs bringen. Denn Wachstum ist am Schluss die Voraussetzung für alles andere – von der Frage, wie wir Sozialversicherungssysteme nachhaltig gestalten, bis zu der Frage der Akzeptanz unseres demokratischen Systems.
Der zweite Punkt, der uns in der Landwirtschaftspolitik betrifft: Wir müssen wieder Vertrauen zurückgewinnen – in den ländlichen Räumen, bei den Landwirten, bei den Bauern.
Und der dritte Punkt, der mir besonders wichtig ist: Wir müssen dieses Land, wir müssen diesen Kontinent resilient machen, wir müssen ihn sicher machen. – All das hat einen großen Bezug auch zur Landwirtschaftspolitik. Deshalb einen herzlichen Dank für die Arbeit der letzten Wochen!
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Ich komme nun zu den einzelnen Punkten.
Deutschland auf Wachstumskurs bringen. Wir haben ja schon einiges gemacht in den ersten sieben Monaten: die Unternehmensteuerreform, die auch landwirtschaftlichen Betrieben zugutekommt, und die Abschreibungsmöglichkeiten, die jetzt auch Investitionen anreizen. Wir gehen an die Energiepreise ran: Stromsteuer, Gasspeicherumlage und vieles andere. Wir reden nicht mehr nur über den Bürokratieabbau in Deutschland, wir machen ihn. Und Alois Rainer ist einer der Minister, die hier extrem vorangehen.
Herr Wagner von den Linken, ich musste vorhin während Ihrer Rede etwas schmunzeln. Sie haben sich darüber beschwert, dass es noch viel zu viel Bürokratie in Deutschland gebe, und damit haben Sie recht. Nur, wenn ich mir so anhöre, was Ihre Kollegen im Agrarausschuss oder in den anderen Fachausschüssen hier im Deutschen Bundestag vorbringen, zeigt sich: Wenn es nach Ihnen ginge, hätten wir dreimal, viermal, fünfmal so viel Bürokratie in Deutschland.
Sascha Wagner [DIE LINKE]: Nennen Sie doch mal ein Beispiel!
Ich möchte aber auch eine Sorge zum Ausdruck bringen: Wenn wir schauen, was in den vergangenen Jahren von der europäischen Ebene gekommen ist, stellen wir fest, dass wir hier im Deutschen Bundestag oft das Gefühl haben: Wir können uns hier im Bereich des Bürokratieabbaus noch so sehr anstrengen, im Zweifel kommt noch eine weitere Berichtspflicht aus Brüssel. – Ich finde es gut, dass es da in den letzten Monaten auch ein Umdenken gegeben hat.
Herr Minister Rainer, ich möchte mich bei Ihnen persönlich bedanken für Ihren Einsatz bei der Entwaldungsverordnung.
bei der CDU/CSU sowie der Abg. Esther Dilcher [SPD]
Das war ein Thema, bei dem erst in den letzten Wochen und Monaten in der öffentlichen Berichterstattung überhaupt zum Ausdruck gekommen ist, dass wir hier ein Lieferkettengesetz 2.0 haben.
Anhand der EUDR, der Entwaldungsverordnung, können Sie ein Stück weit das durchdeklinieren, was viele Menschen an der Europäischen Union kritisieren: Da gibt es ein hehres Ziel, nämlich den Regenwald zu schützen, insbesondere am Amazonas. Das will die Europäische Union tun; das wollen auch wir, das unterstützen wir. Aber dann kommt eine Regulierung, die zu diesem Ziel nichts beiträgt, aber die Wettbewerbsfähigkeit auf dem eigenen Kontinent massiv einschränkt. Um das zu verhindern, sind wir als Deutschland in den letzten Tagen vorangegangen. Sehr geehrter Herr Minister, herzlichen Dank dafür! Tolle Arbeit!
Mein Kollege Albert Stegemann hat von unserem Besuch auf der Agritechnica gesprochen. Ich möchte einfach mal sagen: Das war einer der ermutigendsten Termine, die ich in den letzten Monaten hatte. Denn auch wir bekommen natürlich immer wieder ein Stück weit schlechte Stimmung gespiegelt. Aber was wir auf der Agritechnica erlebt haben, war genau das Gegenteil.
