Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Vor uns liegt ein AfD-Gesetzentwurf, bedeutungsschwer überschrieben mit „BRH-Unabhängigkeitsgesetz“. Und man fragt sich schon: Was soll das denn eigentlich?
Die Unabhängigkeit des Bundesrechnungshofes ist in Artikel 114 Absatz 2 Grundgesetz eindeutig festgeschrieben. So steht es ja selbst in den ersten Sätzen des AfD-Gesetzentwurfs. Die Mitglieder des Bundesrechnungshofes genießen richterliche Unabhängigkeit. Und das ist auch gut so. „Erledigt!“, könnte man zu diesem Gesetzentwurf sagen.
Aber es stellt sich die Frage: Welches Kalkül steckt denn wirklich hinter diesem Gesetzentwurf? Der AfD geht es doch vor allem um die Wahl einer neuen Vizepräsidentin beim Bundesrechnungshof, die morgen hier auf der Tagesordnung steht. Die Bundesregierung hat mit Klara Geywitz dem Bundestag, wie ich finde, einen guten Vorschlag unterbreitet. Es muss darum gehen, die Spitze des Rechnungshofes mit Personen zu besetzen, die Expertise in der Finanz- und Haushaltskontrolle vorweisen und über sehr gute Kenntnisse politischer Prozesse verfügen. Beides ist bei Klara Geywitz ja der Fall: Sie war Prüfungsgebietsleiterin beim Landesrechnungshof Brandenburg und Bundesministerin.
Und der Bundesrechnungshof besteht aus Kollegialorganen, in denen die Mitglieder eigenständig und gemeinschaftlich entscheiden. Und seit seinem Bestehen sind immer wieder kompetente Personen aus Politik und Verwaltung an die Spitze des Bundesrechnungshofes gewechselt. Er genießt parteiübergreifend und in der Bevölkerung höchstes Vertrauen. Ich finde, da sind wir genau beim Punkt. Die AfD verfolgt mit diesem Gesetzentwurf nämlich ein ganz anderes Ziel: Es soll wieder einmal die Glaubwürdigkeit einer wichtigen Institution in unserer Demokratie beschädigt werden und infrage gestellt werden.
Dieses Vorgehen kennen wir schon. Aber jetzt wollen Sie von der AfD auch noch ablenken von den unzähligen Skandalen, von der Verwandten- und Vetternwirtschaft in Ihrer Fraktion. Und ich will an dieser Stelle sagen: Ich rate Ihnen: Schließen Sie nicht von sich auf andere, und lassen Sie den Bundesrechnungshof und seine Mitglieder außen vor bei diesen ganzen schmutzigen Geschichten! Der Hof und seine Mitglieder waren, sind und bleiben unabhängig – auch ganz ohne Ihren Gesetzentwurf.
Vielen Dank.
Ich darf für die Fraktion Die Linke Dr. Dietmar Bartsch das Wort erteilen.