Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute einen Antrag, der auf den ersten Blick ein sportpolitisches Anliegen ist, aber auf den zweiten Blick weit darüber hinausgeht: die deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Sommerspiele und damit die Bewerbung für das größte Sportereignis der Welt – ein Ereignis, von dem wir überzeugt sind, dass es unser Land bereichern und wichtige Impulse für den Sport, aber auch für unsere gesamte Gesellschaft liefern würde. Dass der Antrag heute von den Koalitionsfraktionen und von Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam eingebracht wurde, ist ein deutliches Signal, dass es fraktionsübergreifende Unterstützung für eine deutsche Bewerbung gibt.
Deutschland hat seit den Spielen 1972 in München keine Olympischen Spiele mehr ausgerichtet, und das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her. Es ist wieder an der Zeit, zumal wir längst bewiesen haben, dass wir herausragende Großveranstaltungen ausrichten können. Diese Liste ist lang und beeindruckend, auch wenn man nur auf die jüngsten Ereignisse schaut: Da gab es die European Championships in München 2022, die Special Olympics World Games 2023 in Berlin, die Fußballeuropameisterschaft der Männer im vergangenen Jahr und in diesem Jahr die FISU World University Games in NRW und Berlin. Und aktuell erleben wir natürlich eine wunderbare Handballweltmeisterschaft der Frauen, die wir gemeinsam mit den Niederländern austragen.
Die Veranstaltungen zeigen eindrucksvoll: Deutschland ist ein verlässlicher Gastgeber für internationale Sportgroßereignisse. Wir verfügen über Organisationsteams, die Erfahrung haben, und über Volunteers, die es immer wieder nicht lassen können, sich aktiv einzubringen und ehrenamtlich zu engagieren.
Die Spiele sind das größte Sportereignis der Welt, ein globales Fest wie kein anderes, das für Vielfalt, für Begegnung und internationale Verständigung steht – also genau das Gegenteil von dem, wofür die AfD-Politik steht. Die Spiele in Paris haben eindrucksvoll gezeigt: Wettkämpfe am Eiffelturm, eine Eröffnungsfeier auf der Seine, mehr als 12 Millionen verkaufte Tickets, Millionen Menschen in den Fanzonen. Das war nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis, das Trainern, das Athleten, das uns allen im Gedächtnis bleiben wird. Paris hat die Spiele mitten in die Stadt geholt und damit mitten ins Leben – und das mit einem nachhaltig durchdachten Konzept. Genau das ist auch unser Anspruch bei dieser Bewerbung.
Doch wir wissen auch, dass der Weg dorthin kein Selbstläufer ist. Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten sieben Bewerbungen abgegeben, und alle sind gescheitert – zwei davon an Bürgerentscheiden. Also kann eine Bewerbung nur erfolgreich sein, wenn sie nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geplant wird, sondern wenn wir alle aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Das heißt konkret: frühzeitig informieren, transparent kommunizieren und vor allen Dingen ehrlich über Chancen und Risiken reden und zuhören.
Dass die Begeisterung da ist, hat die Abstimmung in München gezeigt. Das ist im Übrigen keine Vorentscheidung für München, sondern das stärkt auch alle anderen drei Regionen bzw. Bewerberstädte mit Berlin, Hamburg und Rhein-Ruhr bzw. Köln. Wir haben vier sehr starke Bewerbungen aus allen Himmelsrichtungen – aus dem Norden, aus dem Osten, aus dem Süden und aus Westdeutschland –, und das macht deutlich, wie viel Kraft Deutschland in dieses Projekt investiert.
Aber nun gilt es, auch international konkurrenzfähig zu sein, und dafür brauchen wir eine klare Entscheidung, mit welchem der vier Bewerber wir ins Rennen gehen. Der DOSB hat einen Zeitplan aufgestellt, mehrfach angepasst. Nun soll im Herbst im nächsten Jahr die Entscheidung fallen. An diesem Zeitplan müssen wir auch unbedingt festhalten; denn der Wettbewerb international läuft bereits, und wir dürfen uns nicht um uns selbst drehen.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen und viele Fragen zu finanziellen Kosten. Daher gehen die vier Konzepte, die uns vorliegen, weg von dem Gigantismus der vergangenen Jahrzehnte. Bereits Paris hat gezeigt, wie es besser geht, nämlich nachhaltig, bürgernah und mit bestehender sanierter Infrastruktur.
Ein Kritikpunkt richtet sich oft gegen das IOC, und ich sage: Ja, das ist ein durchaus komplexer Partner. Ich bin wahrlich nicht bekannt dafür, dem IOC unkritisch gegenüberzustehen; aber wir wollen Olympische und Paralympische Spiele, die unsere Werte widerspiegeln – Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Nachhaltigkeit, die Freiheit des Einzelnen und Meinungsfreiheit –, und dann müssen wir uns eben auch selbst bewerben. Denn in den vergangenen Jahren haben wir mehrfach politische Diskussionen geführt zu Arbeitsbedingungen oder Menschenrechtssituationen in anderen Gastgeberländern, in denen wir Sportgroßveranstaltungen verfolgen konnten. Nun ist es daher auch an uns, dem IOC ein attraktives Angebot zu unterbreiten.
Die Paralympischen Spiele sind dabei unverzichtbarer Bestandteil. Sie stehen für Inklusion, sie stehen für Sichtbarkeit, für gesellschaftlichen Fortschritt, und sie zeigen, was möglich ist, wenn Barrieren abgebaut werden – und dies nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag.
Und nicht zuletzt: Die Spiele können eine ganze Generation für den Sport begeistern – und auch das hat uns Paris vorgemacht –: mit Programmen für Bewegung in Schulen, mit neuen Impulsen für den Breitensport. Auch diese Chance sollten wir nutzen – für mehr Bewegung, für mehr Gesundheit und mehr Miteinander.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die SPD steht klar hinter den Bewerbungsbemühungen. Schon Olaf Scholz und die von ihm geführte Bundesregierung haben im vergangenen Jahr mit der Unterzeichnung des Memorandums of Understanding eine deutliche Aussage getroffen. Das aktuelle Kabinett hat sich klar positioniert, und nun ist es auch an uns als Parlament, klar Haltung zu beziehen. Denn es gilt: Wir wollen die Spiele. Wir stehen für Spiele, die Werte sichtbar machen und Menschen zusammenbringen, und für Spiele, die Athletenheimspiele sein können.
Vielen Dank.