Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In diesen Tagen begegnen uns auf den Fluren des Bundestags viele junge Menschen; denn wie in jedem Frühjahr besuchen viele Schulklassen den Deutschen Bundestag. Deswegen: Herzlich willkommen an alle Schülerinnen und Schüler da oben auf der Tribüne! Schön, dass ihr da seid und eine Debatte im Bundestag verfolgen könnt; denn hier wird nicht so sehr unsere Zukunft verhandelt, sondern eure Zukunft. Und gerade bei der Debatte, die wir jetzt führen, geht es um euch.
Vordergründig reden wir über die Jugendoffiziere der Bundeswehr an euren Schulen. Doch ich will den Blick weiten. Ich stelle die Frage: Trauen wir euch eine eigenständige, selbstbestimmte Entscheidung über eure Zukunft, über eure Gesellschaft, eure Freiheit, euren Zusammenhalt zu?
Klar, die Welt verändert sich. Vieles, das wir lange für sicher geglaubt hatten, wird gerade infrage gestellt. Internationales Recht wird jeden Tag irgendwo aufs Neue gebrochen. Die Solidarität unter den Völkern? Große Player ziehen sich daraus zurück. Selbst die Empathie, also die Regung, die uns erst zum Menschen macht, wird von Elon Musk, dem reichsten Mann der Welt und AfD-Freund, als Schwäche abgetan. Natürlich verunsichert uns das. Es fordert uns heraus. Aber es ist wichtig, dass wir diesen Herausforderungen mutig begegnen.
Und weil die internationale Ordnung lange nicht mehr so fragil war wie jetzt, investieren wir mehr als je zuvor in unsere Sicherheit und stärken unsere Bundeswehr.
Doch allein damit ist es nicht getan. Die geopolitische Lage zwingt uns auch als Gesellschaft, uns damit zu beschäftigen, was es eigentlich braucht, damit wir uns im Zweifel verteidigen können.
Gerade euch junge Menschen stellt das vor eine enorme Aufgabe. Alle Welt redet jetzt von der Wiedereinführung der Wehrpflicht. Ich will aber sehr deutlich sagen: Für mich ist die Selbstbestimmung junger Menschen ein hohes Gut. Ich traue euch zu, dass ihr entscheiden könnt, was ihr mit eurem Leben anfangt und was euer Beitrag für unser Land und für seine Menschen sein soll.
Wir setzen beim Wehrdienst deshalb auf Freiwilligkeit. Dasselbe gilt aber auch für alle anderen Formen des Dienstes an der Gesellschaft: für eine Mitwirkung beim Technischen Hilfswerk, für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder für einen Bundesfreiwilligendienst. Ich finde, es ist Aufgabe eurer Schulen, euch bei einer solchen selbstbestimmten Entscheidung zu unterstützen. Durch Austausch mit Vertretern der Bundeswehr, aber auch mit denen von THW, Feuerwehr und Trägern der Freiwilligendienste erhaltet ihr einen Einblick, was ihr zur Wehrhaftigkeit unseres Landes, zu Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt beitragen könnt. Ich finde, das ist richtig und gut so.
Vielen Dank.
Vielen Dank. – Es gibt eine Kurzintervention aus den Reihen der Linksfraktion.