Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Gäste! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere ländlichen Räume sind weit mehr als Produktionsstandorte. Sie sind Lebensraum, Kulturgut und wirtschaftliches Fundament zugleich. Sie verbinden Tradition mit Zukunft. Und dies ist auch das Motto, unter dem das 100-jährige Jubiläum der Grünen Woche in diesem Jahr steht. Wer über Zukunft spricht, muss auch über Landwirtschaft sprechen – realistisch, verantwortungsvoll und nah an der Praxis. Genau daran lassen wir als Union uns messen.
Vor wenigen Tagen durfte ich in meinem Bundestagsbüro zwei junge Landwirte aus meinem Wahlkreis empfangen: zwei Menschen, die für eine ganze Generation stehen – für eine Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen für ihre Höfe, für ihre Familien und für unsere Versorgung. Sie berichteten von langen Arbeitstagen, von Investitionen in Höfe und Technik, von Klimaschutz, von Umweltschutz, den sie nicht auf dem Papier, sondern täglich auf dem Acker und im Betrieb leisten, und von ehrenamtlichem Engagement im Dorf.
Gleichzeitig sprachen sie offen über eine real wachsende Kluft zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Viele politische Debatten werden heute aus einer städtischen Perspektive geführt – mit guten Absichten, aber ohne Blick auf die betriebliche Realität. Das untergräbt Vertrauen und erschwert Akzeptanz. Genau deshalb ist es richtig, dass wir als CDU/CSU auf Vertrauen setzen, auf Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern, anstatt sie zu verhindern,
Dass wir Betriebe spürbar entlasten, ihnen Planungssicherheit geben und bürokratische Fesseln lösen, das ist die Standortpolitik für den ländlichen Raum, die wir mit Bundesminister Rainer begonnen haben. Wir haben bereits konkrete Erfolge für unsere Landwirtschaft erreicht. Das sind die vollständige Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung, die ab diesem Monat greift, die Stromstoffbilanzverordnung, die wir abgeschafft haben, und die Regelung zur Beschäftigung von Saisonarbeitskräften, die wir praxisnah verbessert haben. Und gestern wurde es in erster Lesung beraten: Wir nehmen nun den Wolf ins Jagdrecht auf. Das ist ein guter Tag für die Weidetierhalter und ein guter Tag für die Menschen im ländlichen Raum; denn gerade in meiner Heimat im östlichen Niedersachsen ist die Wolfspopulation außer Kontrolle geraten.
Ein weiterer Aspekt, den wir im Blick behalten müssen, ist die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft. 2026 wird erstmals das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft begangen – ein wichtiges Signal, um Leistungen sichtbar zu machen, die viel zu oft als selbstverständlich wahrgenommen werden. Frauen tragen maßgeblich zur landwirtschaftlichen Produktion und zur Entwicklung ländlicher Räume bei. Dennoch bleiben ihre Anliegen häufig unterrepräsentiert. Es geht dabei nicht nur um Zugang zu Land und zu Ressourcen, sondern ganz konkret um Anerkennung, um Vereinbarkeit von Familienbetrieb und Familie und um echte Perspektiven.
Auch das wurde im Gespräch mit den jungen Landwirten deutlich: Eine Work-Life-Balance wird gesellschaftlich gewünscht, ist in der Lebensrealität landwirtschaftlicher Betriebe jedoch kaum zu realisieren. Dauerhafte Arbeitsbelastung, fehlende Vertretung und wirtschaftlicher Druck führen dazu, dass die Hofnachfolge zunehmend infrage gestellt wird. Wenn wir wollen, dass Betriebe weitergeführt werden, dann müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die Engagement ermöglichen, ohne Selbstausbeutung vorauszusetzen.
Zukunftsfähigkeit bedeutet deshalb: Wir ermöglichen Modernisierung. Wir schaffen Anreize für Investitionen in Technik, in Tierwohl und in nachhaltige Produktionsverfahren. Wir sorgen dafür, dass Landwirte nicht in Dokumentationsarbeit ersticken, sondern Zeit für die eigentliche Arbeit haben. Und wir setzen uns dafür ein, dass europäische Vorgaben praxistauglich bleiben, mit verlässlichen Energiepreisen und fairen Wettbewerbsbedingungen. Hier geht es in erster Linie nicht um Subventionen, sondern um Augenmaß, um Vernunft und Respekt vor der beruflichen Praxis.
Meine Damen und Herren, die Gespräche mit den jungen Landwirten haben für mich noch einmal deutlich gemacht: Die Bereitschaft, den ländlichen Raum aktiv und positiv zu gestalten, ist da. Und was diese Menschen erwarten, ist keine Bevormundung, sondern eine Politik, die zuhört und partnerschaftlich handelt, pragmatisch und praxisorientiert. Als Union stehen wir genau für diesen Ansatz: für eine Landwirtschaftspolitik, die Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammendenkt, für ländliche Räume, die attraktiv bleiben – als Arbeitsort, als Lebensraum und als kulturelles Fundament unseres Landes.
Lassen Sie uns diesen Weg konsequent weitergehen, für unsere Landwirtinnen und Landwirte und für die Zukunft unseres ländlichen Raums. Ich danke Ihnen.