Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Zuschauer! Der Mütterrente III stimmen wir zu, aber den Rest des Pakets lehnen wir ab. Und damit komme ich zu den Jüngeren in der Union: Sie möchten dem Rentenpaket auch nicht zustimmen? Gut so! Es ist Flickwerk und schiebt die Probleme vor sich her. Es ist aber der falsche Ort, um sich da auszutoben. Nehmen Sie dafür lieber das Bürgergeld her oder die Schuldenorgie Ihres Vorsitzenden. Da lohnt sich der Kampf; denn beides ist grottenschlecht für Deutschland.
Eine gute Rente aber wäre gut für Deutschland. Unsere Medianrente liegt jedoch nur bei 1 124 Euro im Monat: 50 Prozent bekommen mehr, 50 Prozent bekommen weniger. Können Sie sich vorstellen, von 1 124 Euro im Monat zu leben? Der Betrag liegt deutlich unter der Armutsgrenze. Aber selbst nach 45 Arbeitsjahren liegt die Durchschnittsrente nur knapp darüber. Gut die Hälfte unserer Alten hat aber nur die Rente zum Leben. Die Jugend sieht das und will weg aus Deutschland.
Spätestens hier wird klar, dass eine bessere Rente auch den Jüngeren nützt. Dazu müssen Sie verstehen, dass es immer die Jüngeren sind, die Ihre Altersvorsorge erwirtschaften, egal ob umlagefinanziert oder kapitalgedeckt. Wer, glauben Sie, erwirtschaftet die Zinsen auf Ihre Kapitalanlage? Ihr Bankkonto?
Es sind Menschen, die mit ihrer Arbeit Ihre Zinserträge erwirtschaften, also die Jüngeren. Sie sind es auch, die die Dinge herstellen, die Sie später mit Ihrem Ersparten einmal kaufen können. Wenn es keine Jüngeren mehr gibt, die etwas produzieren, etwas anbauen oder Ihnen die Haare schneiden, was nützen Ihnen dann Ihre ganzen Ersparnisse?
Die Altersvorsorge in Deutschland muss also auf bessere Füße gestellt werden. Die 5,5 Millionen Bürgergeldempfänger etwa sind dem Staat 80 Milliarden Euro wert: 13 Milliarden davon lässt er die gesetzlich Versicherten zahlen. Was glauben Sie, was dem Staat seine 21 Millionen Rentner wert sind, immerhin ein Viertel der Bevölkerung, und zwar das Viertel, deren Aufbauarbeit die Bürgergeldempfänger ihr Geld zu verdanken haben?
Gar nichts sind sie dem Staat wert. Erst greift er sich 140 Milliarden Euro aus der Rentenkasse und gibt sie für versicherungsfremde Sozialleistungen aus, und dann gibt er nur 100 Milliarden Euro zurück. Das Defizit von 40 Milliarden Euro lässt er die Rentner zahlen. Das ist verwerflich.
Einzig die Kosten der Grundsicherung im Alter und des schäbigen Bedarfszuschlags für 33 und mehr Versicherungsjahre trägt der Staat selbst und macht dabei diese Rentner auch noch zu Sozialfällen. Warum muss er das zahlen? Weil unsere Renten so niedrig sind. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Deutschland gönnt seinen alten Menschen gerade einmal 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Österreicher gönnen ihnen 14 Prozent, Italiener und Franzosen 15 Prozent und die Schweizer sogar 16 Prozent. Daran können Sie ablesen, wie schäbig unsere Rentenpolitik ist.
Dabei verzinsen sich Rentenbeiträge, die Sie ja alle nicht zahlen, mit gut 3 Prozent.
Das war auch in den langen Nullzinsjahren so und lag damit höher, als Sie damals sicher am Kapitalmarkt hätten erwirtschaften können. Und wenn man höhere Rentenbeiträge zahlt, kriegt man auch auf höhere Beiträge diese Zinsen.
Also: Junge Union und junge Menschen in der Union, Sie müssen keine Angst vor unserem Rentensystem haben. Im Gegenteil. Dank Ihrer Jugend können Sie selbst etwas dafür tun. Statt sich zu beschweren, dass die Boomer zu wenig Kinder produziert haben,
machen Sie sie doch. Wenn jeder aus Ihrer Generation zwei, drei Kinder kriegt, lösen sich die Rentenprobleme in Luft auf.
Vielen Dank.
Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Marc Biadacz für die CDU/CSU-Fraktion.