Da haben wir Innovation, Technologie, die Hidden Champions, die wir in Deutschland haben und die die Landtechnik ins Ausland exportieren, gesehen. Dort haben uns die Familienunternehmer gesagt: Jawoll, wir merken, es zieht wieder an. – Als ich von der Agritechnica aus Hannover wieder hierher nach Berlin gefahren bin, habe ich deswegen gedacht: Jawoll, so können wir ins neue Jahr gehen. Lasst uns also auch ein Stück weit mit Optimismus ins Jahr 2026 gehen!
Zum Schluss möchte ich noch auf zwei Punkte eingehen. Herr Schröder von der AfD, ich empfehle Ihnen, sich noch mal etwas genauer mit dem Wolf und dem Bundesjagdgesetz auseinanderzusetzen.
Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage
Sie haben hier einen alten Stand vorgetragen. Wir haben genau das Gegenteil gemacht. Wir haben dafür gesorgt, in schwierigen Verhandlungen den günstigen – –
Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Wollen Sie diese zulassen?
Vielen Dank, Herr Steiniger, dass Sie die Frage zulassen. Sie hatten sich in Ihrer Rede bei Minister Rainer für seinen Einsatz bei der Entwaldungsverordnung bedankt, das heißt deren Blockade.
Ich war jetzt gerade bei der Klimakonferenz in Brasilien, auch für die Grünen, auf der die Bundesregierung ja angekündigt hat, 1 Milliarde Euro in den Waldschutzfonds zu geben, um das Abholzen von tropischen Regenwäldern zu stoppen. Ich wurde von brasilianischen Abgeordneten darum gebeten, dass wir als EU hier gute Standards setzen, damit ihre Wälder und damit die grünen Lungen unserer Erde nicht verschwinden.
Zunächst mal herzlichen Dank für Ihre Frage, die mir noch mal die Gelegenheit gibt, darauf hinzuweisen, dass Ihre Wortmeldung prototypisch für grüne Politik in Deutschland ist:
Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das können Sie doch beantworten!
📢
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
nur hehre Ziele formulieren, aber dann eine Regulierung entwerfen, die zum gemeinsamen Ziel, etwas gegen die Abholzung zu tun – da sind wir ja auf einer Seite –, nichts beiträgt, aber dafür sorgt, dass die Betriebe auf dem eigenen Kontinent, im eigenen Land an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da sind wir anderer Meinung!
📢
Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Beantworten Sie die Frage!
📢
Dr. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Sprechen Sie doch mal bitte mit den Unternehmen darüber, welche Wirkungen das Ganze gehabt hätte.
Im Übrigen: Wenn Sie in Brasilien waren, hätten Sie sich vielleicht auch mal mit der Rechtsetzung in Brasilien selbst auseinandersetzen können. Dann hätten Sie nämlich vielleicht herausgefunden, dass in Brasilien schon die ersten Umgehungstatbestände ins Gesetz hineingeschrieben worden sind.
Und ganz am Schluss noch mal zum Wolf. Bei Herrn Schröder war ein bisschen Ahnungslosigkeit vorhanden. Sie sollten sich mit dem Bundesjagdgesetz da echt noch mal auseinandersetzen. Wir haben dafür gesorgt, dass es zur Meldung des günstigen Erhaltungszustandes kam. Das ist die Voraussetzung, dass wir das Bundesjagdgesetz jetzt ändern können.
Und dann sage ich Ihnen noch eins: Wir brauchen keinen einzigen Euro in den Haushalt einzustellen. Das Wolfsmanagement, die Entnahme von Wölfen, ist nahezu kostenlos. Das kriegen wir mit wenigen finanziellen Mitteln hin.
In dem Sinne: Das war völlig daneben und zeugt von ziemlicher Ahnungslosigkeit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Personal- und Dienstleistungskosten des Landwirtschaftsministeriums und der nachgeordneten Behörden stiegen in den letzten sechs Jahren um ein Drittel. Darunter machen die Beamten den größten Posten aus. Deren Bezüge stiegen um ganze 40 Prozent.
