Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ja, Herr Bauer, mal von Bauer zu Bauer:
Sie haben hier einiges an Märchen aufgetischt, und ich will gerne mit einem davon aufräumen. Sie haben das Thema Mercosur als die ganz große Bedrohung für die Landwirtschaft dargestellt.
Ich will noch einmal ganz klar unterstreichen: Wir brauchen Handelsabkommen. Gerade als exportorientierte Nation sind wir darauf angewiesen, dass wir mit anderen Regionen der Welt Handel betreiben, gerade bei dem, was zurzeit international passiert. Auch dass wir Industriegüter nur exportieren und Agrargüter importiert werden und dass das alles nicht reguliert ist, ist ein großes Märchen.
Ich kann ganz klar sagen: Beim Thema Schweinefleisch reden wir über 25 000 Tonnen. Das hört sich viel an, aber das sind 0,1 Prozent des Marktes. Beim Thema Rindfleisch reden wir über maximal 55 000 Tonnen Hilton Beef zusätzlich, 44 000 Tonnen kommen schon zu uns. Auch da reden wir von einer Marktpenetration von maximal 1,2 Prozent, verteilt über sechs Jahre. Nicht anders ist es im Bereich Geflügel, nicht anders im Bereich Zucker.
Was ich damit sagen will: Das Ganze ist gut verhandelt,
ist verhältnismäßig, ist verkraftbar. Ihre Aussagen zeigen, dass Sie einfach nur verantwortungslose, populistische Politik machen.
Nichtsdestotrotz will ich an dieser Stelle erst mal allen Kollegen und auch allen Besucherinnen und Besuchern hier ein frohes neues Jahr 2026 wünschen. Wie jedes Jahr erleben wir auch im Jahr 2026, dass die Internationale Grüne Woche den Auftakt des politischen Lebens hier in Berlin begleitet. Im Januar eines jeden Jahres war die Grüne Woche schon immer der entscheidende Ort für die Land- und Ernährungswirtschaft, aber auch ein Fest der Agrardiplomatie. In vielen Gesprächsrunden, insbesondere im Rahmen des GFFA – ich bin unserem Bundesminister sehr dankbar, dass er dabei ist –, suchen die Agrarminister aus aller Welt nach besseren Lösungen, um die Ernährungssituation auf diesem Planeten für alle Bewohner nachhaltig zu sichern. Ich hätte mir gerade zum Anfang dieses Jahres auf der großen internationalen politischen Bühne – Stichwort „Russland/Ukraine“ und die Rollenverteilung zwischen den USA, Europa und China – etwas mehr Agrardiplomatie gewünscht. Partikularinteressen sind nie ein guter Berater, wenn es um die Lösung großer Probleme geht.
Die Grüne Woche steht in diesen Tagen erfrischend für Internationalität, Austausch von Innovationen und Handel. Sie ist eine wahre Leistungsschau der Land- und Ernährungswirtschaft.
Wir haben in Deutschland tatsächlich sehr viel zu bieten: Knapp 260 000 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften über 16,6 Millionen Hektar Fläche, das ist rund die Hälfte des gesamten Bundesgebietes. Allein das Agribusiness erwirtschaftet etwa 300 Milliarden Euro Jahresumsatz und sichert gemeinsam mit der Ernährungsindustrie rund 4 Millionen Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit allen zusammenhängenden vor- und nachgelagerten Bereichen könnte man diese Zahlen noch weiter multiplizieren. Diese Zahlen zeigen: Landwirtschaft ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil unserer wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Stabilität.
Deutschland produziert etwa 85 Prozent seiner Grundnahrungsmittel selbst. Bei Getreide liegt der Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent, bei Obst und Gemüse sind es unter 30 Prozent, und wie sich jeder denken kann, liegt er bei Zitrusfrüchten noch deutlich darunter. Das zeigt, dass unsere Agrar- und Ernährungswirtschaft sehr eng mit dem internationalen Handel verflochten ist.
Gleichzeitig ändern sich zunehmend unsere Weltordnung sowie die internationale und europäische Sicherheitslage. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig robuste heimische Produktionskapazitäten und stabile Lieferketten sind.
Aber es sind nicht nur Pandemien und Kriege, die Lieferketten ins Wanken bringen können. Der linksterroristische Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin hat dazu geführt, dass 100 000 Menschen tagelang keinen Strom und keine Heizung hatten. Gleichzeitig wurden Kühlketten unterbrochen, und Lebensmittel waren nicht mehr genießbar. Wenn Tierhalter oder Molkereien von so einem Ausfall betroffen sind, führt das nicht nur zu Tierleid, sondern auch zu enormen wirtschaftlichen Schäden und zu einem Ausfall von notwendigen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern oder Milch. Wir müssen deshalb sicherstellen, dass der Staat die Wirtschaft besser auf solche Ereignisse und Szenarien vorbereiten kann. Eine moderne Ernährungsnotfallvorsorge bedeutet nicht, Angst zu schüren, sondern Verantwortung zu übernehmen; denn unsere Land- und Ernährungswirtschaft ist systemrelevant.
Wir leben in einem landwirtschaftlichen Gunststandort. Wir wollen eine stabile und starke heimische Landwirtschaft und vor allen Dingen keine Stilllegung der Produktion; das macht keinen Sinn, das sind Ideen von gestern.
Landwirte brauchen Stabilität, Zukunftsperspektiven und Innovationen statt Ideologie; denn Landwirte sind Unternehmer. Sie stehen für die Potenziale und sehen auch die Potenziale, die ihnen der Markt bietet. Sie sind bereit für jede Transformation.
Wir Agrarpolitiker werden auf der Grünen Woche zahlreich vor Ort sein, und wir werden sie nutzen, um Innovationen aufzunehmen und in den nächsten Jahren umzusetzen. In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten eine schöne, gute Grüne Woche, viele Inspirationen und eine gute Zeit.
Vielen Dank.
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Bernd Schattner.