Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Stellen Sie sich vor, Sie gucken morgens aus dem Fenster, und auf Ihrem Grundstück stehen plötzlich große Kanister mit giftigen Chemikalien: hochgefährlicher Abfall aus illegalen Drogenlaboren. Kein Krimi im Fernsehen, sondern schockierende Realität für Menschen in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Bei der Herstellung synthetischer Drogen entstehen Tausende Tonnen giftiger Abfälle. Die Täter entsorgen diesen Giftmüll einfach illegal in unserer Landschaft. Das ist nur eine ganz kleine Facette in einem insgesamt gefährlichen Feld der Drogenkriminalität, dem größten Problemfeld der Organisierten Kriminalität in Deutschland. Diese Tätergruppen waschen in großem Umfang Geld und bauen dabei illegale Geschäftsstrukturen auf. Allein im Jahr 2024 wurden die wirtschaftlichen Schäden auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt.
Nun legen wir mit der Umsetzung des Koalitionsvertrages einen echten Neustart in der inneren Sicherheit hin. Denn nichts erschüttert das Vertrauen unserer Bürgerinnen und Bürger so sehr wie das Agieren von kriminellen Netzwerken und Clans,
die meiner Einschätzung nach immer kaltblütiger und dreister auftreten: Seien es der Drogenhandel, die Sprengung von Geldautomaten, die spektakulären Einbrüche in Museen oder die Entsorgung von Giftmüll in der Natur. Genau deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung in der letzten Woche den Aktionsplan zur effektiveren Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sowie der Rauschgift- und Finanzkriminalität vorgestellt hat.
Frau Abgeordnete, erlauben Sie eine Zwischenfrage?
Im Moment nicht, danke.
Der Aktionsplan wird dafür sorgen, dass unsere Behörden besser zusammenarbeiten können. Wer Geldwäsche bekämpfen will, darf Informationen nicht in getrennten Schubladen aufbewahren. Zoll, Polizei und Bundeskriminalamt müssen relevante Daten rechtssicher austauschen können. Wir geben unseren Ermittlern modernste Technik an die Hand. Automatisierte Datenanalysen und moderne Ermittlungswerkzeuge sind heute unverzichtbar. Wir spüren illegale Geldströme auf und ziehen kriminell erworbenes Vermögen ein. Deshalb gilt für uns konsequent das Prinzip „Follow the money“. Künftig soll klarer gelten: Wer offiziell wenig verdient oder gar von staatlichen Hilfen lebt, aber in einer Luxusvilla wohnt, teure Sportwagen fährt und mit kostbaren Uhren prahlt, muss erklären, woher dieses Geld kommt.
Kann er das nicht, kann der Staat dieses Vermögen einziehen. Wir wollen dort treffen, wo es wirklich schmerzt: beim Geld.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, erlauben Sie mir ein weiteres kleines Beispiel. Ich war vor Monaten beim Zollkriminalamt in Köln. Dort wurde mir ganz plastisch vor Augen geführt, welche Folgen es hat, wenn große Drogenfunde oder Maschinen zur Herstellung illegaler Tabakwaren oft jahrelang gelagert werden müssen. Eine Vernichtung ist bisher erst möglich, wenn die Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. Das verursacht hohe Miet- und Personalkosten und blockiert erhebliche Lagerflächen. Und stellen Sie sich mal das Sicherheitsrisiko einer Lagerhalle mit Tonnen von Kokain vor!
Ich freue mich, dass wir heute die Rückmeldung geben können, dass der Aktionsplan der Bundesregierung liefert. Wir stellen gesetzlich klar, dass zukünftig nicht verkehrsfähige Gegenstände, beispielsweise Kokain, bereits während des Ermittlungsverfahrens vernichtet werden können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt kommt es darauf an, die angekündigten Maßnahmen auch wirklich zügig umzusetzen. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Sicherheitsbehörden. Sie leisten jeden Tag hervorragende Arbeit.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Recht und Gesetz immer stärker sind als jede kriminelle Organisation.
Herzlichen Dank.
Vielen Dank. – Für die nächste Rede erteile ich das Wort Lamya Kaddor von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.