Wurde dementsprechend mehr und bessere Arbeit vollbracht? Im Gegenteil: Die Bürger sind in historischem Maße unzufrieden mit dem öffentlichen Dienst; nur 25 Prozent sehen den Staat noch in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. Über 100 Millionen Euro an Steuern verschlingen die Personalkosten des Bundes pro Tag. Der Bundestag verabschiedet wohlklingende neue Strategien, und das Einzige, was dabei herauskommt, sind 1 000 neue Stellen, die von Steuergeld finanziert werden.
Das sollen dann die Praktiker da draußen machen. Doch die kriegen dafür kaum einen Cent. Gigantische Summen versickern in diesem aufgeblähten Staatsapparat.
Bei den Bürgern kommt nichts an. Die müssen im Gegenteil immer mehr bezahlen. 16 Millionen Euro dafür, um den Leuten reinzureden, was sie essen sollen, 10 Millionen Euro für Informationen von Verbrauchern, 1 Million Euro für Informationsveranstaltungen und nichtwissenschaftliche Tagungen, 3 Millionen Euro für Modell- und Demonstrationsvorhaben. Gebt den Bürgern das Geld zurück!
Aber das sind nicht die einzigen Fälle von Geldverschwendung im Haushaltsplan. Die steuerzahlenden Bürger interessiert mehr, zu erfahren, dass diese Regierung eine halbe Million Euro ihres hart erarbeiteten Geldes für nachhaltige Kamelmilchproduktion in Äthiopien ausgibt – unsagbar –, während in Deutschland in den letzten fünf Jahren rund die Hälfte aller Milchbauern zugemacht hat. Die letzte unionsgeführte Regierung förderte Projekte für eine ausgewogene Ernährung in der Subsahara mit 8 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum haben in Deutschland 20 000 Bauernhöfe zugemacht. Die hätten sich über ein paar Euro der 8 Millionen Euro für Afrika gefreut.
Der Staat ist kein Selbstzweck. Er soll sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren,
damit die Bürger, die Steuern zahlen, anständig leben können. Was haben wir denn von unseren Steuern und Abgaben? Ein marodes Land, in dem nichts mehr funktioniert.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Moin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Minister Rainer! Ich bin froh über das klare Bekenntnis aus unseren Reihen für einen starken Küstenschutz im Einzelplan 10. Der Bundeshaushalt 2026 schreibt die Ausgaben für den Küstenschutz aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ weiter fort. Das schafft Verlässlichkeit für unsere Verbände und Deichgrafen vor Ort. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Ihnen, Herr Minister Rainer, dass Sie immer wieder deutlich machen, dass der Schutz unserer Küsten uns alle angeht. Wahrscheinlich glaubt man Ihnen als Bayer das mehr als so einem Nordlicht wie mir.
Wie Sie wissen, werde ich nicht müde, zu betonen, dass wir langfristig strukturell mehr für unseren Küstenschutz tun müssen. Da wird sich auch der Bund nicht wegducken können. Was mich besorgt, ist, dass wir viel zu wenig über die Bedürfnisse und die langfristigen finanziellen Bedarfe wissen. Auch Veränderungen bei der Förderung lassen sich für uns im Bundestag nur schwer nachvollziehen, weil wir zu wenig darüber wissen, was mit dem Bundesgeld konkret vor Ort passiert. Deshalb möchte ich Sie ermutigen, weiter nach einer Lösung für eine bessere Informations- und Datengrundlage der GAK zu suchen.
Auffordern möchte ich Sie zudem, gemeinsam mit Herrn Rohde vom BMF im Haushaltsvollzug doch noch eine Lösung für die GAK-Sonderzahlung zu finden, die nach der schweren Ostseesturmflut im Oktober 2023 den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt wurde. Die Restmittel waren von der Bundesregierung damals als Hilfen kommuniziert worden, nachdem der Bund jede andere Form der Finanzhilfe für den Ausgleich der massiven Schäden abgelehnt hatte. Ich hielte es für völlig deplatziert, wenn nun auch noch dieses Mindestmaß an finanzieller Unterstützung von damals nicht in versprochener Höhe vom Bund geleistet werden würde und die verbleibenden 12,5 Millionen Euro Ende des Jahres verfielen.
Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Wer statt allgemeiner Finanzhilfen zusätzliche GAK-Mittel bereitstellt, sollte doch damit rechnen können, dass diese mit Planung und Genehmigung nicht in kürzester Zeit zu verausgaben sind. Wenn der Finanzminister jetzt bei den verbleibenden Mitteln so dolle auf die Uhr schaut, dann wird das der ernsten Situation der Menschen vor Ort nicht gerecht. Fakt ist: Das Geld wird weiter für Deichertüchtigungen an unserer Ostküste gebraucht, damit die Leute bei uns besser als im Oktober 2023 vor den Wassermassen geschützt sind. Jeder Euro dafür ist gut investiertes Geld, und deshalb sollten die Mittel auch in 2026 weiter zur Verfügung stehen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir investieren in Zusammenhalt. Zusammenhalt ist wie ein fruchtbarer Boden: Er trägt, er nährt – und er ermöglicht, dass Neues wachsen kann, auch unter schwierigen Bedingungen: unter Trockenheit und Hitze in der Landwirtschaft oder, wie in diesen Haushaltsverhandlungen, unter enormem Konsolidierungsdruck.
Zunächst danke ich ausdrücklich unseren Haushälterinnen und Haushältern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, stellvertretend Esther Dilcher und Dr. Oliver Vogt, die in den vergangenen sechs Monaten zwei Haushalte parallel verhandelt haben. Das ist eine enorme Leistung, die zeigt, wie verantwortungsvolle Politik und Zusammenhalt konkret aussehen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Landwirtschaft steht heute zu Recht vor großen Anforderungen an Nachhaltigkeit: Sie muss Böden schützen, Biodiversität sichern, Pflanzenschutzmittel reduzieren, Wasser und Klima schonen und zugleich verlässliche Erträge liefern. Der ökologische Landbau bietet auf viele dieser Herausforderungen konkrete wirksame Antworten. Ein ganzheitliches System, das im Einklang mit der Natur arbeitet. Ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel setzt er auf geschlossene Nährstoffkreisläufe: Leguminosen bringen Stickstoff aus der Luft in den Boden, organische Dünger und weite Fruchtfolgen stärken die Bodenfruchtbarkeit, und Nützlinge übernehmen Aufgaben im Pflanzenschutz. So entstehen fruchtbare Böden, robuste Pflanzen und mehr Artenvielfalt – und zugleich werden Wasser und Klima geschont.
Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau, kurz: BÖL, identifiziert Probleme und Innovationspotenziale entlang der gesamten Biowertschöpfungskette, fördert Forschung und Entwicklung, Wissenstransfer, Vernetzung und Weiterbildung. Es bringt Akteure zusammen – von der Züchtung über die Verarbeitung bis zum Handel – und sorgt dafür, dass Forschungsergebnisse schnell in der Praxis ankommen.
Die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt wieder, und Verbraucherinnen und Verbraucher achten verstärkt auf Nachhaltigkeit, Tierwohl und ihre Gesundheit. Diese Entwicklung schafft Raum für neue alternative und innovative Proteinquellen, die unsere Ernährung breiter, resilienter und nachhaltiger machen. Dazu gehören etwa Linsen, Erbsen und Lupinen, die zu pflanzlichem Eis und Aufstrichen verarbeitet werden, ebenso wie Algen und Pilze, die als Nudelzusatz oder Fleischalternative auf den Teller kommen. Durch heimischen Anbau und regionale Verarbeitung können wir uns importunabhängiger machen und landwirtschaftlichen Betrieben neue Einkommenschancen eröffnen. Das Chancenprogramm Höfe unterstützt gezielt Betriebe, die von der Tierhaltung auf die Produktion innovativer eiweiß- und klimafreundlicher Lebensmittel umstellen wollen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Im Koalitionsvertrag haben wir festgeschrieben, dass wir mit einer Biostrategie den Ausbau des ökologischen Landbaus deutlich stärken, den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen ausbauen sowie die Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine fördern wollen.
Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
📢
Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reicht dafür der Haushalt?
