Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Frauenhaus ist von außen als solches nicht erkennbar. Es reiht sich ein in Straßenzüge und Wohnblöcke. Es ist unsichtbar. Die Unsichtbarkeit von Frauenhäusern rettet Leben.
Aber die Schicksale der Frauen und Kinder in diesen Frauenhäusern dürfen niemals unsichtbar bleiben, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Vorletzte Woche durfte ich bei der Eröffnung eines Frauenhauses in meinem Wahlkreis dabei sein. Dieser Besuch hat mir wirklich noch mal mit voller Wucht vor Augen geführt, was Gewalt gegen Frauen wirklich bedeutet, nicht abstrakt als Statistik, sondern als das, was es ist: eine tägliche Bedrohung – eine Bedrohung, die für ungefähr 266 000 Menschen in diesem Land schreckliche Realität ist, jeden Tag und überwiegend für Frauen und Kinder.
Ich habe dort Frauen getroffen, die aus ihrem Zuhause, vor ihren Partnern, vor Gewalt fliehen mussten. Aber ich habe dort auch die Menschen getroffen, die diesen Frauen die Türen öffnen, die sich jeden Tag dafür einsetzen, dass Opfer von Gewalt ein bisschen zur Ruhe kommen,
die dafür sorgen, dass es ein Leben danach gibt. Deswegen will ich jetzt von hier aus all den Mitarbeitenden in den Frauenhäusern in ganz Deutschland Danke sagen!
Und Sie von der AfD sollten sich genau mit diesen Menschen mal unterhalten.
Dann würden Sie verstehen, dass nicht die Grünen, dass nicht Transfrauen, dass nicht Migration das Problem ist, sondern patriarchale Strukturen,
in denen Frauen etwas sind, was man besitzen kann.
Das sind Strukturen, die die AfD zementieren und nicht so wie wir aufbrechen will.
Ich möchte natürlich auch den vielen Trägern, den Frauennotrufen, der Frauenhauskoordinierung und den vielen weiteren Engagierten für ihre Arbeit danken. Ohne all diese Menschen wäre eine Umsetzung der Istanbul-Konvention nicht möglich.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit die Türen weiter offen stehen, die Hilfetelefone besetzt sind, Beratung stattfinden kann, investieren wir als Koalition: in Hilfestrukturen, in Prävention, in Frauenhäuser, in eine bessere Zusammenarbeit der Behörden. Wir sorgen dafür, dass jede Frau in Deutschland den gleichen Zugang zu Schutz bekommt.
Ich bin auch sehr dankbar für die Initiative von Stefanie Hubig zur bundesweiten Einführung der elektronischen Fußfessel genauso wie zu verpflichtenden Antigewalttrainings. – Ich habe keine Redezeit mehr; ich hätte gerne noch was zum Sorge- und Umgangsrecht gesagt.
Zum Abschluss möchte ich sagen: Die Istanbul-Konvention ist nicht nur ein Vertrag, sie ist unser politisches Versprechen für die, die Schutz brauchen, aber auch für die, die Schutz geben.
Vielen Dank.
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Kathrin Gebel für die Fraktion Die Linke.