Umso überraschender war der Regierungsentwurf des BMLEH zum Einzelplan 10, in dem das BÖL, die Ackerbaustrategie und das Chancenprogramm Höfe zusammengelegt und gekürzt wurden. Diese Kürzungen waren aus Sicht der SPD nicht tragbar. Es ist wichtig, dass wir diese Weichenstellung im parlamentarischen Verfahren korrigiert haben. Die Mittel werden gegenüber dem Regierungsentwurf um 12,5 Millionen auf 66,9 Millionen Euro erhöht. Die Kürzung ist damit aufgehoben. Vielen Dank an die Haushälterinnen und Haushälter!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Haushalt ist ein klares Bekenntnis: Wir stärken die bäuerliche Landwirtschaft, wir fördern Innovation, wir setzen auf Zukunft, und wir halten unsere Zusagen aus dem Koalitionsvertrag ein – verlässlich und glaubwürdig. Das ist gut für unsere Betriebe, gut für unsere ländlichen Räume, gut für die Zukunft unserer Ernährung und gut für den Zusammenhalt.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch der Agrarhaushalt 2026 ist von der Rentendebatte geprägt; denn wir reden in Wahrheit über einen Sozialhaushalt für eine völlig ausgezehrte Berufsgruppe.
Allein 60 Prozent des gesamten Agrarhaushaltes fließen in die soziale Absicherung der Landwirte. Das klingt für Außenstehende vielleicht nach Fürsorge. Tatsächlich ist es ein Armutszeugnis.
Dieses System steht nur noch mit milliardenschweren Zuschüssen, weil Sie es zugelassen haben, dass Zigtausende Höfe in den letzten 35 Jahren aufgeben mussten. Weniger Höfe, das bedeutet weniger Beitragszahler, und das Ergebnis ist fatal. Ein einziger Beitragszahler schultert heute die Last von drei Rentnern in der landwirtschaftlichen Alterskasse.
Und dann kommen wir zu den Renten selbst. Ein Landwirt erhält im Schnitt 514 Euro, seine Ehefrau, sein Ehemann sogar 308 Euro, zusammen 822 Euro nach einem Arbeitsleben von 40 oder 50 Jahren. Das, meine Damen und Herren, ist nicht nur ein Skandal, das ist der moralische Totalschaden dieser Regierung.
Die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben, werden geschröpft, während diejenigen, die nie eingezahlt haben, großzügig alimentiert werden. Das ist das Grundproblem dieses Landes.
Und während wir hier debattieren, werden am 18. Dezember wieder einmal unsere Bauern nach Brüssel fahren, um gegen genau die Agrarpolitik zu protestieren, die die Berliner Regierung mitträgt: gegen Mercosur, gegen ungerechte Wettbewerbsbedingungen, gegen die Vernichtung unserer heimischen Landwirtschaft.
Unsere Bauern fahren nach Brüssel, weil sie es einfach satthaben.
Wir als AfD sagen klar. Wir stehen an der Seite derjenigen, die arbeiten, nicht derer, die sich ausruhen. Leistung schafft Wachstum. Wachstum schafft Wohlstand. Und diesen Wohlstand wird es nur mit einer AfD-geführten Regierung wieder geben.
Meine Damen und Herren, wenn wir über diejenigen sprechen, die dieses Land ernähren, dann reden wir auch über unsere Fischer. Sie stehen genauso wie unsere Bauern mit dem Rücken zur Wand: Fangverbote, Schutzgebietsausweitungen, eine Bürokratie, die jeden Netzwurf dokumentiert haben will. Es wird alles getan, damit traditionelle Fischerei in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich möglich ist. Unsere Fischer verdienen nicht Mitleid, sie verdienen endlich politische Rückendeckung.
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist mit dem Fischschutz? Ohne Fische keine Fischerei!
Stattdessen importieren wir Fisch aus Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Arbeitsschutzstandards: ein Schlag ins Gesicht für jeden deutschen Fischer. Wir als AfD sagen klar: Fischerei erhalten, Tradition schützen und Arbeitsplätze sichern, meine Damen und Herren.
Kommen wir zurück zum Etat des Landwirtschaftsministers. Nur einmal zwei absurde Beispiele aus dem Einzelplan 10: 807 000 Euro für eine unklare Eiweißpflanzenstrategie und 450 000 Euro als Überweisung in die Ukraine.
Apropos Ukraine: Besonders unsere Landwirte haben in den letzten Jahren unter dem Druck ukrainischer Getreideexporte über Polen nach Deutschland gelitten. Während Sie darüber philosophieren, welche Symbolflagge über dem Reichstag wehen soll, versenken Sie Millionen in internationale Projekte, anstatt endlich über Frieden und Diplomatie zu sprechen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Zurück in die Zukunft“ – diese Devise gilt fortan wieder für die deutsche Landwirtschaft, insbesondere auch für den ökologischen Landbau. Rückwirkend kann man klar sagen, dass der Ampelminister Özdemir kläglich gescheitert ist, die ökologische Landwirtschaft voranzubringen. In der Ampelzeit stagnierte der vorher starke Zuwachs.
Trotz der notwendigen Einsparungen auch im Landwirtschaftshaushalt haben wir es in den Verhandlungen geschafft, den Titel „Zukunftsfähige umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft und ökologischer Landbau“ um 12,5 Millionen Euro auf nunmehr rund 67 Millionen Euro aufzustocken.
Damit wird auch die weitere Förderung von innovativen Projekten im Ökolandbau, Ackerbau und bei alternativen Proteinprodukten gewährleistet. Dafür gilt mein Dank unserem Minister Alois Rainer und insbesondere auch unseren Haushältern Esther Dilcher und Dr. Oliver Vogt.
Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Letztendlich profitieren beide Seiten. Konventionelle und ökologische Landwirtschaft gehen also bei dieser Regierung Hand in Hand. So ist es auch nur folgerichtig, dass trotz großer Sparanstrengungen im Haushalt das Bundesprogramm Ökologischer Landbau fortgesetzt wird.
Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das gibt es nicht mehr!
Gerade weil der Biosektor ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, dürfen wir bei der Forschung im nachhaltigen Landbau nicht nachlassen. Forschungspolitik ist hier gleichzeitig auch Klimaschutz- und Resilienzpolitik.
In die gleiche Richtung geht die Stabilisierung der Biogasbranche. Nach letztem Stand, August 2024, erbrachten 9 600 Biogasanlagen eine elektrische Leistung von mehr als 5 600 Megawatt. Eine beeindruckende Zahl, bei der Bayern wie bei fast allen erneuerbaren Energien an der Spitze steht.
Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei fast allen!
Damit sich auch hier die positive Entwicklung fortsetzt, braucht es eine Rückkehr zu den entscheidenden Kriterien: Die Netzdienlichkeit muss im Aufwand-Nutzen-Verhältnis organisiert werden, die Wärmenetze müssen weiter ausgebaut werden, und die Wirtschaftsdüngervergärung mit dem größten THG-Minderungspotenzial muss gezielt gefördert werden.
und kümmern uns darum, die nachhaltigen Potenziale unserer heimischen Landwirtschaft optimal zu nutzen.
Es braucht von politischer Seite ein generelles Umdenken bei den nachwachsenden Rohstoffen. Dogmatische Verbote haben uns die Ketten angelegt, von denen wir uns jetzt mühsam lösen müssen. So haben wir uns im Koalitionsvertrag auch dazu verpflichtet, die Erneuerbare-Energien-Richtlinie III, kurz: RED III, praxistauglich umzugestalten.
Dabei wollen wir den Einsatz von alternativen Biokraftstoffen voranbringen.
Zudem dürfen wir den wichtigsten erneuerbaren Rohstoff nicht außer Acht lassen: das Holz. Erfolgreich hat sich Bundesminister Alois Rainer in Brüssel dafür eingesetzt, dass die EU-Entwaldungsverordnung um ein Jahr verschoben wird und gleichzeitig viel Bürokratie für unsere Waldbauern, aber auch für die heimische Landwirtschaft entfällt.
Endlich ist auch hier die ideologische grüne Blockade gelöst. Jetzt kann der Waldumbau für mehr Klimaresilienz im Einklang mit einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung fortgeführt werden.
Dennoch liegt noch ein weiter Weg vor uns. Am Ende wird es darauf ankommen, dass wir diesen Weg Schritt für Schritt zielgerichtet weiterverfolgen. Denn eines steht außer Frage: Wir müssen zurück in die Zukunft;